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Orbis Linguarum Vol. 24/2004

Paweł Zimniak

Zielona Góra

Erinnerte Landschaft. Zu räumlich-zeitlicher Situierung der Lyrik und Prosa Bodo Heimanns

Bei einer literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Darstellung einer lokalen oder regionalen Lebenswelt auf fiktionaler Ebene im Kontext einer real teil­wei­se oder völlig in ihrer Ursprünglichkeit zerstörten Provinz drängt sich immer die Frage nach der Authentizität, d.h. dem Wahrheitsgehalt und der Wirklich­keits­ent­spre­chung des Geschilderten auf. Eine bestimmte lokal oder regional begrenzte, ge­gen­wärtige oder vergangene Wirklichkeit wird in ihrer fiktionalen Bewältigung auf diese Art und Weise auch zum wichtigen Reflexionsmedium mit bestimmten poeti­schen Gesetzlichkeiten. Durch die Koppelung des Literaturästhetischen, des Fiktio­na­len an das Geschichtliche, das Historisch-Relevante und nicht zuletzt das Anthro­po­lo­gisch-Wichtige werden bei dieser Thematik zugleich auch folgende Fra­gen unerlässlich:

1.    Inwieweit bietet eine Literatur mit regionalen Bezugsfeldern Mög­lich­kei­ten der Selbstorientierung und -bestimmung eines Individuums, einer Gruppe oder Gesellschaft durch die Darstellung einer bestimmten Umweltaneignung auf fiktionaler Ebene?

2.    In welcher Weise bekommt man einen Zugang zu einer bestimmten, nicht selten auch durch historische Quellen belegbaren, lokalen oder regionalen Welt­erfahrung? Wird nur das charakteristisch Allgemeine, das Repräsentative für ein Gruppen- oder Massenschicksal in seiner historischen Bedeutsamkeit dargestellt oder kommen auch örtliche Verschiedenheiten, Abweichungen von der Regel und persönliche Einzelfälle in ihrer kaum wiederholbaren Singularität zum Aus­druck?

3.    Wie sehen die vorgeschlagenen Formen der Auseinandersetzung mit ei­ner konkreten historisch-sozialen Wirklichkeit im Bereich der fiktionalen Welt aus? Wird das vergangene Geschehen in seiner ganzen Vielschichtigkeit zuver­lässig, sachlich, distanziert, richtig abgewogen in seinen Grundzügen und objek­tiv dargestellt, oder führt eine einseitig-subjektiv eingenommene Perspektive, von starken Gefühlsregungen getragen, durch naive Verallgemeinerungen, Über­trei­bung, abgegriffene Formeln und Schlagworte, häufige stereotype Wendungen, unangemessenes Pathos sowie Unbeholfenheit des Ausdrucks gekennzeichnet und deshalb tendenziös gefärbt, zu geschichtlich kaum vertretbaren Entstellun­gen und Verfälschungen, die sich durch das Prinzip der Fiktionalität nicht recht­fer­ti­gen lassen? Welche Funktion und Bedeutung kommt einem Bild, einer Ein­zel­sze­ne, einem Einzelschicksal innerhalb eines bestimmten literarischen Textes zu?

Die anthropologische Fundierung der Literaturbetrachtung, im Zusammenhang mit dem Heimatbegriff als Lebenswelt gedacht, erlaubt auch, auf die Tiefendimen­sion von Heimat hinzudeuten. Die in diesem Wort enthaltene räumliche Kompo­nen­te verweist in den Texten von Bodo Heimann[1] auf einen ehemals realen, fiktio­nal be­wältigten Lebensraum, der nicht unbedingt durch das Prisma der räumlich-kul­turellen Enge und Geschlossenheit gesehen werden muss, zumal es (soziolo­gisch gesehen) keine geschlossenen Lebensräume mehr gibt. Die wirklich erfahre­ne und literarisch dargestellte niederschlesische Heimat wird bei Heimann auch in ihrer Offenheit als Teilraum begriffen, eingebunden in ein größeres Ganzes. Da­durch werden verschiedenartige Verknüpfungen und Übergänge möglich.

Die Literarisierung von Provinzen, auch und besonders von vergangenen Pro­vinzen, bedeutet einerseits die Notwendigkeit der Auffüllung des erzählten Raumes mit konkretisierenden, oft detaillierten Beschreibungen, andererseits die Schaffung eines symbolisch gefüllten Raumes, der als Sinnträger auf Allgemeines und Kol­lek­tives verweisen kann. Die Literatur Heimanns erinnert daran, dass in der Kind­heit und Jugend die Profilierung der eigenen Identität und Entwicklung eines abge­grenzten Selbst beginnt und die nahe Lebenswelt mit Neugier erschlossen wird. Bei literarisch dargestellten Bestimmungsmomenten des eigenen Selbst wird eine gro­ße, reflexionsbedingte Distanz gewahrt. Das fiktionale, reflexiv-distanzierte Abtau­chen in die Welt der Kindheit und Jugend in Breslau bedeutet zugleich eine beson­ders intensive Auseinandersetzung mit seinem eigenen, verlorenen Ursprung, eine Auseinandersetzung, die für Heimann keine geringe Rolle spielt:

Oder, mein Fluß, deine Quelle gegen die Strömung

erreichen,

Wasser der Kindheit kosten, Ungebärdiges bannen,

unhaltbar

Fließendes, Bedeutung von Klängen, die wir im

Fruchtwasser

hörten, als wir irgendwann anfingen, um dann weiter

im Hellen zu wachsen, das man das Licht der Welt

nannte.

Jetzt kenne ich dich, Gott steh mir bei, Schöpfung und was

wir davon in die Hand nehmen, unwiederbringlich

Schönes

und Häßliches, das nie hätte sein dürfen. Was davon

kann oder soll ich heraufholen ins Helle der Worte.[2]

Bei dieser Ansprache ist die Sehnsucht spürbar, sich der verloren gegangenen Welt zu nähern, sie heraufzubeschwören und imaginär wiederholt zu erleben. Die sich als innerer Drang gebende Quellensuche stellt jedoch wegen großer Intensität verschiedener vergangener Erfahrungen und trotz aller Weltkenntnis keine einfache Aufgabe dar. Die gestiftete Verwirrung und Unsicherheit lassen bei dem denken­den und fühlenden Ich kurz den Gedanken entstehen, die eigene, übermächtige Ver­gangenheit in deren ganzen Schönheit und Hässlichkeit lieber auszusperren. Das Sich-zur-Wehr-Setzen gegen den Andrang komplexer oder bruchstückhafter Vergangenheitsbilder wird weiter jedoch nicht ernst in Erwägung gezogen. Das Ich entschließt sich dazu, in den merkwürdigen Klängen der eigenen Worte gegen die Strömung in Richtung Quelle zu schwimmen, um die benannten Wasser der Kind­heit kosten oder auskosten zu können:

[...] wie mich der Strom reißt, durch Strudel schleudert,

an Dämmen entlangreibt, sich auch von Buhnen

nicht einfangen läßt, Überschwemmungen auskostet,

Schleusen und Wehre [...] zwischen Prallhang und Gleithang ins Ungewisse hinab, [...]

was auftaucht, muß auch hinunter, was auffällt, scheint Zufall.[3]

Die dem Ich innewohnenden Entwicklungsmöglichkeiten lassen es zu, zwischen außen und innen sowohl zu vermitteln, als auch zu unterscheiden. Dadurch können eigene Wert- und Weltvorstellungen aufgebaut und spezifische Gewichtungen vor­genommen werden. In den Texten Heimanns wird oft bei Rückgriffen auf Vergan­genes detailliert aus der Perspektive eines Kindes erzählt:

Ostwind, knackige Kälte, die Schule ist früher aus, Mittmann und ich wollen was unternehmen, [...] die Oder ist stark gefroren, wir prüfen das Eis, wagen uns weiter hinaus, wo einzelne Schollen im Wasser schwimmen, hacken mit Stiefeln, schätzen die Dicke der Eisschicht, springen über die Spalten, in denen das Eiswasser schwappt, los, weiter bis zur Posener Brücke, dort versuchen wir, uns eine Eisscholle zum Floß zu machen, um darauf die Oder stromabwärts zu schwimmen, da kippt die Scholle, er klatscht ins Wasser, mein Freund [...].[4]

Es wird dabei unmissverständlich darauf hinwiesen, dass Bilder der Vergangenheit Eindrücke und Spuren hinterlassen, die später, wenn entsprechende Bedingungen zusammenfallen, wieder belebt werden können:

Land an der Oder, die von weither kommt, vorbeiwälzt die Flut des nach Kindheit schmeckenden

Wassers,

durchrauscht die Wehre von Breslau, die Schleusen,

an Brückenpfeilern entlang zu weiten Ufern, von Zeit

zu Zeit über die Ufer hinaus überschwemmend die

Wiesen,

Schatten des Oswitzer Waldes, stromauf tuckern

Schlepper,

kohlebeladene Kähne stromab, Buhnen greifen

langarmig

hinein in die Strömung, die Strudel seien gefährlich

unter der Oberfläche, [...].[5]

Vergangene Erfahrungen als Kindheitserfahrungen sind in diesem Fall in einen konkreten Situationsrahmen eingeschlossen und dank einer extremen Genauigkeit und Empfindlichkeit der Wahrnehmung weiterhin lebendig, über eine zeitliche Kluft hinweg. Die literarisch praktizierte Vorliebe für das Detail wurde von Hei­mann in der ersten Nummer des von ihm herausgegebenen Jahrbuchs für Literatur Euterpe theoretisch ausformuliert:

Euterpe liebt die Präzision und sinnliche Qualität der Lebensäußerung, die Prägnanz, den intensiven Augenblick. Euterpe hält nichts von Verallgemeinerungen und Ab­straktionen, hinter denen die täglich neue und vielgestaltige Welt verschwindet. Gegenüber der einseitigen Herrschaft des Quantitativen und Abstrakten vertritt sie die Qualität des Einzelnen, Besonderen, Konkreten.[6]

Die verarbeiteten Erfahrungen zeigen zugleich die Stärke und Überlebenskraft äu­ßerer Einflüsse der Umwelt an. Der Identitätserwerb vollzieht sich in diesem Fall vor einem relativ festen Hintergrund (auch die Oder gilt als solcher) mit klar um­ris­se­nen Konturen, wo entsprechende, dazugehörige Wertvorstellungen entstehen. Es wer­den auch vielschichtige und unentbehrliche Bindungen angerufen und ein­ge­gan­gen.

Bei der geistigen Aktivität Heimanns spielt die Erinnerung, der Wille zum Fest­halten, zum literarischen Fixieren des Seienden und Vergehenden keine Neben­rol­le: "Das verfließende Leben nicht einfach hinfließen zu lassen, sondern in eine in sich gerundete Form zu bringen, ist die Sache des Künstlers."[7] Seine kühnen Ver­gangenheitswanderungen betreffen also immer das Konkrete, das Detail und lassen unterschiedliche Momentaufnahmen und kleine Gartenlandschaften entstehen: Oder-Schwimmer und die Gefahr der Strudel, Oder-Angler mit Regenwürmern in Ta­baks­dosen, Klapperstörche und Lichtnelken, Heuerntezeit, eine Gesellschaft mit Streu­selkuchen und Windbeuteln, Mückenlarven im Wasser der Regentonne, Mücken­schwärme und Spinnen im wilden Wein. Die in der ganzen Vielfalt hervorgezau­berte Schöpfung hinterlässt weder einen verchiffrierten Eindruck noch ist sie im Kon­text poetischer Zufälligkeiten zu verankern, sondern sie bedeutet eine bewusste Ent­scheidung:

Inzwischen haben wir so weit in das grenzenlose Universum hineingeblickt wie nie Menschen zuvor und haben doch keine zweite Erde entdeckt, auf der wir leben könn­ten.. Die Erde gibt uns das Maß unseres Lebens, und sie ist endlich, räumlich und zeitlich, überschaubar und vielfältig zugleich, alles auf ihr hängt mit allem zusammen, genau wie in dem in sich geschlossenen, abgerundeten Kusntwerk.[8]

Es wäre falsch, die von Heimann geschaffenen Naturbilder ausschließlich in die Nähe einer auf empfindsame Wirkung angelegten Harmoniedichtung zu rücken, obwohl er selbst dem klassischen Prinzip von Harmonie und Gleichgewicht, Maß und Proportion viel Bedeutung zumisst[9]. Ebenso wenig sind sie im eskapistischen Sinne als eine Flucht in die Vorstadtidylle zu verstehen, wo das ungetrübte Fami­lienglück und die im Ganzen unverletzte Natur genossen werden können, weil auch der Bruch da ist, verbunden mit der in das relativ ruhige Leben brutal eindrin­gen­den Geschichte. Das Lachen kann demzufolge nicht ganz unverkrampft bleiben und muss Unsicherheit verraten:

[...] das flirrende Licht des Schillergartens, das

Stimmengewirr,

die tanzenden Baumschatten, unter den blühenden

Linden an Gartentischen die jauchzenden Damen,

während

das Unerhörte geschieht, anderswo, unter der

Oberfläche

der Gartenkonzerte die abgerissenen Worte,

verdeckte

Gespräche [...].[10]

Die Katastrophe, die sich im Gedicht Oderland eher unterschwellig anbahnt, wird in der ereignishaften Erzählung Ostwind. Januar 1945, in der die Spannung verti­kal nach dramatischem Muster aufgebaut wird, eindeutig zum Ausdruck gebracht. Die Flucht aus seiner Geburtsstadt Breslau bildet dabei einen unübersehbaren Hö­he­punkt. Sie wurde mit den folgenden Worten geschildert:

Der Wind kam eisig hart aus dem Osten, als wollte er den Russen bei der Eroberung der Stadt helfen. Die Temperaturen waren am Abend auf achtzehn Grad Kälte ge­sun­ken, und es wurde immer noch kälter. Gerade jetzt, wo so viele Menschen die Nacht im Freien verbringen mußten. Manche packten auf den Plätzen ihr Bettzeug aus, manche packten es wieder zusammen, um noch weiter zu ziehen, auf der Straße zu Fuß nach Liegnitz hinaus. Lieber nach Schweidnitz, meinten andere, im Gebirge sei es am sichersten.[11]

Aus dem Osten kamen nicht nur der Ostwind nach Breslau, sondern auch viele Flücht­linge, die die Festung keineswegs sicherer machten. Der Zuzug und Abzug der deutschen Zivilbevölkerung wurden sehr überzeugend und prägnant geschil­dert:

Rund um den Museumsplatz, wo auch die Gauleitung ihre Räume hatte, und über die Tauentzienstraße zogen Flüchtlinge, zwischen Oder und Gartenstraße und Schloß­­platz kamen Trecks: Familien, Auslandsdeutsche, die Wagen vollgepackt, auf Sack und Pack die Menschen, zehn Leute und mehr auf einem Wagen, Frauen und Kinder, stumm, erschöpft, bei dieser Kälte. [...] Es kamen immer mehr Flüchtlinge aus dem Osten, dafür verließen jetzt die Berliner und die Evakuierten aus West­deutsch­land die Stadt in Richtung Westen. Die Bahnhöfe waren Flüchtlingslager geworden, wo man auf die Züge nach dem Westen tage- und nächtelang wartete (hier S. 30).[12]

Die Bewegung der Menschenmassen, die von außen in die und aus der Stadt ka­men, wurde durch innerstädtische Verschiebungen der Einwohner verstärkt:

Mittags begann die große Wanderung. Die Menschen aus der Nordstadt kamen mit Koffern, Körben, Rucksäcken, Bettenbündeln. Manche schoben Fahrräder, manche zogen Handwagen, viele kamen mit kleinen Kindern und Kinderwagen. [...] Sie folgten den Befehlen, gingen über die Odertorbrücke, andere über die Sandbrücke, die Lessingbrücke, die Kaiserbrücke. Vor den Brücken stauten sie sich, hinter den Brücken gingen sie weiter und suchten jemanden, der sie erwartete und sie in ihre neuen Unterkünfte führte. [...] Einige waren in leere Turnhallen geführt worden, die waren inzwischen voll. Nun hieß es, man sollte sich im Freien niederlassen und auf den öffentlichen Plätzen sich mit dem Gepäck ein Platzteil sichern [...] (hier S.35).[13]

Nur wenige Figuren in der Erzählung B. Heimanns, z. B. Emil Altmann, seine zu­rückhaltende Ehefrau Herta und seine kritisch-skeptische Schwägerin Else, wollen es wahrhaben, dass die ganze Aktion der Verpflanzung aus der Nordstadt in die eiskalten Turnhallen der Südstadt und die Räumung des rechten Oderufers die letz­ten Verzweiflungsakte darstellen und bloß als Augenwischerei und Täuschungs­manöver gelten können. Es kristallisieren sich unterschiedliche Einstellungen der Figuren zu Kriegsgeschehen, Durchhalteparolen und Verteidigung der Heimaterde heraus. Es gibt eine Bandbreite zwischen unerschütterlichem Glauben an den End­sieg und der Position völliger Ablehnung des Kriegswahnsinns. Von der fehlenden Einsicht in die Katastrophe kann die folgende Äußerung zeugen:

Die Festung Breslau und mit ihr die Oderlinie mußte, koste es, was es wolle, unter allen Umständen gehalten werden. Hinter uns wird bereits die große Durchbruchs­armee gebildet [...]. Frau Herold war zuversichtlich wie lange nicht mehr. Die Stra­tegie des Führers überzeugte sie. Die russischen Panzer einfach weiterrollen lassen, bis sie kein Benzin mehr hatten, dann die russischen Mannschaften gefangennehmen und die Panzer mit deutscher Besatzung wieder gegen Osten fahren lassen [...]. Der Glaube allein ist schon der halbe Sieg. Das würde sie gern allen Kleingläubigen ins Stammbuch schreiben.[14]

Die Menschenverdummung, die sich durch beflügelnde Wirkung der Durchhalte­parolen zeigt, nimmt weiterhin erschreckende Ausmaße. Die von B. Heimann ent­worfene Figur Frau Herolds ist in deren Zuspitzung eine Verkörperung wandelnder Blindheit:

Mußte er nicht froh sein, daß diese große Zeit ihm die Chance gab, ein Mann zu sein, kein Bube, der sein bedeutungsloses kleines Leben am warmen Ofen ver­brach­te, sondern ein Mann, dem die übermenschlichen Herausforderungen Gele­gen­heit gaben, sich zum Übermenschen zu steigern? Anstrengungen wie diese sind nötig für die großen biologischen Entwicklungsschübe der Menschheit.[15]

Die Aufforderung zum Kampf bis zum letzten Blutstropfen stößt bei dieser Figur auf volles Verständnis:

[...] keinen Fußbreit dürfen wir weichen. Auch die Kinder können Munition tragen helfen. Auch die Frauen können kämpfen, notfalls mit dem Küchenmesser.[16]

Diese Position wird noch durch das Verhalten anderer Figuren unterstützt. Hei­mann setzt noch das Ehepaar Erna, eine der Schwestern von Herta Altmann gebo­rene Seidemann, und Ernst (ohne Nachnamen) auf die Bühne und lässt die beiden weder den Wahnwitz des Krieges noch die Vergeblichkeit der Auflehnung erken­nen:

Man muß jetzt heroisch denken. Weißt du, was das ist, heroisch? Ernst und ich, wir sind bereit zum Letzten, natürlich würden wir nur gemeinsam sterben.[17]

Am anderen Pol ist die Position eines passiven Widerstandes angesiedelt, vertreten durch defätistisch-zynische Auslassungen des Panzerfausträgers beim Volkssturm Helmut, dem es schwerfällt, fünf Minuten nach zwölf zum kriegsentscheidenden Schlag auszuholen. Dazu zählen nicht zuletzt auch die geistigen Qualitäten eines Emil Altmann, der kritisch-distanziert das Geschehen verfolgen und gut einschät­zen kann:

Die Führung ist ratlos, das ist die Wahrheit. Die wissen nicht mehr aus noch ein und wollen ihr eigenes Leben um ein paar Tage verlängern. Widerliches kackbraunes Ge­­sindel.[18]

Emil Altmann steht seine Ehefrau Herta zur Seite, die den Entwicklungen ge­genüber seit Jahren schon stillschweigend eine eher skeptische Haltung einnimmt:

[...] sie erinnere sich an Walters Hochzeit, vor fast zehn Jahren, da habe er Hitler ei­nen Hochstapler und Betrüger genannt, er gebrauchte noch ein anderes Wort, Va­banque­spieler, mit dem es einmal ein böses Ende nehmen werde. Jetzt ist es so weit. Jetzt merken es auch die Dummen.[19]

Die sensible, etwas verschüchterte aber weitsichtige Schwägerin Else trägt zur wei­teren Polarisation der Figuren bei, starkes Mitleid mit verfolgten Juden empfin­dend:

[...] als sie mit ihrem Jungen am Odertorbahnhof die vielen Menschen im Schnee stehen sah, Juden mit dem gelben Judenstern, was die jetzt erleben, das werden wir nicht vergessen [...], dafür trifft uns einmal die Strafe Gottes [...].[20]

Das paarige Denken wird von Heimann nicht nur bei der Gestaltung der Figuren praktiziert. Gegensätze und weniger kämpferische Oppositionen:

·                Zuzug aus dem Osten und Absetzbewegung nach dem Westen,

·                "kleine Leute" mit geschulterten Panzerfäusten beim Volkssturm und flüchtende "Parteibonzen" mit Autos und Skiern auf den Dächern,

·                Spitzen russischer Panzerverbände vor der Stadt und Schlittschuh laufende Kinder auf dem Stadtgraben,

·                Kampfbereitschaft der Männer und Fluchtmeisterung von Frauen mit Kindern,

·                Ostwindkälte und Kampfbegeisterung,

·                allgemeine Misere, Ausweglosigkeit der Situation und falsche Hoff­nun­gen

lassen sich als grundlegender Zug bei der Entschlüsselung der Text-Semantik festhalten. Durch das Oppositionen-Setzen kommen die Kompliziertheit der Zu­sammenhänge und Dynamik der Vorgänge besser zum Ausdruck. Heimann macht in seiner Erzählung darauf aufmerksam, dass die Wichtigkeit der Heimat erst nach­träglich, angesichts des möglichen Verlustes, bewusst wird:

Als Else den Schillergarten wiedersah, wurde ihr ganz anders, Freude, aber auch Trauer, beides gleichzeitig, gemischt, jedenfalls war das hier ihre Heimat, nicht die Wohnung bei Herta. Nicht einmal in der alten Wohnung bei den Eltern in der Schieß­wer­der Straße hätte sie sich so zu Hause gefühlt wie hier.[21]

Der Zustand eines um sich greifenden Chaos konnte eine wahrhaft positive Bin­dung an die heimatliche Umgebung nicht zerstören. Auf diese Tatsache ist viel­leicht zurückzuführen, dass der Gegensatz Heimat - Fremde so eindringlich erlebt wird. Das Verlassen der gewohnten Umwelt, des eigenen Hauses, vollzieht sich bei Else mit einem hohen Grad an Bewusstheit. Für eine rituelle Gestaltung des Ab­schieds gibt es keine Zeit:

Else sortiert die Kleider, einige wird sie übereinander anziehen, andere kommen in den Koffer. Das Familienstammbuch, die Geburtsurkunden, die Grundrisse und Baupläne vom Schillergarten. Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, was soll das, soll das ein Trost sein? Die Fotoalben, zu viele, zu schwer, die wichtigsten Bilder herausnehmen, auf jeden Fall die Negative mitnehmen, damit man später Abzüge und Vergrößerungen machen kann, auf jeden Dezember folgt wieder ein Mai [...].[22]

Der Monatsname Mai ist eher ein billiger Trost, steht aber als begrifflicher Gegen­satz zu Kälte, Todesgefahr, Chaos und Zusammenbruch. Er hat einen breiten Be­deutungsspielraum, verheißt einen Wandel und deutet für einen kurzen Augenblick die Möglichkeit eines Neubeginns, den Anbruch einer anderen Zeit an. Vorberei­tungen zur Flucht sind vorerst jedoch das beherrschende Geschehen, das alles über­deckt. Das Leben ist eines individuellen Rhythmus beraubt und dem kollektiven Elend untergeordnet. Der eingesetzte Monatsname Mai signalisiert vor diesem Hin­tergrund die herbeigesehnte Gemütsverfassung eines vom Krieg und dessen Folgen erlösten Menschen. Der intensive Umgang mit der Härte des Weltgeschehens er­weist sich als produktiv für die Imagination. Die Schilderung aller zwiespältigen und übermächtigen Momente darf nicht nur im Kontext thematischer Konventio­na­lität: Leid, Ungeborgenheit, Heimatlosigkeit, Verzicht und Glücksverlangen gese­hen werden. Die Kraft von Bild und Sprache lässt die Unruhe eines Menschen spü­ren, der dem Tödlich-Gefährlichen und Chaotischen des Daseins ausgeliefert und preisgegeben ist. Den entworfenen Szenen wird eine starke Überzeugungskraft ver­liehen.

Auch in Heimanns Lyrischen Skizzen einer Kindheit in Schlesien stößt man auf Texte, die eindeutig belegen, dass die von außen aufgezwungene und somit er­zwun­gene Trennung von der Heimat, als eine Extremsituation des menschlichen Lebensparadoxes, einer Verstümmelung oder gar Amputation gleichkommt:

Frauen und Kinder sollen Breslau verlassen [...]. Bei uns im Schillergarten ist einge­brochen und viel gestohlen worden, Türen, Schränke, Schübe aufgerissen, alles durch­einander. [...] Mama ungläubig, daß das Plündern schon losgeht, bevor der Feind da ist [...], in vierzehn Tagen sei alles vorbei. Ja, sagt Bobist zerstreut, kommen Sie wie­der, wenn alles vorbei ist, dann werden wir weitersehen, aber jetzt machen Sie schnell, daß Sie mit den Kindern aus Breslau verschwinden, vom Hauptbahnhof geht vielleicht noch ein Zug, und nicht viel Gepäck mitnehmen [...]. Onkel Emil schlachtet die Hühner im Schillergarten und steckt sie in Einweckgläser, Proviant für die Flucht.[23]

Flucht und Vertreibung stellen ein Einzel- und ein Massenschicksal dar. Sie werden vom einzelnen mit unterschiedlicher Intensität erlebt. B. Heimann liefert in diesem Band eine ergreifende Beschreibung aus der Perspektive eines Kindes:

Wir auf unseren Bündeln, Koffern, Rucksäcken, ein großes Flüchtlingslager der Bahnhof, Tante Herta weint, der Wind treibt Schnee in die Augen [...], Artillerie, sagt Onkel Emil, das geht jetzt rund, hier kommt niemand mehr raus, wenn über­haupt noch ein Zug fährt, muß man sich ranhalten [...]. Die Frau neben uns säugt ihr Baby, wir hätten noch Glück, im Südpark wären die Leute erfroren, die Kinder, tau­sende wären zu Fuß unterwegs bei dem Wetter, der sichere Weg in den Tod [...]. Mei­ne müde Mutter zwingt mich zur Munterkeit, hält meinen Bruder im Arm, weckt mich immer, [...] ich muß die Zehen bewegen, damit sie nicht abfrieren. [...] Neulich wäre noch ein Zug nach Berlin gefahren. [...] Dresden wäre am sichersten. [...] Die Züge auf freier Strecke würden bombardiert, von Tieffliegern angegriffen. Pst. Feind hört mit. [...] Die fremde Frau gibt ihrem Baby die Brust, die Schneeflocken glänzen, und jede erwärmt sich auf ihrer geröteten Haut und schmilzt.[24]

Der Kieler Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und moderner Lyriker Heimann weiß genau, dass es keine ungebrochene Erinnerung gibt, geben kann. Der subjek­tive Blickwinkel des Ich-Erzählers wird bestimmend und entscheidet über die Nähe und Ferne eines Bildes, einer Situation und eines Vorgangs. Es sind meistens Erin­nerungsfetzen, die sich zu einer kompakten Situation zusammenziehen, verbunden mit dem subjektiven Erleben: eine Lokomotive, Feuer, zischender Dampf, stillende Mutter, und der objektiven, nicht ganz verstandenen Wirklichkeit der flüchtig wahr­genommenen Plakate im Schneegestöber mit der Aufschrift: Pst. Feind hört mit / Kohlenklau / Räder rollen für den Sieg. Diese äußere, bruchstückhaft erfah­rene, plakatierte Wirklichkeit, die von Heimann mit spürbarer Ironie und Skepsis untersetzt wird, unterscheidet sich auffallend von den subjektiv bestimmten Mo­menten, die durch Trauer, Schwermut, Verlust von Weltvertrauen gekennzeichnet sind. Der Glaube an die Sinnhaftigkeit der Welt wird erschüttert. B. Heimann sucht nicht das Esoterische und bedient sich keiner komplizierten Syntax bei der Auf­deckung und Vergegenwärtigung der damaligen existenziellen Probleme der Flücht­linge: Angst, Unsicherheit, Lethargie und Willensschwäche, schmerzlich empfun­de­ne Trennung von dem Ureigensten, Gefühl des Ausgestoßenseins. Seine Zeilen er­fassen kraft intellektueller Disziplin und sprachlicher Askese im direkten Zugriff die ganze Härte der Geschichte mit schnell wechselnden Aufenthalten und Land­schaften. Sie sind Korrelate für die Situation des Ich.

Aus der dargestellten Perspektive kann man wie folgt schlussfolgern:

Bodo Heimann kann sich als Schriftsteller der Geschichte seiner Herkunfts­provinz Nie­derschlesien, in die auch seine eigene eingebettet wurde, nicht ganz verschließen: "Das Gespräch, das wir mit der Vergangenheit führen, ist niemals abge­schlos­sen."[25] Sie hat eine aufbrechende Wirkung und bleibt immer gegen­wär­tig, im individuellen Bewusstsein der von ihm entworfenen, unterschiedlich struk­turierten Ichs fest verankert, auch wenn die zeitliche Distanz zum Geschehenen größer geworden ist. Verschiedene Ereignisse und Vorgänge der sich ereignenden oder ereigneten Geschichte, auch die existenziell furchtbaren, werden von ihm dabei entweder beim Namen genannt oder nur angedeutet (wie z.B. im Kontext der Stadt Glogau / Głogów), wobei auch literarische Anspielungen[26] (Andreas Gry­phius) nicht gescheut werden:

Hier stand die Stadt, wo Wiese wächst, auf der

kein Schäferskind ich ohne Herde gehe,

der rote Klatschmohn lockt und schwankt im Wind,

Lupine blau erwartet Honigbienen,

Brombeergestrüpp auf Kellermauern, wo

benetzt mit Tränentau, so las ich, sie,

die in das Totenbuch der Sterblichkeit

längst eingeschrieben sind, die Eingeschloßnen

in Bombendonner und Granatenkrachen

so oder so ein Ende sich erkämpften

in Brand und Trümmern, Rauch von starken Winden,

rosa und weiße Ackerwinden schlingen

sich um die Reste Bürgersteig, es steigen singend die Lerchen [...],

aus Vogelperspektive

erscheint jetzt paradiesisch das Gelände [...].[27]

Die auf den ersten Blick durch die Schönheit der Natur paradiesisch anmutende Außenwelt ist kein Trugbild, keine Sinnestäuschung. Es gilt, sie zwar in ihrer über­wältigenden Keuschheit und Vielfalt zu genießen. Da sich aber Gedanken anderer Art aufdrängen, muss das Naturbild einen Riss bekommen.

Die paradiesischen Äußerlichkeiten haben bei Heimann darüber hinaus auch in dem Sinne eine Tiefendimension, dass das in die Vergangenheit zurückgekehrte Ich in seinen Wahrnehmungen nicht an der Oberfläche bleibt, sondern durch das dar­gestellte Detail den Eindruck von Authentizität vermitteln soll, ein Merkmal, das von Heimann mehrmals postuliert wurde:

Was erwarten wir von einem guten Text? Authentizität. Ein weithin akzeptierter, doch auch mißverständlicher Wert. Das ist gemeint: Von den eigenen Erfahrungen ausgehen, konkret sein, sich nicht ausweichen. […] Individualität ausdrücken, und zwar so genau und ehrlich wie möglich, Ausflüchte, Beschönigungen, Selbsttäu­schungen gestatte man sich ebensowenig wie die vorfabrizierten Erklärungsmuster, Redensarten und Vorurteile. Genau kennen, worüber man schreibt, nicht an der Ober­fläche bleiben. Selber betroffen sein.[28]

Die mit unverwechselbarer Metaphorik behutsam entworfenen Bilder bieten sich immer als Zeichen und Botschaft des ehemals Bekannten dar, das inzwischen teil­weise (auch imaginär) unerreichbar geworden ist. Sie stellen eine komplizierte fiktionale Mischung dar, in der Naturdinge, Erinnerungen und Assoziationen inein­ander verwoben sind und die einen starken Realitätsbezug aufweist:

[...] da ruft, den ich seit Jahren nicht mehr hörte,

der Kuckuck Kuckuck, Kinderjahre zähle ich, [...]

jenseits der Oder [...],

hier sich verwurzeln, denk ich, wie Holunder

verwandeln Asch und Bein in lauter Leben.[29]

Es handelt sich dabei also um keine mystische Topographie, sondern um den verlorenen, genau bestimmbaren Ursprungsort, der kraft der Erinnerung, und sei es auch bruchstückhaft, aus der Vergangenheit zurückgeholt wird:

Damals

war dies ein beliebtes Ausflugslokal,

[...] der Tanzsaal hatte eine Tür zum Garten,

im Garten standen mehr Bäume, Kastanien, Linden,

darunter Tische und Stühle, am Zaun entlang wuchs

 blauer Flieder [...].

Damals tanzte hier auch Gerda Pietsch,

heute die einzige Deutsche in Osobowice [...],

auf dem Dominium drüben mußten im Kriege

die Polen arbeiten, damals unter den Deutschen,

später ging es andersherum, arbeiten mußte man immer,

aber wer für wen, das war wichtig.

Damals

fuhr hier die Fähre über die Oder nach Kosel [...].[30]

Dadurch, dass der Rückgriff auf die vergangene Kindheit und Jugend mit bestimm­ten Orten, Anlässen, Erfahrungsbruchstücken verschränkt wird, kommt die prägen­de und konstituierende Funktion der Umgebung zum Vorschein. Es wird jedoch dabei dem Stimmungsbild in dem Sinne entsagt, dass keine "Sonntagsgefühle”, son­dern beobachtete Tatbestände im Ausdrucksmedium vieler Fragen, Warnungen und Verheißungen, Zweifel und Vorbehalte festgehalten werden. Die rückwärts­gewandte Perspektivik verbindet sich also mit einer reflexiv-intensiven, kritischen Selbst- und Fremdbeobachtung.

Heimanns Oder-Landschaften sprechen nicht nur die Vergangenheit an, sondern sie sind auch in der Dimension der Gegenwart und Zukunft anzusiedeln:

[...] Ihr Lachen [der rosenfingrigen Göttin] grüßt keinen und alle,

mich einst wie die Fremden jetzt

östlich der Oder.

Ihr selbst gilt wie damals

am Ostermorgen das Spiel,

anderen ist Glück, zu sehen,

wie unbefangen sie aufgeht

immer wieder

im Osten.[31]

Die Pracht der Rose wird in ihrer Eigenart, Vertrautheit und Fremdheit, in ihrer Nähe und Ferne, ohne Besitzanspruch, höchstens mit etwas Wehmut gezeigt. Die Kategorie des Schönen wird nicht mit Abstrakta bezeichnet, sondern beispielhaft mit Inhalt gefüllt. Die ästhetische Konzeption verbindet sich mit einer moralischen Verpflichtung. Das Ich, bestens um die Vergangenheit wissend, bemüht sich er­folg­­reich um ein neues Bewusstsein:

 Gärten

östlich der Oder, auch dort wurde die Welt benannt,

als verstünde sie sich von selbst, Namen, Worte,

Schall und Rauch über Wiesen haltlos verdampfend [...].[32]

Fremde im Osten werden nicht dafür gehasst und darum beneidet, dass sie den Anblick der "unbefangen Aufgehenden” genießen können. Auch die Oder wird in die Zeit hineingestoßen und ist nicht mehr, was sie war:

[...] ich muß nicht hinein und

hinüber, Flußgespenst,

bleigraues, ölschillerndes

Wasser mit inzwischen erwachsenen Armen

und Beinen durchschwimmen,

umflattert von Mücken jagenden Schwalben,

lang kein Bauernweib, nun erst recht nicht.[33]

Der angerufene Vergleich und die Verleihung der negativen Prädikate im "Mücken-Kontext” gehören nicht zum verklärenden Blick. Das für den Fluss angewendete Wachstumsprinzip und die vorwärts gerichtete Bewegung machen die Notwen­dig­keit der Verwandlung und die Schwierigkeit eines zeitlichen Stromaufwärts-Schwim­mens deutlich. Die Kraft von Bild und Sprache, imaginative Überraschun­gen der Metaphern Heimanns, reimfreie Verse, von großer Eindringlichkeit und Eleganz bestimmt, Transparenz der mit kühl-melancholischer Distanz offenbarten Gefühle, verleihen seinen Texten intellektuelle Anmut und spielerische Leichtig­keit.

Literatur

Heimann, Bodo: Sternzeitgemäß. Husum 1988.

Heimann, Bodo: Oderland. Lyrische Skizzen einer Kindheit in Schlesien. Husum 1990.

Heimann, Bodo: Frei vor dem Wind. Gedichte. Würzburg 1993.

Heimann, Bodo: Ostwind, Januar 1945. Eine Erzählung. In: Schulz, Eberhard G. (Hg.): "Schlesien” Nr. 1/1995. Würzburg. S. 29-42.

Heimann, Bodo: Sein und Singen. Gedichte. Würzburg 2000.

Heimann, Bodo: Euterpe, ihre Schwestern und wir. Anmerkungen zur

Rekonstruktion der Musen. In: Ders. (Hg.) (in Zusammenarbeit mit Olaf Polenski, Friedrich Mülder und Elisabeth Meyer-Runge): "Euterpe." Jahrbuch für Literatur. Nr. 1/1984. Kiel. S.5-12.

Heimann, Bodo: Von der Erneuerung der Poesie. Plädoyer für einen Paradigmen­wechsel ohne falsche Alternativen. In: Ders. (Hg.) (in Zusammenarbeit mit Resi Chromik, Friedrich Mülder und DorisRunge): "Euterpe." Jahrbuch für Literatur. Nr. 5/1987. Hu­sum. S.5-11.

Heimann, Bodo: Vom Abenteuer einer heutigen Literaturzeitschrift. In: Ders. (Hg.) (in Zusammenarbeit mit Resi Chromik und Friedrich Mülder): "Euterpe." Jahrbuch für Lite­ra­tur. Nr. 6/1988. Husum. S.14.

Heimann, Bodo: Das Gute und Wertvolle, was erwarten wir denn? In:

Ders. (Hg.) (in Zusammenarbeit mit Resi Chromik, Dietlinde Hedwig Heckt und Fried­rich Mülder): "Euterpe." Jahrbuch für Literatur. Nr. 3/1985. Husum. S.5-11.

Klin, Eugeniusz: Weltanschauliche Komponenten der Stilfiguren am

Beispiel von lyrischen Texten Kieler Gegenwartsdichter. In: "Germanistyka" Nr. 14. Zie­lona Góra 1998. S.65-84.

Zimniak, Paweł: Möglichkeiten und Grenzen literaturwissenschaftlicher Tätigkeit. In: Joachimsthaler, Jürgen / Engel, Ulrich / Kaszyński Stefan (Hg.): Convivium. Germa­nisti­sches Jahrbuch Polen. Bonn 2001. S.289-308.



[1] Bodo Heimann, geb.1935 in Breslau, Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie in Freiburg, Berlin und Frankfurt, 1962 Dr. phil. (Freiburg), Professuren für deutsche Spra­che und Literatur an den Universitäten Hyderabad (Indien) und Edmonton (Kanada), lehrt seit 1969 an der Universität Kiel. Veröffentlichungen u.a.: Der Süden in der Dich­tung Gottfried Benns (Freiburg 1962), Experimentelle Prosa der Gegenwart (München 1978), Lebende Spiegel (Kiel 1984), Geschichten von Meister Eckhart (Kiel 1985), Ster­nzeitgemäß (Husum 1988), Oderland. Gedichte (Husum 1990), Frei vor dem Wind. Ge­dichte (Würzburg 1993), Sein und Singen. Gedichte (Würzburg 2000).

[2] Heimann, Bodo: Oder. In: Ders.: Frei vor dem Wind. Gedichte. Würzburg 1993, S.11.

[3] Ebd., S.12.

[4] Heimann, Bodo: Ostwind. In: Ders.: Oderland. Lyrische Skizzen einer Kindheit in Schle­sien. Husum 1990, S.61.

[5] Heimann, Bodo: Oderland. In: Ebd., S.6.

[6] Heimann, Bodo: Euterpe, ihre Schwestern und wir. Anmerkungen zur Rekonstruktion der Musen. In: Ders. (Hg.) (in Zusammenarbeit mit Olaf Polenski, Friedrich Mülder und Elisabeth Meyer-Runge): "Euterpe." Jahrbuch für Literatur. Nr. 1/1984. Kiel, S.12.

[7] Heimann, Bodo: Von der Erneuerung der Poesie. Plädoyer für einen Paradigmenwechsel ohne falsche Alternativen. In: Ders. (Hg.) (in Zusammenarbeit mit Resi Chromik, Fried­rich Mülder und DorisRunge): "Euterpe." Jahrbuch für Literatur. Nr. 5/1987. Husum, S.7.

[8] Ebd., S.7.

[9] Vgl. ebd., S.5-10. Heimanns Gleichgewicht bedeutet ein den größeren Naturhaushalten angemessenes Entsprechungsverhältnis, dessen Sinn es ist, die Kreisläufe des Lebens zu beachten und nicht zu missachten, sich in sie einzufügen, sich mit ihnen zu vernetzen und sich nicht über sie in grenzenloser freier Willkür zu erheben, weil das Gespräch über Bäu­me (eine Anspielung auf Theodor W. Adorno und Bertolt Brecht) heute wieder wich­tiger geworden ist oder werden muss. Es nicht führen zu wollen, wäre das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen die Erde.

[10] Heimann, Bodo: Oderland. In: Oderland. Lyrische Skizzen, a.a.O., S.7.

[11] Heimann, B.: Ostwind, Januar 1945. Eine Erzählung. In: Schulz, Eberhard G. (Hg.): "Schlesien” Nr. 1/1995. Würzburg, S. 38.

[12] Ebd., S.30.

[13] Ebd., S.35.

[14] Ebd., S.34.

[15] Ebd., S.31.

[16] Ebd., S.32.

[17] Ebd., S.40.

[18] Ebd., S.36.

[19] Ebd., S.36.

[20] Ebd., S.32.

[21] Ebd., S.40.

[22] Ebd., S.39

[23] Heimann, Bodo: Einbruch - Aufbruch. In: Ders.: Oderland. Lyrische Skizzen, a.a.O., S. 66.

[24] Heimann, Bodo: Hauptbahnhof. In: Ebd., S.68.

[25] Heimann, Bodo: Vom Abenteuer einer heutigen Literaturzeitschrift. In: Ders. (Hg.) (in Zusammenarbeit mit Resi Chromik und Friedrich Mülder): "Euterpe." Jahrbuch für Literatur. Nr. 6/1988. Husum, S.14.

[26] Vgl. Klin, Eugeniusz: Weltanschauliche Komponenten der Stilfiguren am Beispiel von lyrischen Texten Kieler Gegenwartsdichter. In: "Germanistyka" Nr. 14. Zielona Góra 1998, S.73-78.

[27] Heimann, Bodo: Altstadt Glogau. In: Ders.: Frei vor dem Wind, a.a.O., S.102.

[28] Heimann, Bodo: Das Gute und Wertvolle, was erwarten wir denn? In: Ders. (Hg.) (in Zusammenarbeit mit Resi Chromik, Dietlinde Hedwig Heckt und Friedrich Mülder): "Euterpe." Jahrbuch für Literatur. Nr. 3/1985. Husum, S.9.

In seinem Beitrag (vgl. S.5-11) schreibt Heimann auch von einer falsch begriffenen Authentizität: Ein Gedicht schreiben, Datum und Uhrzeit darunter setzen und sich später weigern, irgendetwas daran zu ändern, weil das ein Verfälschen wäre.

·         Außer der Authentizität werden auch andere wichtige Kriterien einer gelungenen literarischen Kommunikation genannt:

·         Die Präzision der Sprache als Medium der Dichtkunst ist so zu verstehen, dass jedes Wort auf seine Notwendigkeit überprüft wird, indem es auf den eigentlichen Sinn untersucht wird, und dessen neue mögliche Bedeutungen und Konnotationen aus­gelotet werden, denn nur so kann es sich mit seinen Qualitäten im Gedicht entfalten.

·         Mit Umgänglichkeit und Offenheit soll eine Gespanntheit zum Leser hin in dem Sinne umschrieben werden, dass ihm zugetraut wird, den Sinn zu entwickeln, ohne ihm einen einzigen, eigensinnig vorgeschriebenen Sinn zuzumuten.

·         Die Verallgemeinerbarkeit poetischer Aussagen kann nicht erzwungen, sondern nur über das Detail, das Konkrete, dem man sich widmet, erreicht werden.

·         Die Symbolik macht die eigentliche Natur der Poesie aus (eine Anspielung auf J.W. von Goethe), die jedoch nicht nur auf die Bildlichkeit zu reduzieren ist, sondern mit Besonderem, mit einer konkreten Erscheinung sowie mit der Anschauung und dem sinnlichen Wahrnehmen zusammenhängt. Das Allgemeine, das Wesen bleibt unausgesprochen, oft unbegreiflich, aber ein Schein davon wird durch die Anschauung in einem kleinen Beispiel sichtbar.

Vgl. dazu auch: Zimniak, Paweł: Möglichkeiten und Grenzen literaturwissenschaftlicher Tätigkeit. In: Joachimsthaler, Jürgen / Engel, Ulrich / Kaszyński Stefan (Hg.): Convivium. Germanistisches Jahrbuch Polen. Bonn 2001, S.289-308.

[29] Heimann, Bodo: Altstadt Glogau. In: Ders.: Frei vor dem Wind, a.a.O., S.102.

[30] Heimann, Bodo: Damals in Oswitz. In: Ebd., S. 107f.

[31] Heimann, Bodo: Wie unbefangen. In: Ders.: Oderland, a.a.O., S.69.

[32] Heimann, Bodo: Oder. In: Ders.: Frei vor dem Wind, a.a.O., S.11.

[33] Heimann, Bodo: Alles fließt. In: Ebd., S.104.

 
 
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