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Orbis Linguarum Vol. 24/2004
Marek Laskowski
Zielona
Góra
Konfrontative Bemerkungen
zum Stellenwert des deutschen und polnischen
Infinitivs
1.
Zielsetzung und Hypothesen
Im vorliegenden Aufsatz wird versucht, das grammatische
Phänomen des Infinitivs im Deutschen und Polnischen
einander gegenüberzustellen und auf diese Art und
Weise die Grundlage für weitere Überlegungen zu dieser
Thematik zu schaffen. Des Weiteren wollen wir uns
mit der Deskription des Infinitivs in beiden Sprachsystemen
beschäftigen, wobei die grammatische Seite explizit
dargestellt wird. Die Ergebnisse der konfrontativen
Linguistik dienen bekanntlich direkt der Fremdsprachendidaktik
und der Translationspraxis. Da der Infinitiv den Deutsch-
und Polnischlernenden viele Schwierigkeiten bereitet,
sollen die nachstehenden Ausführungen
für den praktischen Unterricht Deutsch als Fremdsprache
hilfreich und relevant sein. Der Infinitiv erörtert
man hier zum einen unter einem formalen zum anderen
unter einem funktionalen Aspekt. Aus den obengenannten
Gründen wird auf die Fragen eingegangen, ob, erstens,
der Gebrauch des deutschen Infinitivs eine stärkere
Abweichung als der des polnischen Infinitivs aufweist,
und zweitens, inwieweit im infinitiven Rahmen formale
sowie praktische Parallelitäten und Kontraste festzustellen
sind und welche Konsequenzen dies für die schulische
Vermittlung dieser grammatischen Kategorie hat.
2.
Zum Begriff Infinitiv
Indem man deutsche und polnische Texte liest stößt
man sehr häufig auf infinitivische Formen: Der
Schlussteil „Die Rückkehr des Königs“ soll voraussichtlich
im Dezember 2003 in die Kinos kommen. Olaf
Nicolai sieht, wie die Leipziger Kunsthistorikerin
Barbara Steiner schreibt, als selbstverständlich an,
„Werke von anderen aufzugreifen, zu verwenden,
sie sich anzueignen.“ Mag sein, dass
ihm der freudige Applaus fehlen würde…, (Braunschweiger
Zeitung 13.12. 2002), Hochachtung vor den Eltern
des Jungen, dass sie bereit waren, den Fall ihres
Sohnes zu veröffentlichen. Es muss endlich
etwas gegen die Volksseuche Schulmobbing unternommen
werden. Ich würde mir wünschen, Was ist
der Unterschied zwischen verkohlen und verschrödern?
(Stern 50/2002); Ja mam dostać, Listy
prosimy kierować na adres, Tyle
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piątkowego posiedzenia Senat postanowił
powierzyć mu tę funkcję na kolejne
cztery lata. Uważamy, że najpierw musi
być konkurs… Urząd Marszałkowski
powinien ogłosić konkurs, Nie wolno
wywieszać… Najprawdopodobniej oddziały
te mają przeszkodzić w ewentualnym
napłynięciu uchodźców. Praca dziennikarzy
polega na tym, żeby nie dać się
zmanipulować i przekazać opinii
publicznej prawdę. Może taki zwyczaj, a
może nie mieli się stykać z
obcokrajowcami. Boją się rozmawiać,
Trudno zatem mówić…I jak widać…Nie
da się kupić miłości, Umie
rozśmieszyć i wzruszyć,
I udaje mu się wywinąć kolejny
numer, Koncert będzie można usłyszeć,
No, cóż, jeśli masz pozwolić,
by,… masz zagrać…, by pomyśleć,
że,…Tegoroczna gala ze względu na wojnę
ma mieć mniejszy rozmach. Najpierw głowisz
się, co zrobić z tym fantem, Zabrania
jej jednak rozmawiać z nieznajomymi, co
ma sugerować, że jest rozsądną
mamusią. Długo by wymieniać…A
może by tak rzucić to wszystko? Warto
wiedzieć, że…(Gazeta Lubuska 69/2003).
Der
grammatische Terminus Infinitiv stammt von
dem lateinischen finire, dem die deutsche Bedeutung
begrenzen entspricht. „Grund-, Nennform (des
Zeitwortes): Der grammatische Fachausdruck ist lat.
(modus) infinitivus ‘nicht näher bestimmte Zeitwortform”
(Duden 7, 1989, 304). Der grammatischen Kategorie
des Infinitivs wird verhältnismäßig wenig Platz eingeräumt.
Man sieht z.B. zahlreiche Lücken in der Beschreibung
der Verwendung, namentlich in der polnischen Sprache.
Im Deutschen ist der Infinitiv als Objekt eingehender
denn als Subjekt bearbeitet (Buscha, Zoch 1988, 5).
Der Infinitiv hat nach Faulstich (1982) verbale
und nominale Eigenschaften, nach Bartnicka (1982)
ist er auch eine Form des Verbs, z.B śpiewać
– singen, siedzieć – sitzen, pisać – schreiben.
Diese Formen drücken Tätigkeiten aus, die sich
zum einen direkt auf kein Subjekt beziehen zum anderen
können sie Satzsubjekte sein. Der Infinitiv steht
den Verbalsubstantiven nah, z.B. czytanie – Lesen,
spanie – Schlafen, rozwiązywanie – Lösen.
Der Unterschied zwischen den Formen
besteht darin, dass die erste Form nicht konjugiert
werden kann. Die zweite dagegen kann durch Kasus flektiert
werden. Laut Bartnicka (1982, 5) wurde der
polnische Terminus bezokolicznik auch
von dem Adjektiv bezokoliczny abgeleitet.
Der Begriff tryb bezokoliczny wurde
von zahlreichen polnischen Grammatikern seit dem Ende
des 18. Jahrhunderts gebraucht. Er stammt aus dem
lateinischen modus infinitivus. Der Infinitiv
(Grundform, Nennform) ist die Ausgangsform des Verbs,
aus der alle anderen Formen abgeleitet werden können,
z.B. fliegen – latać.
Diese nicht konjugierten (finiten) Formen der Verben bringen
das durch das Verb bezeichnete Geschehen oder Sein
ohne Bindung an Person, Zahl oder Zeit zum Asudruck.
In dieser Form werden die Verben beispielsweise in
den Wörterbüchern angeführt.
[Grafik nur in der PDF-Version]
Im Deutschen
werden nach den morphologischen Merkmalen drei infinite
Verbformen unterschieden: Infinitiv, Partizip I, Partizip
II (Helbig, Buscha 1981, 82). Sie haben keine Affinitäten,
die Person und Numerus anzuzeigen. Zu den zusammengesetzten
Infinitivformen gehören: Infinitiv I (Aktiv und Passiv),
Infinitiv II (Aktiv und Passiv). Infinitiv I (Aktiv)
wird aus dem Tempusstamm I in Verbindung mit dem Infinitivsuffix
– en gebildet: gründ-en, fahr-en, bild-en.
In einigen Fällen lautet die Infinitivendung –n:
-
bei Verben mit Suffix –el und -er,
z.B. wechsel-n, bügel-n, zitter-n.
-
bei Verben sein und tun,
-
umgangssprachlich bei Verben auf –h, z.B.
gehn, sehn. Bei diesen Verben steht auch kein
Apostroph „freun, blühn… als hörte sie … die Hahnen
schrein (Musil). Muss früh hinuntergehn,…die Lust kann
nicht bestehn (Uhland) (Duden 9 1985, 359). Diese verkürzte
Endung erscheint allerdings nur, wenn der Stamm auf
–l, -r oder auf Vokal (auch mit Dehnungs-h) endet:
stelln, gehörn, taun, begehn (vgl. Engel, 1988,
435).
Der Infinitiv
II (Aktiv) wird mit dem Partizip II des Verbs
plus Infinitv I der Verben haben oder sein
gebildet, z.B. geantwortet haben, gelaufen sein.
Zum Infinitiv
I (Aktiv) und zum Infinitiv II (Aktiv) gibt es bei passivfähigen
Verben entsprechende Passivformen (Helbig, Buscha 1981,
83). Außerdem unterscheidet man noch Vorgangs- und
Zustandspassiv. Das Vorgangspassiv besteht aus dem Partizip
II des Verbs plus Infinitiv I bzw. Infinitiv
II von werden. Beim Infinitiv II benutzt
man das Partizip II von werden ohne das Präfix ge-,
z.B. aufgemacht werden, aufgemacht worden
zu sein. Das Zustandspassiv setzt sich in der Regel
aus dem Partizip II des Verbs und dem Infinitiv
I oder Infinitiv II von sein zusammen,
z.B. gekocht sein, gekocht gewesen sein.
Der
polnische Infinitiv besteht dagegen aus einem Stamm
und einem Infinitivmorphem – ć:
·
Der Stamm des Infinitivs lautet gewöhnlich
vokalisch aus -a → łapać-
fangen, ą → ciągnąć
- ziehen, -e → siwieć –ergrauen,
i→ robić – machen, y→
uczyć – lehren, -u → czuć
– fühlen;
·
Bei zehn Verben endet der Infinitivstamm
auf –ś →nieść – tragen,
-ź→ wieźć – fahren.
·
Einige Verben haben statt
des Suffixes -ć einen auf –c auslautenden
Infinitiv, z.B. biec – laufen, móc – können,
piec –backen, strzyc - schneiden.
·
Verben, deren Infinitiv auf –ść,
-źć oder auf –c
endet, bilden außer dem Infinitiv alle Flexionsformen
von Präsensstamm (Futurstamm bei vollendeten Verben)
(Laskowski 1972, 122).
Der Infinitiv
II ist im Deutschen nach: scheinen + Infinitiv (zdawać
się+ Infinitiv: Zdawał się spać)
nur bei Gleichzeitigkeit möglich: Der Lehrer scheint
sich geärgert zu haben. Aus diesem Grund muss die
Vorzeitigkeit im Polnischen mit einem że-Nebensatz
ausgedrückt werden. Der Lehrer schien damit nicht
zufrieden gewesen zu sein. Darüber hinaus dient
der Infinitiv mit Modalverben zur Bezeichnung der zukünftigen
und vergangenen Handlungen. Die polnischen Konstruktionen
unterscheiden sich im Tempus des Modalverbs. Wird die
Infinitivhandlung zu dem Zeitpunkt, der durch das Tempus
des Modalverbs bestimmt wird, und bereits abgeschlosssen
ist, steht dieses im Präteritum. Wenn sie nach diesem
Zeitpunkt abgeschlossen wird, im Präsens: Er konnte
es tun. Er kann es getan haben. Er konnte es getan
haben. Aus diesem Grund, dass das polnische Gerundium
I, das als Hauptentsprechung für das deutsche ohne+
Infinitiv I angegeben wird, nicht positiv die Gleichzeitigkeit
signalisiert, sondern nur die Nichtsignalisierung der
Vorzeitigkeit vorliegt, kann es als Entsprechung für
ohne + Infinitiv II in Frage kommen, ebenso wie
die perfektiven Formen: Sie musste ausgehen, ohne
gefrühstückt zu haben.
2.2.
Rolle des Infinitivs
im verbalen Bereich des Deutschen und Polnischen
Von
Grundformen und Partizipien unterscheidet sich der Infinitiv
dadurch, dass er ohne Kontext außer einer Verbalhandlung
keine zusätzliche Bedeutung hat (Faulstich 1977, 5).
In beiden zu analysierenden Sprachen tritt der Infinitiv
in Aktiv- und Passivformen auf. Er verbindet sich mit
Substantiven, Verben, Adjektiven und kann jedes Satzglied
repräsentieren. Die beiden Sprachen differieren jedoch,
und zwar kann der Infinitiv im Deutschen mit oder ohne
zu vorkommen, was in der polnischen Sprache nicht
der Fall ist. Person, Numerus, Modus und Tempus werden
durch den Infinitiv nicht zum Ausdruck gebracht. Trotzdem
sind Vorgänge, Tätigkeiten, Zustände der zeitlichen
Einstufung und Modalität bestimmt. Diese Angaben ergeben
sich im Deutschen und Polnischen aus der Situation oder
aus dem Kontext. Der Infinitiv kann nominalen und verbalen
Charakter haben (Bußmann 1990, 336; Fulstich 1977, 5).
Den nominalen Charakter des Infinitivs zeigen folgende
Belege:
-
Es ist gesund, oft
spazieren zu gehen. Zdrowo jest często chodzić na spacer. Chodzenie na spacer jest
zdrowe. Das Spazierengehen ist gesund. Chodzenie na spacer jest
zdrowe. Im
Satz können Infinitive Substantive werden oder
ihre Funktion übernehmen: beim Essen, deutliches Sprechen (vgl. Conrad 1984,
114).
-
Er ist mit Konjunktionen
verknüpfbar, z.B. im Deutschen anstatt, ohne,
um…zu, im Polnischen zamiast, aby, z.B. Er
ging aus, ohne sich zu verabschieden. Zamiast
spać, pracował całą noc.
-
Der Infinitiv differenziert
Genus Verbi nicht so eindeutig wie die finiten Formen,
z.B. Dieses Gedicht ist für morgen zu lernen.
Dieses Gedicht muss man für morgen lernen.
Den verbalen
Charakter des Infinitivs bestätigen:
v
Rektion (das Schreiben
des Artikels), Aspekt (schreiben vs. Geschrieben
haben), Genus Verbi (das Schreiben/das Geschriebene/das
Geschriebenwerden)
v
Unter bestimten Bedingungen kann er als
Satzprädikat stehen, z.B. Nicht rauchen! Nie palić!
v
Der Infinitiv lässt sich von allen Verben
bilden.
v
Die Kasusrektion ist gleich wie beim finiten
Verb, z.B. Staram się szybko załatwć
to zlecenie. Ich
bemühe mich, diesen Auftrag schnell zu erledigen. Staram
się o szybkie załatwienie tego zlecenia.
Ich bemühe mich um schnelle Erledigung dieses Auftrags.
v
Nähere
Bestimmung erfolgt durch ein Verb, nicht durch ein Adjektiv.
Der
Unterschied zwischen der finiten und infiniten Form
des Verbs besteht darin, dass einige Kategorien (Person,
Numerus, Modus, Tempus), die beim finiten Verb obligatorisch
sind, beim Infinitiv fehlen. Dies Kategorien entscheiden
für die Zuordnung der Verbform zur Wortart. Dieserhalb
sind die infiniten Formen zur Peripherie gehörig und
die finiten Formen zum Zentrum der Wortart.
Sowohl
der deutsche als auch der polnische Infinitiv besitzen,
wie es unterstrichen wurde, keine morphologischen
Mittel zum Ausdruck der Person und Numerus, d.h.,
die infiniten Verbformen signalisieren keine Leerstellen
für das Subjekt (bei finiten Verben ist es umgekehrt).
Ganz
kompliziert ist das Verhältnis des Infinitivs zu Modus
und Modalität. Ist das Verhältnis eines Sachverhaltes zu seiner Faktizität, eine Eigenschaft, die
jeder Aussage zukommt. In allen Fällen ordnet der Sprecher
der Handlung eine bestimmte Modalität zu. Die modalen
Bedeutungen, die im Deutschen und Polnischen morphologisch
ausgedrückt werden, nennt man Modus. Die Modalität des
Infinitivs entfaltet sich in bestimmten Konstruktionen.
Bei den Infinitivkonstruktionen legen der Kontext und
die Intonation eine Art der Modalität fest. Der Infinitiv
hat keine eigene modale Bedeutung, deshalb wird er als
Glied der Kategorie Modus betrachtet. In beiden Sprachen
gibt es Konstruktionen, in denen bei Ersatz des Infinitivs
durch eine finite Verbalform ein Modalverb hinzugefügt
werden muss, z.B. Er hat Angst, einen Hund zu treffen.
Er hat Angst, dass er einen Hund treffen kann. Ale co zrobić. Ale co ma zrobić/może zrobić?
Man verlangt also vom Infinitiv, verschiedene Modalitäten
auszudrücken. Die starke modale Färbung weisen Konstruktionen
mit dem autonomen Infinitiv auf, z.B. Nie wiedział
jak się zachować. Im Deutschen gibt es den autonomen Infinitiv lediglich in der
Verwendung als Imperativ. In anderen Fällen werden die
modalen Bedeutungen durch Modalverben ausgedrückt. Es
gibt auch Konstruktionen, in denen der Infinitiv eine
reale Handlung ohne modale Bedeutung bezeichnet. Es
geht um die Konstruktionen nach Verben des Denkens,
der Gemütsbewegung, des Dankens und nach ihnen entsprechenden
Adjektiven und Substantiven, z.B. Wir denken daran,
uns eine neue Wohnung zu kaufen. Im Polnischen werden
diese Formen nur in Nebensätzen mit finiten Verbformen
vorkommen, z.B. Myślimy o tym, aby kupić
nowe mieszkanie. Auch in folgenden
Konstruktionen ohne zu drückt der Infinitiv eine reale Handlung aus: Ich sehe ihn arbeiten.
Widzę
go pracującego. Ich sehe ihn im Garten arbeiten.
Widzę jak pracuje w ogrodzie.
Im Polnischen entsprechen diesen Konstruktionen Partizipien
und Nebensätze. Der Anwendungsbereich des deutschen
Infinitivs wird durch die präteritalen Formen erweitert.
Mit ihrer Hilfe können auch Handlungen bezeichnet werden.
Im Allgemeinen kann man sagen, dass der Infinitiv im
Deutschen und Polnischen innerhalb der Wortart Verb
eine periphere Stellung einimt. Der Infinitiv kann auch
aus dieser Wortart ausgeschlossen werden, denn trotz
der fehlenden Mittel zur Kennzeichnung von Person, Numerus,
Tempus und Modus sind diese Angaben aus der Umgebung
des Infinitivs zu entnehmen.
3.
Zur Verwendung
des Infinitivs in der deutschen und polnischen
Sprache
Infinitive
werden als Mittel der Aufforderung behandelt. Aus diesem
Grund besteht im Deutschen und Polnischen große Übereinstimmung.
Es geht nämlich um besonders strenge, unhöfliche Aufforderungen
an einen Adressaten: Hinausgehen! Wyjść!
Der Infinitiv wird auch bei den Anforderungen an einen
allgemeinen Adressaten benutzt, z.B.
in Kochanleitungen: Klein schneiden und braten.
Drobno pokroić i smażyć. Bei den reflexiven Verben in der deutschen
Sprache kommt das Reflexivpronmen nicht vor. Im Polnischen
dagegen wird es erhalten: Nicht hinauslehnen! Nie
wychylać się! Im Polnischen ist die Konstruktion
proszę + Infinitiv
eine besondere Ar der Aufforderung. Sie hat mehr höfliche
Bedeutung. Proszę
wird in dieser Konstruktion als Partikel betrachtet.
Im Deutschen entspricht ihr bitte + Infinitiv (Faulstich 1982, 224). Bitte
nicht hinausgehen! Proszę
nie wychodzić! Diese Konstruktion
hat den Charakter einer Bitte, und der Infinitiv kann
hier als Verbot oder als Empfehlung verstanden werden.
Es
sei dabei hinzugefügt, dass man den Infinitiv in den
beiden Sprachen als Teil des Verbalkomplexes, Ergänzung
zum Verb, Angabe zum Verb, Attribut zum Adjektiv oder
Nomen verwenden kann (vgl. Engel 1998, 435-437, Engel
2000, 637-633).
3.1.
Der abhängige
Infinitiv
Mit
dem Infinitiv kann sich nach Helbig und Buscha (1996,
125) verhältnismäßig die große Zahl der Verben verbinden.
Der abhängige Subjekt tritt
als Subjekt, als Teil des Prädikats, als Objekt, als
prädkatives Attribut und als Attribut und als adverbiale
Bestimmung auftauchen.
Der Infinitiv
als Subjekt tritt in beiden Sprachen auf, obwohl der
Anwendungsbereich im Deutschen größer ist (besonders
Prädikate kommen als Subjekt in Form des Infinitivs
vor). Das Prädikat besteht hier aus Kopula-Prädikatsnomen.
Seine Entsprechung im Polnischen ist die to -jest-Konstruktion,
wobei jest im Präsens ausfällt. Ihm zu helfen
war besonders schwer. Pomóc mu było
szczególnie trudno. Zu den Kopula-Verben gehört
auch scheinen – wydawać się. Es scheint mir, diese Aufgabe zu lösen, war
besonders schwer. Wydawało
mi się, że rozwiązać
to zadanie było szczególnie trudno.
Verbalsubstantive
als substantivierte Verben und –ung-Ableitungen
kommen im Deutschen häufiger im Amtstil als in anderen
Texten vor (Faulstich 1982,227). Im Polnischen dagegen
seltener. Fast keine Grammatik behandelt die polnische
Konstruktion było co podziwiać (Faulstich 1982, 228), die eine Besonderheit im Polnischen ist. Der
Charakter des Infinitivs als Satzglied ist nicht klar.
Diese Konstruktion wird nach dem
folgenden Muster gebildet: jest/było/będzie
+Pronomen + Infinitiv.
Interrogativpronomen sind: kto, co,
gdzie, dokąd. Komu ist Dativform und
kann eine doppelte Funktion erfüllen: als Objekt: Posprzątać nie było komu, als
einfaches Dativ, z.B. Wszystkie dzieci wyszły
już z klasy i nie było komu wytrzeć tablicy.
Als Subjekt kann der Infinitiv
zu być als
Vollverb der Existenz betrachtet werden: Było
co robić. Es gibt nichts zu
tun. Nie było nic, co można by było zrobić. Es gibt nichts, was man tun könnte.
Der Infinitiv
tritt auch mit Modalverben auf und in beiden Sprachen
gibt es eine große Übereinstimmung (Faulstich 1982,
231). In beiden Sprachen verlangen die Modalverben eine
Ergänzung im Infinitiv: Ich will in den Wald spazieren
gehen. Chcę pójść na spacer do lasu. Hier darf man nicht parken. Tu nie wolno parkować. Die Konstruktionen mit haben im Deutschen sind
auch als Teil des Prädiakts betrachtet, wobei haben
modale Bedeutung aufweist. Es gibt aber einen Unterschied
zur Konstruktion Modalverb + Infinitiv, da hier
der Infinitiv mit zu benutzt wird: Du hast
das zu tun! Masz to zrobić!
Diese Konstruktion trägt einen Aufforderungscharakter,
da sie eine Notwendigkeit sowohl im Deutschen als auch
im Polnischen ausdrückt.
Als Teil
des Prädikats betrachtet man auch die Verben, die zwischen
Hilfs- und Vollverben stehen (Faulstich 1982,235). Diese
Verben bilden keine einheitliche Gruppe – syntaktisch
gesehen – und treten sowohl im Deutschen (belieben,
drohen, pflegen,versprechen, verstehen, wissen)
als auch im Polnischen (potrafić, potrzebować,
raczyć, umieć, zechcieć, zdawać
się) auf. Die Ernte verspricht gut zu werden.
Żniwa zapowiadają się
dobrze. Auf Grund dieser Beispiele kann man feststellen, dass dort, wo im Polnischen
der Infinitiv stehen kann, verschiedene sprachliche
Mittel verwendet werden. Nach Faulstich kann man als
letzte Gruppe des Prädikats den Infinitiv polnischer
Prädikativa betrachten: czas, dość, szkoda,
żal. Diesen entsprechen im
Deutschen Konstruktionen mit Infinitiv. Sie können
aber nicht immer als Teil des Prädikats
verwendet werden, sondern als Teil des Subjekts: Czas
wracać. Es ist Zeit, zurückzukommen.
Szkoda mi was opuszczać. Es ist schade, euch zu verlassen.
Die Gruppe der Infinitive als Objekt
ist umfangreich und muss in kleinere Gruppen
gegeliedert werden, sie sich auf andere Kriterien beziehen.
Zuerst wird der Infinitiv als übergeordneter Asdruck
betrachtet, dann mit dem Adjektiv. Bei den Verben ist
es notwendig zu unterteilen, welches Satzglied den Träger
der vom Infinitiv bezeichneten Tätigkeiten, Vorgänge
repräsentiert. Dieserhalb unterscheidet man zwischen
dem subjektbezogenen Infinitiv und objektbezogenen Infinitiv.
Danach werden semantische Affinitäten der übergeordneten
Verben und Differenzen im Deutschen und Polnischen gezeigt.
In dieser Gruppe bezieht sich der Infinitiv und das
finite Verb auf das Subjekt des Satzes. Diese Gruppe
ist sehr groß und nicht einheitlich man unterscheidet
darunter zahlreiche Guppen von Verben:
·
Phasenverben: im Deutschen
und Polnischen treten die Infinitive nach den Verben
des Beginns und des Aufhörens als Bezeichnungsmittel
der Handlung auf. Die sagen etwas über den Anfang und
das Ende einer Tätigkeit, eines Vorgangs. Hör auf
zu schreien. Przestań krzyczeć! Er begann den Brief zu schreiben.
Zaczął pisać list = Zaczął
pisanie listu. Im Deutschen
gebraucht man in diesem Fall Infinitivkonstruktionen
mit zu, im Polnischen sind Formen mit
Infinitiv oder mit Verbalsubstantiv korrekt,
z.B. Przestała pisać, aber Zaprzestała
pisania (nicht: *zaprzestała pisać).
Dies bezieht sich auch Konstruktionen des Typs:
mieć możność, mieć sposobność, mieć
chęć, nadzieję, mieć w planie, mieć
na celu, uważać za możliwe, potrzebne,
czuć potrzebę usw. Vgl. Uważał za konieczne załatwić tę
sprawę oder załatwienie tej sprawy.
In der Literatur tauchen auch Verbindungen des Verbs jąć
+ Infinitiv, z.B. Jął
śpiewać. Jęło
dąć śniegiem. Folgende Konstruktionen sind aber im Polnischen nicht zugelassen:
*Zaczynali wpadanie w popłoch.
Zaczął rozpaczanie.
·
Verben, die eine Absicht/Nichtabsicht
oder eine Handlung zum Ausdruck bringen. Die Konstruktionen
dieser Gruppe haben viele Gemeinsamkeiten. Im Deutschen
gibt es keine Verbindbarkeit mit dem Infinitiv Perfekt
(Infinitiv II). Der Infinitiv kann die einzige
Ergänzung sein. Er kann mit einem dass-/że-Satz
wechseln. Im Polnischen verwendet man in
der gesprochenen Sprache nach Modalverben, die Absicht,
Willen oder Beschluss ausrücken, eher den Infnitiv statt
des Verbalsubstantivs. Starał się dostać na studia. = Starał się o dostanie na studia. Przywykła chodzić pieszo. =
Przywykła do chodzenia pieszo.
Faulstich (1982, 237) vergleicht in ihrer Untersuchung
die Verben, die zu dieser Gruppe gehören,
und zeigt eine große Übereinstimmung. Sie
ekelte sich, mit diesem Löffel
zu essen. Ona brzydziła się jeść
ta łyżką. Zu
dieser Gruppe gehören auch Verben,
nach denen in polnischen Entsprechungen kein Infinitiv
steht: ablehnen (odmawiać), drohen (grozić)
hütten ( wystrzegać się), riskieren (ryzykować),
vermeiden –(unikać). Sie verbinden sich
mit Verbalsubstantiven: Er riskierte diese Reise
zu unternehmen. On zaryzykował przedsięwzięcie
tej podróży. Das Verb verbieten (zabraniać)
kann im Polnischen mit Infinitiv wiedergegeben werden.
Die Mutter verbot ihm, ins Gebirge zu fahren. Matka
zabroniła mu pojechać
w góry. Das Verb grozić
(drohen) erscheint nur mit Verbalsubstantiven
in Instrumental- oder mit że-Nebensätzen. Sie drohten
damit, die Geiseln zu erschießen. Grozili,
że rozstrzelają zakładników.
·
Verben mit obligatorischem oder faultativem
präpositonalem Korrelat,das bei der Wiedergabe auch
im Polnischen auftaucht und mit dem Infinitiv nicht
direkt, sondern nur mit –żeby angeschlossen
werden kann: Wir sind davon überrascht, dass er das
Buch noch nicht gelesen hat. Jesteśmy zaskoczeni, że nie przeczytał jeszcze książki.
·
Verben der Gefühlsäußerung.
Die deutschen Verben verbinden sich hier mit
dem Infinitiv II. Zu diesen Verben gehören: sich
ärgern, bedauern, sich freuen, sich schämen, sich wundern.
Von den polnischen Verben aus dieser Gruppe sind nur
zwei zu nennen: lękać się, wstydzić
się. Lękała się wracać sama. Sie fürchtete
allein zurückzukommen. Chłopiec wstydzi
się płakać. Der Junge schämt
sich zu weinen. Wstydzi się tak dużo jeść. Er/sie/es
schämt sich so viel zu essen. Wstydziła
się to robić. Sie schämte sich das zu tun.
Ist diese Bedingung nicht erfüllt, steht im Polnischen
ein że-Nebensatz: Er schämt sich,
schmutzig zu sein. On wstydzi się,
że jest brudny. Andere Verbindungen aus dieser Gruppe stehen
mit dem Infinitiv im Deutschen und Polnischen im
że-Nebensatz. Das hängt nicht
davon ab, ob der Infinitiv I oder Infinitiv II regiert.
Wunderst du dich, dass sie so schön aussieht?
Dziwisz się, że ona tak ładnie
wyglada?
·
Verben vom Typ: (daran) arbeiten, sich
(damit) begnügen, sich beschäftigen sich (daran) beteiligen,
(daran) mitwirken, nach denen der Infinitiv ausschließlich
im Deutschen steht. Ein präpositionales Korrelat gibt
es hier nicht. In polnischen Entsprechungen sind auch
że-Nebensätze mit vorausgehendem Korrelat
möglich, z.B. Als ich kam, war sie gerade damit beschäftigt,
Gardinen aufzuhängen. Gdy przyszedłem do niej,
była zajęta zawieszaniem firan.
Der Infinitiv steht als Objekt nach den Verben mit objektbezogenem
Infinitiv, die ein Dativ- oder Akkusativobjekt regieren.
Die Zahl dieser Verben ist im Polnischen sehr gering
Um die Unterscheide zu zeigen, muss eine Klassifizierung
gemacht werden. Zu dieser Gruppe werden folgende Verben
zugerechnet: lassen (ohne zu), lehren,
helfen (entweder mit oder ohne zu). Ihre
Äquivalente im Polnischen sind: kazać, uczyć,
pomagać. Die Mutter
lässt ihn Mittag kochen. Matka każe mu ugotować
obiad. Er hilft uns aufräumen.
On pomaga nam (po)sprzatątać. Sie half ihm, das Gepäck zu verstauen. Ona pomaga mu dobrze rozmieścić
bagaż. Die Klassifizierung
ist wie folgt:
-
Verben des Veranlassens zu (oder Abhaltens
von) einer Behandlung. Hier können Verben weiter unterteilt
werden. Die Klassifikation hängt davon ab, ob sie außer
dem Infinitiv noch ein Objekt im Dativ oder Akkusativ
regieren. Im Deutschen verlangen eine Dativergänzung
folgende Verben: befehlen, erlauben, ermöglichen,
raten, verbieten u.a. Im Polnischen dagegen nur:
kazać, radzić, śmieć, usiłować,
zabronić. Es überwiegen hier że-Nebensätze
und Verbalsubstantive, z.B. Er erlaubte ihr
hier zu bleiben. Pozwala jej tutaj
zostać.
Nach Verben, die ein Akkusativobjekt regieren, steht der Infinitiv
nur im Deutschen. Im Polnischen dagegen entsprechen
ihnen żeby-Sätze, Verbalsubstantive,
żeby+ Infinitiv.
-
Verben vom Typ: beschuldigen,
gönnen können sowohl mit dem Dativ
als auch mit dem Akkusativ stehen. Sie haben auch die
Fähigkeit, sich mit dem Infinitiv II zu verbinden. In
der polnischen Sprache entsprechen ihnen że-Nebensätze
und manchmal Verbalsubstantive. Im Deutschen
gehören zu diesen Verben: anklagen, beschuldigen,
erdächtigen, gönnen, vorwerfen. Sie werden im Deutschen
sehr selten verwendet. Man beschuldigte ihn, diesen
Autounfall verursacht zu haben. Obwiniano
go o spowodowanie tego wypadku. Obwiniano go o to, że
spowodował ten wypadek.
-
Besonderheiten hinsichtlich
des Bezuges des Trägers der Infinitivhandlung weisen einige Verben auf, die
sich nicht eindeutig zu einer
der beiden vorher besprochenen Gruppen zählen lassen.
Anordnen, protestieren regieren kein Objekt.
Der Infinitiv bezieht sich auf ein Agens nicht auf das
Objekt ( das aus der Situation und aus dem Kontext zu
erschließen ist. Die polnischen Entsprechungen sind
die Konstrutionen żeby+Infinitiv
und Verbalsubstantive. Wer hat angeordnet,
den Raum zu verlassen. Kto zarządził, żeby opuścić pomieszczenie. Kto
zarządzil opuszczenie pomieszczenia.
Nach Verben: anbieten, fordern,
beantragen kann der Infinitiv
auf ein Subjekt oder ein Objekt des finiten Verbs bezogen
werden. Diese Bezugsmöglichkeiten werden nur durch Verbalsubstantive
ausgedrückt. Anderenfalls ergibt sich die Entscheidung
aus der Semantik des Verbs in Infinitiv, und spielt
eine wichtige Rolle bei der Übertragung ins Polnische.
Wenn Andere Mittel gewählt werden, kommen bei Bezug
auf das Objekt hauptsächlich: żeby + Infinitiv,
bei anbieten że-Nebensätze in Frage: Er bietet ihr an, mit
ihm an die See zu fahren. Bei vorschlagen +
Infinitiv können Subjekte, Objekte oder beide
bei der Infinitivhandlung beteiligt sein. Das lässt
sich aus dem Einzelsatz erschließen. Eine solche Konstruktion
ist auch im Polnischen vorhanden: proponować
+ Infinitiv: Ich schlage meiner Schwester vor, mit mir/ihm usw. ins Theater
zu gehen. Proponuję
swojej siostrze pójść ze mną /z nim itd. do teatru.
Das Verb proponować darf man im Polnischen
jedoch mit dem Infinitiv nicht verbinden, wenn die vorgeschlagene
Tätigkeit auch die vorschlagende
Person umfasst. Der Satz: Proponował
jej rozwód z mężem
ist korrekt aber Proponował jej rozwieść
się z mężem nicht korrekt. Ähnlich
verhalten sich z.B. Verbindungen projektować,
postulować, umożliwiać + Infinitiv.
Postulowali połączenie (nicht *połączyć
kilka instytucji). Nowe przepisy umożliwiają
przeprowadzenie reform (statt: *przeprowadzić
reformy)
-
Prädikative Adjektive
nehmen auch einen Infinitiv in Objektfunktion auf.
In beiden Sprachen ist die Zahl dieser Adjektive sehr
gering, wobei sie im Deutschen größer
als im Polnischen ist. Bei den Adjektiven, die eine
Tätigkeit oder Bereitschaft bezeichnen, besteht eine
Übereinstimmung, z.B. Ich bin bereit, mit dir dorthin
zu gehen. Jestem gotów pójść
tam z tobą.
-
Nach den Adjektiven,
die einen Gemütszustand bezeichnen, tritt ein
Infinitiv nur in der deutschen Sprache auf (Faulstich1982,
247. Im Polnischen entspricht ihm ein że-Nebenstz,
z.B. Sie sind stolz, einen solchen Sohn zu haben.
Oni są dumni, że mają
takiego syna.
Die
Rolle des Infinitivs als prädikatives
Attribut erfüllt der Infinitiv nach Verben der Wahrnehmung:
Ich sah sie laufen. Im Polnischen entspricht dieser
Konstruktion ein adjektivisches Aktivpartizip. Das kommt
in Frage vor allem dann, wenn dem durch ein Substantiv
oder Pronomen repräsentierten Akkusativobjekt das Merkmal
zukommt und der Infinitiv durch weitere Glieder erweitert
ist. Erfolgt dies nicht, sind że-Sätze möglich, z.B. Sie hörten den Jungen singen. Oni słyszeli, że chłopiec spiewał. Oni słyszeli jak
chłopiec spiewał.
Der Infinitiv wird als Attribut
behandelt, wenn er nach den Substantiven vorkommt, die
Nominalisierungen der behandelten Verben und Adjektive
sind. Wenn der Infnitiv nach Substantiven steht, die
Bestandteil einer festen verbalen Fügung sind und sich mit dem Infinitiv nicht verbinden, erfüllt er keine
Rolle des Infinitivs. In diesem Falle entspricht er
einem Objekt. Die Zahl dieser Substantive ist im Deutschen
größer als im Polnischen.(Faulstich 1982, 249).
Der Infinitiv steht als Attribut nach Interrogativ-
und Indefinit-Pronomina wie: etwas, nichts, was, viel,
wenig, wieviel mehr in Aussage- und Fragesätzen.
Als Prädikate
treten die Verben des Besitzes, des Besitzwechsels der
Existenz auf. Der Infinitiv unterscheidet sich hier
unter einem anderen Aspekt. Er stellt eine nähere Erläuterung
dar, während in den vier betrachteten Verbindungen die
mögliche Transformation in einem Relativsatz zeigt,
dass eine potentielle Identität besteht, z.B. Gib
mit bitte was zu tun! Gib mit bitte was, das ich tun
kann! Hier tritt ein zusammengesetztes Prädikat
aus haben + zu+ Infinitiv auf, zu dem das Pronomen
Objekt ist. Es ist so, weil in Verbindungen mit haben
(als modalem Hilfsverb) immer die Bedeutung Notwendigkeit
vorliegt, während hier oft Möglichkeit ausgedrückt
wird , weil haben immer als Vollverb des Besitzes betrachtet
werden kann (Faulstich 1982, 257). Wenn der Infinitiv
eliminiert wird, bleibt der Satz grammatisch korrekt,
z.b. Gib ihm bitte was zu essen! Im Polnischen
kommt die Konstruktion do+Verbalsubstantiv
vor, das Attribut ist: Daj mu coś
do zjedzenia! Der Infinitiv kann auch als Attribut betrachtet
werden, wenn er nach einigen Substantiven steht. Im
Prädikat stehen dann Verben des Besitzwechsels,
des Besitzes und der Existenz, z.B. Sie hat
eine E-Mail zu schreiben. Ona musi napisać
maila. Im Dativ ist diese Abgrenzung von den Verbindungen haben+ zu+ Infinitiv
sehr schwierig und manchmal gar nicht möglich. Das hängt
davon ab, ob Der Infinitiv eliminierbar ist. Darüber
hinaus liegt nicht immer eine Notwendigkeit vor. Der
Infinitiv kann nicht als Attribut betrachtet werden,
wenn die Bedeutung Möglichkeit durch zusätzliche lexikalische
Elemente ausgeschlossen ist, z.B. Sie hat eine E-Mail
unbedingt zu schreiben. In diesem Falle lässt
sich solche Konstruktion durch do+ Verbalsubstantiv
wiedergeben. Ona ma koniecznie
napisać ten mail.
Die
größte Gruppe im Bereich der adverbialen Bestimmung
stellen die Konstruktionen mit finalem Infinitiv dar,
der im Dativ durch um, im Polnischen durch żeby
eingeleitet wird. In beiden Sprachen besteht eine große
Parallelität, z.B. Die Mutter ist früh aufgestanden,
um die Straßenbahn zu erreichen. Mama wstała wcześnie, żeby zdążyć na tramwaj. Nach den Verben der Bewegung kommt der Infinitiv
als Finalbestimmung mit Lokalisierung vor. Das gibt
es in den beiden Sprachen in Verbindung mit den Verben:
gehen - iść, kommen – przychodzić, fahren – jechać, in denen sich der Infinitiv auf das Subjekt bezieht. Komm
tanzen! Chodź tańczyć!
Eine Übereinstimmung besteht auch beim konsekutiven
Infinitiv nach: um/żeby, z.B. Die Sache ist zu schwer, um sie auf diese Weise zu betrachten.
Sprawa jest zbyt trudna, żeby ją traktować
w ten sposób.
Ein
konsekutiver Infinitiv mit Gradangabe ist im Deutschen
selten. In der Infinitivkonstruktion wird eine Folge
ausgedrückt. Sie ergibt sich
aus dem Grad des Geschehens und bedarf eines Signals
durch Korrelate so oder genug. Im
Polnischen entsprechen dieser Konstruktion że-Nebensätze
oder zusammengesetzte Sätze mit i. Byłam
wystarczająco wyczerpana i nie wzięłam
udziału w wycieczce.
Die
Adverbialbestimmungen, die ein substantivisches
Verhältnis formulieren, werden mit (an)statt +
Infinitiv-Konstruktionen gebildet.
Im Polnischen entspricht denen eine zamiast+Infinitiv-Konstruktion.
Anstatt in die Bibliothek zu gehen, besuchte er Peter.
Zamiast pójść do biblioteki,
odwiedził Piotra. Auch die Konstruktion vom Typ: das ist zu machen erfüllt
die Funktion der adverbialen Bestimmung (Faulstich
1982,257). Im Unterschied zur Konstruktion sein +
Infinitiv besteht darin, dass:
·
Elemente: leicht, schwer auftreten.
Sie können nicht als Adverbialbestimmung zum zusammengesetzten
Prädikat interpretiert werden;
·
neben sein werden auch bleiben,
sich erweisen, scheinen, im Prädikat auftreten;
·
die Bedeutung Möglichkeit immer
vorliegt und Notwendigkeit ausgeschlossen ist.
Das
war schwer zu lösen. Es war schwer zu lösen.
Deshalb behauptet man, dass Sätzen vom Typ: Das ist
leicht zu machen. Das ist auch die Ursache dafür,
dass Adjektive leicht, schwer als Prädikatsnomen
betrachtet werden. Polnische Sätze von diesem Typ weisen
eine ähnliche Struktur auf. Diese
besteht aus: Adjektiv + do + Verbalsubstantiv,
z.B. To było trudne do rozwiązania.
3.2.
Der unabhängige Infinitiv
Wenn
der Infinitiv als Prädikat in Frage- und Aussagesätzen
benutzt wird, unterscheidet man den Gebrauch des Infinitivs
in beiden Sprachen, z.B. Was machen?
Co robić?
So etwas machen! In polnischen Nebensätzen, die
durch Interrogativpronomen eingeleitet sind, ist der
Infinitiv unabhängig. Er ist aber mit dem Auftreten
von bestimmten Verben im Hauptsatz verbunden. Er
wußte nicht, was er in diesem Moment sagen soll. Nie
wiedział, co ma w tym momencie powiedzieć.
3.3.
Grammatisch-kommunikative Potenz der Konstruktionen
Modalverb + Infinitiv und ihre Negation
Hier
wird versucht, die Negation der Verbindungen Modalverb
+ Infinitiv
zu betrachten, indem man den Vorschlag von Grempel,
Masarik übernimmt (Faulstich 1981, 137). Sie unterscheiden
nämlich zwischen:
·
allgemeiner Modalität (AM), wo der Sprecher
einem grammatischen Satzmuster, das in diesem Aspekt
primär modal indifferent ist, bei seiner Realisierung
in der Sprachäußerung der jeweiligen Status zugeordnet
wird,
·
voluntativer Modalität (VM), in der die
Disposition des Agens die Realisierung der Handlung
wiedergibt.
·
Gewissheitsmodalität (GM). Diese wird
als Ausdruck des Übersetzungsgrades des Sprechers
von der realen Gültigkeit des Sachverhaltes seiner Aussage
erfasst.
Wir werden
uns den Verwendungsweisen der Modalverben zuwenden,
in denen sie zum Ausdruck von VM und GM dienen. Im Deutschen
unterscheidet man folgende Modalverben: dürfen (móc,
wolno, należy), können (móc, umieć, potrafić),
mögen (chcieć, mieć ochotę, lubic, woleć),
müssen (musieć, należy, trzeba), sollen (powinienem,
mieć, należy), wollen (chcieć), (lassen,
haben) (vgl. Lewicki 2000, 337-38). Im Polnischen
dagegen: móc, musieć, mieć,
chcieć. Dazu kommen noch folgende Prädikativa: wolno,
można, trzeba, należy, powinien.
Der vom Modalverb verlangte Infinitiv steht im Polnischen im Unterschied
zum Deutschen nicht am Satzende, sondern direkt
nach der finiten Form. Innerhalb der GM unterscheidet
man zwischen dem Ausdruck der Potentialität (P) und
der fremden Meinung (FM). In der deutschen Sprache drücken
das die folgenden Modalverben aus: muss/musste, müsste,
dürfte, mag, mochte, kann, konnte, könnte, sollte.
Vgl. Sie muss die Suppe gekocht haben. Sie müsste
die Suppe gekocht haben. Muss/muste betonen in dieser
Reihenfolge die größte Sicherheit, die anderen einen
geringen Grad. Paul dürfte den Brief geschrieben
haben. Er mag den Brief gemacht haben. Er kann den Brief
gemacht haben. Er könnte den Brief gemacht haben. Kann/konnte,
mag/mochte drücken den gleichen Grad an Sicherheit aus,
weil sie synonym gebraucht werden. Sollte er ihn
schreiben? Sollte stellt den Moment des Zweifels
dar. Die deutschen Modalverben gebraucht man nur im
Präsens, im Imperfekt und einige im Konjunktiv II. Es
gibt keine Perfekt- und Plusquamperfektformen. In beiden
Sprachen gibt es auch keine Futurformen. Die Modalverben
(insbesondere mit der Bedeutung GM) sind typisch in
Verbindungen mit dem Infinitiv II. Vorwiegend in der
Verbindung Modalverb Präsens + Infinitiv II ist
die Entscheidung, ob in einem Satz VM oder GM gegeben
ist, weil bei VM der Infinitiv eine Handlung oder ein
Geschehen in der Zukunft bezeichnet: Bis zum Freitag
muss/kann er den Roman zurückgeben (VM). Du musst/kannst
den Roman abgegeben haben. Im Polnischen wird GM durch
folgende Modalverben ausgedrückt: musieć,
powinien, móc, z.B. Ona musi /powinna/może/mogła
napisać list. Zwischen
musieć und muss/musste, powinien
und müsste oder dürfte, móc und
kann/konnte, mógłby und könnte
besteht eine Äquivalenz. Zum Ausdruck der Vermutung
dient im Deutschen dürfte und sollte,
und im Polnischen wird sie mit Modalpartikeln zum Ausdruck
gebracht: Das dürfte er sein! To
chyba był on!Sollte das er sein? Czyżby to
był on? Auch im Polnischen
werden die Modalverben von GM im Futur nicht gebraucht.
Ohne Beschränkungen können nur musieć und
móc im Präteritum auftreten. Alle diese Konstruktionen sind in der gesprochenen Sprache von Bedeutung.
Ein großer Unterschied zwischen dem Deutschen
und Polnischen besteht darin, dass der präteritale
Infinitiv im Polnischen nicht vorhanden ist. Dadurch
gibt es im Deutschen mehrere Sätze, die einem Satz im
Polnischen entsprechen.
[Grafik nur in der PDF-Version]
Sie können den Urlaub im Gebirge verbracht haben.
Mogli spędzić urlop w górach. Sie konnten den Urlaub im Gebrige verbringen.
Sie konnten den Urlaub i Gebirge verbracht haben.
Sie haben den Urlaub im Gebirge verbringen
können.
Im Weiteren
befassen wir uns mit den Negationsmöglichkeiten der
Modalverben im Deutschen und Polnischen. Faulstich
(1981,141) stellt folgende Negationsmöglichkeiten dar:
Er könnte nicht kommen sein (2). Er kann nicht gekommen
sein (1). Ich halte es nicht für möglich, dass er gekommen
ist). Er kann nicht gekommen sein (2*). (Ich halte es für möglich, dass er nicht gekommen
ist). Nicht gekommen sein, kann er nicht (3*).
Er mag nicht gekommen sein. Er dürfte nicht zu Hause
sein. Er müsste nicht zu Hause sein. Er muss nicht gekommen
sein (1*). (Er ist nicht sicher, das.…) Er muss nicht
gekommen sein (2*) (es ist nicht sicher, dass er nicht…)
Nicht gekommen sein, muss er nicht (3*). Daraus
zieht Faulstich Schlüsse, dass die Konstruktionen mit
kann/konnte und muss/muste die Beispielsätze
1,2,3 darstellen, weil diese Möglichkeiten, die Beispiele
3*zeigen, selten sind. Der Unterschied bei Möglichkeiten
1*, 2* geht aus dem Kontext oder aus der Situation hervor.
Weiter sieht man die Differenz in der Stellung von nicht
bei Spitzenposition des Infinitivs im Satz: Gekommen
sein, kann er nicht. Nicht gekommen sein, kann
sie auch. Im Polnischen kann man folgendermaßen
sagen: Nie mógł przyjść. Mógł
nie przyjść. Nie mógł nie przyjść.
Nie powinien teraz być w domu. Nie musiał
przyjść. Musiał nie przyjść.
Nie musiał nie przyjść. Móc und musieć,
wie ihre deutschen Äquivalente,
werden in allen drei Möglichkeiten verwendet. Die Stellung
von nie aber deutet die Negation klar an. Die
Differenzen zwischen dem Deutschen und dem Polnischen
bestehen nicht in Möglichkeiten, die das Sprachsystem
zugänglich macht, sondern in
der Frequenz der Möglicheiten
1und 2 im Deutschen. Fremde Meinung (FM) kann
mit Hilfe von Verben sollen und wollen im Indikativ
Präsens und Imperfekt im Deutschen wiedergegeben werden.
Beim Ausdruck der Potentialität (P) gibt es keine Futurformen.
Hier erscheinen oft die Verbindungen mit dem Infinitiv
II : Anna sollte das Abendbrot vorbereitet haben.
Anna wollte das Abendbrot vorbereitet haben. Im
Polnischen nutzt man diese Konstruktionen mit mieć
– sollen. On miał naprawić
pralkę. Er sollte
die Waschmaschine reparieren. Das Verb wollen
entspricht in dieser Konstruktion dem polnischen Verb
twierdzić ( behaupten). Ona twierdziła,
że zrobiła to zadanie.
Bei
sollen, wollen und mieć bezieht sich
die Negation immer auf die Handlung, die durch den Infinitiv
genannt wird: Sie sollte/wollte die Aufgabe gemacht
haben. Man sagt/behauptet, dass sie die Aufgabe nicht
gemacht hat. Ona ma nie wykonać
tego zadania. Podobno ona nie wykona tego zadania.
Daraus resuliert, dass im Polnischen
Modalverben eingeschränkt FM und nicht die Negation
ausdrücken. Die Modalverben können Möglichkeit, Erlaubnis,
Notwendigkeit, Pflicht und Absicht ausdrücken. Zum Ausdruck
der Möglichkeit und Erlaubnis benutzt man im Deutschen
können, dürfen und im Polnischen móc, można,
wolno. Zwischen können und dürfen
besteht ein semantischer Untersched: Er kann nicht
rauchen. Er darf nicht rauchen. Ohne zusätzliche
lexikalische Einheiten bezieht sich die Negation einer
Konstruktion mit düfen bei zentraler Wortfolge auf das
modale Verhältnis. In Dialogen liegt manchmal 1 oder
3 vor. Alle müssen an dieser Arbeitsgemeinschaft
teilnehmen. - Darf man auch nicht teilnehmen? – Nein,
nicht teilnehmen darf man nicht. Zum Modalausdruck
Notwendigkeit/Pflicht gehören: müssen und
sollen im Deutschen und im Polnischen musieć,
mieć, powinien, trzeba und należy.
Bei den Strukturen mit müssen
stützt man sich auf den Typ 1. Er muss nicht rauchen.
Anders sieht die Situation bei sollen und haben.
Hier wird nämlich die Negation des Typs 2 bevorzugt,
d.h. es wird die Pflicht/Notwendigkeit ausgedrückt.
Er soll nicht rauchen. Eigentlich ist hier die Möglichkeit
1 nicht ausgeschlossen, aber sie werden in den Kontexten
gebraucht, die eine eindeutige Interpretation zulassen:
Soll ich ihm helfen? Nein, du sollst ihm nicht helfen.
Bei Konjunktivformen betont sollen keine Notwendigkeit/Pflicht,
sondern einen Ratschlag oder Vorschlag: Du sollst
ihm helfen. Das polnische musieć
entspricht dem deutschen müssen. Es wird also
die Negation 1, nicht die Notwendigkeit ausgedrückt.
Nie musieć kann man durch nie trzeba
ersetzen, z.B. Nie musisz/nie potrzebujesz
mu pomagać. Mieć entspricht dem
deutschen sollen. Es wird meist die Infinitivhandlungen
negieren, und die Negationspartikel tritt vor dem Verb
auf: Mamy nie robić zakupów. W drugiej połowie lipca,
po tym jak Lew Ryin miał złożyć
propozycję korupcyjną Agorze, nastąpiła
przerwa…Powinien und należy werden immer mit der Negierung die Pflicht ausdrücken,
z.B. Nie należy jeść tłustych
potraw. Ona nie powinna pić kawy.
Kompliziert ist de Negation
mit trzeba. Nie
trzeba pomagać Zosi, ona sama sobie poradzi.
Mit nie vor trzeba wird ein Verbot verstanden. Nie trzeba kupować alkoholu. Wenn trzeba
eine Notwendigkeit ausdrückt,
sind im Bereich der Modalität ohne Bedeutungsunterschied
zwei Formen möglich: W takim razie nie trzeba było przychodzić.
W takim razie trzeba było nie przychodzić.
3.3.
Infinitiv Passiv
im Deutschen und Polnischen
Was
den Infinitiv Passiv betrifft, da besteht er sowohl
im Deutschen als auch im Polnischen. Er tritt nicht
immer dort auf, wo der Infinitiv Aktiv möglich ist. Im Deutschen sind Konstruktionen mit Verben der Wahrnehmung-Konstruktionen
oder solche Verben wie beabsichtigen – zamierzać ausgeschlossen. In der
polnischen Sprache findet ma keine Beispiele für den
Infinitiv Passiv als Attribut. Passivische Infinitivkonstruktionen
sind komplizierter als Aktivkonstruktionen. Im Polnischen
ist der Infinitiv im Passiv hinsichtlich Numerus und
Genus differenziert. Man kann also sagen, dass der
Infinitiv Passiv seltener als der deutsche Infinitiv
Passiv ist, z.B. Was soll getan werden. Co należy/mamy zrobić? Die Beste
zu werden war ihr Ziel. Jej celem było
być najlepszą.
4.
Konklusionen und Perspektiven für DaF
Wie
schon früher erwähnt wude, wird der Infinitiv in beiden
Sprachen als eine Art der Verbform betrachtet, und als
Verbkategorie ist er für Fremdsprachendidaktik ausschlaggebend. Der Gebrauch des Infinitivs
im Deutschen und Polnischen ist sehr breit, wobei der
deutsche Infinitiv komplizierter als der polnische Infinitiv
ist. Er zeigt große Divergenzen wie auch Konvergenzen bei der Verwendung sowohl im Deutschen als auch
im Polnischen. In beiden Sprachen kommt er in ähnlichen
Formen vor, und hat ähnliche Funktionen. Er kann nämlich
als Nomen im Satz stehen, substantiviert werden, mit
Präpositionen verbunden werden. Der Infinitiv bezeichnet
auch das, was das Verb näher bestimmt: Geschehen, Vorgänge,
Tätigkeiten, Zustände. Das gemeinsame Kennzeichen
für die beiden Sprachen ist die Verbindung des Infinitivs nach Modalverben
(Muszę go dzisiaj odwiedzić. Ich mus ihn
heute besuchen) nach Verben die den Plan oder die
Absicht (Mój sąsiad postanowił kupić
ten samochód. Mein Nachbar hat beschlossen,
dieses Auto zu kaufen) ausdrücken.
Der Infinitiv steht in beiden Kombinationen mit finiten
Formen von werden/będę im Futur I (Ich
werde jetzt lernen. Będę się teraz uczyć). Es
muss aber hervorgehoben werden, dass der Infinitiv im
Deutschen - im Unterschied zum Polnischen – neben Futur
I noch Futur II existiert (Ich werde jetzt gelernt
haben. Sie werden gekommen sein). Der polnische
Infinitiv kann als Komponente des zusammengesetzten
Futurs austauschbar mit Partizip II gleichwertig eingesetzt
werden. Man sagt also entweder
Będzie słuchać muzyki oder Będzie
słuchał muzyki.
Der
Ininitiv erhält auch in beiden Sprachen keine Konjugationsformen.
Sowohl das Deutsche als auch das Polnische verfügen
über die Möglichkeit, die Infinitive in subjektlosen
Fragesätzen (Dlaczego płacić?
Warum zahlen?) und
in Imperativsätzen anzuwenden (Nie wchodzić!
Nicht hereintreten). Trotzdem gibt es beim Gebrauch
des Infinitivs im Satz Abweichungen zwischen dem abhängigen
und nicht abhängigen Infinitiv. Im Deutschen hat der
Infinitiv einen mehr auffordernden Charakter als der
polnische Infinitiv. Das kann in Form eines Verbotes,
einer Empfehlung geschehen. Erwähnenswert ist auch,
dass der deutsche Infinitiv mit oder zu gebraucht
werden kann. Im syntaktischen Gebrauch tritt der Infinitiv
ohne zu seltener auf, d.h. nach Empfindungsverben,
Modalverben, Bewegungsverben, Zustandsverben und in
spezieller Verwendung nach den Verben: haben, finden,
heißen, legen, schicken u.a. Bei den Verben: lernen,
lehren und helfen gibt es den Infinitiv mit oder
ohne zu. Heute wird der Gebrauch des Infinitivs mit
der Partikel zu als satzwertig betrachtet. Die
Infinitivkonstruktion konkurriert mit der Nebensatzkonstruktionen
(nach: lohnen, gelten). Der Infinitiv dient zur
Darstellung gegenwärtiger, zukünftiger, vergangener
Geschehen, die gleichzeitig mit der Haupthandlung ablaufen
können oder ihr nachfolgen. Der Anwendungsbereich des
deutschen Infinitivs wird durch die Existenz von präteritalen
Formen erweitert. Diese Formen bezeichnen auch Handlungen.
Im Rahmen des Verbs unterscheidet man im Deutschen und
Polnischen zwischen der finiten Form und den infiniten
Formen (Infinitiv, Partizip, Partizip II). Die finite
Verbform kann durch Person, Numerus, Kasus, Tempus und
Modus konjugiert werden. Die infinite Verbform (der
Infinitiv) wid dagegen nicht gebeugt.
Aufgrund
der Untersuchung kann man feststellen, dass außer nach
den regierten Ausdrücken, die obligatorisch einen Infinitiv
fordern, z.B. Modalverben im Polnischen andere Ausdrucksmittel
(Verbalsubstantive, Nebensätze) eine viel größere Rolle
spielen als im Deutschen. Der Infinitiv kann erwartungsgemäß
sowohl im Deutschen als auch im Polnischen negiert werden.
Die Möglichkeiten der Negierung zeigen auch große Gemeinsamkeiten.
Die berührte Problematik bestätigt die Tatsache, dass
die Kenntnis grammatisch-lexikalischer Konstruktionen
im infinitiven Rahmen für sprachliche Produktions-
und Rezeptionsprozesse von besonderer Relevanz ist.
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