Ewa Drewnowska-Vargáné
Veszprém/Ungarn
"Sie haben gesagt Krieg. Am Anfang
haben Sie behauptet, es gebe keinen Krieg [...]"
Textsortenkonstitutive und intertextuelle
Aspekte metakommunikativer Äußerungen in der Textsorte
Presse-Interview im interlingualen Vergleich
0. Vorbemerkungen
Betrachtet
der Rezipient die im Titel zitierte Äußerung,
dürfte ihm auffallen, dass sie auf einer anderen Ebene
als die der Objektsprache gemacht wurde: Ihr Urheber,
der Interviewer, reflektiert über die Ausdrucksweise
des Befragten. Somit wird diese Äußerung auf der
Ebene der Metasprache gemacht und ist ein Beispiel
für gängige Verfahren, die die Kommunikationspartner
einsetzen, um Verständnisstörungen in der alltagssprachlichen
Kommunikation zu beseitigen oder, um eigene bzw. fremde
Aussageabsichten zu klären.
Metakommunikative Äußerungen wie die obige stellen als Ausdruck der menschlichen Fähigkeit, über
die eigene (und auch über fremde) Sprache zu reflektieren,
ein universelles, d.h. von der Einzelsprache unabhängiges
Phänomen sprachphilosophischen Ursprungs
dar. Dank ihrer Universalität können sie meiner Meinung
nach bei interlingualen multilateralen Untersuchungen
als tertium comparationis dienen, wie dies im vorliegenden
Aufsatz der Fall ist: Ich gehe der Frage nach, inwiefern
metakommunikative Äußerungen (im Weiteren MK-Äußerungen)
kommunikationskulturspezifisch bedingt sein können.
Das Zentrum des Beitrages bildet eine exemplarische Darstellung einiger
Befunde der vergleichenden Analyse von MK-Äußerungen
in deutsch-, polnisch- und ungarischsprachigen Presse-Interviews
und die Interpretation aller Befunde dieser Analyse
in textsortenspezifischer wie auch textsortenübergreifender
Hinsicht.
1. Presse-Interview als Grundlage
der Untersuchung
Als
Materialbasis für die Untersuchung dient das geschriebene
Interview, das in dem Medium Zeitung bzw. Zeitschrift
typischerweise in Form eines verschriftlichten Dialogs,
mit einem Titel, nicht selten auch mit einem redaktionellen
monologischen Vorspann und sogar mit einem monologischen
Text nach dem verschriftlichten Dialog erscheint. Die wichtigste Ähnlichkeit des geschriebenen Interviews mit dem gesprochenen
ist die Verteilung des Rederechtes und die
aus dem Rederecht folgende innere Organisation, vor
allem die Frage-Strategien zur Steuerung des Interviews
(vgl. Drewnowska-Vargáné, im Druck a). Daraus
resultiert, dass auch das geschriebene Interview ähnlich
wie das gesprochene mit gesprächslingistischen Kategorien
analysiert werden kann.
Das geschriebene
Interview ist als medial vermittelte Textsorte einerseits
mehrfachadressiert und andererseits wird es
von mehreren Autoren verfasst (vgl. Drewnowska-Vargáné, im Druck a). Die deutsch-, polnisch- und ungarischsprachigen Mehrfachautoren
betrachte ich als jeweils eine spezifische
journalistische Diskursgemeinschaft mit einer
sie kennzeichnenden Schreibkultur und Vertextungsroutinen,
die diese Diskursgemeinschaft von den anderen abheben
(vgl. Drewnowska-Vargáné
2000, S. 14f.).
2. Metakommunikation als
Gegenstand der Untersuchung
Den
Gegenstand der Untersuchung stellen bestimmte kommunikationsfördernde
Aspekte der Metakommunikation dar, die - zumindest
auf dem Gebiet der germanistischen Linguistik -
zuerst als ein Phänomen der gesprochenen Sprache untersucht
wurden (Schwitalla
1979, Schmitter/Adamzik 1982, Techtmeier 1984).
Spätere Forschungsergebnisse deuten aber darauf hin,
dass dieses Phänomen nicht nur in gesprochenen, sondern
auch in geschriebenen Texten mit einem textsortenspezifischen
Charakter auftritt (vgl. z.B. Wittich
1985; Gläser 1990; Fiedler 1991). Weitere
interessante Einsichten in die Metakommunikation bringen
Beiträge, die interlingual ausgerichtet sind wie beispielsweise
der von Tiittula (1993, 1997) [empirische vergleichende
Forschungen zur Metakommunikation im deutschen und
finnischen mündlichen Diskurs]. Auf
dieser Folie stellt der vorliegende Beitrag keinen
vereinzelten Ansatz dar. Jedoch dürfte er sowohl in
Bezug auf die drei gewählten Diskursgemeinschaften
als auch in Bezug auf die Textsorte und die Art des
Diskurses (Presse-Interview/schriftlich) als eine
erste interlinguale Untersuchung dieser Art aufgefasst
werden.
Die theoretische
Fundierung der Analyse bildet primär der empirische
Ansatz von Techtmeier (1984, 1993, 1994 und 2001),
da er im Vergleich zu den anderen metakommunikativen
Ansätzen auf dem Gebiet der germanistischen Linguistik
m.W. die am umfangreichsten systematisierte Klassifikation
der MK-Äußerungen in dialogischen Texten darstellt.
Unter dem Terminus Metakommunikation verstehe
ich mit Techtmeier (2001, S. 1451f.) "die
Bezugnahme auf Aspekte des Kommunikationsvorgangs,
in dessen Verlauf die jeweilige MK [Metakommunikation]
auftritt". Sie manifestiert
sich in MK-Äußerungen. Eine MK-Äußerung gehöre der
gleichen Interaktionseinheit an wie die nichtmetakommunikative
Bezugsäußerung (ebenda, S. 1452). Die Mehrzahl der
MK-Äußerungen haben ihren eigenständigen propositionalen
Gehalt und eine bestimmte syntaktische Struktur, für
die eine Dominanz von
Deklarativsätzen kennzeichnend ist (ebenda,
S. 1459). Zu ihren sprachlichen Besonderheiten
gehören vor allem: die Häufung interaktionsbenennender
Ausdrücke (vor allem Verben, aber auch Substantive),
z.B. sagen, behaupten, ergänzen, fragen, vorschlagen,
Zusammenfassung, Antwort, Kritik (vgl. Techtmeier
1984, S. 181 und 2001, S. 1460 ) sowie stereotype
Wendungen und Floskeln, z.B.: um es offen zu sagen;
offen gesagt (vgl. Techtmeier 2001, S. 1460).
3. Hypothese
Eine
der zentralen Ebenen des metasprachlien Wissens
bildet "das Wissen um sprachliche Gemeinschaften"
und um die sprachliche Identität (vgl. Schlieben-Lange (1975, S. 196). Ich gehe
davon aus, dass auf dieser Ebene deutliche Unterschiede
in den drei journalistischen Diskursgemeinschaften
bestehen. Dafür sprechen neben den bereits erwähnten
jeweils anderen Schreibkulturen und Vertextungsroutinen
auch jeweils andere Kulturkomponenten, die sich
in den drei untersuchten sprachlichen Teilkorpora
der Textsorte Meinungsinterview wiederspiegeln dürften.
Vor diesem Hintergrund kann die Hypothese aufgestellt
werden, dass auch das
Wissen um die Funktionen und Charakter der MK-Äußerungengen
in der medial vermittelten Textsorte Presseinterview
von Diskursgemein-schaft zu Diskursgemeinschaft
unterschiedlich ist und sich in Form von Kontrasten
im Gebrauch dieser Äußerungen von Teilkorpus zu Teilkorpus
nachweisen lässt.
Befunde der durchgeführten Analyse
Der Vergleich
von Exemplaren aller drei sprachlichen Teilkorpora
wird von mir in erster Linie auf den Beitrag des Interviewers
zur Struktur des Interviews hin durchgeführt, während
der Beitrag des Befragten (= des Interviewpartners)
im Hintergrund bleibt, denn: Die Interviews aller
drei Teilkorpora wurden mit Politikern und Experten
unterschiedlicher Staaten durchgeführt.
Die meisten
MK-Äußerungen sind in den Meinungsinterviews jedes
Sprachkorpus intra-textuell, d.h. es sind Normalanaphora,
die sich auf die Äußerungen des jeweiligen Dialogs
beziehen. Neben den Normalanaphora habe ich in jedem
Teilkorpus auch intertextuelle MK-Äußerungen, d.h. Makroanaphora festgestellt: Es sind Verweise auf frühere Aussagen der Befragten
oder anderer Personen zu demselben thematischen Schwerpunkt
in Texten, die meistens vor dem Zeitpunkt der Veröffentlichung
des jeweiligen Interviews oder parallel mit ihm in
der Presse erschienen sind, z.B. in anderen Interviews,
in Berichten, in harten Nachrichten oder in Kommentaren.
Normalanaphorische und makroanaphorische MK-Äußerungen
unterscheiden sich also voneinander hinsichtlich ihrer
Bezugsäußerungen grundsätzlich: Während sich die Makroanaphora
primär auf die quasi "gegenwärtig laufende"
Kommunikation im verschriftlichen Interview beziehen,
verweisen die letzteren aus dem Interview auf die
Vor-, Parallel- oder sogar Nach-Texte und damit verbinden
sie den quasi "laufenden" verschriftlichen
Dialog mit Texten, die zu derselben Interaktionseinheit gehören. Daher halte ich es für sinnvoll, die Befunde der Analyse
in zwei dieser Unterscheidung entsprechenden Hauptgruppen
auszuwerten und darzustellen:
·
normalanaphorische
MK-Äußerungen: Punkt 4.1. bzw. Anhang I: Teil A,
·
makroanaphorische MK-Äußerungen:
Punkt 4.2. bzw. Anhang I: Teil B.
Da der
Bezug der Äußerungen in diesen zwei Gruppen unterschiedlich
ist, sollen auch ihre Betrachtungsaspekte verschieden
sein: Während ich die Belege für normalanaphorische
MK-Äußerungen hinsichtlich ihrer Funktion, ihres Charakters
und ihrer Stellung in der Struktur der Presse-Interviews
analysiere (= textsortenkonstitutive Aspekte), untersuche
ich die makroanaphorischen MK-Äußerungen als intertextuelle
Verweise primär unter dem Aspekt der Verankerung des
verschftlichten Interviews im Textsortennetz (=
intertextueller Aspekt). Vorausgeschickt sei, dass
ich mich beim letzteren Aspekt auf den pragmatischen
Ansatz von Klein (1991, 2000) zu Textsorten-Intertextualität
stütze, in dem die funktionalen Zusammenhänge zwischen
Textsorten innerhalb eines bestimmten Interaktionsrahmens
expliziert werden.
4.1. Vergleich normalanaphorischer
MK-Äußerungen in den Beiträgen deutsch-, polnisch-
und ungarischsprachiger Interviewer unter textsortenkonstitutiven
Aspekten
Der
erste Blick auf die gesamte Anzahl der normalanaphorischen
Äußerungen in allen drei Teilkorpora lässt eine deutliche
Diskrepanz erkennen, die zwischen dem deutschen und
dem ungarischen Korpus besteht: Während die Interviewbeiträge
der ungarischen Interviewer über die weitaus höchste
Anzahl der MK-Äußerungen verfügen, sind die entsprechenden
Werte im deutschen Teilkorpus die niedrigsten. Das
polnische Teilkorpus bleibt hier im Mittelfeld (s.
Anhang I, Teil A: Punkt 1).
4.1.1. Einzelne Funktionen der monofunktionalen
MK-Äußerungen
Techtmeier (1994, S.
246 und 2001, S. 1454) schreibt MK-Äußerungen in monologischen
und dialogischen Texten folgende drei Grundfunktionen
zu:
·
Stützung des Verstehens
der jeweiligen Bezugsäußerung,
·
Stützung der Akzeptanz
der jeweiligen Bezugsäußerung,
·
Stützung der Ausführbarkeit
der (vom Sprecher) erwünschter Handlung.
Demnach
unterscheidet sie in der Gesprächskonsitution verständnisstützende
(oder: hier synonym verständnissichernde),
akzeptanzstützende und dialogsteuernde
MK-Äußerungen. Jeder Typ ist
mit bestimmten Grundannahmen seitens des Sprechers
verbunden, die im Folgenden vor jeder exemplarischen
Darstellung der Ergebnisse thematisiert bzw. dem
Charakter der vorliegenden Analyse entsprechend modifiziert
werden.
4.1.1.1.Verständnissichernde MK-Äußerungen
Die
Hauptfunktion der verständnissichernden MK-Äußerungen
besteht in Sicherung und Stützung des komplexen Verstehens
des mit der Bezugsäußerung Gemeinten. Techtmeier (2001, S. 1454) exemplifiziert
diesen Typ u.a. so: "Das war eine Aufforderung/
Ich meine damit, daß.../Das soll heißen, daß..."
Diese Äußerungen basieren auf folgender Grundannahme
(ebenda, S. 1455):
"S[precher] nimmt an, dass H[örer] die Äußerung
von S[precher] nicht unbedingt versteht."
MK-Äußerungen
in der verständnisstützenden Funktion bildeten bis
vor kurzem das Zentrum der Metakommunikationsforschung.
Dies lässt meiner Meinung nach
behaupten, dass sie den am meisten verbreiteten Typ
im metakommunikativen Diskurs darstellen, was wohl
auch durch die Ergebnisse meiner Analyse bestätigen
dürften: In jedem Sprachkorpus bilden verständnisstüzende
MK-Äußerungen den größten Anteil monofunktionaler
Äußerungen. Erst der Vergleich aller drei Teilkorpora zeigt, dass die meisten
Belege zwar im ungarischen Korpus zu finden sind,
aber prozentual gesehen das deutsche Korpus auf dem ersten Platz steht (s. Anhang
I, Teil A: Punkt 2.1.1.).
An dem
Charakter der mehrfachadressierten Textsorte Meinungsinterview
liegt, dass es sich in den meisten verständnissichernden
MK-Äußerungen um Klärung bzw. Verdeutlichung der komplexen
Bedeutung der Aussagen der Befragten handelt. Demnach
soll die oben angeführte Grundannahme für die Zwecke
der vorliegenden Analyse m.E. folgendermaßen modifiziert werden:
Sprecher (der Interviewer) nimmt an, dass er
bzw. die Mehrfachadressaten des Interviews die Äußerung
von Hörer (von Befragten) nicht unbedingt richtig
versteht/verstehen.
Zur Veranschaulichung
sei ein für diese Annahme typischer Beleg aus dem
deutschen Korpus angeführt, in dem die Äußerung zur
Rekonstruktion der Bedeutung der Bezugsäußerung
dient:
1. verständnissichernd
(Hauptüberschrift):
"Die NATO wird noch lange gebraucht"
(Befragter:
Klaus Kinkel): [...] Es muß ja zunächst vor
allem darum gehen, die Eigenverantwortung der betroffenen
Staaten zu stärken und Hilfe zur Selbsthilfe zu
geben. Im übrigen gilt: first things first. Die
aktuellen Konflikte wie das Kosovo-Problem müssen
zunächst gelöst werden.
(Interviewer:Klar-Ludwif
Günsche): Das
heißt: Sie plädieren für kleine Schritte?
(Befragter:
Klaus Kinkel): Das ist richtig. [...]"
(Die
Welt vom 25. Mai 1999; Nr. 26 im Korpus,
Hervorhebungen interaktionsbenennender Ausdrücke
von mir)
4.1.1.2. Akzeptanzstützende MK-Äußerungen
Die akzeptanzstützende
Funktion resultiert aus der Einsicht, dass zum Erfolg
in der Kommunikation - neben einem gegenseitigen Verstehen
- auch eine "(wechselseitige) Akzeptanz des
Gesagten" gehört (Techtmeier
2001, S. 1455). Eine metakommunikative Akzeptanzstützung
könne sich sowohl auf die Akzeptanz des propositionalen
Gehalts (z.B. "Was ich jetzt sage, ist eine
grobe Vereinfachung") als auch auf die Akzeptanz
der Funktion (z.B. "Ich muß
dich jetzt einfach kritisieren, das war doch zu oberflächlich,
was du da gesagt hast.") oder auf die Akzeptanz
von Aspekten der sprachlichen Formulierung beziehen.
Dieser Typ der Äußerungen
basiert auf folgender Grundannahme (ebenda):
"S[precher] nimmt an, dass H[örer] die Äußerung
von S[precher] nicht unbedingt akzeptiert."
Diese
Annahme lässt sich für die Zwecke der vorliegenden
Untersuchung zwar ohne Modifikationen übernehmen,
doch ist aus der Zusammenstellung der Befunde ersichtlich,
dass monofunktionale akzeptanzstützende Äußerungen
in den drei untersuchten sprachlichen Korpora besonders
rar sind (s. Anhang I, Teil A: Punkt 2.1.2.). Folgender
Beleg stammt aus dem deutschen Korpus:
2. akzeptanzstützend
Hauptüberschrift): "Die
neue Ernsthaftigkeit
(Interviewer: Matthias Geis, Gunter Hoffman zum
Befragten: Wolfgang Schäuble): [...] Es fällt
auf, daß die Politiker der Union relativ skeptisch
über den Krieg reden. Sie selbst haben vor einer Übermoralisierung des Kosovo-Konfliktes
gewarnt.
Erlaubt das Weniger an Verantwortung in der Opposition
ein Mehr an Nachdenklichkeit? [...]"
(Die
Zeit vom vom 22. April 1999; Nr. 14 im Korpus)
Diese Äußerung "Sie
selbst haben vor einer Übermoralisierung des
Kosovo-Konfliktes gewarnt." wurde
vom Interviewern gemacht, damit der Befragte (der
CDU-Vorsitzende, Wolfgang Schäuble) sowohl den propositionalen
Gehalt der vorhin gemachten Feststellung "Es
fällt auf [...] skeptisch reden" als
auch den der danachfolgenden Frage: "Erlaubt
das Weniger an [...]" akzeptiert.
4.1.1.3. Dialogsteuernde MK-Äußerungen
Während
die MK-Äußerungen mit verständnis- und akzeptanzstützender
Funktion sowohl dialogische als auch monologische
Texte kennzeichnen, ist die dialogsteuernde Funktion
strukturgemäß nur für dialogische Texte charakteristisch:
Das Kommunizieren im Dialog muss als gemeinsame Aktivität von den
Partnern organisiert werden. Dem
liegt folgende Annahme zu Grunde (Techtmeier
2001, S. 1456):
"S[precher] und H[örer] nehmen an, dass
für den Erfolg der Kommunikation organisatorische
Aktivitäten erforderlich sind."
Da meine
Untersuchung die Person des Interviewers in den Vordergrund
stellt, modifiziere ich diese Annahme folgendermaßen:
Sprecher (der Interviewer) nimmt an, dass für
den Erfolg der Kommunikation organisatorische Aktivitäten
erforderlich sind.
Die meisten
Belege für Äußerungen mit dieser Funktion sind im
polnischsprachigen Teilkorpus zu finden (s. Anhang
I, Teil A: Punkt 2.1.3.). Die
folgende Äußerung bezieht sich beispielsweise auf
die Wiederaufnahme eines früheren Themas, d.h. auf
die inhaltliche Steuerung des Gesprächs (vgl. Schwitalla 1979, S. 131; Schmitter und Adamzik 1982, S. 67):
3. dialogsteuernd/inhaltlich
(Interviewer:
Wiesław Walkiewicz): "[...] Wróćmy do historii konfliktu. Jak to się zaczęło?
[...]"
(Gazeta Wyborcza vom 24.-25. April 1999; Nr. 13 im Korpus)
dt.:
(Interviewer: Wiesław Walkiewicz): "[...]
Kehren
wir zur Geschichte des Konflikts zurück. Wie hat er denn angefangen? [...]"
Die meisten Belege für
monofunktionale dialogsteuernde Äußerungen dienen
im polnischen Teilkorpus der formalen Steuerung des
Gesprächs (Schmitter/Adamzik
1982, S. 66), indem sie zur Vorstellung der Interviewer
und der Befragten und auch zur Markierung der Eröffnungs-
und Schlussphasen der Interviews gebraucht werden:
4. dialogsteuernd/formal
(Dachzeile):
"Mówi
James Hooper
(Hauptüberschrift):
Miloszević wygra tę wojnę
[...]
(‚Endtext?
nach dem verschriftlichten Dialog): Rozmawiał
Bartosz Węglarczyk
[...]"
(Gazeta Wyborcza vom 12. Mai 1999; Nr. 17 im Korpus)
dt.:
(Dachzeile):
"Es
spricht James Hooper
(Hauptüberschrift):
Milo¹ević gewinnt diesen Krieg
[...]
(‚Endtext?
nach dem verschriftlichten Dialog): Das
Interview wurde von Bartosz
Węglarczyk geführt
[...]"
Häufiger
als in deutsch- oder in ungarischsprachigen verschriftlichten
Dialogen finden sich im polnischen Teilkorpus Äußerungen,
die eigentlich für die gesprochene Sprache charakteri-stisch
sind:
5. dialogsteuernd/formal
(‚Endtext?
nach dem verschriftlichten Dialog): "[...]
Dziękuję za rozmowę.
Rozmawiał Jerzy Piekarski"
(Przekrój
vom 02. Mai 1999; Nr. 15 im Korpus)
dt.:
(‚Endtext?
nach dem verschriftlichten Dialog): "[...]
Ich danke Ihnen für das Gespräch.
Das
Interview wurde
von Jerzy Piekarski geführt"
4.1.2. Polyfunktionale MK-Äußerungen
Die Polyfunktionalität
der MK-Äußerungen bildet - so Techtmeier (1984, S. 144; 1994, S. 247; 2001, S. 1457) - ein
typisches Phänomen in der Metakommunikation: Ein
und dieselbe Äußerung kann mehrere Funktionen in der
Dialogstruktur haben.
Aus der Zusammenstellung
der Befunde ist auch ersichtlich, dass viele MK-Äußerungen
meistens zwei Funktionen auf einmal ausüben. Unter
den polyfunktionalen Äußerungen ist der Typ verständnissichernd
und dialogsteuernd in den Beiträgen der Interviewer
aller drei journalistischen Diskursgemeinschaften
am meisten verbreitet (s. Anhang I, Teil A: Punkt
2.2.).
4.1.2.1. Verständnissichernde und
dialogsteuernde MK-Äußerungen
Die bei weitem höchste Anzahl von Belegen
weist das ungarischen Teilkorpus auf: Es macht ca.
das Dreifache der Belegzahl aus. Die meisten der Äußerungen
von diesem Typ finden sich in den Vorspannen, d.h.
in den monologischen redaktionellen Texten, die vor
dem verschriftlichten Dialog stehen:
6. verständnissichernd und dialogsteuernd/publikumsadressiert
Sorozatunkban a riporter kiemel az elmúlt hét sajtójából néhány közfigyelemre érdemesnek tartott
hírt, s megkérdez
egy-egy közéleti személyiséget: mit
szól hozzá? Ezúttal a neves televíziós újságírót szembesítette ilyen
hírcsokorral Orbán Györgyi. Válaszol Horváth János
(168 óra vom 29. April 1999; Nr. 12 im Korpus)
dt.:
In
unserer Serie hebt
der Reporter aus der Presse der jeweils
vorigen Woche einige Probleme hervor, die eine öffentliche Aufmerksamkeit verdienen und fragt jeweils eine in der Öffentlichkeit
bekannte Persönlichkeit, was sie zu diesen Problemen
meint. Dieses Mal hat Györgyi
Orbán den bekannten Fernsehjournalisten mit einem
solchen Nachrichtenbündel konfrontiert. Es antwortet János
Horváth
Verständnisstützend
sind diese Äußerungen, weil sie schon am Anfang der
Interviews über die wichtigsten thematischen Aspekte
der Kommunikation informieren. Zugleich sind sie
auch dialogsteuernd, weil sie sozusagen als eine Ankündigung
des verschriftlichten Dialogs, also seine Eröffnungsphase
darstellen.
4.1.2.2. Verständnissichernde und
akzeptanzstützende MK-Äußerungen
Polyfunktionale
Äußerungen kommen in diesen zwei Funktionen in jedem
Teilkorpus deutlich seltener vor. Da die Beiträge
der deutschen Interviewer die verhältnismäßig höchste
Anzahl ergaben, sei hier ein Beleg aus dem deutschen
Korpus angeführt:
7. verständnissichernd und akzeptanzstützend
Hauptüberschrift): "Beschleunigte
Erosion
(Interviewer: Jochen Buchsteiner, Fritz Vorholz
zum Befragten: Jürgen Trittin): [...]
Sie nennen
das Ziel der Nato legitim. Vor vier Jahren ging
es darum, das Morden in Bosnien zu beenden. Sie
haben sich
damals vehement gegen eine deutsche Beteiligung
an der UN-Friedenstruppe ausgespro-chen.
[...]"
(Die
Zeit vom 06. Mai 1999; Nr. 21 im Korpus)
Die Äußerung
"Sie nennen..." dient einerseits
als logische Grundlage der danach folgenden Kritik
und andererseits auch als Akzeptanz des Vorwurfs "Sie
haben sich damals..." Ferner
illustriert sie einen typischen Fall für die Stellung
der MK-Äußerungen im deutschen Teilkorpus (vgl. Punkt
4.1.4.1).
4.1.3. Charakter der mono- und polyfunktionaler
MK-Äußerungen
Vielen der bis
jetzt behandelten mono- und polyfunktionalen MK-Äußerungen
wurde von ihren Autoren ein bestimmter Charakter verleihen:
Sie sind forcierend, bewertend und/oder publikumsadressiert.
4.1.3.1. MK-Äußerungen mit einem forcierendem
Charakter
Ein
bedeutender Ansatz zum so genannten Forcieren
im Gespräch stammt von Kallmeyer und Schmitt (1996). Die Autoren betrachten
das Forcieren als "[d]ie Beteiligungsweise
einer erkennbar eingeschränkter Kooperativität mit
dem Ziel, sich gegen den anderen im Gespräch durchzusetzen"
und somit als "Vergrößern eigener Rechte und
fremder Pflichten". Zu
den typischen forcierenden Aktivitäten in Gesprächen
zählen die Autoren u.a. "Dazwischenreden, wenn
der andere das Wort hat [...]; Den anderen provozieren
durch überspitzte oder unzutreffende Behauptungen;
Dem anderen eine Fangfrage stellen; Den Gegner diskreditieren,
d.h. seine Glaubwürdigkeit oder seine Kompetenz in
Frage stellen" (ebenda, S. 22). Auch bei der Produktion der MK-Äußerungen spielt das Forcieren eine
erhebliche Rolle. Darauf deutet
bespielsweise Tiittula (1997, S. 377) hin: Das Forcieren
erscheint in der deutschen Diskussion u.a. als "[m]etakommunikative
Thematisierung des Themas oder Problems, worüber
diskutiert werden soll; dabei wird dem Gesprächspartner
vorgeworfen, er rede an dem eigentlichen Thema vorbei".
Aus meiner
Untersuchung ist deutlich ersichtlich, dass das Forcieren
im deutschen und polnischen Teilkorpus praktisch
keine Rolle spielt. Jedoch können
die sieben Belege in den Beiträgen der ungarischsprachigen
Autoren nicht außer Acht gelassen werden (s. Anhang
I, Teil A: Punkt 3.1.). Nehmen wir einen dieser Belege unter die Lupe:
8. forcierend
(Hauptüberschrift):
"Milosevics megüzente
(der
Interviewer: Varga Gergely): [...] Miért hisz inkább Milosevicsnek mint az ország vezetőinek?
(der Befragte: Thürmer Gyula): Nem Milosevicsnek
hiszek, hanem a tényeknek. Csapatösszevonás lesz,
a NATO szárazföldi háborúra készül. Akkor hinnék
Orbánnak, ha kijelentené: akármit kér a NATO, mi
nem adjuk át a területeinket, nem veszünk részt
a háborúban. A NATO több figyelmet fordít a médiaháborúra,
mint a konkrét hadműveletekre. Az amerikaiak csak akkor lépnek
katonai téren, ha a közvélemény-kutatások azt jelzik:
a többség támogatja a háborút. Ugyenez történik
nálunk is. [...]
(der
Interviewer: Varga Gergely): Nem
válaszolt a kérdésre. [...]"
(168 óra vom
29. April 1999; Nr. 11 im Korpus)
dt.:
(Hauptüberschrift):
"Milo¹ević hat ausrichten lassen
(der Interviewer:
Gergely Varga): [...] Warum glauben Sie eher
Milo¹ević als der Regierung?
(der
Befragte: Gyula Thürmer, Vorsitzender der Arbeiterpartei
in Ungarn): Ich glaube nicht Milo¹ević,
ich glaube den Tatsachen. Die Truppen werden zusammengezogen,
die NATO bereitet sich auf den Einsatz der Bodentruppen
vor. Ich würde Orbán glauben, wenn er Folgendes
deklarierte: Egal, worum auch die NATO bittet, wir
geben unsere Gebiete nicht ab und beteiligen uns
am Krieg nicht. Die NATO schenkt dem Medienkrieg
mehr Aufmerksamkeit als den konkreten militärischen
Manövern. Die Amerikaner treten erst dann militärisch
auf, wenn die Ergebnisse der Meinungsforschungen
darauf hindeuten, dass die Mehrheit den Krieg unterstützt.
Dasselbe geschieht auch bei uns. [...]
(der
Interviewer: Gergely Varga): Sie haben
die Frage nicht beantwortet.
Die Antwort
des Befragten interpretiert der Interviewer als 'Am-Thema-Vorbeireden'
und forciert mit seiner MK-Äußerung eine direkte Antwort.
Dabei stellt diese Äußerung nur eine von vielen
nicht-metakommunikativen Aktivitäten des Forcierens
dar, die der Interviewer in dieser Sequenz des Interviews
einsetzt. Somit hat die vorliegende Äußerung eine
unterstützende Funktion. Sie
unterstützt die Fangfrage, die dem Befragten mehrmals
gestellt wird.
Auch
im folgenden Beleg bedient sich der Interviewer des
Forcierens, indem er den Befragten provoziert,
zu der schon benannten politischen Situation noch
einmal Stellung zu nehmen:
9. forcierend
(Hauptüberschrift): keine
(Befragter:
Szabó János; BÄ ):
"[...] Nem kell presztízskérdést
csinálni egy háborúból és abból, ki a győztes,
ki a vesztes. Ezt is elmondtam már április közepén.
(Interviewer: Varga Gergely; Berufung): Háborút mondott. Az elején azt állította: nincs is háború.
(Befragter: Szabó János; Akzeptanz ): Krízishelyzetet
akartam mondani. [...]"
(168
óra vom 20. Mai 1999; Nr. 19 im Korpus)
dt.:
(Hauptüberschrift):
keine
(Befragter:
János Szabó; BÄ ): "[...] Man soll aus
dem Krieg und daraus, wer der Sieger und wer der
Verlierer ist, keine Prestigefrage machen. Das habe
ich schon Mitte April gesagt.
(Interviewer:
Gergely Varga; Berufung): Sie haben
gesagt
Krieg. Am Anfang haben
Sie behauptet, es gebe keinen Krieg.
(Befragter:
János Szabó; Akzeptanz ): Ich wollte Krisenlage
sagen. [...]"
Mit der
MK-Äußerung provoziert der Interviewer den Befragten
dazu, dass dieser ihm erklärt, wie er die vorhin
thematisierte politische Lage eigentlich versteht.
Zugleich stellt dieser Beleg ein Paradebeispiel dafür
dar, dass die Metakommunikation zur Unterstützung
der Argumentation dient: Der Interviewer konfrontiert
den Ausdruck des Befragten "Krieg"
mit dessen Anfangsaussage in diesem Interview: "Hier
gibt es keinen Krieg". Dabei
setzt er als Argumentationsstrategie die Technik 'Berufung'
ein. Diese 'Berufung' wird vom Befragten mit 'Akzeptanz'
bearbeitet, indem er auf den Ausdruck "Krieg"
zugunsten des Ausdrucks "Krisenlage"
verzichtet (s. weiter in: Drewnowska-Vargáné, im Druck b).
4.1.3.2. MK-Äußerungen mit einem
bewertenden Charakter
Tiittula (1993, S. 41)
stellt in ihrer vergleichenden Untersuchung der deutschen
und finischschen mündlichen Diskussionen und Gespräche
Redebewertungen fest, als "[t]ypische Beispiele
für Metakommunikation", also MK-Äußerungen über
bestimmte sprachliche Aspekte der laufenden Kommunikation,
beispeilsweise: "das ist eine gute Frage".
Im Vergleich zu den Ergebnissen der Autorin lassen die ziemlich
niedrigen Belegzahlen in meinen drei Teilkorpora die
redebewertenden MK-Äußerungen zwar nicht als typisch
bezeichnen. Doch haben sie im deutschsprachigen Korpus
nicht nur zahlenmäßig, sondern vor allem prozentual
einen deutlich höheren Anteil als im polnischen und
im ungarischen (s. Anhang I, Teil A: Punkt 3.2). Die
meisten redebewertenden MK-Äußerungen befinden sich
im redaktionellen Vorspann, wie beispielsweise in
folgenden Belegen:
10. bewertend/publikumsadressiert
Hauptüberschrift): "Völkerrechtlich
hoch zweifelhaft
SPD-Politiker
Henning Voscherau kritisiert den Nato-Einsatz im Kosovo [...]"
(Die Welt vom 27. März 1999; Nr. 2 im Korpus)
Hauptüberschrift): "‚Greueltaten
ungeahnten Ausmaßes durch die Serben?
Berlin - Der Menschenrechtsbeauftragte
der Bundesregierung, Gerd Poppe, hat sich besorgt über die Greueltaten
von Serben an Albanern im Kosovo geäußert. [...]"
(Die
Welt vom 23. April 1999; Nr. 16 im Korpus)
12. bewertend/ publikumsadressiert
Hauptüberschrift): "Zur
Not auch Bodentruppen
Keiner
provoziert die grünen Parteifreunde so wie er:
Ein Zeit-Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit über die
Strategie der Nato im Kosovo [...]"
(Die
Zeit vom 20. Mai 1999; Nr. 25 im Korpus)
In den
Belegen Nr. 10 und 12 ist die Evaluation schon in
den interaktionsbenennenden Ausdrücken selbst, während sie im Beleg Nr. 11 durch das Partizip besorgt ausgedrückt
wurde.
4.1.3.3. MK-Äußerungen mit einem
publikumsadressierten Charakter
Die Präsenz
von MK-Äußerungen mit einem publikumsadressierten
Charakter hat mit der eingangs erwähnten Mehrfachadressiertheit
der Textsorte Presse-Interview zu tun. Burger (1991, S. 7) betrachtet das Phänomen
der Mehrfachadressiertheit als die Tatsache, dass
sich die Gesprächspartner von Mediendialogen nicht
nur aneinander, sondern gleichzeitig an das Publikum
in dem jeweiligen Kommunikationskreis wenden. So aufgefasst sind m.E. alle MK-Äußerungen, die in einem medial
vermittelten Interview erscheinen, mehrfachadressiert.
Bei publikumsadressierten
MK-Äußerungen geht es mir um einen besonderen Typ
der metakommunikativen Mehrfachadressiertheit, die
sich in den Einleitungssequenzen der Interviews
(im Vorspann) findet, in denen sich die Interviewer
mit den MK-Äußerungen nicht an die Befragten,
sondern primär an das Publikum (an den Leserkreis)
wenden. Obwohl die Autoren der einschlägigen Beiträge
solche MK-Äußerungen vor allem mündlichen Diskussionen
und Gesprächen in Hörfunk und Fernsehen und seltener
Printmedien zuschreiben (vgl. Bucher 1994, S. 482; Techtmeier
2001, S. 1461), deuten die Befunde meiner Untersuchung
darauf hin, dass publikumsadressierte MK-Äußerungen
für die Textsorte Presse-Interview sogar typisch
sein können. So
sind beispielsweise die MK-Äußerungen in den
deutschsprachigen Belegen 10-12 publikumsadressiert
in dem hier erörterten Sinne.
Ein Blick
auf die Ergebnisse der durchgeführten Analyse (s.
Anhang I, Teil A: Punkt 3.3.) überzeugt jedoch davon,
dass nicht die Autoren der deutschsprachigen Diskursgemeinschaft
die meisten mehrfachadressierten metakommunikativen
Sequenzen produzieren, sondern die Interviewer der
ungarisch- und der polnischsprachigen Diskursgemeinschaft:
und zwar nicht nur zahlenmäßig, sondern auch prozentual
(s. Anhang I, Teil A: Punkt 3.3). Ein typisches Beispiel
für publikumsadressierte metakommunikative Sequenzen
verkörpert der ungarischsprachige Beleg 6: dort ist
jede MK-Äußerung mehrfachadressiert, indem sie zur
Informierung des Leserkreises über die wichtigsten
thematischen Aspekte des nachfolgenden Dialogs dient.
Der publikumsadressierte
Charakter der folgenden MK-Äußerung ("[...]
- sagt der Generalsekretär [...]")
im Vorspann eines polnischen Interviews besteht darin,
dass sie als eine explizite Redekennzeichnung für
die reformulierte Wiedergabe der Kernaussage des Befragten
aus dem verschriftlichten Dialog fungiert:
13. publikumsadressiert
(Hauptüberschrift):
"Jawier Solana: To nie była wojna
(Vorspann): Celem operacji NATO nie było niszczenie,
lecz powstrzymanie przemocy - wycofanie wojsk serbskich
z Kosowa, powrót uchodźców i stworzenie na
tym terenie cywilnej administracji. Nie zamierzaliśmy
zdobywać terytoriów. Nie chodziło o ropę
ani o interesy handlowe, lecz jedynie o obronę
wartości - mówi sekretarz generalny NATO Javier
Solana w rozmowie z Adamem Michnikiem [...]"
(Gazeta
Wyborcza vom 09. September
1999; Nr. 30 im Korpus)
dt.:
(Hauptüberschrift):
"Jawier Solana: Das war kein Krieg
RA
(Vorspann): Das Ziel der Operation der NATO war
nicht die Zerstörung, sondern das Aufhalten der
Gewalt - der Rückzug der serbischen Armee aus dem
Kosovo, die Rückkehr der Flüchtlinge und die Bildung
einer Ziviladministration auf diesem Gebiet. Wir
wollten keine Territorien erobern. Es ging uns weder
um Erdöl noch um Geschäfte, sondern nur um die Verteidigung
der Werte - sagt der Generalsekretär der NATO,
Javier Solana im Gespräch mit Adam Michnik [...]"
Einen ähnlichen
Charakter hat auch die MK-Äußerung im Vorspann des
als Beleg Nr. 14 im Folgenden zitierten Interviews
(vgl. Punkt 4.1.4.2).
Die hohe Anzahl der publikumsadressierten
MK-Äußerungen im ungarischen und im polnischen Teilkorpus
steht in einem engen Zusammenhang mit der redaktionellen
Bearbeitung und mit der medienspezifischen Erscheinung
der Interviews: Alle ungarischen und die meisten polnischen
Interviews sind mit Vorspannen versehen, während
lediglich ein Drittel der deutschen Interviews über
solche Einleitungsphasen verfügt. Außerdem sind
die ungarisch- und polnischsprachigen Vorspanntexte
deutlich länger als die deutschen (vgl. Drewnowska-Vargáné im Druck a).
4.1.4. Stellung der MK-Äußerungen
in der Gesprächsstruktur
4.1.4.1. Vorgestellt
Vorgeschaltet
stehen MK-Äußerungen als Ausdruck der Vorwegnahme
von Problemen, die beim Verstehen oder bei der Akzeptanz
des aufgenommenen propositionalen Gehalts beim Partner
entstehen können. Ferner können sie als Hilfe bei
planenden Aktivitäten, z.B. zur Gliederung der Gesprächsbeiträge
dienen (Techtmeier 2001, S. 1458).
Aus der
Zusammenstellung der Befunde ergibt sich Folgendes:
Während die polnischen Interviewbeiträge hier die
wenigsten Belege aufweisen, ist die Anzahl der Belege
im deutschen Teilkorpus genauso hoch wie die im ungarischen
Teilkorpus. Dennoch ist der prozentuale Anteil der
Befunde im deutschen Teilkorpus deutlich höher als
im ungarischen (s. s. Anhang I, Teil A: Punkt 4.1).
Dass sich das deutsche Teilkorpus mit den meisten Belegen für diese Stellung
auszeichnet, ist mit den vielen Belegen für verständnissichernde
und auch (im Vergleich zu polnischen und ungarischen
Interviews) verhältnismäßig vielen polyfunktionalen
Belegen für verstehens- und akzeptanzstützende MK-Äußerungen
in diesem Teilkorpus verbunden (s. Anhang I, Teil
A: Punkt 4.1; 2.1.1. und 2.2.1).
Dass vorgeschaltete
verständnis- und akzeptanzstützende MK-Äußerungen
im deutschen Teilkorpus die Antizipation der Interviewer
von eventuellen Verstehens- und Akzeptanzproble-men
bei Befragten ausdrücken, veranschaulicht der bereits
angeführte Beleg Nr. 7: Die MK-Äußerung des Interviewers
"Sie nennen das Ziel der NATO legitim"
ist vor dem Vorwurf platziert, dass der Befragte früher
einen anderen Standpunkt vertreten hatte. Somit antizipiert
der Interviewer, dass der Befragte diesen Vorwurf
mit mangelnder Akzeptanz aufnehmen könnte.
4.1.4.2. Zwischengestellt
Zwischengestellt
sind Äußerungen, die mindestens zwei Bezugsäußerungen
haben. So hat die Äußerung: "Nur eine kleine
Ergänzung zu dem, was X vorhin gesagt hat"
(Techtmeier 2001, S. 1457f.) einen doppelte
Verbindung: einerseits verweise sie auf eine zurückliegende
Äußerung eines anderen Gesprächspartners, und andererseits
verweise sie auch auf eine nachfolgende Äußerung,
deren Funktion "eine kleine Ergänzung"
sei. Viele zwischengestellte MK-Äußerungen seien - so Techtmeier (2001, S. 1459) - zugleich
reaktiv-initiativ, weil sie gleichzeitig auf das bisherige
Geschehen reagieren und zugleich auch eine neue Äußerung
einleiten, z.B. "X, du darfst dich jetzt verteidigen"
(ebenda, S. 1457).
Aus den
Befunden der Analyse ist ersichtlich, dass zwischen
den drei Teilkorpora prozentual keine gravierenden
Unterschiede bestehen: Den höchsten prozentualen
Anteil besitzt allerdings das polnische Teilkorpus,
während die vergleichbaren Werte im ungarischen Korpus
nur um zwei Prozent und im deutschen Teilkorpus um
fünf Prozent niedriger sind (s. Anhang I, Teil A:
Punkt 4.2). Die von Techtmeier betonte Zwischenstellung mit
rekaktiv-initiativer Funktion tritt bei MK-Äußerungen
jedes Teilkorpus häufig auf. Ein typisches Beispiel
für reaktiv-initiative zwischengestellte MK-Äußerung
im polnischen Teilkorpus stellt folgender Beleg dar:
14. zwischengestellt/verständnissichernd
(Hauptüberschrift): "Mój ojciec popiera Miloszevicia
(Untertitel): Podzielona Czarnogóra
(Vorspann): Łatwo rozniecić
w Czarnogórze konflikt na miarę drugiego Kosowa.
Nasza polityka ma na celu uniknięcie go ta
wszelką cenę - mówi Miodrag Vuković
(Interviewer: Marcin Wojciechowski): [...]
Co zrobicie, jeżeli Miloszević zostanie
przy władzy?
(Befragter: Miodrag Vuković):
Będziemy starać się renegocjować
umowę federacyjną, aby zapewnić Czarnogórze
utrzymanie status quo. Nie ma znaczenia, czy przyszłe
państwo nazwiemy federacją, czy konfederacją.
Czarnogóra i Serbia mogą funkcjonować
razem, jeżeli będą ściśle
rozgraniczone kompetencje republik i władz
federacji, a te ostatnie przestaną być
zawłaszczane przez Serbów. Kluczowym problemem
jest przyszły status stacjonującej u nas
II Armii. Powinna ona zostać podporządkowana
miejscowym władzom cywilnym.
(Interviewer: Marcin Wojciechowski): Był
Pan członkiem zespołu, który opracował
poprzednią konstytucję Jugosławii.
Dlaczego nie uwzględniliście w niej postulatów,
o których Pan mówi?
(Befragter: Miodrag Vuković):
Byliśmy pod ogromną presją. [...]"
Gazeta Wyborcza vom 27. Mai 1999; Nr. 25 im Korpus)
dt.:
(Hauptüberschrift): "Mein Vater unterstützt Milo¹ević
(Untertitel): Das geteilte Montenegro
(Vorspann): Es ist einfach, in Montenegro
einen Konflikt in dem Umfang eines zweiten Kosovos
zu entfesseln. Unsere Politik hat sich zum Ziel
gesetzt, dies um jeden Preis zu vermeiden - sagt Miodrag Vuković
(Interviewer: Marcin Wojciechowski): [...]
Was
werdet ihr machen, wenn Milo¹ević an der Macht
bleibt?
(Befragter: Miodrag Vuković):
Wir werden versuchen, über den Bundesvertrag erneut
zu verhandeln, damit wir Montenegro Status quo versichern
können. Es ist ohne Bedeutung, ob wir den zukünftigen
Staat eine Föderation oder eine Konföderation nennen.
Montenegro und Serbien können gemeinsam funktionieren,
wenn die Kompetenzen der Republiken und der Föderationsmächte
voneinander streng abgegrenzt werden und wenn die
Serben aufhören, die Föderationsmächte in ihre Gewalt
zu bekommen. Die Schlüsselfrage ist der zukünftige Status der bei
uns stationierenden II. Armee.
Sie sollte den örtlichen zivilen Behörden
untergeordnet werden.
(Interviewer: Marcin Wojciechowski): Sie
waren Mitglied eines Teams, das die vorige Verfassung
Jugoslawiens erarbeitet hatte. Warum habt ihr darin
die Postulate nicht berücksichtigt, über die Sie
jetzt reden?
(Befragter: Miodrag Vuković):
Wir waren unter einem riesigen Druck. [...]"
Die MK-Äußerung
"Warum habt ihr darin die Postulate nicht
berücksichtigt, über die Sie jetzt reden?",
die sich mitten im verschrifltichten Dialog
findet, ist einerseits reaktiv, indem sie darauf verweist,
was im unmittelbar zurückliegenden Redebeitrag des
Befragten thematisiert wurde (" die Postulate
[...], über die Sie jetzt reden?").
Andererseits ist sie aber auch initiativ, indem sie
den Befragten zum Erteilen neuer Informationen über
das bereits Thematisierte veranlasst ("Warum
habt ihr [...] die Postulate nicht berücksichtigt
[...]").
Reaktiv-initiativ
ist - jedoch in einer anderen Weise als im vorangehenden
Beleg aus dem polnischen Teilkorpus - auch die folgende
Äußerung am Anfang des verschriftlichten Dialogs im
Beleg aus dem ungarischen Teilkorpus:
15. zwischengestellt/verständnissichernd
und dialogsteuernd
(Hauptüberschrift): "Mit enged az Isten?
(Untertitel):
Fejtõ Ferenc - interjú
(Vorspann):
Fejtõ Ferenc ma, kilencvenévesen legújabb könyvének
megjelenésére vár, és lapunk megjelenésekor Budapestre
érkezve is szokása szerint keresni fogja azokat,
akiket meggyõzhet és inspirálhat. Például a jugoszláv
kérdésben, amelyben - ha idõnként Kasszandra-jóslatokkal
is -, mértékadó szakértõnek tartják. Fejtõ a térség
múltját
vizsgálva főként a századelőn szétesett
Monarchiában keresi és találja meg azokat a logikai
alapelemeket, amelyekből a többnyire lehangaló
jelenben megpróbálja összerakni a ritkán biztató
jövőt - mint tette azt még párizsi lakásán
a HVG kérdéseire
válaszolva.
(Interviewerin:
Ágnes
Bőhm): A Le Monde azt írta, ami ma a Balkánon zajlik, az a 21. század első
háborúja. Ha
egyetért ezzel, szinte 'örülhet?,
hogy megért egy ilyen szép modern háborút...[...]"
(HVG
vom 29. Mai 1999; Nr. 24 im Korpus)
dt.:
(Hauptüberschrift):
Was lässt der liebe Gott zu?
(Untertitel):
Ein Interview mit Ferenc Fejtõ
(Vorspann):
Der heute neunzig Jahre alte Ferenc Fejtõ wartet
auf die Publikation seines neuesten Buches. Zur
Zeit des Erscheinens unseres Blattes nach Budapest
kommend, wird er diejenigen aufsuchen, die er überzeugen
und inspirieren kann. Z. B. in der Frage Jugoslawiens,
in welcher er für einen maßgebenden Experten gehalten
wird, auch wenn er ab und zu mit Orakeln nach Kassandras
Art kommt. Fejtõ, der die Geschichte unseres Kulturraumes
erforscht, sucht und findet in der am Jahrhundertanfang
zerfallenen Monarchie die logischen Grundelemente,
aus denen er in der meist deprimierenden Gegenwart
eine besonders vielversprechende Zukunft zusammenzubauen
versucht, was er auch tat, als er noch in seiner
Pariser Wohnung die
Fragen der HVG [= eine ungarische
Wochenzeitung] beantwortete.
(Interviewerin:
Ágnes
Bőhm): Die Le Monde hat geschrieben, dass das, was sich heute auf dem Balkan
abspielt, der erste Krieg des 21. Jahrhunderts ist.
Wenn Sie damit einverstanden sind, können Sie
sich fast darüber 'freuen?, einen so schönen modernen
Krieg zu erleben ... [...]"
Die sich
auf interaktive Verhältnisse beziehende Äußerung:
"Wenn sie damit einverstanden sind [...]"
hat eine Bezugsäußerung, die selbst ein (makroanaphorischer)
Verweis auf einen propositionalen Gehalt in einem
früher erschienenen Text darstellt: "Die Le Monde hat geschrieben, dass [...]".
Somit handelt es sich hier um eine metakommunikative
intertextuelle Verknüpfung, die im Punkt 4.2.1 näher
erörtert wird.
4.1.4.3. Nachgestellt
Nachgestellte
MK-Äußerungen zeugen - so (Techtmeier
2001, S. 1458) - "von der Fähigkeit des
Sprechers zur ständigen begleitenden Analyse des Erfolgs
bzw. Mißerfolgs der kommunikativen Interaktion."
Solche Äußerungen
liegen im Falle der oben angeführten polnischen Belege
Nr. 13: ("[...] - sagt der Generalsekretär der NATO, Jawier
Solana [...]") bzw. Nr. 14 ("[...] -
sagt Miodrag Vuković [...]") und
des ungarischen Belegs Nr. 15 ("[...] als
er noch in seiner Pariser Wohnung die Fragen der HVG
beantwortete [...]") vor. Sie stehen jeweils nach der im Vorspann von den Interviewern reformulierten
Kernaussage, die den Beträgen des Befragten entnommen
wurde.
Ferner
stehen MK-Äußerungen, die zur formalen Dialogsteuerung
dienen, auch in der nachgestellten Position, wie dies
die oben angeführten Belege Nr. 4 und 5 (Das Interview
hat X geführt und Ich danke Ihnen für das Gespräch)
veranschaulichen.
Wie schon
die angeführten Beispiele signalisieren, finden sich
die meisten Befunde für Äußerungen mit dieser Stellung
im ungarischen und im polnischen Teilkorpus (s. Anhang
I, Teil A: Punkt 4.3).
4.2. Vergleich makroanaphorischer
MK-Äußerungen in den Beiträgen deutsch-, polnisch-
und ungarischsprachiger Interviewer unter dem Aspekt
der Intertextualität
Aus den Befunden
der Analyse ergibt sich eindeutig, dass neben normal-anphorischen
MK-Äußerungen auch die im Punkt 4 als makroanaphorisch
bezeichneten, intertextuellen MK-Äußerungen in allen
drei Teilkorpora präsent sind (s. Anhang I, Teil B:
Punkte 1 und 2). Ihr prozentualer und zahlenmäßiger Anteil ist im ungarischen Teilkorpus
am höchsten. Im polnischen Teilkorpus
sind dieselben Werte allerdings auch nicht viel niedriger,
während sich die wenigsten MK-Äußerungen dieses Typs
in den Beiträgen deutscher Interviewer finden. Nun
besteht mein Anliegen in dem Versuch, diese Zahlen
und Prozente in allen drei Teilkorpora text(sorten)linguistisch
fundiert zu interpretieren.
Eine
Klassifikation intertextueller MK-Äußerungen liegt
m.W. noch nicht vor. Zu Beginn der empirischen Erforschung
der Metakommunikation wurden metakommunikative Makroana-phora
in Interviews nicht primär unter dem Aspekt der Intertextualität
betrachtet, man hat sich eher mit dem Problem ihrer
Legitimität befasst, d.h. ob sie überhaupt als Bestandteile
der jeweiligen kommunikativen Interaktionseinheit
angesehen werden können (Schwitalla
1979, S. 140). Schmitter und Adamzik (1982, S. 67) betonen
bei makroanaphorischen Äußerungen ebenfalls nicht
primär die Text-Text-Verknüpfungen, sondern den Umfang
des Themas (Äußerungen zur Themensteuerung, die sich
auf ein "Großthema" beziehen). Bei Roloff (1990, S. 228) handelt es sich
wohl um makroanaphorische Äußerungen, wenn die Autorin
von "[d]ialogorganisierenden Phrasen und Sequenzen"
spricht, mit denen neue Themen "eingeführt werden",
(z.B. "Wir wenden uns nun einem neuen Abschnitt
zu"). Den intertextellen
Aspekt spricht Techtmeier (2001, S. 1453) explizit an, indem sie die Funktion
folgender MK-Äußerung im Gespräch: "Was du
sagst, erinnert mich an den Slogan: Wer zu spät kommt,
den bestraft das Leben." als "thematische
Bezugnahme auf eine intertextuelle Relation"
bezeichnet.
Die meisten
hier erwähnten Ansätze explizieren also eindeutig,
dass MK-Äußerungen mit intertextuellen Relationen
bestimmte thematische Funktion/en in der Gesprächsstruktur
ausüben. Diese Einsicht lässt annehmen, dass bestimmte
Relationen zwischen dem jeweiligen Interviewtext
und seinen durch die intertextuellen MK-Äußerungen
mit ihm verbundenen Ko-Texten bei einer genaueren
Bestimmung dieser Funktionen einen wichtigen Aspekt
bilden können. Hier führt wohl
der Ansatz der Textsorten-Intertextualität von
Klein (1991, 2000) weiter: Der Autor erweitert
die von Brinker
(1997) bei der Definition des Textes und der
Textfunktion vorgeschlagenen Kriterien zur
Klassifikation der Textsorten auf handlungstheoretischer
Basis u.a. um die Kategorie der Intertextualität.
Darunter versteht
Klein (2000, S. 33) eine "funktionale
Vernetzung" der Relationen zwischen der jeweiligen
Textsorte und ihren Vor-, Parallel- und Nachtextsorten.
Es liegen bis jetzt folgende zwei Interaktionsrahmen
vor, in denen der Autor diese Relationen prädikatenlogisch
bzw. in Form von Pfeilrelationen erfasst hat: der
Interaktionsrahmen der politischen Textsorte "Gesetz"
(Klein 1991) und der Interaktionsrahmen der Textsorte "Folge
einer TV-Soap-Opera" (Klein
2000).
Die in
meiner Untersuchung festgestellten intertextuellen
metakommunikativen Relationen ähneln eher den Relationen
in Kleins
Interaktionsrahmen der Textsorte "Folge einer
TV-Soap-Opera". In diesem Rahmen unterscheidet er Vor-, Parallel-, Nach-
und Filter-Textsorten (Klein
2000, S. 35f.):
·
Als Vor-Textsorten
der oben genannten zentralen Textsorte werden hier
z.B. "vorherige Folge" oder "Drehbuch"
genannt, also Texte, deren Exemplare modellbildend,
untergeordnet oder motivierend für die Produktion
der zu beschreibenden Textsorte sind.
·
Parallel-Textsorten z.B. "Werbespot", sind hier Textsorten, deren Exemplare
"unter einem einheitlichen Gesichtspunkt"
(ebenda, S. 36) in der gleichen Zeit mit der zentralen
Textsorte produziert und /oder emittiert werden.
·
Nach-Textsorten:
z.B. "TV-Kritiken" , "Fortsetzung",
sind Textsorten, für die zentrale Textsorte
eine Vor-Textsorte darstellt.
·
Filter-Textsorten:
z.B. "Ankündigungstext", sind Textsorten,
mit der Hauptfunktion, den Inhalt der zentralen Textsorte
"in gefilterter Form, d.h. meist in einer komprimierten
Reformulierung [...] wiederzugeben" (ebenda).
In Anlehnung an Kleins Ansatz kann ich auf Grund der vergleichenden
Analyse von intertextuellen MK-Äußerungen von Textsortennetzen
folgendermaßen sprechen: Die jeweils bei einem Interview
festgestellten makroanaphorischen MK-Äußerungen verbinden
dieses Interview mit seinen Vor-, Parallel- oder sogar
Nach-Textsorten in ein Netz. Im Mittelpunkt des jeweiligen
Netzes steht die Textsorte Presse-Interview.
Der Rahmen des Netzes deckt sich mit dem von mir für
die kommunikative Interaktionseinheit festgestellten
Rahmen: Es sind Textsorten zum Thema Kosovo-Konflikt,
die meist in einem öffentlichen Medium (Fernsehen,
Radio, Presse) produziert und durch dieses Medium
emittiert wurden.
Für alle drei Teilkorpora
ist gemeinsam, dass die jeweilige Textsorte, auf welche
eine MK-Äußerung Bezug nimmt, selten genannt wird.
Nicht dies ist hier jedoch von primärer Relevanz,
sondern die thematischen Relationen, die zwischen
der zentralen Textsorte und ihren Nach-Vor und Paralletexten
durch MK-Äußerungen hergestellt werden.
Die Verteilung
der Vor-, Parallel- und Nachtextsorten ist von Teilkoprus
zu Teilkorpus recht unterschiedlich. Im Folgenden
werden diese Relationen mit Beispielen exemplifiziert
und kommentiert.
4.2.1. Makroanaporische MK-Äußerungen
in der Relation 'Interview - Vor-Textsorte?
Die
meisten MK-Äußerungen, die die Interviews mit ihren
Vor-Textsorten verbinden, sind im ungarischen Teilkorpus
vorhanden. Allein auf Grund der Zahlen und Prozente
könnte man behaupten, dass die ungarischen Interviewer
makroanaphorisch metakommunikativ vorwiegend auf
die Vor-Textsorten verweisen. Im polnischen Teilkorpus
bezieht sich etwa die Hälfte der MK-Äußrungen mit
intertextuellen Rela