Krzysztof Biliński
Wrocław
Zwischen Postmoderne, Kommunitarismus
und analytischer Philosophie - Humanistik auf der
Suche nach ihren Rechten
Der Begriff "Post-Moderne"
ist, neben "Post-Neuzeitlichkeit", "Post-Strukturalimus"
und "Dekonstruktion", eine der am häufigsten
verwendeten Bezeichnungen in der modernen Humanistik,
in den Gesellschaftswissenschaften, in der Philosophie
und Geschichte. Es ist auch hier nicht leicht, eine
zufriedenstellende Definition abzugeben. Frederic
Jameson hat festgestellt: "Von Zeit zu Zeit fühle
ich mich wie niemand
anderer durch die Losung 'Postmoderne' erschöpft,
wenn ich jedoch Lust habe, in die nebligen Bereiche
von deren Betrachtung einzutauchen, um deren
Missbrauch und Verbreitung zu bedauern und
um mit Abneigung festzustellen, dass sie mehr Probleme
schafft als löst, beginne ich plötzlich zu überlegen,
ob irgendeine andere Idee die Diskussionen so tief
und so wirksam dramatisieren kann."
Es ist schwierig, in einer
kurzen Skizze alle Forschungsmeinungen darzustellen,
ich neige jedoch dazu, "Postmoderne" als
eine breitere Formel als "Post-Neuzeitlichkeit", "Post-Strukturalismus"
und "Dekonstruktion" zu betrachten. Es darf
dabei nicht vergessen werden, dass sich die Postmoderne
dank der Zusammenstellung mit der Moderne charakterisieren
lässt. Huyssen hat Recht, wenn er feststellt: "Poststrukturalismus
bildet überwiegend eine Debatte zum Thema Moderne
[...] [und deshalb] müssen wir uns mit dem Gedanken
vertraut machen, dass das Hauptziel dieser französischen Theorie
nicht die Schaffung der Konzeption von Postneuzeitlichkeit
oder die Lieferung von ausführlichen Analysen der
modernen Kultur, sondern die Festlegung einer bestimmten
"Archäologie der Neuzeitlichkeit", der
Diagnose von Moderne im Zustand von Marasmus und Ausschöpfung
ist".
Am kürzesten lässt sich
die Postmoderne, wie es scheint, ähnlich wie die Postneuzeitlichkeit
durch die Berufung auf die Pragmatik definieren. Diese
Begriffe erscheinen meistens in drei unterschiedlichen
Bedeutungen und diese bezeichnenden Berufungen:
1.
"Zum Suggerieren von Unterschieden im Verhältnis
zur Neuzeitlichkeit, bei der gleichzeitigen Einhaltung
der Kontinuität,
2.
zur Unterstreichung des vollständigen
Abbruchs von der modernen Welt und modernen Bedingungen,
sowie
3.
als Bestimmung der Verhaltensweisen
gegenüber modernen Lebensformen, gegenüber der Neuzeitlichkeit,
deren Vorteilen und ihren problematischen Folgen
und Beschränkungen".
Der Streit zwischen den
Postmodernisten und den analytischen Philosophen ist
angesichts der aufgeführten Probleme metamethodologisch,
das heißt er konzentriert sich auf die Erläuterung,
ob sich die sprachliche Ereignisbeschreibung per
se organisiert, oder ob sie sich auf die Wirklichkeit
bezieht.
Hier gehen die Wege dieser
zwei wissenschaftlichen Lager eigentlich auseinander.
Die Postmodernisten, darunter auch die Vertreter der
Dekonstruktion, versuchen zu beweisen, dass wir
bereits im Sprachsystem mit der Spaltung und Desorganisation
zu tun haben, wobei es möglich ist, die flache Struktur
dieser Desorganisation durch den Hinweis auf die
sie bestimmenden Elemente zu untersuchen. Gleichzeitig
ermöglich die Spaltung des Textes und dessen Rekonstruktion
(oder eigentlich Dekonstruktion), die scheinbar unwesentlichen
Bestandteile zu finden, die in der Wirklichkeit sehr
wesentlich sind, weil sie den "Prä-Text"
bilden, der die Grundbedeutung für die "Wahrhaftigkeit"
des Werkes hat. Der Begriff "Wahrhaftigkeit"
bedeutet hier selbstverständlich die Vielfältigkeit
der Rechte und gleichzeitig den Mangel an Möglichkeit,
auf eine bevorzugte Meinung hinzuweisen. Anders gesagt
verliert der Status des Werkes jede Autonomie, weil
es keinen Gegenstand gibt, der sich vom Text unterscheidet
und ein unabhängiges Dasein ist (alles ist nur Text),
es gibt kein objektives Kriterium der Wahrheit und
demzufolge der objektiven Bedeutung des Textes und
dessen einzigen ausgezeichneten Auslegung. Dieser
Meinung widerspricht entscheidend die analytische
Philosophie, mit der fast hundertjährigen Tradition,
die auf der Grundlage von Logik, Mengentheorie und
Metamethodologie des Wissens entstanden ist, sie versucht
zu beweisen, dass den philosophischen Status der
Postneuzeitlichkeit die Postmodernisten, die sich
in unfruchtbaren Sprachspielen verlieren, selbst geschaffen
haben. Zu einer ähnlichen, was interessant ist, Philosophie,
obwohl sie sich förmlich von der Postmoderne unterscheidet,
bekennt sich der berühmte Kommunitarist A. Macintyre.
In der Erbschaft der Tugend versucht er zu
beweisen, dass das hervorragende - schöpferische
und mehrdeutige Verhältnis des Menschen zur Welt keine
Vermutbarkeit ist. Jeder Gegenstand generiert sogar
keine Vermutbarkeit im sozialen Sinn. Der Wissenschaftler
zeigt, dass es möglich ist, die drei Kategorien der
systematischen Unvermutbarkeit, das heißt: radikal
konzeptuelle Innovationen, der spielerisch-theoretische
Charakter des sozialen Lebens ("unbestimmtes
Vergehen der spielerisch-theoretischen Situationen,
Bestehen in sozialen Situationen des "unvollkommenen"
Wissens, Gleichzeitigkeit vieler Spiele und Vorgänge)
und - der Joker in einem Kartenspiel - reiner Zufall,
gebildet hat.
Man muss keine tiefen
methodologischen Analysen durchführen, um die Meinungen
von A. Macintyre als zwar auffallend, jedoch nur ein
Spiel mit der Sprache zu betrachten. Im Gegensatz
zu Voraussichten ist die "Unvermutbarkeit"
keine Kategorie, die sich der wissenschaftlichen Forschung
entzieht. Die mehrwertigen Logiken, die Logik der
aufweichenden Sammlungen, Wahrscheinlichkeitsrechnung
und Statistik haben die "Unvermutbarkeit"
bedeutend beschränkt. Es scheint auch nicht, dass
die Größe des menschlichen Geistes, die den progressiven
Erkenntnisevolutionismus aufdrängt, den Status der
"Unvermutbarkeit" besitzt, desto mehr, wenn
wir einen durchschnittlichen Bürger jeder Gesellschaft
in Anspruch nehmen. Sogar eine so scheinbar revolutionäre
wissenschaftliche Entdeckung wie die weit verstandene
Relativitätstheorie haben die Gewohnheiten oder Neigungen
des einfachen durchschnittlichen Menschen nicht
verändert. Die sofortige Bemerkung des "unvollkommenen
Wissens" in der Gesellschaft ist völlig verständlich,
obwohl sie die Perspektive dessen vollständiger Umgestaltung
in die Wissenschaft eröffnet hat, was bestimmt einen
langsamen Prozess bildet. Ich verstehe dagegen nicht
vollständig, warum ein Joker im Kartenspiel einfacher
Zufall sein sollte. Die klassische Wahrscheinlichkeitsrechnung
beweist, dass bei dieser Konfiguration die Chance,
ihn zu finden, 3/55 oder 2/54 beträgt, dies kann demzufolge
berechnet werden. Die Feststellung
selbst - reiner - Zufall, der mit einer logischen
Unschärfe überrascht, bedeutet gar nicht die
"Unvermutbarkeit". Der genannte Fall wurde
hier erwähnt, um zu zeigen, dass die Postmodernisten
oft für die Begründung ihrer Theorien nach verschiedenen
wissenschaftlichen Gebieten greifen, zwischen denen
zu den letzten die Mathematik nicht zugerechnet werden
kann. Es ist jedoch die Mathematik, die auf eine
instrumentale Weise - das heißt nicht berechtigt,
betrachtet wird. Julia Kristeva versucht, eine formalisierte
Theorie der Gedichtssprache zu schaffen, die auf Grund
dieses Wissens zu begründen wäre. In den Arbeiten
von Paul Virillo wiederholen sich die Begriffe "Hiperraum",
"Objekt", "Struktur" oder "Topologie",
deren Anwendung der genau bestimmten Definitionsbedeutung
widerspricht. Modisch sind auch die Berufungen
auf die logischen Arbeiten von Frege und auf die
berühmte Monographie von Neumann und Morgenstern Theory
of Games and Economic Behaviour (1944) und auf
die Philosophie von Wittgenstein. In Der Postmodernen
Kondition von Lyotard treffen wir fast überall
diese mathematische Ignoranz. Der Autor schreibt:
"Diese Beschränkungen [förmlicher mathematischer
Systeme] bedeuten, dass die Metasprache, die die
Logik zur Beschreibung der künstlichen Sprache (Axiomatik)
bedeutet, eine "natürliche" oder Umgangssprache
ist, sie ist eine universale Sprache, weil sich alle
anderen Sprachen in diese Sprache übersetzen lassen,
aber sie ist nicht einheitlich im Verhältnis zu Verhandlungen:
sie lässt die Entstehung von Paradoxen zu."
Lyotard vermischt im genannten
Abschnitt ein paar Begriffe - die Axiomatik ist nicht
der künstlichen Sprache gleich, die erste nimmt die
Umgangssprache nicht in Anspruch, weil sie die ausdrücklichen
semantischen Kategorien, d.h. Sätze, Namen,
Satzfunktionen, Funktoren und Operatoren, verwendet.
Sie sind nicht beliebig, weil sie zu derselben Gruppe
der Kategorien gehören sollen, obwohl z.B. die Argumente
der Funktoren desweiteren die voraussichtlich unterschiedlichen
Ausdrücke bilden. Dies bedeutet, dass wir imstande
sind, die namensbildenden und satzbildenden Ausdrücke
auszusondern. Über die satzbildenden Funktoren, die
uns interessieren werden, wird festgestellt, dass
sie zu der gegebenen Situation nur dann und ausschließlich
dann gehören, wenn sie die Funktoren mit der gleichen
Zahl von Argumenten sind. Auf dieser Grundlage stellen
die Logiker unter anderem fest, "dass die Implikation-,
Konjunktion-, Alternative- und Gleichgewichtszeichen
zu derselben semantischen Kategorie gehören, zu der
wir das Verhandlungszeichen nicht rechnen, weil es
ein Ein-Argument-Funktor ist, die früher genannten
Funktoren dagegen sind Zwei-Argument-Funktoren". Der Autor der Postmodernen Kondition
vermischt unter anderem auch zwei unterschiedliche
semantische Kategorien miteinander, wobei er ihnen
den Vorwurf fehlender Kohäsion in gegenseitigen Beziehungen
macht.
Gleichzeitig soll festgestellt
werden, dass die nicht scharfe Bezeichnung "Umgangssprache"
keine eindeutige logische Bindung impliziert - wir
wissen demzufolge nicht, ob sie eine Sammlung von
lexikalischen Kategorien, der Syntax und der Weise
von Schlussfolgerungen, die für die gegebene Sprache
typisch sind, bedeutet, die jedoch die Eigenschaften
der Informationsgenüglichkeit aufweisen, anders gesagt
führen sie zu keiner semantischen Inkohärenz, sie
sollen vielleicht mit dem alltäglichen Stil und mit
allen Konsequenzen, die daraus erfolgen, verbunden
werden. Im ersten Fall kann die Sprache der allgemein
gültigen Mathematik gebildet werden, aber nicht mehr
der Metamathematik (Metabeschreibung der Mathematik),
im zweiten Fall wird der Grad der Zufälligkeit so
groß, dass er alle logischen Vorgänge disqualifiziert.
Außerdem führt das Bestehen von Paradoxen zu keiner
Antinomie in der förmlichen Sprache oder sie können
beseitigt werden, im weiteren Sinne - sie lässt die Paradoxen zu, was gerade aus
der Inkohärenz
der natürlichen Sprache erfolgt. Davon wussten
die Sofisten, die gern nach der Antinomie griffen,
wodurch sie, wie allgemein bekannt, die Bewunderung
von Laien erweckten. Es muss jedoch hinzugefügt werden,
dass die Antinomien der Altertümer verhältnismäßig
leicht zu erklären sind, wenn wir die Metasprache
verwenden, also wenn wir genau und eindeutig, und nur eindeutig die Bedeutungen
der in einem bestimmten sprachlichen Fall (Pragmatik)
verwendeten Wörter beschreiben und auf den logischen
Mechanismus des durchgeführten Vorgangs hinweisen.
Lyotard beruft sich, um seine Rechte zu beweisen,
auf den ersten Lehrsatz von Gödl über die Unvollständigkeit.
Und auch in dem von uns analysierten Abschnitt muss
dieser vorhanden sein, obwohl sich der Autor von
Der Postmodernen Kondition in der Glosse auf
Alfred Tarski beruft. Die Unvollständigkeit im Sinne
von Lyotard und Derrida hat nicht viel mit den Definitionen
mit dem ausdrücklichen metamathematischen und
Metasystemstatus zu tun. Der Lehrsatz von Gödl über
die Unvollständigkeit besagt, "für jedes nicht
widersprechende förmliche System, das die Arithmetik
der natürlichen Zahlen enthält, gibt es die nicht
zu entscheidenden Sätze, d.h. die sich in ihm nicht
beweisen lassen, obwohl sie in der Sprache des gegebenen
Systems ausgedrückt werden können. Es ist die syntaktische
Form dieses Lehrsatzes, der auch die semantische
Fassung besitzt, für jedes nicht widersprechende förmliche
System, das die Arithmetik der natürlichen Zahlen
enthält, gibt es die wahren Sätze, die in dessen Sprache
ausgedrückt werden können, aber sie lassen sich in
diesem System nicht beweisen". Für die Postmodernisten bildet der Lehrsatz
von Gödl den Beweis der Schwäche von Wissenschaft,
die so präzis und genau scheint, welche die Mathematik bildet, was des weiteren eine verständliche
Schlussfolgerung implizieren soll, dass dieses Problem
desto mehr die anderen Fachgebiete betreffen soll,
die scheinbar nicht so radikal im Bezug auf die von
diesen angewendeten Methoden sind. Der Folgesatz
dieser Schlussfolgerung, der sicher die Eigenschaften
der Wahrhaftigkeit besitzt, wird durch den falschen
Vorsatz antizipiert, was schließlich zum Satz führt,
der als wahr nicht betrachtet werden kann. Daraus
erfolgt, dass das Bestehen von ausschließlich syntaktischen
Beziehungen in der Sprache zu schwach ist, um mit
deren Hilfe die Metabeschreibung der Sprache selbst
durchzuführen. Dies führt zur Notwendigkeit, zu dieser
Sprache die Semantik einzuführen oder sogar die
ausschließlichen auf die Semantik gestützten Regeln
zu bilden. Die Postmodernisten scheinen zu vergessen, dass die natürliche Konsequenz des Lehrsatzes von Gödl keine
Möglichkeit ist, die Referenzfunktion der Sprache
zu internen sprachlichen Regeln zu vereinfachen.
In der Praxis müssen wir uns demzufolge mit den Beschränkungen
der Sprache abfinden, die ausschließlich den Systemcharakter
haben und sich nur und ausschließlich mit Hilfe dieser
Systeme ableiten lassen. Davon spricht außerdem der
zweite Lehrsatz von Gödl über die Unvollständigkeit,
der durch die Postmodernisten nicht berücksichtigt
wird. Er sagt, es gebe keine Möglichkeit "diesen
Beweis keiner Widersprüchlichkeit der Systeme, die
die Arithmetik enthalten, anzugeben, der ausschließlich die Mittel dieser Systeme in Anspruch nimmt; den
Beweis von keiner Widersprüchlichkeit solcher Systeme
erfordert die Verwendung von Konstruktionen, die
keine Vertretung im Rahmen der arithmetischen Rechnung
haben".
Völlig unklar scheint die
Berufung von Lyotard auf Tarski, das heißt auf den
Lehrsatz über die Undefinierbarkeit der Wahrheit.
Ohne seine ausgebaute Definition ausführlich zu
betrachten, kann kurz festgestellt werden, dass der
Begriff der Wahrheit für die Formeln der gegebenen
Theorie in ihr selbst nicht ausgedrückt werden kann.
Selbstverständlich entsteht auch in diesem Fall die
ausdrückliche Abhängigkeit der Sprache und der Metasprache,
jedoch mit dem Vorbehalt, dass die letzte entscheidend
stärkere Formeln als die erste anwenden muss. Schließlich,
wie man sich leicht überzeugen kann, schreiten sowohl
Lyotard als auch Derrida in die sumpfige Strömung
der Logik, der Mengentheorie und der Metamethodologie
ein, in denen die dominierende Rolle seit Jahren die
analytische Philosophie spielt. Die von diesen zitierten
wichtigen mathematischen Lehrsätze, meistens unverständlich
sogar für die Forscher anderer Wissenschaften, stellen
sie in der Situation von Laien und Uneingeweihten.
Diese Denkweise der Postmodernisten wäre nur dann
berechtigt, wenn das Greifen nach den genannten mathematischen
Methoden die eigene Theorie erweitern sollte. Meistens
ist es jedoch so, dass dazu dienen, ihre ungenügenden
Rechte zu beweisen. Sie vernachlässigen so die triviale
Konstatierung, dass die Präzision der mathematischen
Methoden nicht zu diskutieren ist, mindestens in diesem
Sinne, dass diese gleichzeitig wahr oder unwahr (Tautologie)
sein können, es ist leicht, den Eindruck zu gewinnen,
dass diese Handlungen mit dem seltsamen Genuss aus
der Entdeckung ihrer Unvollkommenheit motiviert
werden. Das nächste Jahrhundert, in dem der Glauben
an das Wissen und demzufolge die Forschungsdekadenz
die entscheidende Stimme gewinnt, bedeutet noch nicht,
dass die Postmodernisten Recht haben. Die Humanistik
auf dem Abwege kennt doch noch einen Ausweg aus der
Sackgasse - gerade die Logik.
Die Tatsache des Verzichts
durch die Mehrheit von Postneuzeitlichkeitsarten auf
das klassische System von Aristoteles und die Umwandlung
in einen aphoristischen und scharfsinnigen deutschen
Philosophen - Nietzsche - ist wahrscheinlich charakteristisch.
Und doch, die Rückkehr zur Referenzkonzeption des
Schrifttums stößt auf Widerstand. Lyotard stellte
in der schon genannten Postmodernen Kondition fest:
"[...] Pragmatik der wissenschaftlichen Forschungen
betont auf besondere Weise die Schaffung von neuen
'Zügen', und sogar neuen Regeln von Sprachspielen,
besonders, wenn es sich um die Suche nach neuen Argumentationen
handelt. Es soll jetzt dieser auf der derzeitigen
Etappe des wissenschaftlichen Wissens entscheidende
Aspekt unterstrichen werden. Über dieses Wissen könnte
scherzhaft gesagt werden, dass es "den
Ausweg aus der Krise" und konkret aus der Krise
des Determinismus sucht".
Die Sache sieht jedoch
nicht so einfach aus, wie dies uns der Autor darstellen
will, vor allem deshalb, weil gerade die Postmoderne
die Krise des Wissens und gleichzeitig der Sprache
dieses Wissens angemeldet hat. Naiv ist auch die Meinung
über den Determinismus der exakten Wissenschaften,
und es entsteht die Frage, was das überhaupt bedeutet.
Die Quantenmechanik, Astronomie, Mengentheorie -
es sind nur ein paar Beispiele, die dem widersprechen.
Höchstens kann man über die Mängel von Probabilismus
(z.B. die durch die Postmodernisten mit Vergnügen
zitierte Unbestimmtheitsregel von Heisenberg besagt
nicht, dass es keine Möglichkeit gibt, die Elementarteilchen
zu untersuchen, sondern nur die Beschränkungen bei
gleichzeitiger Untersuchung von ein paar physischen
Größen). Es ist auch unklar, wie die Bezeichnung
der wissenschaftlichen Argumentation - als ein Sprachspiel
- zu verstehen ist, wenn sich die Definitionen selbst
nicht ändern, oder wenn sie zueinander komplementär
sind. Außerdem ist die Theorie von Einstein, die den
Postmodernisten zufolge die
derzeitige Sicht der Wirklichkeit scheinbar stürzt,
bedeutet nicht die Falsifikation der Theorie von
Newton, die einen Abschnitt der ersten Theorie bildet.
Es gibt wahrscheinlich keinen Zweifel darüber, dass
der Untergang der Referenztheorie in der Wirklichkeit eine ausprobierte
Denk- und Handlungsweise angesichts der wissenschaftlichen
Schismen ist. Die so verstandene Struktur der gegenseitigen
Beziehungen zwischen dem Subjekt und dem Objekt (adequatio
rei et intelectu) erweist sich nicht widersprüchlich
mindestens im Aspekt der sog. Barcan-Formel,
die sagt, wenn das Bestehen von etwas möglich ist,
was eine bestimmte Bedingung erfüllt, dann gibt es
etwas, was sie erfüllen kann. Es muss hier selbstverständlich
vorbehalten werden, dass die Formeln "für jeden"
und "es gibt solche" (allgemeiner und ausführlicher
Quantifikator) nicht mehr referential sein müssen,
sondern als Darstellung betrachtet werden, was in
der Folge zu einem neuen Typ von Semantik führt, den
truth value semantics. In diesem Sinne mit
dem vorausgesetzten primären Begriff ist es der Begriff
von Wahrheit, und jeder andere Begriff - unter anderem
die Denotation - ist sekundär. Wenn wir die humanistischen
Wissenschaften als idiographisch betrachten, also
solche, die die einzelnen Tatsachen untersuchen, kann
leicht nachgewiesen werden, dass das oben dargestellte
Schema ihr Bestehen (ihre Wahrhaftigkeit) als unbestreitbar
betrachtet, im engen Sinne deren Betrachtung als
Erzeugnisse und nicht Handlungen. Eine andere außerlogische
Weise, wichtig in einem anderen Verständnis
der Humanistik, ist, wie es scheint, eine individuelle
Forschungsintuition (Insight), die die richtige
Auslegung, Charakteristik der Literaturhelden, Gefühle
und Motivationen, die die Handlungen von anderen Personen leiten usw. ermöglichen. Es ist schwer, nicht mit
Dorota Heck einverstanden zu sein, die in ihrem Buch
In der Richtung von Kulturmorphologie. Perspektiven
der Literaturwissenschaft gegenüber dem sog. Schluß
von Literaturtheorie, die veröffentlicht werden,
bemerkt: "Nach dem Muster von traditionell gesinnten
Forschern kann, und im Namen der humanistischen Eigenart
glaube ich, dass sogar soll die Anerkennung für intuitive
Meinungen, Forschungsentscheidungen und ihre Motivationen,
angepasst an die idiographische Materialbeschreibung,
festgehalten werden. Diese geschätzte Intuition muss
nicht mit dem limitierten, ich unterstreiche limitierten
Interesse an empirischen Untersuchungen kollidieren.
Sie gehören zur Soziologie des Literaturlebens, sie
gehören zum polydisziplinären (und nicht interdisziplinären)
Muster der Ausführung von humanistischen Interessen.
Sie bilden die Konsituation der stricte literaturwissenschaftlichen
Auslegung der Werke. Vor allem soll jedoch gefragt
werden, was es gibt, wie es ist, und nicht - ob das
"recht" ist, und der modischen, "geltenden"
Theorie entspricht. Als einen Versuch von Konformismus
würde ich die Grundeigenschaft in der Frage bezeichnen:
auf welchen Gebieten des Wissens die Norm im Verhältnis
Meister - Schüler die Übereinstimmung ist, in welchen
deren Gegensatz? Der Unsinn von "Untersuchung"
dessen, was eigentlich bekannt ist (im Gegensatz
zur Betrachtung den mathematischen Problemen selbst
bedeutet unter anderem die erzwungene Nachahmung
vom Idiolekt, das dekonstruktionistische Gerede
könnte - nicht wohlgemeint als eine Vorführung der
Selbstsicherheit gegenüber Prophanen und der Überlegenheit
gegenüber Kennern der gegebenen "Methode"
dargestellt werden)".
Nicht eine neue, sondern
eine neu dargestellte Betrachtungsweise der Humanistik
bildet der Vorschlag von Michael Fleischer, der als
empirische Literaturwissenschaft bezeichnet wurde.
Dieser Vorschlag, der sich auf die Festlegungen von
Kazimierz Adjukiewicz beruft, hat jedoch diesen Nachteil,
dass er teilweise die übermäßige Selbstsicherheit
der Neopositivisten des Wiener Kreises wiederholt.
Wie daraus zu ersehen ist, sucht die Humanistik heute
die Lösungen durch die Berufung auf die Referenztheorie,
die Intuition, den Empirismus. Diesen folgt auch die
Sprache, die - im Gegensatz zu den Postmodernisten
- nach der Genauigkeit strebt, durch die Anerkennung
ihren regierenden Regeln der Semantik oder Pragmatik
und durch den bewussten Verzicht auf die unzuverlässigen
syntaktischen Beziehungen oder durch den Glauben an
die phänomenologische Überzeugung, "die Sprache
ist das Haus des Geistes". Das alles eröffnet
vor der gegenwärtigen Humanistik optimistische Perspektiven,
wobei es gleichzeitig den pessimistischen oder sogar
apokalyptischen Ton der Aussagen von Postmodernisten
verneint.