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Orbis Linguarum Vol. 23/2002

Eugeniusz Klin

Zielona Góra

Diskussion um Gerhart Hauptmann. Zum ungedruckten Briefwechsel zwischen Felix A. Voigt und Paul Mühsam (ausgewählt und kommentiert von Else Levi-Mühsam und Mechthild Voigt-Pfeiffer)

Seit vielen Jahrzehnten ist die Diskussion um Gerhart Hauptmann und seine Zeit­ge­nossen immer noch nicht erloschen, ja, sie hat in letzter Zeit wieder neuen Auf­trieb erhalten. Einen dieser vergessenen, aber im Moment wieder aktuellen Impulse finden wir im bisher ungedruckten Briefwechsel zwischen Felix A. Voigt - dem bekannten Gerhart-Hauptmann-Kenner und Biographen - und seinem langjährigen Freund Paul Mühsam, dem deutsch-jüdischen Dichter und Denker aus Görlitz, der seit 1933 im Exil in Palästina lebte und dann israelischer Staatsbürger wurde.

Private Briefwechsel zeichnen sich dadurch aus, dass sie freier und ungehemm­ter Ansichten offenbaren als öffentliche Äußerungen oder Polemiken. Im Falle un­serer beiden Korrespondenten kamen einige besondere Umstände hinzu, die ihren Briefwechsel als durchaus glaubwürdig und ertragreich einstufen lassen. Zunächst standen die Briefe beider Autoren von 1926 bis 1960 im Zeichen ungetrübter, bei­derseitiger Freundschaft zueinander. Sie hatten beide also keinen Grund, vorein­an­der in Schönfärberei oder Schwarzmalerei zu verfallen. [1] Beide Verfasser waren zu­dem ausgesprochene Gegner und Opfer des Hitlersregimes, Paul Mühsam (1876-1960) schon allein seiner jüdischen Herkunft wegen, die bereits im März 1933 zu seiner vorübergehenden Verhaftung und Einschränkung seiner beruflichen Betäti­gung als Görlitzer Rechtsanwalt und Notar geführt hatte und schon im September 1933 mit seiner Flucht ins Exil nach Palästina endete. Felix A. Voigt (1892-1962) wurde ebenfalls seit 1933 verfolgt: einerseits wurde er als Vorsitzender der Kreuz­burger Instanz der Deutschen Demokratischen Partei bereits im selben Jahr aus dem Schuldienst entlassen, andererseits war er und seine Frau, die als sog. "Halbjüdin" galt, in der Zeit des Hitlersregimes zahlreichen Behinderungen ausgesetzt; mit der Einschränkung allerdings, dass ihm mitunter einzelne Vorträge oder Publikationen erlaubt wurden. Schließlich fühlten sich beide Korrespondenten als Vertriebene: Paul Mühsam durch die Rassenpolitik der Nazis, Felix A. Voigt durch den Terror der totalitären Machthaber, der infolge des verlorenen Zweiten Weltkrieges zu der Vertreibung seiner Familie aus seiner schlesischen Heimat geführt hat. Beide er­lit­ten dadurch auch materielle Verluste: Paul Mühsam musste sein neuerbautes Haus in Görlitz zurücklassen und verlor viele seiner Manuskripte durch die Beschlag­nah­me durch die Gestapo - Felix A. Voigt verlor seine Breslauer Wohnung in Zimpel und zahlreiche Bücher und Handschriften, darunter seine wertvollen Studien zu Ger­hart Hauptmann. Schließlich vereinte beide Briefverfasser auch ein gemein­sa­mer weltanschaulicher Nenner: die Ablehnung jeglicher extremer und totalitärer Auffassungen und die Verfechtung eines liberal-demokratischen Weltbildes, zu dem auch die Befürwortung einer deutsch-jüdischen Kultursymbiose gehörte. [2]

Die aufschlussreiche und reichhaltige Thematik des Briefwechsels zwischen Fe­lix Alfred Voigt und Paul Mühsam umfasste verschiedene Problemkreise: neben persönlichen Angaben über beide Korrespondenten und deren Werkpläne erfahren wir einiges über die Zustände nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland und parallel dazu in Palästina bzw. Israel, einen beachtlichen Meinungsaustausch über die geis­ti­gen und politischen Strömungen der besprochenen Zeit, wie Christentum, Juden­tum, Demokratie, Antisemitismus usw., zum Teil sehr kritisch, aber den für uns Ger­ma­nisten wesentlichsten Bereich bilden Äußerungen über zeitgenössische Schrift­steller. Davon steht die Diskussion um Gerhart Hauptmann und seine Zeitgenossen zweifellos im Vordergrund unseres Interesses.

Gewiß zählt Felix Alfred Voigt zu den besten Kennern Gerhart Hauptmanns und seiner Werke. [3] Der Briefwechsel mit Paul Mühsam bringt vielfache Belege und Bemerkungen dazu. Auch in der Nazizeit werden diese fortgeführt. So berich­tet Voigt mehrfach von seinen Ferien in Agnetendorf, wo er den bewunderten Schrift­steller sprechen und studieren konnte. Anfang 1938 übernahm er für drei Monate sogar die Vertretung des beurlaubten Sekretärs bei Gerhart Hauptmann, der sich zu dieser Zeit in Rapallo aufhielt. Gleichzeitig sammelte Voigt reichlich an Stoff für seine geplanten Hauptmann-Studien, so dass er sich für den Mittelpunkt der Ger­hart-Hauptmann-Forschung ansehen konnte. So schreibt er z.B. am 2.1.1938: "Bei mir hat sich so eine Art Zentrum der GH-Forschung gebildet, so dass mich ein rie­siger Briefwechsel mit allen Teilen der Welt verbindet". [4] Freilich ist der wissen­schaftliche Effekt dieses "Zentrums" im Jahre 1945 in Breslau zum größten Teil verlorengegangen.

In der Nazizeit gelang es Voigt aber, mehrere Publikationen über Gerhart Haupt­mann herauszugeben. So berichtet er im Brief vom 16.12.1934 von der überaus schwierigen Edition des "Hirtenliedes", das bekanntlich 1921 nur als Fragment er­schienen war und die im Hitlerregime doch völlig unzeitgemäße biblische Jakob-Rahel-Geschichte behandelte, dazu den 1. Band der Hauptmann-Studien sowie die Gemeinschaftsarbeit "mit einem amerikanischen Forscher" (gemeint ist damit der aus Zittau stammende Walter Albert Reichart). [5] Noch Ende 1936 konnte Voigt den 1. Band seiner "Gerhart-Hauptmann-Studien" herausgeben und an der Ausgabe des 1. Bandes des "Gerhart-Hauptmann-Jahrbuches" mitwirken. Im Jahre 1942 erschie­nen dann die bekannten Bücher über "Gerhart Hauptmann, den Schlesier", sowie zusammen mit Carl Friedrich Wilhelm Behl die erste Fassung von "Gerhart Haupt­manns Leben, Chronik und Bild". [6]

Diese hinreichend bekannten Tatsachen über Voigts Hauptmann-Forschung könn­ten nunmehr anhand des erwähnten Briefwechsels um weitere Details und Meinun­gen erweitert werden. Das betrifft z.B. die Vorbereitungen Voigts und Behls, die unveröffentlichten Texte aus Hauptmanns Archiv für den 2. Teil der Ausgabe letz­ter Hand vorzunehmen, was aber durch Benvenuto Hauptmann unterbrochen wur­de, indem er diese Archivteile Ende 1945 bekanntlich wegholte. Zwei Jahre später erhielt Voigt aber weitere Teile aus dem Hauptmann-Archiv, darunter auch Hand­schriften des Dichters. [7] Bald darauf aber kam es zum Streit mit Benvenuto und Mar­garete Hauptmann. Besonders Benvenuto Hauptmann hält Voigt für den "bö­sen Dämon des Hauses", auf dessen Veranlassung, getrieben von "reiner Geldgier" die Zustimmung zu neuen Veröffentlichungen von Gerhart Hauptmanns Werken zurückgenommen wurde. [8] Nachdem Benvenuto Hauptmann das Archiv Gerhart-Hauptmanns in die Schweiz überführen ließ, gab es seinerseits noch mancherlei Streitigkeiten mit Verlegern und gerichtliche Nachspiele, die Voigt sehr negativ bewertet. [9] Schließlich gelangt Voigt im Jahre 1955 zu dem Schluss, dass Gerhart Hauptmann keine große Rolle mehr in Deutschland spielt. [10]

Bevor Voigt aber zu dieser Einsicht kommt, findet in seinem Briefwechsel mit Paul Mühsam eine aufschlussreiche Diskussion um die Einschätzung von Gerhart Hauptmann und seinen Werken statt, die ich für die eigentliche gewinnbringende Leistung dieser Korrespondenz halte. Schon in Voigts Brief vom 7.3.1935 werden Alfred Kerrs Anschuldigungen gegenüber Hauptmann zurückgewiesen, die sich auf seinen Prager Aufsatz "Gerhart Hauptmanns Schande" beziehen. [11] Aber auch gegen zeitgemäße gelegentliche Vereinnahmung von Hauptmanns Werken protestiert Voigt, z.B. gegen die Verfilmung des "Biberpelzes", die er für eine "Tempel­schän­dung" hält. [12] Den eigentlichen Anstoß zur grundlegenden Diskussion aber brachte ein äußerer Anlaß: die Übersendung von Voigts zweiter Auflage des Buches "Ger­hart Hauptmann, der Schlesier" an seinen Freund. Paul Mühsam bestätigt den Er­halt des Buches und unterbreitet bei dieser Gelegenheit sein eigenes Verhältnis zu Gerhart Hauptmann sowie Meinungen aus seiner jüdischen Umwelt über ihn. Diese umfassende Bewertung durch Paul Mühsam, die fast 8 Seiten Maschinenschrift enthält, kann hier natürlich nur kurz angedeutet werden. Schon in seiner frühen Ju­gend habe Mühsam die Lektüre der "Weber", aber ganz besonders das Theater­er­lebnis von "Hanneles Himmelfahrt" fasziniert, wobei letzteres ihn "bis in die Wur­zeln seines Wesens erschütterte." [13] Diese "Offenbarung" aber ging später in ein eher nüchternes Urteil über: "Seit dieser Zeit habe ich treu zu Gerhart Hauptmann’s großer Kunst gehalten, nicht kritiklos, aber in Ehrfurcht. Ich spüre, wo die Grenzen seines Könnens sind. Ich verfalle auch nicht in die Übertreibung, ihn auf eine Stufe mit Goethe stellen zu wollen". [14] Indem Paul Mühsam dann auf Hauptmanns Schwä­chen und Fehlleistungen zu sprechen kommt, bringt er differenzierte Urteile über viele seiner Dramen und Prosawerke und auch biographische Angaben über seine vorübergehende Bekanntschaft mit Gerhart Hauptmann, der nachweislich die Wer­ke Paul Mühsams lobend erwähnt haben soll.

Den Stein des Anstoßes ins Rollen aber brachte erst das Thema des Verhältnis­ses Gerhart Hauptmanns zum NS-Regime. Dazu teilte Mühsam seinem Freund Voigt z.B. folgendes mit: "Hierzulande ist man G.H. nicht sonderlich hold gesinnt, weil er in Hiddensee die Hakenkreuzfahne gehisst haben soll, und als er nach dem Untergang von Dresden erklärte, nur weinen zu können, fragte man, ob er auch geweint habe, als Rotterdam, Belgrad und Lidice dem Erdboden gleichgemacht wurden". [15] Paul Mühsam versucht aber Gerhart Hauptmann wenigstens teilweise zu verteidigen, indem er ihn als einen unpolitischen Menschen bezeichnet, der mit dem III. Reich nur äußerlich Frieden geschlossen hat, im Gegensatz zu Hermann Stehr. Letztendlich lässt Mühsam aber die Frage offen, ob das eine genügende Rechtfertigung für Hauptmanns Verhalten in der NS-Zeit sei.

Die Entgegnung Voigts auf diese fast provokativen Worte Mühsams kam prompt. Hatte er bis dahin mitunter betont, der Gedankenwelt Paul Mühsams nicht fremd gegenüberzustehen, [16] so unterstreicht er in seinem Antwortbrief dem "lieben und herzlich verehrten Freund", das Verhalten Gerhart Hauptmanns in der NS-Zeit doch anders zu beurteilen. Dabei konnte er sich freilich auf seine genauere persönliche Kenntnis des schlesischen Schriftstellers berufen: "Seine äußere Haltung kenne ich ja nun genau, da ich die 12 Jahre vielfach bei ihm war. Und da beurteile ich sie doch anders. Gelegentliche Schwächeanfälle gebe ich zu: wer diese Zeit hier mit­erlebt hat, weiß, dass diese psychologisch einfach unumgänglich waren. Aber seine innere Haltung war alle die Zeit unverändert". [17]

Die Vorwürfe gegen Gerhart Hauptmann durch Paul Mühsam versucht Felix Voigt auch durch die in totalitären Staaten bekannte Nachrichtensperre zu entkräften: "Dass er über Lidice nicht geweint hat, glaube ich. Der Grund: ich selbst habe den Namen zum ersten Mal im Herbst 1945 gehört. Glauben Sie, die Nazis hatten uns das tagtäglich mitgeteilt?". [18] Auch betont Voigt den großen Verlust der Kulturstadt Dresden, der infolge der Bombardierung eingetreten war: "Und Hauptmann hat weniger um die 200000 toten Frauen und Kinder geweint, sondern um die Vernich­tung ’der Kulturstätte, von der ein Strom geistiger Befruchtung in alle Welt gegan­gen ist’". [19] Doch relativiert Voigt dieses Argument zur Verteidigung Gerhart Haupt­manns selbst, indem er den Holocaust der Juden noch über die Vernichtung Dres­dens stellt: "Dass ich um das Schicksal des jüdischen Volkes - und in gewis­ser Tie­fenschau ist es doch das ‚auserwählte Volk’ - noch tiefer trauere und leide als über den Untergang der unersetzlichen Kunststätten, bekenne ich offen. Aber von den entsetzlichen Vergasungen hörte ich- durch Dr. Behl- gerüchtweise zuerst im Herbst 1944, und ich sage offen, ich habe daran zuerst nicht geglaubt." [20]

Andere Argumente zur Verteidigung Gerhart Hauptmanns führt Voigt durch den Vergleich mit Thomas Mann an. Während Paul Mühsam den aufrechten Charakter Thomas Manns wiederholt positiv hervorhebt, meldet Voigt gewisse Zweifel an ihm: "Mir stand er als Dichter nie sehr nahe, und seinen gouvernantenhaften Ton vertrage ich schwer. Übrigens ist Hauptmann nie so für nationalistische, ja gerade­zu nazistische Ideen eingetreten wie Mann in den Betrachtungen eines Unpoliti­schen und Friedrich und die große Koalition. Auch im Zauberberg findet sich eine ganze Blütenlese von Worten, die geradezu pränazistisch sind. Auch diese Fest­stel­lung als Zoll der Wahrheit." [21]

Schließlich bringt Felix Voigt auch ein Argument zugunsten Gerhart Haupt­manns und seinem positiven Verhältnis zur jüdischen Kultur, und zwar durch den Hinweis auf das Werk "Die Finsternisse". Voigt und seine Frau selbst hatten es in einer Ab­schrift für die in den USA erfolgte Publikation gerettet und im Brief wird es als Re­quiem Hauptmanns charakterisiert: "Als Vertreter des Judentums erschei­nen darin: Elias, der Gottesstreiter des Alten Bundes, Johannes, der große Liebende aus dem Kreise Jesu von Nazareth und Ahasver. Ich glaube nicht, dass man das Wesen des Judentums tiefer als durch diese drei Vertreter charakterisieren kann". [22] Mit diesen Worten hoffte er seinen Freund Mühsam noch stärker für Gerhart Hauptmann einzunehmen, zumal der aus Görlitz emigrierte Dichter ja selbst ein wichtiges Dra­ma über den "Ewigen Juden" geschrieben hatte.

Paul Mühsams Antwort vom 3.12.1947 bestätigt diese Erwartung wenigstens teilweise, zumindest in der Beurteilung Gerhart Hauptmanns. So schreibt er unter anderem: "Daß Sie betreffs Gerhart Hauptmann manches anders und wahrschein­lich richtiger beurteilen, ist begreiflich. Selbstverständlich traure ich genauso wie Sie über die Zerstörung Dresdens, und ich hänge, wie auch meine Kinder es tun und meine Frau es tat, an diesem einzigartigen, unwiderruflich verschwundenen Städtebild... Bei uns jedoch tritt immer noch der Gedanke hinzu, dass die ganze Herrlichkeit noch bestünde, wenn nicht ein Wahnsinniger den Krieg entfesselt hät­te und es so weit hätte kommen lassen, wie es kein wirklicher und sein Vater­land liebender Feldherr getan hätte". [23]

Wie erwartet erreichten Voigts Angaben über Hauptmanns Drama "Die Finster­nisse" Mühsams lebhaftes Interesse für dieses Werk, was auch aus seiner Bitte her­vorgeht, eine Abschrift davon zu erhalten. Lediglich äußert er seinen Zweifel daran, ob dieses Drama durch die Trauerfeier für seinen Freund Max Pinkus inspiriert sein sollte oder etwa für Fränkel. Felix Voigt hat später jedoch die dahingehend offi­ziel­le Fassung von Max Pinkus bestätigt. Auch Mühsams Zweifel daran, ob Gerhart Hauptmann eines natürlichen Todes gestorben sei, werden von Voigt hinreichend ausgeräumt. [24]

Danach ebbte die Diskussion über Gerhart Hauptmann zwischen beiden Freun­den merklich ab. Erwähnungswert wären nur noch einzelne Aussagen. So kom­men­tiert Voigt die Schwierigkeit, sich mit den Dramen Hauptmanns und Shakespeares ernsthaft auseinanderzusetzen, folgendermaßen: "Sheakspeare: ja, man geht zu­meist aus einem Selbsterhaltungsquietismus ihm aus dem Wege, ebenso dem wahren Hauptmann, beide haben eben das Haupt der Medusa gesehen. Niemand aber ver­mag das, es sei denn, er habe die Weihen des großen Tragikers!!" [25]

Mehrfach erwähnt Felix Voigt auch eigene Abhandlungen über Gerhart Haupt­mann, z.B. über die Tochter der Kathedrale und über Gerhart Hauptmanns Ita­lien­erlebnis. Letzteres versuchte er sogar in einer besonderen Reise nach Italien, auf den Spuren Gerhart Hauptmanns, auch geographisch zu erforschen und nachzu­er­leben. [26] Aber im ganzen bringt sein Briefwechsel mit Paul Mühsam mit den Jahren nur noch Unwesentliches zum Thema Gerhart Hauptmann.

Zur Bewertung der Diskussion um Gerhart Hauptmann im ungedruckten Brief­wechsel zwischen Felix Alfred Voigt und Paul Mühsam kann zusammenfassend gesagt werden, dass in den Briefen keine neuen Fakten oder Korrekturen zum bisherigen Forschungsstand gebracht werden. Weder die ausführlichen Angaben über Felix A. Voigt von Krzysztof Kuczyński noch die Informationen über Paul Mühsam durch seine Tochter Else Levi-Mühsam werden im einzelnen widerlegt oder verbessert. [27] Dagegen tritt zweifellos eine Bereicherung unseres Wissens im mentalen Bereich beider Autoren ein. Ihre Meinungen und Argumente sind es, die sich an der Beurteilung Gerhart Hauptmanns entzündeten und zu germanistischen Aufschlüssen führten, die wissenschaftlich ergiebig sind.

Darüber hinaus aber bildet die Korrespondenz zwischen Felix A. Voigt und Paul Mühsam ein wertvolles Zeugnis der trotz allem weiterwährenden deutsch-jüdi­schen Kultursymbiose, auch wenn sie nur noch als Ausnahmeerscheinung betrachtet wer­den kann. Bezeichnend dafür eine Briefstelle Felix Voigts bei der Beurteilung von Paul Mühsams Büchlein "Glaubensbekenntnis", die später in sein Vorwort dazu eingegangen ist: "In der Unrast der Welt werde ich immer wieder Ihre Worte mir vornehmen: als ein Weltweiser sprechen Sie zu uns, als Deutscher, als Jude (Welch Geheimnis wittert um dieses Volk!!), als Mensch, als Prophet. Es wird nichts da­von verloren gehen". [28]

Es sollte deshalb auch unsere Aufgabe sein, diese Vorhersage wahr zu machen.



[1] Zu bedenken freilich wären gewisse Rücksichten auf die Zensur der nationalsozia­listi­schen Zeit sowie auf Einschränkungen im Nachkriegsdeutschland seitens der alliierten Besatzungsbehörden

2 Vgl. Dazu Eugeniusz Klin: Die zerstörte deutsch-jüdische Kultursymbiose - am Beispiel Paul Mühsams, in: Akten des X. Internationalen Germanistenkongresses der IVG, im Druck

[3] Das bezeugt Krzysztof A. Kuczyński in seinem mit Klaus Hildebrandt herausgegebenen Buch "Weggefährten Gerhart Hauptmanns. Förderer-Biographen-Interpreten. Bergstadt­ver­lag Wilhelm Gottlieb Korn, Würzburg 2001. Der Rezensent dieses Buches, Herbert Hupka, hebt dies besonders hervor: "Durch viel Sachkenntnis und geradezu liebevolle Zu­neigung zeichnen sich die Aufsätze der beiden Herausgeber aus, zumal der von Klaus Hildebrandt über C.F.G.Behl und der von Krzysztof A. Kuczyński über Felix Alfred Voigt". Vgl: "Männer neben Hauptmann, jedoch keine Nebenmänner", in: Kulturpo­li­ti­sche Korrespondenz, Nr. 1147, Bonn, 30. März 2002, S. 16.

[4] Ungedruckter Briefwechsel F.A.V. und P.M.

[5] Gemeint ist das Gemeinschaftswerk von F.A. Voigt und W.A. Reichart "Hauptmann und Shakespeare" aus dem Jahre 1938

[6] Vgl. dazu auch C.F.W. Behl- Felix A. Voigt: Chronik von Gerhart Hauptmanns Leben und Schaffen. Bearbeitet von Mechthild Pfeiffer-Voigt, Würzburg 1993.

[7] Ungedruckter Briefwechsel von F.A.V. und P.M. vom 29.10.1947.

[8] Daselbst, vom 17.1.1949.

[9] Daselbst, vom 28.8.1949, 5.12.1949, 31.5.1951.

[10] Daselbst, vom 5.7.1955.

[11] Daselbst,vom 7.3.1935.

[12] Daselbst, vom 2.1.1938

[13] Daselbst, vom 13.10.1947

[14] Daselbst

[15] Daselbst

[16] Daselbst, 29.10.1947.

[17] Daselbst, 1.11.1947

[18] Daselbst

[19] Daselbst

[20] Daselbst

[21] Daselbst

[22] Daselbst

[23] Daselbst, 3.12.1947.

[24] Daselbst, 1.1.1948.

[25] Daselbst

[26] Daselbst, vom 21.1.1958 und 28.5.1958

[27] Vgl. Krzysztof A. Kuczyński: Pod urokiem Gerharta Hauptmanna w stulecie urodzin Felixa A. Voigta (1892-1962), in: Acta universitatis lodziensis. Folia Germanica. Studia z li­teratury i języka niemieckiego pod redakcją Krzysztofa A. Kuczyńskiego i Romana Sa­dzińskiego, Łódż 1997, s. 35-54

Krzysztof A. Kuczyński: Felix A. Voigt (1892-1962), in: Weggefährten Gerhart Haupt­manns. Förderer-Biographen-Interpreten, hrsg. v. Klaus Hildebrandt u. Krzysztof A. Ku­czyński, Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Würzburg 2002, S. 175-184.

Arthur Silbergleit und Paul Mühsam. Zeugnisse einer Dichterfreundschaft. Ein Zeitbild. Hrsg. u. kommentiert v. Else Levi-Mühsam, Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Würz­burg 1994.

Eugeniusz Klin: Paul Mühsam und Arthur Silbergleit. Zur Beziehungsgeschichte zweier schlesischer Dichter, in: Eugeniusz Klin: Tradition und Gegenwart. Studien zur Literatur Schlesiens, Bergstadtverlag , Würzburg 2001, S.65-69

[28] Paul Mühsam: Glaubenbekenntnis, hrsg. v. Else Levi-Mühsam (1978), Zum Geleit v. Fe­lix A. Voigt

 
 
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