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Orbis Linguarum Vol. 19/2002

Wojciech Kunicki

Wrocław

Vom "Haus der Heimat" zum "Haus der Kulturarbeit des Provinzialverbandes".

Kulturpolitische Aspekte der Auseinandersetzung um das Carl-Hauptmann-Haus in Mittelschreiberhau vom Frühjahr 1936 bis zum Frühjahr 1945.

Mit einem dokumentarischen Anhang

Das Carl-Hauptmann-Haus stand nach dem mißglückten Kauf-Versuch durch die Gab­lonzer Großindustriellen, Gebrüder Mahla in den 20er Jahren bis Anfang 1936 fast leer. Es hatte offenbar nur einen Bewohner namens Seidel. Im Zusam­men­hang mit der Absicht, im Carl Hauptmann-Haus ein Museum zu errichten, be­kam der mit dem Rechtsvertreter Maria Hauptmanns, dem Berliner Geheimrat und An­walt am Berliner Kammergericht Dr. Ponfick befreundete Schreiberhauer Ma­ler­meister und Kunsthändler Olly Oltmanns, die Vollmacht, das Miets­verhält­nis mit dem Ein­woh­ner des Hauses namens Seidel, aufzulösen. [1] Oltmanns sollte im Hause mit Un­ter­stützung der Witwe Maria Hauptmann und Ponficks, der höchst­wahr­schein­lich die­­sen Plan fasste, das Museum erreichten. Dieser Plan war für alle Be­teiligten in­te­­res­sant. Oltmanns könnte darin eine Galerie für seine Bilder und Kunst­gegen­stän­de einrichten, Maria Hauptmann ein Carl-Hauptmann-Zimmer auf­stellen. Außer­­dem würde die Gemeinde dem Haus als Sitz eines Museums den Sta­tus einer ge­mein­nüt­­zigen Einrichtung verleihen und somit das Grundstück von Steu­ern befrei­en. Durch diese Unterstützung der öffentlichen Stellen könnte der im Hau­se woh­nen­de Seidel entfernt und eine kleine Renovierung durchgeführt werden. [2] Durch Olt­manns und vielleicht auch durch den damaligen Bürgermeister Schrei­ber­­haus wur­de noch ein Interessent für das Haus gewonnen, Heinrich Rohkam mit sei­ner Trach­­tengruppe, woran Maria Hauptmann ursprünglich Anstoss nahm. [3] Maria Haupt­mann ließ sich von Ponfick zu diesen Plänen überreden und unterschrieb mit Olt­manns ein Provi­so­rium, das bis zum 1. März 1941 galt. Aus dem zwischen Pon­fick und Maria Haupt­­mann geführten Briefwechsel ist ersichtlich, daß gerade Pon­­fick an einer gemein­nützigen Regelung der Angelegen­heit interessiert war. Wa­rum? Er beab­sich­tigte als Besitzer eines Hauses in Schrei­ber­hau und als Freund der Schrei­ber­hauer Künstler Friedrich Iwan und Olly Olt­manns das Carl Hauptmann-Haus als ein kulturelles Zentr­um des Ortes beizubehal­ten. Fest steht allerdings, daß Pon­fick auch im Namen einer "Carl-Hauptmann-Stif­tung" (er meinte wohl die Carl-Haupt­­mann-Gesell­schaft) agierte und ernsthaft schon im Jahre 1936 das Pro­jekt "Rück­­siedlung nach Schreiberhau" mit Maria Hauptmann besprach sowie ein­en Verkauf des Hauses an die Gemeinde in Erwä­gung zog. [4] Trotz Befürchtungen Ma­rias we­gen der "mehr oder weniger unbe­schäf­tigten, gegeneinander neidischen Lo­kal­gröss­en" gewann er Oltmanns und auch Rohkam für die Initiative, das Haus als Mu­seum einzurichten und es als "Überlei­tung zu einer besseren Zukunft" zu be­trach­­ten, in der "auch für Sie und Fräulein Mona in Schreiberhau wieder Raum ist!" [5] . Im Juli 1937 hofften Oltmanns, Rohkam und Ponfick den Bürgermeister von Schrei­­berhau so weit zu über­zeugen, daß er in eine Stundung der Steuern bis zum 1. Mai 1938 einwilligte. Sie hofften auch, daß der "immer wieder ersehnte Ankauf des Hau­­ses durch die Ge­­meinde" bis zum 1. 4. oder 1. 5. 1938 erfolgen würde. Die Ge­mein­­de sollte also das "große Haus" kaufen, ein Teil des Grundstückes mit dem "klei­­nen Haus" sollte Maria Hauptmann für sich behalten. [6] Im Jahr 1937 sollte al­so das Haus durch die Gemeinde Schreiber­hau im Auftrage des Landrats er­stan­den wer­­den, wofür der Schrei­berhauer Bürger­meister Heinze 10 000 RM in den Etat ein­­setzte. Es war vorgesehen, es durch die Schrei­berhauer Trachtengruppe be­nut­­zen zu lassen, des­sen Scholze der Schreiber­hauer Kurdirektor und Verkehrsrat Hein­­­rich Rohkam war. Als "Haus der Heimat" sollte es eine Art Heimatmuseum mit den Erin­ne­rungs­­­stuben an Carl Hauptmann sowie an andere Schreiberhauer Künst­­ler, in er­ster Linie an den Maler und Schrift­stel­ler Hanns Fechner, darstellen. Die Ein­rich­tung des Museums im Jahr 1937 sowie die des Arbeitszimmers vom Schrift­steller und Volkskundler Will-Erich Peuckert, der sowohl mit Carl als auch mit Maria Hauptmann befreundet war, er­folg­te im Einvernehmen mit der ersten Frau des Dich­ters, Martha Hauptmann. Im Jahr 1938, nach dem Tode Marthas, schal­te­te sich das Reichspropgandaamt Schle­sien ein, um, auf Anregung des am 26. 3. 1938 [7] vom Präsi­denten der Reichs­chrift­tums­kammer ernannten neuen "Lan­des­leiters für Schrift­­tum" (also eines Ehren­funk­tionärs des Reichspropagandaamtes Schlesien) Hans Chris­toph Kaergels, der vom Dr. Walter Schulz (Reichs­pro­pa­gan­da­amt Schlesien. Abteilung Kul­­tur) und Nau­mann (Reichs­sender Breslau) un­ter­stützt wurde, ein "Erholungsheim für Dich­ter" zu schaffen. [8]

Um die Tragweite dieser Idee besser verstehen zu können, muss man die spe­zi­fi­schen kulturpolitischen Konstellationen in Schlesien, die sich seit 1938 ab­zeich­ne­ten, skizzieren. In diesem Jahr kam es nicht nur zum Wechsel des Landesleiters für Schrifttum, sondern auch zur Einsetzung eines neuen, 26jährigen "Landes­kul­tur­walters" Dr. Fischer, der Leiter der Reichspropagandastelle (also einer Stelle des Reichs­­­ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda) und, in personaler Union, Gauopropagandaleiter im Gau Schlesien war. Dieser neue, energische, von Goeb­­bels Beamten durchaus günstig beurteilte "Landeskulturwalter", arbeitete in­ten­siv mit dem Gauleiter Josef Wagner zusammen und suchte die traditionelle kul­tur­­poli­ti­sche Institution auf der provinziellen Ebene, die sogenannte Pro­vin­zialver­wal­­tung, dessen Vertreter Landeshauptmann war, in ihrer Wirkung einzuschrän­ken, um stärker die gesamten Kulturaktivitäten der Provinz den Staats- und Partei­in­stan­­­zen unterzuordnen. Er versuchte also, die chaotische Vielfalt der auf die Kul­­turar­beit Anspruch erhebenden Institutionen einer einheitlichen Führung zu un­ter­stellen. Die ersten kulturpolitischen Schritte des neuen Landesleiters für Schrift­tum, den Dich­­­ter Hans Christoph Kaergel, beliefen sich also auf eine bewusst betriebene Schwä­­chung des kulturpolitischen Rolle der Provinzialverwaltung. Es geht mir vor allem um die Sabotierung des Schlesischen Literaturpreises, der durch die Provin­zial­ver­wal­tung gestiftet sowie 1936 und 1937 verliehen wurde. Schon am 21. Mai 1938 schlug Kaergel eine neue Satzung des Preises vor, beantragte, den Preis jedes dritte und nicht, wie bisher, jedes Jahr nur an herausragende Persönlichkeiten zu ver­leih­en, den Rest der von der Provinz gestifteten Preisgelder für die längeren Aufent­hal­te deut­scher Dichter in Schlesien zu verwenden. In diesem Zusammenhang er­wähn­­te er das Schreiberhauer Carl Hauptmann-Haus, das diesem Zweck dienen und des­­halb er­worben werden sollte [9] . Von wem erworben, wird vorsichtigerweise ver­sch­wie­gen.

Da inzwischen, seit Anfang 1936, das Haus mit Duldung des Schreiberhauer Bür­germeisters durch die Schreiberhauer Trachtengruppe als "Haus der Heimat" be­nutzt wurde, kamen die ersten Verhandlungen zum Erliegen. Dazu trug auch das un­gelöste Eigentumsproblem des Hauses bei. Im Juni 1939 wurde von Schulz und Kaer­gel der Gedanke wieder aufgegriffen, im Carl-Hauptmann-Haus ein "Heim für deut­sche Schriftsteller und Dichter" einzurichten, zumal es ab 1940 ("im Rahmen der ihm zugedachten Bestimmung") nicht mehr als "Haus der Heimat" dienen sol­lte. Das Haus sollte ständig mit acht Schriftstellern belegt werden [10] , die Gesamt­sum­me für die Erhaltungskosten belief sich auf 18 000 RM, die beim Landes­haupt­mann beantragt wurde. Eine eventuelle Zusage würde dann, so Schulz, "das letzte Hindernis eines Ankaufs des Hauses durch den Herrn Reichsminister für Volks­auf­klä­rung und Propaganda beseitigen". Die Provinzialregierung reagierte langsam, sehr langsam. Eine vorsichtig ablehnende Antwort des Landeshauptmanns kam erst am 6. 9. 1939. In den "augenblicklichen Verhältnissen" müsse eine Neuer­ör­te­rung des Planes "von gewissen sicheren Voraussetzungen" ausgehen. Der Landes­haupt­­mann wolle sich vergewissern, ob die im Schreiben von Schulz erwähnten Bür­­ger­meis­ter wirklich die Unterbringungskosten tragen würden [11] . Der Krieg lähm­­­te so­wohl die Aktivitäten der Schreiberhauer Trachtengruppe als auch die des Reichs­­­pro­pagandaamtes. Ein neuer Vorstoß kam von Seiten des Regierungspräsi­den­­ten Bachmann während einer Sitzung im Oberpräsidium am 4. Juli 1940. Bach­mann reg­te an, eine Künstlerkolonie im Riesengebirge und ein Künstlerhaus in Bres­lau zu schaffen [12] . Gleichzeitig wurde, wohl auf Anregung Rohkams, auf den ers­­ten Lan­des­rat Georg Kate, Druck von seiten des Staatlichen Pflegers der Hei­mat­­mu­seen in Niederschlesien, Dr. Barthel gemacht, der die angebliche Bedroh­ung des Haupt­mann-Hauses vor allem in den Ansprüchen der Haupterbin wahrzu­nehmen glaub­te: "Eine der Mitbesitzerinnen Frau Martha Hauptmann ist inzwi­schen gestorben. In ihrem Testament hat sie verfügt, daß die im Hause unter­ge­brach­­ten Erinnerungen an Carl Hauptmann dem Heimathaus erhalten bleiben, so­lan­ge dies als Museum im weiteren Sinne erhalten bleibt. Im anderen Fall erhalten die Erben diese Gegenstände zur freien Verfügung. Die Haupterbin drängt auf eine Lö­sung, die für sie günstig ist. Offenbar braucht sie Geld, und sie versucht bereits, mit In­te­res­senten über einen evtl. Verkauf des Hauses als Fremdenheim zu verhan­deln". [13] Im Herbst des Jahres 1940 war die Lage so, daß Maria Hauptmann und ihr Anwalt, Dr. Ponfick nach der Unterstützung einer Institution suchten, um das Haus günstig zu veräußern. Ob Maria schon damals daran dachte, das Haus zu kul­tu­rel­len Zweck­en an eine Institution zu verkaufen, ist unklar. Solche Absichten ver­trat be­stimmt ihr Anwalt. Unterstützung suchte er bei dem Vorsitzenden der offen­bar noch besteh­en­den Carl-Hauptmann-Gesellschaft sowie bei dem genannten Dr. Barthel, der al­ler­dings kein Geld hatte: "Herr Professor Hahm war gestern bei mir", schreibt Pon­­fick am 26. 9. 1940, "und wir haben sehr eingehend über die weitere Entwicklung ge­­sprochen. Sie wissen, er versteht Ihren Standpunkt, ander­seits würde er es ja sehr gern sehen, wenn das Hauptmannhaus kulturellen Zwecken gewonnen würde. Er hat meine Skepsis bezgl. H. Dr. Barthel aufs äusserste geteilt. Dr. Barthel sei zwar ein sehr vernünftiger Mann, aber sein Amt als Kunstvertreter für Schlesien sei ne­ben­amtlich und sei mit keinem Pfennig Dispositionsfonds aus­ge­stattet. Im übrigen sei er seit vielen Wochen oder Monaten in entsprechender Ei­gen­schaft in Krakau mit dem Berufssitz daselbst. Vertreten werde er durch den Kus­tos Otto; dieser sei ein Schüler von ihm, Hahm, ein sehr ordentlicher Mann und ihm zu Dank ver­pflich­tet, und mit ihm könne man reden. Geld habe er aber auch nicht." [14] Die Sache kon­nte allerdings erst dann ins Rollen gebracht werden, als Ponfick den Lan­des­haupt­mann Adams (früher Josef Joachim Adamczik) für das Carl Hauptmann-Haus zu interes­sie­ren vermochte, was durch Professor Hahm in Breslau erfolgen sollte. Adams kam in Frage aus zweierlei Gründen: erstens war er der Vorgesetzte der Bei­den, Bar­thel und Otto und zweitens sei er, was Ponfick voraussetzte, als "frisch ge­wor­de­ner kleiner Mann kunstinteressiert, [...] ordentlich und habe auch etwas Geld; zum Ankauf werde es nicht langen, vielleicht aber zum Pachten" [15] . Dem hier zi­tier­­ten Brief ist zu entnehmen, daß sich Adams persönlich für diese Sache zu in­te­res­­sieren begann, die schon seit langem durch die Beamten des Provinzial­ver­ban­des bearbeitet wurde.

Die Unterstützung Barthels für Rohkam hat sich auch die Provinzialverwaltung zu Eigen gemacht und versuchte 1000 RM für Rohkam aus dem "Deutschtums­fond" zu bekommen, über den der Oberpräsident verfügte [16] . Rohkam erhielt das Geld und der Oberpräsident das Einverständnis, daß der Provinzialverband das Haus übernehmen darf. Rohkam führte also einen Kampf gegen Maria Hauptmann und gegen die Pläne, im Haus ein "Dichterheim" einzurichten. Er wußte ja Be­scheid, daß sein Heimatmuseum einen Steuernachlaß seitens der Gemeinde für das Haus bedeuten würde und somit eine finanzielle Unterstützung der Maria Hauptmann. Im Herbst 1940 zog sich allerdings der Kunsthändler Oltmanns mit seinen Gegen­stän­den - wohl auf Anregung Rohkams - aus dem Hause zurück und bot sie zum Kauf an, was Ponfick dezidiert ablehnte. Danach versuchte Maria mit Hahm und Pon­fick folgende Träger zu gewinnen: "die Gemeinde, darüber hinaus (den) Lan­des­hauptmann, der für einen Zuschuss gewonnen werden muß, evtl. die Gesell­schaft und Sie selbst". Den Rückzieher Oltmanns, der übrigens mit der Rücknahme sei­ner Kunstgegenstände bis Frühjahr 1941 wartete, betrachtete Hahm als unerheb­lich: "wir verlieren an ihm nichts", dafür aber erachtete er als notwendig, daß Ma­ria Hauptmann in diesem Haus ihren Wohnsitz bezieht [17] .

Am 13. 12. 1940 machten der Kulturdezernent des Oberpräsidiums Dr. Ehrli­cher, der Provinzialkonservator Dr. Günther Grundmann sowie Dr. Pfützenreiter ei­ne Dienstfahrt nach Schreiberhau, um die Probleme des Carl Hauptmann-Hauses vor Ort mit dem Bürgermeister Heinze und Heinrich Rohkam zu besprechen. Hein­ze vertrat hier den sehr vorsichtigen Standpunkt, daß "die Gemeinde Schreiber­hau" die Gründung eines "Dichterheims" betreibt, das Nachlässe der schlesischen Dich­ter Carl Hauptmann, Wilhelm Bölsche und Hermann Stehr in Zukunft beher­ber­gen soll. Be­­sonders vorsichtig war er bei der Frage, ob dort "eine der ‚Mor­gen­stern´-Stif­tung ähnliche Einrichtung geschaffen werden soll, oder ob nur jeweils ein Dich­ter für längere Zeit dort freie Wohnung erhalten kann" [18] . Gleichzeitig wurde die komp­li­zie­rte Eigentumsfrage gestreift, nämlich die Rechte der Frau Maria Haupt­mann an dem Haus und auch die Ansprüche der Nachkommen der ersten Frau Haupt­­manns, der 1938 verstorbenen Frau Martha. Noch zu diesem Zeitpunkt trug sich of­fen­bar Ma­ria mit dem Gedanken, das Haus und das Grundstück "ver­hält­nis­smässig billig" zu verkaufen, als Kaufsumme nannte Heinze wohl unverbindlich 35 000 RM. Erwähnt wurde der Nachlass der Familie sowie das Arbeitszimmer des Dich­ters, das "mit Un­ter­stützung von Will-Erich Peuckert in seiner ursprünglichen An­ord­nung wie­der aufgestellt worden" ist. Aus dem Gesagten ergibt sich folgende Kon­stellation. Fest steht, daß die Provinzialverwaltung das Haus im Jahre 1936 an­kau­fen wollte, um dort ein Museum zu errichten. Deshalb bekam Rohkam bei sei­ner Gründung im Frühjahr 1936 eine Unterstützung des Landrats. Fest steht, daß sich 1938 das RPA Schlesien auf Anregung Kaergels einschaltete, das in dem Haus ein "Dichterheim" einzurichten beabsichtigte. Das war die grundsätzliche In­tention des RPAs und Kaergels, den Heimatgedanken bei den deutschen Dichter durch die Aufenthalte im Riesengebirge zu stärken und ein Heim dem Reichspropa­ganda­amt und somit auch dem Reichspropagandaministerium zuzuführen. Vom Nachlass des Dichters war in Kaergels Abischten ursprünglich überhaupt nicht die Rede. Da die Provin­zial­verwaltung Kaergel, u.a. wegen der Sabotierung des Schlesischen Li­ter­atur­prei­ses nicht leiden konnte, versuchte man seine Schachzüge zu vereiteln, u.a. durch Ein­gaben Rohkams an das Reichspropagandaministerium. Die dritte Sei­te in die­ser Aus­einandersetzung war Frau Maria Hauptmann, Will-Erich Peuckert, der ei­gent­liche, weil wissenschaftliche Nachlaßverwalter des Dichters sowie die nicht ge­nan­­nten Nachkommen der ersten Frau, Martha Hauptmann. Maria Haupt­mann be­absichtigte ursprünglich das Haus an die Meistbietenden zu verkaufen, dann, wohl unter dem Druck von Peuckert sowie angesichts des Interesses der öf­fent­lichen Stellen, änderte sie ihre Absicht und beschloß das Vorkaufsrecht den öf­fent­lichen Institutionen zu sichern, um dort angeblich, wie Rohkam suggerierte, mit Will-Erich Peuckert zu wohnen und den Nachlaß zu betreuen. Vom Winter 1940/41 bis zum Sommer 1941 war der Ankauf durch das Reichspropagandaamt in der Schwe­be. Kaergel fühlte sich allerdings so fest im Sattel, daß er Maria Haupt­mann weit­ge­hende Vorschläge zu unterbreiten glaubte, u. a. der Vorschlag eines Er­satz­­hauses für die Witwe Hauptmanns, im Falle, daß das Haus vom RPA Schle­sien als "Dich­terheim" benutzt werde. Im Februar 1941 schickte er an Maria Haupt­mann den Aus­zug ei­nes Briefes vom Landeskulturwalter Fischer, in dem u.a. das Inte­res­se der Gau­lei­tung an den Nachlässen Bösche, Carl Hauptmann, Hermann Stehr und an dem Kauf des Carl-Hauptmann-Hauses geäußert wurde [19] . Im März 1941 kün­digte der neue Gauleiter von Niederschlesien, Karl Hanke, seinen Besuch im Carl-Haupt­mann Haus an [20] , im April ließ er Kontakte mit den Erben anknüpfen, um den Kauf des Hauses zu vollenden [21] . Die Lage drohte allerdings sich auch von ei­ner an­deren Sei­te zu verschärfen. Im Februar machte Oltmanns, der seine Kunst­ge­gen­stän­de nun endgültig zurücknehmen wollte, einen Wink seinem Freund Pon­fick, daß das Haus "Unter den gegenwärtigen Verhältnissen" sofort durch die NSV oder SS be­schlagnahmt werden könnte. Er bat in diesem Zusammenhang Kaergel ei­nen Wink zu geben, um diese Möglichkeit auszuschalten und die Sache mit der even­tuel­len Über­nahme durch die Gauleitung zu bechleunigen [22] .

Aus dem geplanten Kauf ist allerdings nichts geworden. Das RPA und die Gau­lei­tung zogen sich offenbar zurück, Rohkam kündigte den Vertrag (um die Hei­z­kosten zu ersparen) und mußte den ersten Stock des Hauses räumen (somit wur­de das Museum aufgehoben), Maria Hauptmann zog am 15. Mai 1941 in das Haus ein und verwarf den Gedanken, das Haus zu verkaufen. Will-Erich Peuckert schlug am 20. 8. 1941 der Provinz vor, die oberen Räume von Frau Hauptmann anzu­mieten (für 80 RM monatlich) und den Nachlaß zu erwerben, "um so ein An­recht auf die­ses Haus zu haben". Zusätzlich würde die Provinz 50 RM monatlich Schreib­gebühren für die Arbeit am Nachlaß zahlen [23] . Die Provinzialverwaltung hül­lte sich in Schweigen, so versuchte Peuckert auf die Provinzialverwaltung am 11. 9. 1941 Druck zu mit der Information auszuüben, daß Maria Hauptmann von dritter Seite ein Mietangebot für die oberen Etagen erhielt. Inzwischen ver­such­­te der Ver­kehr­srat Rohkam mit dem Bürgermeister Heinze Maria Hauptmann auch fis­kalisch da­zu zu zwingen, das Haus der Provinz zum Kauf anzubieten. Der Sinn der Rohkam­schen Kündigung im Herbst 1940 war nämlich der, daß nun Ma­ria Hauptmann keine Möglichkeiten haben würde, die an die Gemeinde Schrei­ber­hau zu zahlen­den Steuern zu stunden, jene Steuern, die früher das "Haus der Hei­mat" nicht zu tragen hatte. So riet Rohkam, das Angebot Peuckerts abzulehnen, und "von Frau Hauptmann ein Kaufangebot zu fordern" [24] . Diesem Rat folgte nun die Provinzial­verwaltung, indem sie allerdings die Sache mit dem Archiv als ein offe­nes Pro­blem beließ, um Peuckert nicht aus dem Spiel auszurangieren, was al­ler­dings im November 1941 fast erfolgte [25] , nachdem der Schreiberhauer Bürg­er­meis­ter Hein­ze, offenbar auf Anregung des Kreisleiters der NSDAP mit seinen Steu­er­forderungen an Maria Hauptmann herantrat.

Und welche Rolle spielte bei alledem Will-Erich Peuckert? Der in Haasel bei Jau­er wohnende Privatgelehrte, Schriftsteller und bekannte Volkskundler war mit Carl Haupt­­mann sowie mit den beiden Witwen befreundet [26] . Er wurde nicht nur von Ma­ria, der zweiten Ehefrau Hauptmanns zum Nachlaßverwalter ernannt, son­dern auch von der ers­ten Frau, Martha, sehr hoch geschätzt: "Dagegen schätzte sie (Mar­tha) Herrn Peu­ckert sehr hoch und Herr Dr. Peuckert war es auch, der bei der Ein­richtung des Hauses 1936 von der verstorbenen Frau Hauptmann zu treuen Hän­­­den für unser Haus die Er­in­nerungsstücke, Zimmereinrichtungen und die Bib­lio­­thek zum Auf­stel­len in Emp­fang nahm" [27] . Peuckert war ein sehr bekannter Au­tor, der einen guten Ruf bei der Pro­vinzialregierung genoß und mit der Wiener Reichs­schrifttumsstelle der Hit­­ler­­jugend zusammenarbeitete [28] und höchstwahr­schein­lich von Baldur von Schi­rach, dem Reichsjugendführer und Gauleiter von Wien, geför­dert wurde. Er konnte also auf Unterstützung bei allen Aktivitäten der Provinz rech­nen, die sich gegen das Pro­pa­gandaministerium, insbesondere auf der lokalen Ebene, richteten [29] . Außerdem war er neben Frau Maria, die angeblich als einzige die Handschrift des Dichters ent­zif­fern konnte, für eine eventuelle Ge­samt­­­edition der Hauptmannschen Schriften ge­eig­net, an der der Landes­veral­tungs­rat und Schul­ungsleiter bei der Landesgruppe Schle­­sien im Bund Deutscher Os­ten, Dr. Andreas Pampuch ein Interesse hegte oder, prä­zi­ser gesagt, die kultur­poli­ti­schen Interessen des Gauleiters zu vertreten wus­ste. Peuckert konnte seinerseits mit der Unter­stüt­zung Pampuchs stets rechnen. So un­ter­breitete er ihm auch den Kauf­­wunsch eines schlesischen Bauernhofes, wo­rauf­hin der Landeshauptmann, von seinem Landes­ver­waltungsrat angeregt, an den Lan­des­­bau­ern­führer Jaeschke in dieser Angele­gen­heit schrieb [30] . Peuckert mietete von Ma­ria Haupt­mann im Jah­re 1936 das "klei­ne Haus" und vermietete es weiter [31] . Of­fen­bar überlegte er, ob er nicht für eine Zeit­lang nach Schreiberhau einziehen sollte. Viel­leicht hing der von ihm geplante Kauf eines Bauernhofes in Schlesien mit der Ab­­sicht zusammen, seinen bis­he­ri­gen Wohnsitz in Haa­sel zu verlassen.

Am 9. 10. 1941 fragte der Geheimrat Ponfick Heinze, den Bürgermeister von Schreiberhau, welche Rolle Frau Hauptmann bei einem eventuellen Kauf des Haus­es durch die Provinz oder die Partei spaelen sollte, zumal sie "ihren Beruf und ih­re schö­­ne, behagliche Leipziger bezw. Markleeberger Wohnung aufgegeben hatte und nach Schreiberhau gezogen ist" [32] . Der Landeshauptmann Adams (vor 1940 Jo­sef Joachim Adamczyk), der mit der Verzögerungstaktik des Kreisleiters ein­ver­stan­­den war [33] , reagierte auf dieses Schreiben Ponficks mit Fragen nach der Be­las­tung des Hauses, argumentierte also ökonomisch und gab dem Geheimrat zu ver­­stehen, daß von Maria Hauptmann unter Umständen der Verkauf des Carl Haupt­mann-Hauses erzwungen werden könne. Der Landeshauptmann und die Par­tei war­te­ten somit auf das Angebot von Maria Hauptmann, die allerdings zu die­sem Zeit­punkt keine Absicht hegte, das Haus zu verkaufen, was auch aus dem Schrei­­ben ih­res juristischen Beraters, Dr. Ponfick klar hervorgeht [34] . Es ist charak­teris­­tisch, daß Ponfick in den beiden Schreiben sowohl die Steuerhypothek, als auch eventuelle Schwierigkeiten mit den Erben Martha Hauptmanns her­unter­spielt, dafür aber sich zwei Mal in seinen beiden Schreiben auf eine "Carl-Haupt­mann-Gesellschaft" bzw. "massgebende Persönlichkeiten" beruft [35] .

Zum ersten Treffen zwischen Ponfick, Peuckert, Pampuch, Ewald Graeger und Adams kam es am 5. Februar 1942: Ponfick legte die Forderungen der Frau Maria Hauptmann dar, Peuckert besprach Probleme des Nachlasses. Alle haben verein­bart, das Grundstück und den Nachlaß Ende März vor Ort, d i. in Schreiberhau ein­zu­seh­en. Am 23. März führte Pampuch eine Unterredung mit dem stell­ver­tre­ten­den Direk­tor der Staats- und Universitätsbibliothek Dr. Herbert Gruhn, der die Not­wen­­­dig­­keit unterstrich, den Nachlaß Carl Hauptmanns durch die Provinz einzu­kau­fen. Er äußerte zugleich seine Zweifel hinsichtlich Gerhart Hauptmann, der ein In­te­res­se an der Sper­rung des Nachlasses haben und dazu seine "Freundschaft" mit dem Gauleiter ausnutzen könnte. Pampuch legte den Bericht dem Landes­haupt­mann vor, der ihn später dem Gauleiter vortrug [36] . Über die Regelung, wer den Nach­­laß be­treuen, und ob er in der Handschriftenabteilung der Bibliothek aufbe­wahrt wer­den sollte, war noch nicht die Rede. Zum Treffen in Schreiberhau und zur Einsicht des Nachlasses kam es am 9. April 1942. Ponfick sollte auf Einladung der Witwe Haupt­mann am 11. 4. einen Vortrag über "Kaiser Karl IV und die Ost­fra­gen" hal­ten. Der Landes­haupt­mann verzichtete auf diese Fahrt, "um sich nicht ent­scheiden zu müssen" [37] , teilneh­men sollten Pampuch, der Landeskämerer Dr. Grae­ger und Dr. Peschel. Inzwischen verhandelte Pampuch mit Will-Erich Peuckert über die Möglichkeit einer Werk­edi­tion Carl Hauptmanns [38] . Da auch Pampuch an dieser Fahrt nicht teilnahm, war das Er­geb­nis für Maria Hauptmann enttäuschend. Man sah immer deutlicher, daß die Ver­zögerungstaktik der Provinzialverwaltung Früch­te trug. Allerdings fragte Adams noch einmal im Mai 1942 bei dem stell­ver­tre­ten­den Direktor Gruhn nach der Mög­lich­keit, den Carl Hauptmann-Nachlaß für die Handschriftenabteilung der Uni­versi­tät­sbibliothek zu erwerben. Es ist somit nicht un­wahrscheinlich, daß der Gauleiter Druck ausübte, um die ganze Ange­le­genheit zum Abschluß zu bringen. Da die vorsichtige Antwort Gruhns (denken wir an die von ihm in seinem ersten Gutachten angedeutete "Freundschaft Gau­lei­ter-Gerhart Hauptmann"!) einen wichtigen Ein­wand enthielt, nämlich eine even­tue­lle Wert­losigkeit des Nachlasses für die Wissen­schaft im Falle seiner Unles­bar­keit, hielt der Provinzialverband nach einer anderen Möglichkeit, den Nachlass des Dichters kulturpolitisch sinnvoll unterzubringen, Aus­schau. Höchstwahr­schein­­lich tauchte im Mai 1942 die Idee auf, der Schlesien-Ver­lag. Dr. Eschenhagen kön­ne die Edi­tion der Hauptmannschen Schriften übernehmen, was m. E. vom Gau­lei­ter ange­regt wurde. Die für mich rätselhafte und gerade, mit ho­her Wahr­schein­lich­keit, 1941 ins Leben gerufene, oder aus dem zuerst in Ohlau, dann in Bres­lau be­ste­h­enden wissenschaftlichen und schöngeistigen Verlag Dr. Eschen­­ha­gen ent­wickel­­te Firma Schlesien-Verlag [39] , war bestimmt kein offizielles Par­tei­un­ter­neh­men. Diese Rolle spielte in Breslau der Monopolist NS-Gauverlag Schle­sien (dann NS-Gau­verlag Niederschlesien), der die gesamte Gaupresse in der ei­ge­nen Hand ver­einig­te, dessen literarische Produktion Anfang der 40er Jahre aller­dings sehr einge­schränkt war. Da der traditionsreiche Korn-Verlag sich nicht allzu be­reit­willig gleich­schalten ließ, berief der Gauleiter im Einvernehmen mit dem Pro­­vinzial­ver­band eine Tarnfirma des NS-Gauverlages ins Leben, gerade eben den Schlesien-Verlag, der nach außen hin die Partei nicht vertreten mußte, obwohl er mit dem NS-Gauverlag Schlesien verbunden war. Der Chef des neuen Verlages war näm­lich Karl-Heinz Kreusel, der von 1937 die ‚Schlesischen Monatshefte´ im NS-Gauverlag, Sonnenplatz 5 leitete. Der Lektor war der oberschlesische Dichter Hans Niekrawietz, der darin u.a. einen Gedichtband Das magische Land in der Rei­­he Schle­sische Dichter sprechen zur Front, veröffentlichte [40] . Ein anderer Autor dieses Ver­lages und derselben Reihe war der in den 30er Jahren durch die RSK dis­­kri­mi­nier­te Famulus Gerhart Hauptmanns Gerhart Pohl, dessen Schlesische Ge­schichten ebenfalls 1942 erschienen [41] . Als dritten Autor kann man Rudolf Fitzek, zu­­­erst Breslauer, dann Prager Oberschulrat erwähnen, dessen Gedichtband Brücken ins Böhmische Land auch 1942 erschien. Charakteristisch für die Ver­lags­­politik der Gau­­leitung ist die spezifische Rollenaufteilung bei den zahlreichen, von Han­ke per­sön­lich durchgesetzten Publikationen der Breslauer Verlage zu Ger­hart Haupt­­manns 80. Geburtstag. Der "offizielle" Erinnerungsband mit der Rede des Gau­­leiters wurde vom NS-Gauverlag Schlesien, der wissenschaftliche, von dem Ger­manisten Paul Merker redigierte Band wurde vom Korn-Verlag und das um­fang­­reiche, prachtvoll ausgestattete Album Gerhart Hauptmann zum 80. Geburts­tag wurde gerade vom Schlesien-Verlag, und dazu noch in einer sehr hohen Auf­la­ge von 10 000 Exemp­la­ren, veröffentlicht! Im Schlesien-Verlag publizierte eben­falls 1942 Felix A. Voigt seine Kleinmonographie Gerhart Hauptmann, der Schle­sier in der vom erwähnten Grundmann betreuten Reihe "Schlesische Bü­cher". Der Schle­sien-Verlag war also eine Firma, deren Programm sich an die poli­tisch neut­ra­­­len (soweit es 1942 möglich war) Schichten der Leserschaft richtete und eine na­tio­­na­lsozialistische Kulturpolitik, allerdings ohne den propagandi­sti­schen An­spruch, zu realisieren suchte. Um dieses gehobenere Image zu wahren, brauchte sie bedeu­ten­de und bekannte Autoren, denn die meisten prominenten Schlesier wa­ren be­reits, nicht zuletzt infolge der in Schle­sien bis etwa 1938 betrie­be­nen Litera­tur­politik, "ausverkauft" und publizierten in an­de­ren deutschen Verlagen, wie z.B. der 1933 politisch verfolgte Friedrich Bischoff, des­sen erfolg­rei­cher Schlesischer Psal­ter 1936 im Propyläen-Verlag erschien [42] . Mit den oben genan­nten Schrift­stellern konn­te die Wirkung höchstens auf die engere nie­der­­schle­sische "Heimat" (bzw. ihre Soldaten an den Fronten des Weltkrieges) einge­schränkt bleiben. Es ist somit kein Wunder, daß der aufsteigende Schlesien-Ver­lag Carl Hauptmann zu seinem Star kreieren wollte. Da allerdings die bekannten Wer­ke be­reits Eigentum u.a. des Paul-List-Ver­lages waren, beabsichtigte man mit dem Carl-Hauptmann-Nach­lass das Ima­ge der neuen Verlagsfirma auf­zu­po­lieren. Für die­se Idee setzte sich Dr. Pampuch ein, der in Görlitz die Aufführung von Carl Haupt­manns Märchen Die armseligen Be­senbinder sah und sich offenbar dadurch in seinen Vor­­stel­lun­gen, den Nachlaß Hauptmanns in Breslau herauszu­brin­gen, bestätigt fühl­te [43] . Peuckert war dem nicht abgeneigt und meinte, Pampuch "eine Zusage" machen zu können [44] . Am 1. 6. 1942 wur­de Pampuch eingezogen und diente bei der Pro­paganda-Ersatz-Abteilung in Pots­dam [45] . Die Angelegenheit übernahm stellvertretend Dr. Schultz, was bei Pon­fick Besorgnis erregte, daß die Sache "zurückgestellt werden muss" [46] . Der ge­schick­te Anwalt, der sehr wohl ver­stand, welche Bedeutung Carl Haupt­­manns Nachlass für den Schlesien-Verlag ha­ben könnte, drängte also im Juni auf den Landeshauptmann auch mit dem Hinweis, daß im Falle einer weiteren Ver­zö­­gerung auch die Verlags­rech­te problematisch sein kön­nen [47] und schlug ihm ein wei­te­res Treffen in Schrei­ber­hau vor, um sich mit den Prob­lemen vor Ort ausein­anderzuset­zen. Diesmal al­ler­dings entschloß sich auch der Landeshauptmann an der kom­men­den Bespre­chung teil­zunehmen [48] , offenbar unter dem Druck der über­geord­neten In­stanzen (Gau­leiter), die auf eine Erledi­gung der Sache drängten und die auch im Herbst und Winter 1942 die fast end­gültige Regelung her­beiführ­ten. Das Vor­kaufs­recht am Carl-Haupt­mann-Haus be­kam, wie erwartet, der Schle­sien-Verlag. Es wird als das "Haus der Kulturarbeit des Provinzialverbandes" fun­gie­ren. Dort sollen sich zwei Künstler aufhalten: ein schaf­fender Künstler für die Zeit von drei bis sechs Monaten "zur Aus­füh­rung be­stim­mter Arbeiten für Schlesien" und ein anderer Gast, der alle vier Wo­­chen wechselt und zur "Erholung und zum Ken­­nen­lernen Schlesiens vom Lan­deshaupt­mann ein­ge­laden wird". Die Auf­ent­halt­skosten werden vom Provinzial­ver­­band ge­tra­gen, die Gäste werden auf "Vor­schlag des Kulturdezernenten bzw. auch des Re­fe­renten für Schrift­tum durch den Landeshauptmann" eingeladen. Die­se Aus­arbei­tung be­deutet, daß in Sachen Carl-Hauptmann-Haus das Reichspropa­gandaamt weit­­geh­end ausgeschaltet wurde. Die Idee Kaergels, Dichter nach Schle­sien einzu­la­den, wird zwar im eingeschränkten Maße übernommen, die Entschei­dung darü­ber, wer sich im Haus der Kulturarbeit des Provinzialverbandes aufhal­ten soll, war dem Lan­des­hauptmann vorbehalten. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte dabei der vom Provinzialverband und der Gauleitung geförderte Schlesien-Verlag mit sei­nem Di­rek­tor Karl-Heinz Kreusel, der nicht nur das Haus, sondern auch die Ver­­lagsrechte am Werk Hauptmanns zu übernehmen beabsichtigte, ohne als Trä­ger in Erscheinung zu treten. Das Carl Hauptmann-Archiv sollte im Hause bis zum Ab­­leben der Frau Ma­ria Hauptmann belassen werden, es wird von einem Ku­rato­rium betreut zu dem der Kul­turdezernent der Provinz, Dr. Will-Erich Peuckert und der Leiter des Schle­sien-Verlages gehörten. Dem Zweck der Dichteraufent­hal­te dien­­te allerdings nicht das Haus selbst, sondern das sich auf dem Grundstück be­find­liche kleine Bauern­haus, das vom Schlesien-Verlag renoviert und dann "bei Über­nahme des Carl-Haupt­mann-Hauses" gegen entsprechende Verrechnung der Toch­­ter Monona zurück­gege­ben wird [49] . Aus diesem Vermerk ist nicht ersichtlich, ob das Archiv durch die Pro­vinz oder durch den Verlag erworben werden sollte. Die Sache wurde damals noch nicht ausgehandelt. Der Vertrag zwischen dem Schle­­­sien-Verlag und dem Provin­zial­verband wurde am 15. Dezember 1942 ent­worfen und am 18. 12. 1942 vom Landes­hauptmann akzeptiert. Nun kam es zu ei­ner weiteren Verzögerung, näm­lich zu dem Prozess um das alleinige Eigen­tums­recht der Frau Maria Haupt­mann an dem Haus. Pon­fick stellte in Hermsdorf einen Löschungsantrag, der abge­lehnt wurde. Nach ver­geblichen Bemühungen beim Bres­lauer Oberlandesgericht und dem Berliner Lan­desgericht waren die Erben der Frau Martha Hauptmann gez­wun­gen, den seit 20 Jahren am Reichsgericht schwe­benden Prozeß aufzunehmen, der sowieso - nach Mei­nung Ponficks - mit dem ju­ris­tischen Sieg der Frau Maria en­den würde, weil schon damals die Gegenseite den Pro­zeß im wesentlichen Punk­te verloren hätte: "Ihr An­spruch auf das Carl Haupt­mann-Haus wurde damals abge­wie­sen". Man weiß nicht, woher Ponfick diese In­for­mationen hatte, weil die Akten des damaligen Reichs­­prozesses merk­würdiger­weise verschwanden. Seine Position war, rein ju­ris­tisch gesehen, usicher, deshalb bedien­te er sich kulturpolitischer Argu­mente und legte dem Berliner Landes­ge­­richt folgende Erklärung vor: "Frau Maria Hauptmann und Fräulein Monona Haupt­­­mann hätten jetzt, auch während des Krie­ges, ein drin­gen­des Interesse an als bal­diger, restloser Klärung der Eigentums­verhältnisse an dem Haupt­mann-Haus. Sie hätten in den Jahren 1942 und 1943 zu­nächst mit der Provinz Nieder­schlesien we­gen anderweitiger - auch eigentümlicher - Verwendung des Hauses im kul­tu­rel­len Interesse verhandelt und stünden in ent­sprechen­dem Ver­han­deln mit dem Ver­lag Schlesien. Diese Verhandlungen könnten schliesßlich eine un­ange­nehme Ge­fähr­dung oder Verzögerung erfahren, wenn die Klärung nicht jetzt be­trie­ben wer­den dür­fe, sondern wenn Klärung und Prozess als nicht augenblicklich wich­tig bis über das Kriegs­ende aufgeschoben wer­den müs­sten" [50] . Der Lan­des­haupt­mann unterstützte Pon­fick bei dieser kul­tur­po­litischen Argu­mentation und stellte ihm, auf seine Bitte, sogar die entsprechende Bescheini­gung aus, die er dem Landes­ge­richt vor­legen kon­nte [51] . Zu den Verhandlungen be­züg­lich des Nachlasses in Abwe­sen­heit des Landes­kä­mmerers Dr. Graeger und des Lei­ters des Schlesien-Verlages Kreu­sel kam es am 22. Au­gust 1944 [52] . Zur Beur­kun­dung des Vertrages betr. Er­werb des Nach­lasses von Carl Hauptmann durch Dr. Ewald Graeger kam es am 7. No­vember 1944.

Ist die ganze Angelegenheit als kulturpolitischer Sieg der Provinzialver­wal­tung, die sich scheinbar mit ihren Vorstellungen gegen das Reichspropagandaamt durch­setzen konnte, zu werten? Ich meine, kaum. Es handelte sich um das Ergeb­nis einer Reihe von Verschiebungen in der kulturpolitischen Szene Breslaus und Nie­der­schle­siens, die mit der allgemeinen Entwicklung im Zusammenhang stan­den. Die sich so scharf bis 1941 gegenüberstehenden Instanzen, verfielen seit ca. 1942 einer immer stärkeren kulturpolitischen Erosion. 1941 wurde Dr. Fischer zur Wehr­macht einberufen, seine Funktion übernahm Dr. Walter Schultz, der ebenfalls 1942 zur Fahne ging. Noch schlimmer traf es die Provinzialverwaltung, dessen kul­turpo­li­tisch begabtester Kopf, der Landesverwaltungsrat Pampuch 1942 zur Pro­­­pagandakom­pagnie eingezogen wurde. Der bisherige erste Landesrat Georg Ka­­­te avancierte zum oberschlesischen Landeshauptmann und führte auf den "wie­der­­gewonnenen Gebieten" im Einverneheen mit dem stellvertretenden Gauleiter Hof­f­mann seine straffe Kulturpolitik, die u.a. auf einer völligen Ausklammerung des dortigen Reichs­­propagandaamtes beruhte. Das eigentliche kulturpolitische Zen­­t­­­rum kris­tal­lisierte sich um den Gauleiter von Niederschlesien, der keineswegs die einzelnen Aufgabenfelder institutionell zentralisierte, sondern umgekehrt, in völ­­li­gem Be­wußt­sein seiner absoluten politischen Macht an die bestehenden oder gar neuen Institutionen delegierte und durch ihre indirekte Einbindung an die Par­tei­in­stanzen geschickt straffte, um den erwünschten, auf den eigenen Machtbereich kon­zentrierte Mobilmachungseffekt zu erzielen. Andererseits ist es gut möglich, daß die Ange­legenheit "Carl-Hauptmann-Haus" als eine Luxussache zu betrachten war, als ein Teil der neuen kulturpolitischen Konzepte, die für die Zeit "nach dem Kriege" ent­wickelt wurden. Als diese Einrichtung durch die Provinzialverwaltung und den Schle­sien-Verlag als eine Tarnfirma des NS-Gauverlages Nieder­schle­sien über­nom­men wurde, gab es keine Zeit mehr, eine um Carl Hauptmann zent­rier­te Kul­turpropaganda zu verstärken. Als Siegerin aus der ganzen Angelegenheit ging Ma­ria Hauptmann hervor, die für sich eine lebenslange Rente sicherte und das Haus gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung stellte, d. h. auch von den Steuern be­freite. Genau nach den Vorsätzen, die sie bereits im Jahre 1936 mit Pon­fick faß­te und genau gegen den Willen des Provinzialverbandes, der zwar das Haus, aber ohne Maria Hauptmann, haben wollte. Man muß allerdings hin­zu­fü­gen: Sie er­reichte ihr Ziel mit Hilfe des versierten Gauleiters, der freilich nicht an sie oder gar Carl Haupt­mann, sondern an seine eigene, mittels des neuen Ver­la­ges betrie­be­ne Kul­tur­politik dachte.

II. Dokumentarischer Anhang

A. Verzeichnis der Dokumente

1.    Brief vom Geheimrat Dr. Ponfick an Maria Hauptmann vom 12. 3. 36. UB Wrocław. Handschriftenabteilung. Akc 1991/47 (Nachlaß Carl Hauptmann) Mappe 38.

2.    Heinrich Rohkam, Bericht über das Haus der Heimat in Mittelschreiberhau vom 5. Mai 1941. APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Haupt­mann-Haus. 1386, Bl. 20-25.

3.    Schreiben Heinrich Rohkams Haus der Heimat Mittel-Schreiberhau im Rie­sen­ge­bir­ge vom 9. Mai 1941 an den Herrn Landeshauptmann Breslau. APWroc­ław. Wy­dział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, B. 26.

4.    Dr. Andres Pampuch, Vermerk vom 7. Juni 1941 über die Dienstfahrt nach Ober­schreiberhau am 5. 6. 41. Rücksprache mit Herrn Inspektor Rohkam. APWroc­ław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 27-28.

5.    Will-Erich Peuckert, Das Carl Hauptmann-Haus. APWrocław. Wydział Samo­rzą­dowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 30-37.

6.    Schreiben des Hirschberger Kreisleiters der NSDAP Wilhelm Stumpe an den Lan­deshauptmann Adams vom 20. 10. 1941. APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 42.

7.    Vermerk vom 21. Februar 1942. APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386. 52b.

8.    Dr. Andreas Pampuch, Vermerk betr. Carl Hauptmann. Rücksprache mit Herrn Dr. Gruhn, Staats- und Universitätsbibliothek Breslau vom 23. März 1942. APWroc­ław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 59.

9.    Vermerk vom 22. April 1942 über die Besichtigung des Carl Hauptmann-Hau­ses am 9. April 1942, APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląs­kiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 66a.

10. Dr. Herbert Gruhn, Carl Hauptmanns handschriftlicher Nachlaß. Anlage zum Schrei­­ben Dr. Gruhns an den Oberpräsidenten. Verwaltung des Niederschle­si­schen Pro­vin­zial-Verbandes. Kulturabteilung vom 12. Mai 1942. APWrocław. Wydział Sa­morządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 67-68.

11. Vertrag zwischen Maria Hauptmann und dem Provinzialverband Nie­der­schle­sien vom 7. November 1944. APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 92-93.

B. Dokumente

1.    Brief vom Geheimrat Dr. Ponfick an Maria Hauptmann vom 12. 3. 36. UB Wroc­­­ław. Handschriftenabteilung. Acc 1991/47 (Nachlaß Carl Hauptmann) Map­pe 38.

Geheimrat Dr. Ponfick Berlin W 9 (Büro), den 12. 3. 36. Linkstrasse 37. Fernspr.: B2 Lützow 2477/78

Frau Maria Hauptmann

Markkleeberg bei Leipzig

Sehr verehrte gnädige Frau!

Die nicht vorwärts kommende Angelegenheit des Carl-Hauptmann-Hauses be­un­ruh­igt mich innerlich viel mehr, als Sie mir anmerken. Bei meinem überaus ge­rin­gen Zutrauen zu Behörden (und mit vielleicht noch geringerem zu Künstlern, so­weit deren amtliche Stellung in Frage kommt) habe ich meinerseits, sowie es münd­­lich Herr Direktor Soelter getan hat, Oltmanns noch einmal gekritzelt. Der Er­folg ist sein heutiger Brief. - Wir beide kennen Oltmanns. Ich kenne auch Ihre grund­­sätzlichen Bedenken. Andererseits ist an seiner guten Absicht und an seiner Ver­­ehrung für Carl Hauptmann nicht zu zweifeln. Darüber hinaus, - und das ist das Wich­tigste, - ist er in der faulen Schreiberhauer Atmosphäre der einzige Kerl, dem ich zutraue, daß er eine Sache zustande bringt. Wie gewandt er ist, daß sehen Sie ja auch daran, daß er offensichtlich doch schon recht beträchtlich auf der z. Zt. rich­tigen politischen Seite schwimmt, und zwar, wie es scheint, ganz erfolgreich schwimmt. Ich bin der Meinung, ihm 100%ig Ja zu sagen, und dahin geht mein Rat an Sie. Die Zukunft wird damit in Nichts verbaut; denn das Arrangement ist ja nur ein zeitweiliges, damit die Gemeinde anbeisst, und wenn Oltmanns mit seinem, durch eigenes Interesse genährten Optimismus recht behält, den Eindruck gewinnt, daß die Sache kein grosses Risiko, sondern wie der Fall Hendrich, ein Geschäft ist. Hat sie erst diesen Eindruck, dann wird es zehnmal leichter sein, nach Ab­schluss des 1936er Provisoriums zum Abschluss zu kommen. Für Sie aber, sehr ver­­ehrte gnä­dige Frau, wäre doch zunächst einmal für dieses Jahr die Sorge aus der Welt ge­schafft, daß man Sie wegen der Rückständigen Steuern heranbekommt oder gar deswegen das Haus zur Versteigerung usw. bringt; und darüber hinaus wä­­ren Sie, zu­nächst einmal für 1936, von der Sorge er laufenden nicht un­be­trächt­lichen Auf­wen­dungen in das Haus befreit. Nicht ganz gering schlage ich darüber hin­aus die Tatsache an, daß in das Haus endlich einmal etwas - wenn auch natür­lich längst nicht genug - an Reparaturen usw. hineingesteckt wird, ohne daß Sie einen Finger oder Geldbeutel zu rühren brauchen. Und endlich werden Sie ohne eigenes Odium sehr rasch den unerquicklichen Seidel los. - Wenn auch sicher durch dieses Aller­welts­­sammelsurium unseren eigentlich gewollten kulturellen Zie­len zunächst nur sehr ver­waschen gedient wird, so bleibt, - ganz abgesehen da­von, daß es sich zu­nächst nur um ein Provisorium handelt, das Carl-Hauptmann-Zim­mer im Sinne Ih­res verstor­be­nen Gatten für uns gewahrt. Um dieses wird sich spä­ter das weitere Haupt­mannsche, hoffentlich einschliesslich Ihrer eigenen Ein­set­zung, aufbauen las­sen. Für dieses Ziel würde ich auch die Verpflichtung in Kauf nehmen, die Sie unter anderen Voraus­set­zun­gen ja ohnehin zugesagt hatten, die nötigen Hauptmanniana beizusteu­ern.

Ich habe Ihnen, sofort nach Erhalt, zuerst geschrieben. Herrn Direktor Soelter, von dem ich nicht weiss, ob er in Leipzig ist, und Ihrem hiesigen Rechtsvertreter, Herrn Rechtsanwalt Wehl, habe ich Abschrift des Oltmannschen Briefes und mei­nes heutigen Briefes an Sie übermittelt. Mit Herrn Direktor Soelter, nehme ich an, wer­den Sie, wenn er da ist, dort konferieren. Das Wichtigste ist, daß Ihre Ent­schlie­ss­ung rasch geht. Ich kenne meinen guten Olly: Wenn es bei ihm nicht rasch geht, verfliegt das Feuer seiner Tatkraft mitunter schnell. - Der Weisse Hirsch, wo es mir zunächst wenig gut ging, hat mir ganz ausserordentlich wohl getan. Meine Frau ist erst soeben zurückgekehrt, sie war recht krank. So bin ich jetzt wieder voll Tat­­kraft und würde mich herzlich freuen, wenn wir zunächst wenigstens dies schaf­ften. Da ich, wie Sie wissen, stetes eher zur Skepsis als zur rasch lodernden Be­geiste­rung neige, darf ich wohl annehmen, daß mein 100%iges Zureden Ein­druck auf Sie macht. In herzlicher Verehrung mit verbindlichem Gruss. Ihr Ihnen sehr ergebener Dr. Pon­fick.

2.    Heinrich Rohkam, Bericht über das Haus der Heimat in Mittelschreiberhau vom 5. Mai 1941. APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Haupt­mann-Haus. 1386, Bl. 20-25.

1) Geschichte des Hauses

Das Haus der Heimat (Carl-Hauptmann-Haus) wurde zunächst von den Brüdern Ger­hart und Carl Hauptmann gemeinsam bewohnt. Gekauft war es aus den Mitteln der Frau Martha Hauptmann, der ersten Frau von Carl Hauptmann. In diesem Hau­se hat Carl Hauptmann fast alle seine Werke, Gerhart die meisten seiner Früh­schöp­fungen, u a Fuhrman Hentschel (sic!), Hanneles Himmelfahrt, College Cramp­ton, Elga, Die Weber, Versunkene Glocke, geschrieben. - Nachdem Gerhart Haupt­mann sich in Agnetendorf ein eigenes Haus gebaut hatte, wurde das Haus in Mit­tel­­schreiberhau von Carl Hauptmann allein bewohnt. Es wurde zum Mittelpunkt ei­ner grossen Künstlerkolonie des Riesengebirges und blieb das bis zum Tode Carls 1921. - Nach der Scheidung des Dichters von seiner ersten Frau, Martha, be­zog diese ein für sie gebautes grosses Grundstück am Felderbusch.

Nach dem Tode Carls heiratete kurz danach die zweite Frau einen bekannten Li­te­­raturprofessor. Sie verkaufte das Haus an die Grossindustrieller Gebrüder Mah­la aus Gablonz. Der Kaufpreis wurde zum grossen Teil in tschechischer Valu­ta bezahlt. Dieser Kauf wurde später für ungültig erklärt, da nach einer Grund­buch­eintragung Frau Maria Hauptmann, die zweite Frau Carls, nicht das Recht hat­te, al­lein über das Haus zu verfügen, vielmehr dazu auch der Zustimmung der Frau Mar­tha Hauptmann bedurfte. Nach mehrjährigen gerichtlichen Streitigkeiten mus­­sten die Ge­brü­der Mahla das Haus räumen, nachdem sie durch kostspielige Um­bauten und Er­neuerungen, u a durch Einbau von Sammelheizung- und Was­seranlagen den Wert des Hauses erheblich gesteigert hatten. Das Haus stand nun­mehr mehrere Jahre unbe­nutzt, lediglich von einem Hausmeisterehepaar bewohnt.

Ei­nem Wunsche der ersten Frau des Dichters entsprechend, sollte das Haus nicht mehr Wohnhaus bleiben, vielmehr als Gedächtnisstätte für Carl Hauptmann und sei­ne Schreiberhauer Künstlerfreunde und als Schreiberhauer Heimathaus ge­staltet wer­den. In diesem Sinne bemühten sich auch die jeweiligen Schreiber­hauer Ge­mein­deleiter. Als die Bemühungen bis zum Frühjahr des Jahres 1936 nicht zu ei­­nem Ergebnis geführt hatten und die Gefahr bestand, (2, 21) daß das Haus wie­der profanen Zwecken zugeführt werden würde, fanden sich mit Billigung der Ge­mein­­de Schreiberhau einige Männer und Frauen, die bis zu einer endgültigen Klä­rung die Einrichtung als Haus der Heimat unterstützten. Unter ihnen befanden sich Her­mann Stehr, Wilhelm Bölsche und der Leiter des List-Verlages. Träger des Hau­­ses wuden die Schreiberhauer Trachtenleute.

Das Haus war im Laufe der Jahre verwahrlost, so daß erhebliche Geldmittel auf­ge­wendet werden mussten, um das Haus für den gedachten Zweck einzurichten. - Der Ankauf, zur Hergabe von Ausstellungsstücken, die sich auf den Freundes­kreis um Carl Hauptmann, auf die Schreiberhauer Dichter und Künstler, auf die Ent­wick­­lungsgeschichte von Schreiberhau und den Schreiberhauer Gewerbefleiss, ins­be­­sondere seine Glaskunst und auf das Schreiberhauer Volkstum bezogen, waren er­folg­­reich. Da an dem Zustand der Räume nichts geändert werden durfte, so er­folg­te der Aufbau zunächst nicht streng nach neuzeitlichen musealen Grund­sätzen. Den­n­och gelang es, einen guten Überblick zu geben; Mittelpunkt des Hau­ses war die getreu­liche Wiedereinrichtung des Arbeitszimmers von Carl Haupt­mann, dessen Ein­rich­tungsstücke von Frau Martha Hauptmann, der inzwischen ver­storbenen ersten Gat­­tin des Dichters, zur Verfügung gestellt wurden.

Da die Gemeinde Schreiberhau keine Mittel zum Einkauf des Hauses zur Ver­fügung stellen konnte, wurde versucht, andere öffentliche Stellen für den Ankauf zu interessieren. Obgleich das Interesse überall vorhanden war, so kam es dennoch bisher zu keinem Abschluß. Da die Träger des Hauses, die Schreiberhauer Trach­ten­leute, nachdem sie neben ihrer gern gegebenen und im Interesse des Ortes als Pflicht emp­fundenen ehrenamtlichen Tätigkeit nach Kriegsbeginn, da weit über fünfzig Trach­tenmänner zu den Fahnen gingen, nicht mehr über geldliche Mittel verfügten, um das Haus in dem bisherigen Umfange zu unterhalten und da weiter durch den Tod der ersten Frau Carl Hauptmanns die Besitzverhältnisse noch un­ge­klärter wurden, be­steht nunmehr die Geafahr, daß das Haus wieder zu Wohn­zweck­en eingerichtet wird. Die zweite Frau des Dichters hat um die Räumung des grö­ssten Stockwerkes bis zum 15. Mai 1941 - bei einer Frist von 11 Tagen - er­sucht, um diese Räume selbst beziehen zu können.

2. Rechtslage

Das Haus wird von der zweiten Frau des Dichters, von Frau Maria Hauptmann, die nach der Scheidung ihrer zweiten Ehe mit dem (3, 22) Professor Beirich sich wie­der Hauptmann nennt und von der Tochter Monona als Eigentum beansprucht. Die­­sem Anspruch steht die Eintragung im Grundbuch entgegen. Die Eintragung hat fol­gen­den Wortlaut: Abt. 2

‘Eine Vormerkung zur Sicherung des Rechts auf Übertragung des Eigentums an diesem Grundstück zu Gunsten der geschiedenen Frau Martha Hauptmann in Mit­tel­­schreiberhau, Felderbusch´.

Gegen die Gültigkeit dieser Eintragung ist von Frau Maria Hauptmann Ein­spruch erhoben. Der gerichtliche Streit darüber ruht zur Zeit beim Reichsgericht Leip­zig, wo angeblich die Akten darüber verloren sein sollen. Versuche der Trä­ger des Hau­s­es, der Schreiberhauer Trachtenleute, die Rechtsvertreter (für Frau Ma­ria Haupt­mann: Geheimrat Dr. Ponfick, Berlin-Charlottenburg 2, Fasanenstr. 77, für die Er­ben der verstorbenen Frau Martha Hauptmann: Rechtsanwalt Dr Rei­er, Hirsch­berg, Adolf Hitlerplatz 6) zu einer aussergerichtlichen Einigung über die Rechts­ver­hältnisse zu bewegen, scheiterten. Es ist also noch heute ungewiss, ob Frau Ma­ria Hauptmann und ihre Tochter Monika allein berechtigt sind, über die Eigen­tums­verhältnisse allein zu verfügen.

3. Bisherige Einrichtung und Auswertung des Hauses

Das Grundstück umfasst ein dreistöckiges Haus und einen parkartigen Garten von rd 6 ˝ ha.

Der Garten enthält in seinem oberen Teil ein baufälliges Gebäude mit einem Raum, der Gerhart Hauptmann in seinen Jugendjahren als Bildhaueratelier diente. Darü­ber liege eine, von den Schreiberhauer Trachtenleuten als Freilichtbühne für 2000 Personen eingerichtete Wiese mit einer ausgezeichneten Akustik und natürlichen Kulis­sen. Für diese Bühne sind tragbare Sitzbänke für rund 800 Personen vor­han­den. - im unteren Teil des Gartens, südlich vom Haus, befindet sich eine natür­li­che Spielwiese, die für viele tausend Zuschauer Platz bietet. Auf dieser Wiese wer­den die Volksfeste durchgeführt.

Das Haus enthält im Erdgeschoss, das von der Gartenseite aus Kellergeschoss ist, neben den Magazinräumen eine grosse Küche und einen grossen Ausstel­lungs­raum. Im einzelnen sind die Räume des Hauses in folgender Art ausgenutzt:

Erdgeschoss

Vorraum Alte Bilder und Stiche aus dem Schreiberhauer Gebiet

Wohnstube Alte schlesische Stube eines Schreiberhauer Freigärtners (4, 23) mit rei­­­cher Ausstattung, volkskundlichen Sammlungen usw. Die Stube ist so ein­ge­rich­­­tet, daß sie nicht als totes Museum wirkt, vielmehr wohnlich und zum län­ge­ren Verweilen eingerichtet ist.

I. Stock

Diele Bilder Schreiberhauer Maler, Wandteppiche von Wanda Bobrowicz aus ih­rer Schreiberhauer Zeit, Haubensammlung,

Wintergarten Neues Schreiberhauer Glas,

Raum 1 und 2 Gemälde, Reoproduktionen und literarischer Nachlass des Schrei­­ber­hauer Malers Professors Hanns Fechner,

Raum 3 und 4 Gerhart Hauptmann. Bildnisse aus seiner Jugend und der späteren Zeit. Werke des Dichters in verschiedenen Ausgaben. Illustrationen vieler deut­scher Künst­ler zu den Werken Gerhart Hauptmanns,

Raum 5 und 6 Altes Schreiberhauer Glas. Die bedeutenden Schreiberhauer Glas­­­künstler. Nachbildungen alter Gläser. Verirrungen der Schreiberhauer Glas­her­stel­lung. Erinnerungen an die beiden Schreiberhauer Söhne Joseph Partsch, Geo­­graph, und Karl Partsch, Begründer der modernen Zahnheilkunde.

Treppenhaus Alte Bilder und Stiche aus dem Schreiberhauer Gebiet,

II Stock

Raum 1 Arbeitszimmer von Carl Hauptmann,

Raum 2 Bilder, Bücher und Erinnerungen an Carl Hauptmann,

Raum 3 Bilder, Bücher und Erinnerungen an Hermann Stehr und Wilhelm Böl­sche,

Raum 4 Bilder, Bücher und Erinnerungen an Dichter, die zum Freundeskreis des Hau­­ses Hauptmann gehörten oder in Schreiberhau wohnten und wohnen,

Diele Bilder von Carl Hauptmann. - Erinnerungen an die Komponistin Anna Reich­­möller. - Verschiedenes.

4. Träger des Hauses und bisherige Verwaltung

Als die Schreiberhauer Trachtenleute im Frühjahr 1936 das Haus übernahmen, ver­­pflichteten sie sich zur Instandsetzung und Unterhaltung von Haus und Park, zur Übernahme der Lasten und Steuern und zur Zahlung einer Entschädigung, die den Zin­sen der Hypothek gleichkamen. - Da das Grundstück nunmehr kulturellen Zwecken diente, wurden die Steuern erfreulicherweise erlassen; (5, 24) die Ge­mein­­de Schrei­ber­hau verzichtete auf das Wassergeld. Es blieb also noch die Zah­lung der Hypo­the­ken­zinsen und die Unterhaltung von Haus und Garten. Für diese Unter­haltung mus­­sten in der ersten Zeit sehr erhebliche Mittel aufgewendet wer­den, da der Bau­zustand nicht gut war. Diese Mittel konnten aus Ein­tritts­geld­er(n) auf­ge­bracht wer­den; das Interesse der Oeffentlichkeit am Haus der Heimat war sehr gross, die Be­su­cherzahl beispielsweise höher als die des Sudetenmuseums in Hirsch­berg. Die­ses Interesse wurde dadurch gesteigert, daß es von Anfang an das Be­streben war, nicht ein totes Heimatmuseum, sondern etwas sehr lebendiges zu ge­stalten. Gele­gent­lich fanden Lesungen und musikalische Darbietungen im Hause statt; die Frei­licht­spiele und Volksfeste im Garten brachten ebenfalls neue Freun­de.

Ausser der Bereitstellung eines Schlafraumes für einen Wärter und einer gerin­gen monatlichen Entschädigung für diesen, wurden alle Arbeiten durch die Trach­ten­leute und Freunde des Hauses ehrenamtlich geleistet, so die Reinigungen, die Be­­auf­sichtigung, die Kontrollen usw. Dabei wurde nach und nach, dank des Feh­lens von persönlichen Ausgaben grösseren Umfanges, das Haus und der Garten (die­ser war in mehr als 20 Jahren besonders vernachlässigt) in einen solchen Bau­zu­stand gebracht, daß grössere Mängel heute nicht mehr vorhanden sind. Es kon­nten weiter Anschaffungen gemacht werden.

Die Sammlungen sind, bis auf wenige Stücke, nicht Eigentum der Träger des Hauses. Sie sind Leihgaben, die sich auf eine grosse Zahl verschiedener Personen verteilen. Indes sind die meisten Leihgaben zur Verfügung gestellt mit der Mass­ga­be, daß sie geschenkweise überlassen werden, wenn das Haus seinem Zweck er­hal­ten und seine Zukunft gesichert bleibt. Leihgaben in grösserem Umfang stellten zur Verfügung:

Frau Martha Hauptmann, Carl Hauptmanns erste Frau (Arbeitszimmer des Dich­­­ters, wei­tere Leihgaben waren in Aussicht gestellt),

Geheimrat Oberbaurat Fischer (volkskundliche Sammlungen)

Josephinenhütte (neues Glas)

List-Verlag und Dietrich-Verlag (sic!) (Erstdrucke u a)

Gemeinde Schreiberhau (Gemälde u a ).

Ein sehr grosser Teil der Leihgaben gehört dem Kunsthändler (6, 25) Oltmanns in Mit­­tel­schreiberhau, der, da er über Mittel verfügte, auf Anregung und Wunsch der Trä­­ger des Hauses zu seinen bisherigen Sammelstücken nach und nach alles kauf­te, was sich auf Schreiberhau bezog und für das Haus der Heimat in Frage kam. Die­­­­se Gegen­stände hat Oltmanns, der mit seinen Familienangehörigen auch man­che Ar­beit für das Haus eh­ren­amtlich übernahm, leihweise bereitgestellt. Wäh­rend al­­le an­deren Leih­ga­ben vor­aussichtlich kostenlos als Geschenk später zur Ver­fü­gung gestellt würden, müs­sten die von Oltmanns beschafften Stück erworben wer­den. Ein Teil der Verlags­werke stehen wahr­scheinlich auch weiterhin nur als Leih­ga­ben zur Verfügung.

Es war von Anfang an das Bestreben, dem Haus einen lebendigen Charakter zu ge­ben. Das ist nicht nur dadurch erreicht, daß aus besonderen Anlässen Sonder­schau­en durchgeführt wurden (z B gelegentlich der Woche des Buches bei freiem Ein­tritt), sondern daß das Haus auch zur Heimat- und Arbeitsstätte der Schreiber­hauer Trachtenleute wurde, die hier allwöchentlich zusammenkamen, um auf den ver­schie­denen Gebieten zu arbeiten. Die grosse Stube im Erdgeschoss wurde des­halb bewusst als Versammlungsraum ausgestaltet.

Die Einrichtung, Unterhaltung und Führung des Hauses konnte bis zum Herbst 1940 ausschliesslich aus den Eintrittsgeldern durchgeführt werden, also vierund­ein­hal­bes Jahr wurde das Haus in seiner anerkannten Bedeutung gehalten, ohne daß von anderer Seite Mittel bereitgestellt zu werden brauchten.

Rohkam 5/5 41

3.    Schreiben Heinrich Rohkams Haus der Heimat Mittel-Schreiberhau im Rie­sen­gebirge vom 9. Mai 1941 an den Herrn Landeshauptmann Breslau. APWroc­ław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, B. 26.

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

Herr Bürgermeister Heinze gab mir Ihren Brief in Angelegenheit

Hauptmann-Haus zur Kenntnis. Inzwischen hat sich folgendes ereignet:

Herr Dr. Will-Erich Peukert (sic!), als bevollmächtigter Vertreter der Frau Ma­ria Hauptmann (schriftliche Vollmacht lag allerdings nicht vor) hat mir als Termin der Räu­mung des 1. Stockes den 15. Mai gesetzt. Da in diesen Räumen auch die müh­sam aus Leihgaben zusammengetragene Sammlung alten Schreiber­hauer Gla­ses auf­gestellt ist und die Räumung dieser wichtigen und wertvollen Klein­sam­mlung bei dem Mangel an geeigneten Hilfskräften nicht bis zum 15. Mai durch­geführt wer­den kann, hatte ich Herrn Dr Peukert (sic!) um Ter­minverlängerung ge­beten. Herr Dr. Peukert (sic!) hat die Terminverlängerung te­le­grafisch abgelehnt. Er teilt te­le­gra­fisch mit, daß er zum Termin Packer selbst stellt und auf meine Kos­ten und Ver­ant­wortung den 1. Stock und die Veranda räumen lassen will. Ich hal­te diese Räu­mung durch Fremde mit Rücksicht auf die hohen Wer­te und die Viel­zahl der Gläser und sonstigen Ausstellungsstücke für gefährlich.

Ein Grund zu einem so kurzen Termin scheint mir dann nicht gegeben, wenn, wie Herr Dr. Peukert (sic!) mir versicherte, Frau Maria Hauptmann selbst die frei­zumachenden Räume beziehen will, denn Frau Hauptmann hat neben ihrer Woh­nung in Leipzig in Schreiberhau ein eigenes Haus mit einer Wohnung. In dieser Schrei­berhauer Wohnung hat sie jahrelang viele Wochen gewohnt. - Ich vermute aber aus einer Redewendung des Herrn Dr. Peukert (sic!), daß er selbst die Räume mitbeziehen wird.

Nachdem ich mich seit 1936 bemüht habe, die Benutzung des Hauptmann-Hau­ses als Mietwohnung zu verhindern, soll nun, nachdem scheinbar jetzt die Mög­lich­keit geschaffen wird, das Haus dauernd kulturellen Zwecken zu erhalten, im letz­ten Au­gen­blick alle unsere Mühe vergeblich werden.

Frau Maria Hauptmann hat sich bereits früher mit dem Gedanken beschäftigt, das Haus der öffentlichen Hand zu verkaufen, die daraus dann eine kulturelle Stät­te machen sollte; sie selbst wollte dann in dem Hause wohnen bleiben. Nachdem sie jetzt vermutet, daß die Ankaufsabsichten zur Tat werden können, versucht sie es jetzt auf diese Weise. - Man könnte ihr vielleicht zugute halten, daß sie als Ehe­­frau unseres Carl Hauptmann aus Gründen der Pietät ein persönliches Inte­res­se an dieser Regelung hätte. Demgegenüber muß ich aber, so schwer es mir wird, da­rü­ber zu sprechen, darauf hinweisen, daß Frau Maria Hauptmann vordem jede Pietät ihrem verstorbenen Gatten gegenüber vermissen liess. Bald nach sei­nem To­de verheiratete sie sich wieder; der persönliche Nachlass Carl Hauptmanns wur­de von dem Hause bald nach seinem Tode öffentlich meistbietend versteigert. Schlies­s­lich hatte sie keine Bedenken, das Haus für Mietzwecke zu verkaufen!

Ich bin nun in einer schweren Lage. Komme ich dem Ersuchen Herrn Dr. Peukert (sic!) nach und räume - und dann käme nur die Räumung des ganzen Hau­ses in Fra­ge - dann wird das Haus, wenn es erst einmal als Mietshaus in An­spruch ge­nom­men ist, für alle Zeiten als Kulturstätte verloren gehen, auch wenn viel­leicht, was auch noch nicht ganz sicher ist, die Erben der Frau Martha Hauptmann, der ers­ten Frau von CH die Einrichtungsstücke des Arbeitszimmers lassen.

Ich habe nicht das geringste persönliche Interesse an der Erhaltung des Hauses, wenngleich fast fünf Jahre Sorge um seine Erhaltung darin stecken. Ich habe aber als derjenige, der sich seit 20 Jahren aus innerer Einstellung um die Erhaltung un­serer Schreiberhauer Kulturgüter kümmert, eine im Interesse des Ganzen liegende Ver­antwortung. Diese Verantwortung bitte ich mir tragen zu helfen. Ich habe alles ge­tan, was ich tun konnte.

Viele Tausende haben im Laufe der fünf Jahre das Haus besucht. Wenngleich die Aufstellung der Sammlungen auch nur eine vorläufige war und wenn auch man­ches fehlt, manches auch heraus kann, so ist doch der Grund da und die Tau­sende Besucher haben einen guten Begriff von dem kulturellen Reichtum unseres Or­tes erhalten. Das ist aus allen Kreisen, vor allem auch aus denen der Fachleute, uns immer wieder bestätigt worden.

Da sich der Herr Gauleiter und Oberpräsident mit der Frage der Erhaltung des Hauses ebenfalls beschäftigt, wie ich aus einer Mitteilung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda weiss, so würde ich den Herrn Landes­haupt­mann bitten, sich in dieser Angelegenheit auch mit dem Herrn Gauleiter und Ober­prä­sidenten in Verbindung zu setzen. HH! Heinrich Rohkam.

4.    Dr. Andres Pampuch, Vermerk vom 7. Juni 1941 über die Dienstfahrt nach Ober­schreiberhau am 5. 6. 41. Rücksprache mit Herrn Inspektor Rohkam. APWroc­ław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 27-28.

BIII Breslau, den 7. Juni 1941

Vermerk:

Dienstfahrt nach Oberschreiberhau am 5. 6. 41

Rücksprache mit Herrn Inspektor Rohkam

1)      Das Carl-Hauptmann-Haus sollte bereits im Jahre 1937 angekauft werden; damals hatte der Herr Bürgermeister Heinze im Auftrage des Herrn Land­rats bereits 10 000 RM in den Etat eingesetzt. Plötzlich ist die Angele­gen­heit ge­scheitert. Nach vertraulicher Angabe von Inspektor R. hat sich in die­se Frage das Propagandaamt eingeschaltet, und zwar wollten Dr. Schulz vom Reichs­pro­pagandaamt Schlesien und Naumann vom Rundfunk Bres­lau auf Vorschlag von Kaergel ein Erholungsheim für Dichter schaffen. Kaer­­gel kannte Heinze, und so glaubte Rohkam, daß die ganze Angele­gen­heit nicht weiter ginge. In den nächsten Jahren versprachen Dr. Fischer und Dr. Schulz die Klärung der An­gelegenheit. Sie ist jedoch nie erfolgt. Da­mals war es möglich, das ganze Haus für 32 000 RM zu erwerben, heu­te ist die Angelegenheit viel schwieri­ger.

2)      Auf dem Hause der Maria Hauptmann (zweite Frau des Dichters) steht im Grund­buch noch ein Recht der ersten Frau eingetragen. Es müsste also zu­nächst dieses Recht gelöscht werden. Inspektor Rohkam teilte mir mit, daß die Erben der ver­stor­benen ersten Frau für diese Löschung 10 000 RM ver­langten.

Der Rechtsvertreter der Frau Maria Hauptmann ist der Rechtsanwalt Dr. Ponfik in Berlin. Er hat in seinem letzten Schreiben vom 12. 5. mitgeteilt, daß nach sei­nem Standpunkt die seit Jahren mögliche Gelegenheit zum Ankauf des Hauses für das Heimathaus Oberschreiberhau verpasst worden wäre. Frau Maria Haupt­mann ist in das Haus eingezogen. Die gesamten Erinnerungsstücke der Heimat­stube, die meist als Leihgaben von privater Hand gegeben wurden, sind eingepackt worden. Es ist schwierig, die Angelegenheit jetzt zu klären.

Der Vertreter der Erben der verstobenen Frau Martha Hauptmann ist der Rechts­­an­walt Dr. Reiher in Hirschberg. Er ist zu Verhandlungen in der Angele­gen­heit der Lö­schung des im Grundbuch eingetragenen Rechtes bereit.

3)      Nach Lage der Dinge ergeben sich folgende Lösungsmöglichkeiten:

a.       Der Herr Landeshauptmann macht an den Rechtsvertreter der Frau Ma­ria Hauptmann, Herrn Dr. Ponvik (sic!), ein Angebot. Das Grund­stück ist belastet mit einer Sicherungshypothek von 9 000 RM, die die nicht gezahlten Steu­ern abdecken soll. 10 000 RM wären etwa als Abstandssumme den Erben der Frau Martha Hauptmann zu zah­len. Die auf dem Hause lastenden an­de­ren Hypotheken sind von Frau Maria Hauptmann bereits gelöscht.

b.       Zweckmässig erscheint es jedoch, sich direkt mit Frau Hauptmann in Ver­bindung zu setzen. Es wäre vielleicht angebracht, vorher mit Will Peukert (sic!), der ein Freund des Hauptmann-Hauses ist, zu sprechen. Nach Rück­spra­che mit Frau Hauptmann könnte dann der Rechtsanwalt Dr. Ponvik (sic!) eingeschaltet werden.

4)      Herr Bürgermeister Heinze erklärt, daß er zum Ankauf dieses Hauses kein Geld habe. Er steht auf dem Standpunkt, daß das die Provinz zu kaufen hät­te. Sie kön­nen daraus ein Dichterhaus oder etwas ähnliches machen. Auf die­sem Stand­punkt stände auch der Kreisleiter (ein Standpunkt des R.P.A.). Inspektor Roh­kam, der langjährige Heimatkundler dieses Gebietes, glaubt, daß daraus ein Hei­mathaus Oberschreiberhaus und Umgebung entstehen müsste. Eine Verbin­dung von Dichterhaus und Heimathaus wäre unmög­lich. Im übrigen ist Frau Haupt­mann von dem Gedanken, daraus ein Dich­ter­haus zu machen, wohl sehr stark eingenommen. Sie glaubt, die Haus­da­me dabei zu spielen und auf Jahre dort wohnen zu können. Auf alle Fälle müssten klare Rechtsverhältnisse ge­schaf­fen und alle Rechte der Frau Ma­ria Hauptmann abgegolten werden. Auf keinen Fall darf sie in dem Hause wei­ter wohnen bleiben.

5)      Die Sagenhalle und das Hendrich-Haus erfordern jährlich einen Zuschuß von 1000 RM, der von der Gemeinde Oberschreiberhau gezahlt wird. Die­se 1000 RM erge­ben sich aus der Besoldung des Hausmeisters mit 50 RM mo­natlich, der in diesem Hause eine freie Wohnung hat. So etwa könnte auch der Haus­meis­ter im Haupt­mann-Haus besoldet werden. Das Hen­drich-Haus bedarf ei­ner eingehenden "Ent­rüm­pelung". Es ist unmöglich, Kunst ne­ben Kitsch be­ste­hen zu lassen. Dr. Barthel vom Museum will auf etwa 14 Tage nach Ober­schrei­berhau fahren und Pläne über die Neugestaltung anfertigen.

6)      In Oberschreiberhau bestand seit Jahren die Absicht, eine Künstlerkolonie zu grün­den. Die St. Lukas-Gilde ist der Anfang dazu. Die Lukas-Mühle wur­de von Interes­sen­ten dafür ausgebaut. Sie hat sich jedoch nach und nach zu einem Gast­haus ent­wickelt und ist heute mit das bestgehendste Gasthaus in Ober­schrei­berhau. Der Ge­dan­ke der Künstlerklause ist somit unter­ge­gan­gen. Es bleibt al­so die Not­wendig­keit bestehen, eine Künstlerklause zu schaf­fen, die von der Pro­vinz unterhalten wer­den soll.

7)      Der Dichter Müller-Eberhart ist in Oberschreiberhau nicht sehr beliebt. Zwar hat er seine starke völkische Einstellung zum Ausdruck gebracht, hat aber früh­er auch mit Juden verkehrt. Aufgrund eines Nervenzusammenbruchs war er ein Jahr im Irren­haus und hat sehr oft absurde Gedanken. Eine fin­an­zielle Unterstützung erscheint not­wendig, da er nach Angaben von Roh­kam etwa 200 RM monatlich bekommt. Auf alle Fälle muss ihm das Geld aber mit der Versicherung gegeben werden, da­rü­ber zu schweigen, sonst ver­sucht er, bei allen möglichen Stellen weiter Gelder un­ter Hinweis auf die Beihilfe des Herrn Landeshauptmanns zu bekommen.

8)      Der Verwendungsnachweis für die 1000 RM kann noch nicht gegeben wer­den, weil die Summe noch nicht ganz verbraucht ist. Der Rest des Geldes ist auf ei­nem Sparkassenkonto eingezahlt.

9)      Vorzulegen zur Kenntnis:

a.       Herr Landeshauptmann

b.       Herrn Professor Theilmann

c.       Herrn Dr. Barthel

d.       Herrn Seifert

(Vermerk des Landeshauptmanns vom 26. 7)

1.    Will-Erich Peuckert, Das Carl Hauptmann-Haus. APWrocław. Wydział Sa­mo­rzą­dowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 30-37.

Der Herr Landeshauptmann der beiden Provinzen Schlesien fordert mich auf, über das Carl Hauptmann-Haus Bericht zu erstatten. Ich tue das gern, weil ich glaube, die Dinge in ihrer ganzen Entwicklung klar zu überschauen. Verständlich werden sie m. E. erst aus ihrer Vorgeschichte heraus, mit der ich deshalb beginne.

Die Erbschaftsauseinandersetzungen nach dem Tode Carl Hauptmanns ergaben, daß das Haus verkauft werden mußte, weil anders die Ansprüche der ersten Frau, Martha Hauptmann, geb. Thienemann, nicht zu befriedigen waren. Mancherlei Ver­handlungen, so z.B. mit dem Schreiberhauer Bürgermeister, Herrn Grieger, führ­ten nicht zum Ziel. In den Tagen des Umbruchs trat dann aber die Gemeinde Schrei­ber­hau als ernsthafter Reflektant auf. Der damalige Bürgermeister, Herr Türk, er­schien bei Frau Maria Hauptmann und bat sie, ihren Wohnsitz wieder in Hau­se zu nehmen. In den weiteren Verhandlungen mit dem nachfolgenden stell­vertr. Bürger­mei­ster, Herrn Winter, wurde das Wohnen im Haus und die Betreuung der darin unterzubringenden Objekte, (es war neben dem Arbeits­zim­mer an die Sammlung Bölsche gedacht worden), als Bedingung für einen Ankauf durch die Ge­meinde in den Vertragsentwurf aufgenommen worden und weiter für Frau Ma­ria Hauptmann ei­ne kleine Rente vorgesehen.

Von 1933 an lagen die Dinge also so, daß die Gemeinde das Haus mit der Be­din­gung kaufen wollte, daß Frau Maria Hauptmann dort (Bl. 31) wohne, und daß Frau Hauptmann der Gemeinde das Haus verkaufen wollte. Weil die Dinge aber nicht vorankamen, wurde in den letzten Jahren eine Zwischenlösung versucht. Der Kur­direktor von Schreiberhau, Herr Rohkam, richtete zusammen mit Herrn Olt­manns Schreiberhau, im Hause ein Museum ein. Das war eine ‚halboffizielle´ An­ge­le­genheit, - die Gemeinde distanzierte sich deutlich davon, - und konnte nur da­zu dienen, die Zeit zu überbrücken.

Das Museum selbst war keine restlos befriedigende Lösung. Der Schriftsteller Herr H.C. Kaergel sagte gelegentlich Frau Maria Hauptmann, daß es für die Gau­lei­tung ‘nicht in Frage komme´; der Direktor der Museen für Deutsche Volks­kun­de, Herr Professor K. Hahm, Berlin, äußerte sich ganz ablehnend, und auch der jet­zi­ge Bürgermeister von Schreiberhau, Herr Heintze, erklärte in einer öffentlichen Re­de zu Carl Hauptmanns 80. Geburtstag, daß das Haus nicht das geworden sei, was ihm vorschwebte. Niemand war von ihm eigentlich befriedigt; man merkte sehr bald nach seiner Einrichtung eine gewisse Lustlosigkeit an den Dingen; zur Cha­rakterisierung brauche ich nur zu erwähnen, daß die Schilder von der Aus­stel­lung zu Gerhart Hauptmanns 75. Geburtstag noch in diesem Frühjahr in den Räu­men hingen, so als habe sich vor zwei Jahren ein Dornröschenschlaf über das Haus ge­senkt. Das Ganze machte schon 1939 einen toten Eindruck.

Da die Einnahmen des Museums die Kosten der Instandhaltung des Hauses in keiner Weise deckten, wäre es im Interesse der Erhaltung des Besitztums längst Zeit gewesen, ihn zu kündigen; da kam im Herbst 1940 Herr Rohkam der Absicht von Frau Hauptmann sozusagen zuvor und kündigte selbst. Doch kam, um die Zeit bis zum Frühjahr zu überbrücken, noch ein Provisorium zustande: das Museum blieb bis zum 1. April 1941 im Hause; Frau Hauptmann übernahm (Bl. 32) alle Las­ten, das Museum die Verpflichtung zu heizen. Leider hielt sich Herr Rohkam nicht an diese Abmachung, sondern kündigte dem Hausverwalter und ließ nicht hei­zen, was natürlich Wassereinbrüche zur Folge hatte, so daß Frau Hauptmann das Haus im Frühjahr in defektem Zustande übergeben wurde.

Die Dinge erheischten also zum 1. 4. 1941 eine Definitivlösung. Die Gemeinde ver­mochte nicht zu kaufen und die Museumsfrage war in sich zerbrochen.

Inzwischen hatte sich die finanzielle Lage von Frau Maria Hauptmann aber so weit gebessert, daß sie den Verkauf des Hauses nicht mehr durchaus wünschen mußte. Da erschien im Winter 1940 zu 41 Herr Kaergel bei Frau Hauptmann mit dem Plan, das Haus einer ausschließlichen Ehrung des Dichters Carl Hauptmann und ei­ner Ar­beits­stätte für Dichter zu bestimmen. Er unterhandelte in diesem Sinne mit dem Pro­paganda-Ministerium und dem Gau. Von beiden Seiten bekam er angeb­lich be­jah­ende und aussichtsreiche Zusagen, die er Frau Hauptmann noch in den ersten Mo­­naten d. J. telephonisch bestätigen ließ. In diesen Unterhandlungen war das A und O wie stets die Bedingung, daß Frau Hauptmann mit ihrer Tochter in dem Hause eine Wohnstätte vorbehalten blieb, bezw. wenn das Haus von ihr ge­räumt wer­den müßte, daß den beiden dann vom Käufer ein kleines Einfa­milien­haus er­stellt würde. Auf Grund der Meldungen von Herrn Kaergel durfte Frau Haupt­­mann sich für berechtigt halten, ihren Leipziger Hausstand aufzulösen und aus ih­rem Arbeitsverhältnis auszuscheiden. Da, in den Tagen der Übersiedlung, - wir wa­­ren eben zusammen in Schreiberhau, um die DInge vorzubereiten, - erhielt sie vom Reichspropagandaamt Schlesien und dessen Leiter, Herrn Fischer, die Mit­tei­lung, daß der Kauf vorläufig nicht vollzogen werden könne. Der Herr Gau­leiter, an den uns (Bl. 33) Herr Kreisleiter Stumpe, Hischberg, zur näheren Infor­mation ver­wies, war nicht zu erreichen.

Ich habe dann die weiteren Verhandlungen geführt. Ein Telephonat mit Herrn Göbel, dem Pressechef des Herrn Gauleiters, verwies mich wieder an Herrn Kreis­lei­ter Stumpe, den ich daraufhin aufsuchte, und der dem Museum, das sich wei­ger­­te, das Haus zu räumen, aufgab, einen Teil des Hauses für den Einzug von Frau Hauptmann freizumachen. In einer weiteren Unterredung mit dem Herrn Kreis­lei­ter wurde Frau Hauptmann Ende Mai d. J. gesagt, daß ein Ankauf zur Zeit nicht in Frage kommen könne, und es wurde ihr angeraten, eine Etage zu vermieten, damit die Steuern aufgebracht würden.

Frau Hauptmann hat nun am 15. Mai d. J. das Haus wieder bezogen. Abschließ­end darf ich feststellen, daß von Frau Hauptmann alles ihr Mögliche getan worden ist; sie hat jahrelang unter finanziellen Opfern der Gemeinde den Kauf offengehal­ten, - ihr Vertreter, Herr Geheimrat Ponfick, Berlin, hat Herrn Rohkam noch im let­zten Winter mehrere Male angeboten, zusammen mit ihm nach Breslau zu fahr­en, um mit der Provinz zu verhandeln; Herr Rohkam hat darauf überhaupt nicht ge­antwortet, - ja Frau Hauptmann hat, wie aus unseren Verhandlungen hervorgeht, noch bis zur letzten Unterredung mit dem Herrn Kreisleiter in Hirschberg dem Gau Kauf offen gehalten, obwohl der Zwang zu verkaufen, längst nicht mehr bestand. (Bl. 34) Nach dieser Skizzierung der Situation habe ich auf den Wunsch des Herrn Lan­deshauptmanns, zu überprüfen, was geschehen kann. Die Überlegungen wer­den von dem Umstande ausgehen müssen, daß Frau Hauptmann jetzt ihr Haus wie­der bewohnt, - wobei es, so weit das in der kurzen Zeit möglich war, wiederum zu ei­nem lebendigen kulturellen Zentrum des Ortes geworden ist, - und daß der Ge­dan­ke eines Verkaufes als nicht mehr zwingend bei ihr zurückgetreten ist. (Erst recht indiskutabel ist ja wohl nach den Erfahrungen, die sie in den letzten Jahren ge­macht hat, die Museumsfrage.) Ein augenblicklicher Ankauf durch die Provinz kä­me also nicht in Frage.

Ich sehe wohl, daß das die Wünsche des Herrn Landeshauptmanns durchkreuzt, glaube aber, daß man Frau Hauptmann an einer solchen Entwicklung keine Schuld beimessen darf; von ihr aus, wie oben dargelegt, wurde getan, was in ihren Kräften stand. Ich glaube aber ferner, im Hinblick auf Gerüchte, die in diesen Wochen in Schreiberhau kolportiert wurden, sagen zu sollen, daß ein Verkauf des Hauses in Pri­vathand außerhalb jeder Diskussion steht. Wenn ein Verkauf des Hauses in Fra­ge käme, dann wird Frau Hauptmann im Interesse der kulturellen Eigenart des Ob­jek­tes sich zuerst an die Provinz bezw. den Gau wenden, - das ist ein Gedanke, den wir in diesen Sommerwochen ausführlich diskutiert haben, - und ich darf des­halb von mir aus als Garant für einen solchen Verlauf der Dinge auftreten.

Das ist, was sich z.Z. über den Kauf des Hauptmannhauses sagen läßt.

Nun scheint es mir aber, als ob man damit noch nicht abzuschließen brauchte, als ob hier vielmehr noch eine Reihe von Fragen (Bl. 35) offen blieben. Es wäre zum Bei­­spiel ja wohl wert, sich einmal darüber zu unterhalten, ob die Provinz Frau Haupt­­­­mann für eine solche Zusage nicht auch mit irgendwelchen "Freundlich­kei­ten" ge­gen­über zu treten vermöchte.

Aber ich möchte das Augenmerk jetzt auf einen anderen Punkt lenken. In den bis­herigen Verhandlungen ist niemals von dem "archivalischen" Material die Rede ge­we­sen, das sich in den Händen von Frau Hauptmann befindet. Das ist begreif­lich, denn eine Gemeinde wird nur unter besonderen Umständen zu einer solchen "Sache" ein Verhältnis finden. Ich darf aber doch wohl sagen, daß dieses Material ei­ne unge­wöhn­liche Kostbarkeit darstellt. Abgesehen von den Manuskripten der Wer­ke befin­det sich in ihm ein alle Vermutungen übersteigender Schatz von Ent­wür­fen, Plänen, Ideen sowohl des Dichters wie des Wissenschaftlers Carl Haupt­mann, und ein nicht geringes Material zur Kenntnis des äußeren Lebens wie des Krei­ses um ihn. Von kaum einem heutigen großen Dichter ist ein solcher Nachlaß vorhanden.

Dieser Nachlaß, der sich in unserer Hand befindet, ist leicht durch das wenige Ver­streute und durch das Inventar des sogen. "Arbeitszimmers" des Dichters mit sei­ner Arbeitsbibliothek zu ergänzen - und es käme dadurch ein geschlossenes Gan­zes he­raus, wie es Schlesien m. W. noch nicht besitzt. Es ist wohl wert, die Fra­ge zu stel­len, wie die Provinz über dieses Objekt denkt?

Zur näheren Erläuterung darf ich sagen, daß die Rheinprovinz eben damit be­ginnt, Dichterhandschriften zu sammeln. Ohne den Plan verurteilen zu wollen, -be­deutenden Dichters bis in die feinsten Verästelungen zu verfolgen und zu (Bl. 36) ken­nen erlaubt, ein unvergleichlich größerer Schatz wäre, den zu besitzen man sich schon einige Mühe kosten lassen dürfte. Eine Erschließung dieses Schatzes, die et­wa im Carl Hauptmann-Hause selbst geschähe, - und ich halte es für möglich, daß es da geschähe, - würde gewiß eine Art Erwerb des Hauses, bezw. seiner leben­dig­sten Zelle, darstellen, und einen Gewinst, der befriedigen könnte.

Nicht also den Erwerb des Hauses, wohl aber den seines entscheidenden Inhal­tes, und eine Möglichkeit für später, vermag ich in meinem Bericht aufzuzeigen. Bres­lau, den 20. August 1941 W.-E. Peuckert.

2.    Schreiben des Hirschberger Kreisleiters der NSDAP Wilhelm Stumpe an den Lan­deshauptmann Adams vom 20. 10. 1941. APWrocław. Wydział Samo­rzą­do­wy Prowincji Sląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 42.

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

Gau Schlesien

Kreisleitung Hirschberg-Rsgb.

Herrn Landeshauptmann Adams, Breslau

St/Sch 20. 10. 1941

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Adams!

In der Angelegenheit des Ankaufs des Carl-Hauptmann-Hauses hatten wir kürzlich be­sprochen, daß ich dem Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Pg. Heinze in Schrei­­berhau aufgebe, mit Fr. Hauptmann zu verhandeln, ob und zu welchen Be­din­gun­gen sie bereit ist, das Carl-Hauptmann-Haus zu verkaufen. Da Fr. H. in die­sem Hause wohnt und auch, selbst wenn die Provinz das Haus kauft, in demselben woh­nen blei­ben will, war mein Gedanke der, daß man eine Zeichnung anfertigen lässt, ei­nen Bauplatz erwirbt, der vielleicht von 37 Morgen grossen Park des Carl-Haupt­mann-Hauses abgezweigt werden kann - und nach dem Kriege oder sobald gebaut wer­den kann, für Fr. H., eine Wohnung herstellt, die sie sich jetzt schon beim Kauf­abschluss verpflichtet, sobald dieselbe fertiggestellt ist, zu beziehen und die­sel­be ge­gen eine mässige Miete von vielleicht 40.00 RM bewohnt. Das Haus müs­se na­tür­lich Eigentum der Provinzialverwaltung bleiben.

Diesen Vorschlag hat Pg. Heinze Fr. H. unterbreitet, die nun durch ihren Be­voll­mächtigten Herrn Ponfick das in Abschrift beigefügte Schreiben schicken lässt. - Ich wäre Ihnen recht dankbar, wenn Sie zu demselben kurz Stellung nehmen möch­ten, insbesondere zu den Fragen, die Fr. H. interessieren. Ich befürchte ja nun al­ler­dings, daß Fr. H. recht hohe Ansprüche (Bl. 43) stellen wird, vor allen Dingen dergestalt, daß sie in der Verwaltung des Hauses mitwirkt, um sich einen ent­spre­chenden Nebenverdienst, der auch nicht niedrig sein wird, zu sichern. Das müsste ihr m. E. vollkommen abgelehnt werden, denn wenn die Provinz das Haus schon er­wirbt, dann muss dieselbe auch das weitere Verfügungsrecht haben und nicht, daß da alle möglichen anderen Personen, die lediglich wirtschaftlich und nicht, wie man das in dem Schreiben gern ausdrücken möchte, ideell an den (sic!) in­te­res­siert sind, dazwischen und dreinreden. Fr. H. - das möchte ich Ihnen vertraulich hier noch mitteilen - sitzt anscheinend z. Zt. auf sehr hohem Ross, weil sie an­nimmt, daß die Gemeinde ihr weiter wie bisher die Steuern und Abgaben auf die­ses Haus erlassen wird. Bürgermeister Heinze hat mir aber erklärt, daß dies gar nicht mehr in Frage kommt, sondern daß er, wenn die Zahlungen nicht bald er­fol­gen, sogar recht rigoros seine Forderungen einziehen müsse. Sobald Frau H. ein­mal wird mit Zahlungen antreten müssen und ihr Zwangsmassnahmen ange­droht und ge­gen sie durchgeführt werden, dürfte dieselbe recht klein werden und von vielen For­de­rungen, die sie jetzt noch glaubt, erheben zu können, Abstand nehmen.

Ich halte es also für richtig, wenn wir die Sache nicht allzusehr überstürzen, son­dern die Zeit für uns arbeiten lassen. Ich möchte nur die Sache nicht so weit ein­schlafen lassen, daß Fr. H. eines Tages das Haus an einen anderen Interessen­ten veräussert. Ich hoffe, daß ich mit meiner Ansicht mit Ihnen konform gehe und wür­de mich freuen, recht bald von Ihnen zu hören. Ich halte es für zweckmässig, wenn Sie Fr. H. selbst die in ihrem Schreiben gestellten Fragen beantworten und Sie mich von dieser Ihrer Antwort unterrichten würden. Mit freundlichem Gruss

HH!

Ihr Stumpe

Anlage.

3.    Vermerk vom 21. Februar 1942. APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląs­kiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 52b.

A III Ha 133 Breslau, den 21. Februar 1942

Vermerk

Am 5. Februar sprach bei Herrn Landeskämmerer Dr. Graeger wegen des Erwerbs bezw. der Verwendung des Carl-Hauptmann-Hauses in Oberschreiberhau der Rechts­­vertreter der Frau Maria Hauptmann, Geheimrat Dr.Ponfick, Berlin und der Schrift­stel­ler Dr. Peuckert vor. An der Verhandlung nahm ferner LVR.Dr. Pam­puch und Dr. Peschel teil.

LVR. Dr Pampuch legte dar, daß bei der Besprechung die Fragen

1)      der Eintragung eines Vorkaufsrechtes für den Provinzialverband,

2)      der Verwertung der hinterlassenen Handschriften und

3)      des Nachlasses von Carl Hauptmann

geklärt werden sollen.

Zu 1.)

Hinsichtlich der 1. Frage erklärte Geheimrat Dr. Ponfick, daß Frau Maria Haupt­­­mann das Grundstück vorläufig nicht zu verkaufen gedenke und daß daher der Pro­vin­zialverband, wenn er einem allfälligen Verkauf an Dritte zuvor kommen wolle, sich ein Vorkaufsrecht sichern müßte. Die gesamten Grundstücke reprä­sen­tierten ei­nen Wert von ca. 38 000,-- RM, sie seien an sich lastenfrei, abge­sehen von einer Steu­er-Hypothek; außerdem erwähnte Dr. Ponfick eine Hypothek in Höhe von 4-5.000,-- RM zugunsten eines Oberst Laue, die aber abgelöst werde. Ferner sei in Ab­teilung 2 des Grundbuches eine Vormerkung zur Sicherung des Rechtes auf Übertragung des Eigentums zugunsten der Frau Martha Hauptmann bezw. deren Erben (Stud. Ass. Nitschke) eingetragen. Die Vormerkung sei schon vor 20 Jahren erfolgt. Es habe ein Prozeß geschwebt, dessen Akten sonderbarerweise beim Reichs­gericht verschwunden und bisher nicht wieder aufzufinden gewesen seien. Auch die Vergleichsverhandlungen mit Frau Martha Hauptmann und deren Erben hätten zu keinem Ergebnis geführt. Dr. Ponfick meinte jedoch, es würde nicht schwierig sein (Bl. 52b), eine Löschung dieser Vormerkung durchzusetzen, worauf dann kein Zwei­fel mehr an der Rechtmäßigkeit des Eigentums seiner Vollmachtgeberin her­rschen könne.

Zu der Frage der Eintragung des Vorkaufsrechtes erklärte Dr. Peschel, daß die­ses zwar von der Klärung der Eigentumsverhältnisse unabhängig sei, daß aber im­mer­­hin das Vorkaufsrecht bestritten werden könnte, wenn Frau Maria Hauptmann nicht als Eigentümerin anerkannt werden würde. Weiter wies er darauf hin, daß eine Re­ge­lung bezüglich jener Räume getroffen werden müßte, die kulturellen Zwecken ge­wid­met werden sollen, solange nicht der Provinzialverband das Eigentum an dem Hause erworben habe. Es müßte also s. E. ein Mietvertrag über diese Räume ab­ge­schlossen werden.

Zu 2.)

Zur Frage der Verwertung der hinterlassenen Handschriften Carl Hauptmanns er­klärte Dr. Peuckert, daß nur Frau Maria Hauptmann in der Lage sei, die Hand­schrift zu entziffern. Er selbst könne sich damit nicht befassen. Seiner Kenntnis nach handle es sich um ein umfangreiches Material, zu dessen Bearbeitung etwa 10 Jahre nötig sein würden. Über diesen so langen Zeitraum war sogar Dr. Ponfick erstaunt, der diese Arbeit auf etwa 3 bis 4 Jahre veranschlagt hatte. Er meinte, daß Frau Maria Hauptmann als Hüterin des Erbes Carl Hauptmanns mit diesen Ar­bei­ten vom Provinzialverband betraut werden möchte und schlug vor, mit ihr einen diesbezüglichen Vertrag abzuschließen. Auf die Frage des Herrn Landes­käm­mer­ers, welche Entschädigung Frau Hauptmann dafür erwarte, nannte Dr. Ponfick ei­nen Betrag von etwa 200,-- RM monatlich und erklärte, daß Frau Hauptmann na­tür­lich bereit sei, den Fortgang ihrer Arbeiten jederzeit überprüfen zu lassen. Die­ser Vorschlag wurde von den Vertretern des Provinzialverbandes zur Kenntnis ge­nom­men, ohne daß eine bindende Äußerung dazu gegeben worden wäre.

Zu 3.)

Geheimrat Dr. Ponfick schlug vor, daß der gesamte Nachlaß vom Provinzial­ver­band übernommen werde. Demgegenüber wurden von (Bl. 52c) den Vertetern des Pro­vin­zialverbandes Bedenken geäußerst, ob der gesamte Nachlaß für den Pro­vin­zial­verband von Wert sei. Darauf machte Dr. Ponfick den Vorschlag, jedes Werk nach Fertigstellung durch Mitglieder der Reichsschrifttumskammer überprüfen zu lassen. Auf eine weitere Zwischenfrage erklärte Dr. Peuckert, daß Frau Maria Haupt­­mann nicht im Besitze des gesamten literarischen Nachlasses Carl Haupt­manns sei, son­dern daß sich einige Sachen auch bei den Erben der Frau Martha Haupt­mann be­finden. Um besonders in diesen Nachlaß einen Einblick zu bekom­men, wurde ver­einbart, daß Vertreter des Provinzialverbandes gemeinsam mit Dr. Ponfick und Dr. Peuckert den Nachlaß besichtigen werden. Ein Zeitpunkt hierfür wur­de späte­rer Vereinbarung überlassen.

Herrn

Landesverwaltungsrat

Dr. Pampuch

hier

Vorstehenden Vermerk übermittle ich mit der Bitte um Ergänzung vom Stand­punkt des Dezernats B III. Ich möchte zu der Angelegenheit noch folgendes bemer­ken:

Um ein genaueres Bild über die Vermögensverhältnisse zu bekommen, wären die Grundakten einzusehen. Ferner wäre es m. E. von Interesse, festzustellen, zu wel­chem Preise s. Zt. Frau Maria Hauptmann das Haus an die Brüder Mahla, Gab­lonz, verkaufte (vgl. Bl. 20); weiter, was für Stellung sie als Volks-Bibliothekarin in Leipzig hatte. Schließlich sollte m. E. auch mit den Erben der Frau Martha Haupt­mann Fühlung genommen werden, um zu erfahren, welche Teile des Nach­lasses Carl Hauptmanns sich in deren Händen befinden und wie sie sich zu der ge­plan­ten Regelung stellen. Im Auftrage (unl. Unterschrift)

1.    Dr. Andreas Pampuch, Vermerk betr. Carl Hauptmann. Rücksprache mit Herrn Dr. Gruhn, Staats- und Universitätsbibliothek Breslau vom 23. März 1942. AP­Wrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 59.

BIII

Vermerk:

Betr. Carl Hauptmann. Rücksprache mit Herrn Dr. Gruhn, Staats- und Uni­versi­täts­bibliothek Breslau.

Herr Dr. Gruhn teilte mir mit, daß seitens der Erben Carl Hauptmanns bereits der Staatsbibliothek vor einiger Zeit Manuskripte angeboten worden seien. Da aber die Erbangelegenheit absolut ungeklärt ist und es wohl noch einige Zeit dauern wird, bis geklärt ist, wer über den Nachlaß Carl Hauptmanns verfügungsberechtigt ist, (erste oder zweite Frau), hat die Staatsbibliothek beschlossen, abzuwarten. Sie hat handschriftliche Briefe Carl Hauptmanns, die Aufschluß über sein Verthältnis zu seinem Bruder Gerhart geben, aus der Erbschaft von Fau Margarethe Haupt­mann, der Schwester der Brüder Carl und Gerhart erworben, an die sie jedoch noch nicht her­ankönnen, da das Testament seitens anderer Familien­mitglieder an­ge­fochten worden ist. Dr. Gruhn glaubt, daß Gerhart Hauptmann grosses Inte­resse habe, zu verhindern, daß diese Briefe, wie auch andere hinterlassene Manuskripte seines Bruders Carl, der Öffentlichkeit bekannt würden, denn Gerhart Hauptmann scheint eine ausgesprochene Feindschaft gegen seinen verstorbenen Bruder Carl, der sich bereits zu seinen Lebzeiten immer wieder bitter über Gerhart beklagte, zu hegen.

Zur Frage der Bedeutung Carl Hauptmanns äußerte Herr Dr. Gruhn, daß Carl Haupt­mann zweifellos von Bedeutung sei. Noch wichtiger als seine Werke selbst sei aber das Verhältnis Carl-Gerhart, wie ja überhaupt die beiden Brüder Haupt­mann für Schl­esien überaus wichtig seien. Dr. Gruhn hält es für sehr wichtig, daß der Nachlaß Carl Hauptmanns Schlesien erhalten bleibt, da unsere Provinz seit Jahrhunderten kei­ne großen Männer gehabt hat, die den Ruf Schlesiens derart in alle Welt trugen wie die Brüder Hauptmann. Er hält es für durchaus möglich, daß unter dem Nachlaß Carl H. wertvolle Sachen sind. Vor allem kann man aus dem Nach­laß wichtige Auf­schlüsse über das Verhältnis der beiden Brüder zueinander erhalten.

Die Gefahr, daß die geschäftstüchtigen Erben Carls sowie späterhin Gerharts den Nachlaß der Brüder Hauptmann in alle Welt verstreuen würden, ist sehr groß. Da­her halte ich es für sehr wüschenswert, den Nachlaß Carls - sowie die recht­li­che Situation geklärt ist - für Schlesien zu erwerben. Er halte es für gut, wenn sich die Provinz mit der Staatsbibliothek zusammentäte, die ebenfalls sehr stark am Nach­laß Carl H. interessiert ist. Wenn Provinz und Staatsbibliothek nach Klärung der Rechtsstreitigkeiten um die Erbschaft gemeinsam sich um den Nachlaß Carls be­mühen, dürfte zweifellos die Sicherstellung (Bl. 59r) für Schlesien möglich sein, ohne daß die überaus geschäftstüchtigen Erben unnötig hohe Summen forderten.

Herr Dr. Gruhn meinte, daß sich evtl. noch Schwierigkeiten ergeben könnten durch die Freundschaft Gauleiter-Gerhart Hauptmann, da, wie gesagt, Gerhart größ­tes Interesse daran habe, daß Briefe und andere wichtige Dinge aus dem Nach­laß seines Bruders Carl unauswertbar blieben.

Herr Dr. Gruhn meint auch, das Beste sei, die Erben Carls hinzuhalten, bis zu­nächst einmal die rechtliche Situation geklärt sei.

Er wies darauf hin, daß die Staats- und Universitätsbibliothek, die das beste und voll­ständigste Material über Gerhart Hauptmann habe, das überhaupt in nicht Haupt­mann’­schem Besitz ist, anläßlich Gerhart Hauptmanns 80. Geburtstag gern eine Aus­stellung durchführen würde. Allerdings habe die Staats- und Universi­täts­bi­blio­thek dazu keine Räumlichkeiten und würde vermutlich auch mit ihren Mitteln be­schränkt sein.

Ich würde vorschlagen, zu erwägen, ob nicht die Provinz Träger einer ehrenden Ausstellung sein könnte, zu der die Staats- und Universitätsbibliothek das Material und die wissenschaftliche Leitung gäbe.

Breslau, den 23. März 1942. Pa. (mpuch).

(Bleistift) Landeshauptmann zur Entscheidung vorgelegt

(Buntstift, grün) Einverstanden

A. 23. 3.

2.    Vermerk vom 22. April 1942 über die Besichtigung des Carl Hauptmann-Hauses am 9. April 1942, APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 66a.

A III HA 133 Breslau, den 22. April 1942

Vermerk:

Am 9. April 1942 fand in Schreiberhau eine Besichtigung des Carl-Hauptmann-Hauses und eine Besprechung über die schwebenden Fragen statt. An der Ver­hand­lung nahmen teil:

Herr Landeskämmerer Dr. Graeger und

LVR. Dr. Peschel für den Provinzialverband,

Frau Maria Hauptmann und Tochter Monona,

Rechtsanwalt Geheimrat Dr. Ponfick, Berlin und der

Schriftsteller Dr. Peuckert.

I.) Zu der Frage der Einräumung eines Vorkaufsrechtes für den Provinzial­ver­band auf dem Grundstück der Carl Hauptmann´schen Erben wurde den Vertretern des Provinzialverbandes folgendes erklärt:

Zwischen Frau Maria und Frau Martha Hauptmann ist nach dem Tode Carl Haupt­manns mündlich ein Vergleich abgeschlossen worden, demzufolge Frau Mar­tha H. bezw. deren Erben zur Abgeltung ihrer Erbansprüche 10. 000,-- RM erhalten sol­lte. Diese Summe ist auch bei Dr. Ponfick hinterlegt und steht jederzeit zur Verfü­gung. Dieser Vergleich ist auch schriftlich niedergelegt worden und von Frau Ma­ria H. un­ter­zeichnet worden. Hingegen ist Frau Martha H. vor Unterzeichnung des Vergleichs Ende 1938 gestorben. Dr. Ponfick legte dar, daß die Forderung der Er­ben nach Frau Martha H. nicht klar sei. Ihr Vertreter sei Rechtsanwalt Reiser in Hirsch­berg, von dem er allerdings bisher auch noch keine klare Stellungnahme in der Vergleichsfrage er­halten habe. Er beabsichtigte, die Erben nach Frau Martha H. durch das Gericht auf­zufordern, den grundbuchlich eingetragenen Widerspruch ge­gen das Ei­gen­tums­recht der Frau Maria H. durch Klage zu begründen, widri­gen­falls die Vormerkung ge­löscht würde. Nach Durchführung dieses Verfahrens wür­de der Eintragung des Vorkaufsrechtes formalrechtlich nichts mehr im Wege ste­hen. Frau Maria H. erklärte sich bereit, dem Provinzialverband das Vorkaufsrecht ohne Auflage oder Ge­gen­lei­stung einzuräumen. (66ar)

II.) Hinsichtlich der Erhaltung des Carl-Hauptmann-Zimmers wurde festge­stellt, daß es sich um das Arbeitszimmer des Dichters und um einen kleinen Nebenraum, der als Handbücherei verwendet wurde, handelt. Diese Räume sollen in dem jet­zigen Zustand belassen werden und sowohl dem Provinzialverband wie auch der Öf­fentlichkeit zur Verfügung stehen. Allerdings sollen diese Räume nicht der ge­sam­ten Öffentlichkeit in der Art eines Museums zugänglich sein, sondern nur wirk­lich interessierten und vorgebildeten Besuchern und für Zwecke wis­sen­schaft­licher Ar­beit. Als Entgelt für die Überlassung dieser Räume zu den genannten Zwecken soll der Provinzialverband die von dem Hause zu entrichtenden laufenden Steuern über­neh­m­en. Auf dem Hause sind Grundsteuerrückstände in Höhe von etwa 7000,--RM hypothekarisch sichergestellt. Während der Zeit, als das Haus zu Museums­zwecken benützt wurde, sind keine Steuern erhoben worden, da die Gemein­nützi­gkeit anerkannt wurde. Seit dem Wiedereinzug Frau Maria H. in das Haus werden rund 80,-- Steuern monatlich erhoben, sodaß die laufende Steuerlast rund 1000,-- RM jährlich beträgt. Ebenso ist Frau Maria H. zur Bezahlung der grundbuchlich ein­getragenen Steuerrückstände aufgefordert worden, doch weigert sie sich, diese zu bezahlen. Diese Angelegenheit ruht vorläufig.

Der Provinzialverband soll versuchen, aufgrund der vorgesehenen Widmung des Arbeitszimmers und Nebenraumes des Dichters für gemeinnützige Zwecke, eine Nichterhebung oder Ermässigung der Steuern zu erreichen. Er dürfte damit voraus­sichtlich wenigstens zum Teil Erfolg haben. Den übrigen Teil der Steuern, der nicht nachgelassen wird, soll eben der Provinzialverband als Entgelt für die Über­lassung der Räume und für die Einräumung des Vorkaufsrechtes aus eigenen Mit­teln tragen.

III.) Am schierigsten erscheint die Frage der Verwertung des literarischen Nach­lasses Carl Hauptmanns. Den Vertretern des Provinzialverbandes wurden so­wohl einige Manuskript-Proben bereits veröffentlichter Werke als auch die noch nicht veröffentlichten Entwürfe gezeigt. Einen Überblick über den Umfang und Wert dieses Nachlasses konnten natürlich die Unterzeichneten nicht gewinnen, da dies Aufgabe versierter Fachleute (Bl. 66b) ist. Nach den Angaben Dr. Peuckerts liegt u.a. das bisher nicht veröffentlichte Schauspiel ‚Der Brandstifter’ fast ausge­arbei­tet vor, ebenso auch der 2. Band der Philosophie Carl Hauptmanns. Außer den be­reits veröffentlichten ‚Tagebüchern’ des Dichters liegt noch soviel Material vor, daß so­wohl die bisher veröffentlichten Bände in neuer Fassung, als auch einige Nach­­trags­bände herausgegeben werden könnten.

Die Bearbeitung dieses Nachlasses wird voraussichtlich mehrere Jahre dauern. Herr Landeskämerer legte dar, daß eine monatliche Rentenzahlung an Frau Maria H. für die Bearbeitung des Nachlasses vom Provinzialverband aus verschiedenen Gründen nicht wird gewährt werden können und schlug vor, Frau Maria H. zu­nächst eine einmalige Zahlung dafür zu leisten. Diese Erklärung löste bei den In­tere­ssier­ten eine gewisse Enttäuschung aus. Dr. Ponfick setzte sich dafür ein, daß der Pro­vinzialverband doch einen Vertrag mit Frau Marie H. abschließen möchte und zwar zunächst auf die Dauer von 4 Jahren. Von da ab soll er kündbar sein. Auch zu die­sem Vorschlag äußerten die Vertreter des Provinzialverbandes Be­den­ken und ver­wiesen darauf, daß bestenfalls ein kurzfristiger kündbarer Vertrag ab­ge­schlossen wer­den könnte. Der Provinzialverband müßte ferner die Möglichkeit ha­ben, die Ar­beit Frau Maria H. zu prüfen und zu lenken, d.h. anzugeben, welche Sa­chen zu­nächst bearbeitet und welche zurückgestellt werden sollen. Eine bin­dende Er­klä­rung wurde jedoch seitens der Vertreter des Provinzialverbandes nicht ab­ge­geben, da diese Frage erst noch in Breslau entschieden werden müsse.

Die ausgearbeiteten Werke sollen einer Schiedskommission vorgelegt werden, die über das Verlagshonorar entscheidet. Der Provinzialverband erhält für diese Wer­ke das Vorkaufsrecht und bringt die erworbenen Werke heraus.

IV.) In der Frage des sogenannten Archivs bestand Einigkeit darüber, daß die­ses Archiv beisammenbleiben soll. Herr Landeskämerer brachte zum Ausdruck, daß vor­aussichtlich auch andere staatliche Stellen an den Manuskripten Carl Haupt­manns Interesse haben und daß in dieser Hinsicht der Provinzialverband und jene Stel­len einvernehmlich vorzugehen beabsichtigen. Frau Maria H. äußerte den Wunsch, daß das Archiv nicht in ein staatliches Archiv oder Museum überführt wer­­de, son­dern im Carl-Hauptmann-Haus verbleiben möge. Die Höhe der Ent­schä­digung für den Erwerb des Archivs (Bl. 66br) soll von der Frage der Nachlaß­ver­wer­tung ge­son­dert behandelt werden. Allerdings könnte auch in dieser Beziehung eine Kom­mis­sion den Wert des Archivs taxieren. Dr. Graeger Dr.

2) Herrn Landeskämerfer Dr. Graeger mit der Bitte um Kenntnisnahme und Mitzeichnung des Vermerks

3) Vorzulegen

Herrn Landeshauptmann 24/4

mit der Bitte um Kenntnisnahme

4) Urschriftlich mit den Vorgängen

dem Dezernat B III

1) Herrn LVR. Dr. Pampuch -

im Hause

mit der Bitte um Kenntnisnahme und weitere Veranlassung übersandt

Pa. 1/5 Graeger

3.    Dr. Gruhn, Carl Hauptmanns handschriftlicher Nachlaß. Anlage zum Schreiben Dr. Gruhns an den Oberpräsidenten. Verwaltung des Niederschlesischen Pro­vin­zial-Verbandes. Kulturabteilung vom 12. Mai 1942. APWrocław. Wydział Samo­rzą­dowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 67-68.

Die Frage, ob der handschriftliche Nachlaß (sogenanntes Archiv) Carl Haupt­manns seiner Provinz erhalten bleiben soll, ist zunächst zu bejahen. Mag Carl Haupt­mann in seiner literarischen Wertung auch umstritten und der Kreis sei­ner Ver­eh­rer nur klein sein, Carl ist von seinem Bruder Gerhart nicht zu tren­nen und das Prob­lem des per­sön­lichen und des künstlerischen Verhältnisses der Brü­der zu einander wird in der Li­teraturgeschichte immer eine Rolle spielen. Des­halb sind in dem hand­schrift­­lichen Nach­laß Carl Hauptmanns persönliche Auf­zeichnungen (Brie­fe, Ta­ge­bücher u. dergl.) für die Forschung wichtiger als hin­terlassene Wer­ke, Frag­men­te und Ent.

Der Wert des Nachlasses hängt von seinem Umfang und Zustand ab. Sollte die Ansicht maßgebender Persönlichkeiten zutreffen, daß die Aufzeichnungen unle­ser­lich sind und nur von Frau Maria Hauptmann und Dr. W. E. Peuckert (sic!) ent­zif­fern werden können, so sind sie für eine wissenschaftliche Samm­lung als Objekte der Forschung wertlos und nur noch Erinnerungstücke für ein Heim­atmuseum. In die­sem Falle wäre die Staats- und Universitäts-Bibliothek am Ankauf un­interes­siert, eine Zerstreuung kein Verlust für die Provinz, da Hand­schriftenproben Carl Haupt­manns in den Breslauer Bibliotheken der Stadt und des Staates genügend vor­ha­nden sind.

Unter der Voraussetzung der wissenschaftlichen Verwendbarkeit würde der hand­schriftliche Nachlaß für die Staats- und Universitäts-Bibliothek eine gute Er­gänzung der ihr von Frau Martha Hauptmann testamentarisch vermachten Briefe und der übrigen im Besitz der Bibliothek befindlichen Hauptmann-Schrif­ten sein. Die Wertfestsetzung kann nur nach dem zurzeit im Auto­graphen­handel üblichen, den Bestimmungen des Preiskommissars unter­lie­gen­den Prei­sen, nicht nach dem Grund­satz der Familienpfründe, vereinbart werden. Nach An­kauf kann der Nach­laß nicht dem Verkäufer überlassen bleiben, sondern muß der Handschriften­sam­mlung zugeführt werden. Das Recht der aus­schließ­lichen Benutzung, Auswertung und der Herausgabe könnte Frau Maria Haupt­mann zu Lebzeiten verbleiben, der Ein­blick in den Nachlaß nur von ihrer Ge­neh­­migung abhängig gemacht werden.

Dr. Gruhn

16/5

1) Herrn Landeskämerer

Herrn Dr. Peschel

2) Zurück an B III.

I.V. Pampuch

4.    Vertrag zwischen Maria Hauptmann und dem Provinzialverband Nieder­schle­sien vom 7. November 1944. APWrocław. Wydział Samorządowy Pro­win­cji Śląs­kiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 92-93.

Bl. 92

Erste Ausfertigung!

Nummer 2 der Urkundenrolle des Provinzialverbandes Niederschlesien für 1944

Verhandelt

Mittelschreiberhau, den 7. November 1944

Vor dem unterzeichneten Landeskämerer, Landesrat Dr. Ewald Graeger, der ge­mäss Artikel 12 § 2 des Preußischen Ausführungsgesetzes zum Bürgerlichen Ge­setz­buch durch Verfügung des Oberpräsidenten (Verwaltung des Nieder­schle­si­schen Provin­zialverbandes) in Breslau vom 14. 12. 1943 zur Beurkundung von Rechts­geschäften bestimmt ist, erschienen heute:

1) Frau verw. Maria Hauptmann geb. Rohne, wohnhaft in Mittel-Schreiberhau,

2) Fräulein Monona Glückel Hauptmann, wohnhaft in Mittel-Schreiberhau.

3) Landesverwaltungsrat Hans Dos, wohnhaft in Breslau, Richard Pfeifferstr. 13.

Die Erscheinenden sind dem Urkundsbeamten von Person bekannt.

Der Erschienene 3) erklärte, daß er die nachstehenden Erklärungen nicht für sich selbst, sondern für den Provinzialverband Niederschlesien, vertreten durch den Ober­präsidenten (Verwaltung des Niederschlesischen Provinzialverbandes) in Bres­­lau, ab­gebe. Er nahm auf die Vollmacht des Oberpräsidenten (Verwaltung des Nieder­schle­sischen Provinzialverbandes) vom 3. November 1944 Bezug und legte diese vor.

(Bl. 2, 92)

Die Erschienenen schlossen hierauf vorbehaltlich der erforderlichen Geneh­mi­gun­gen folgenden

Vertrag

Zwischen dem Provizialverband Niederschlesien, vertreten durch den Ober­prä­si­denten (Verwaltung des Niederschlesischen Provinzialverbandes) in Breslau, im Folgenden "Provinz" genannt,

und

Frau verw. Maria Hauptmann, geb. Rohne und

Fräulein Monona Glückel Hauptmann,

beide wohnhaft in Mittel-Schreiberhau, als Erbinnen nach dem Dichter Carl Haupt­mann in ungeteilter Erbgemeinschaft, im folgenden "Erbgemeinschaft" genannt,

wird mit dem Ziel,

den archivalischen Nachlass des Dichters Carl Hauptmann für die Allgemeinheit sicherzustellen und zu erschließen und das Haus des Dichters zu einem späteren Zeitpunkt an die Provinz den Schlesien-Verlag Eschenhagen & Co. in Breslau oder ei­nem im Einvernehmen der Vertragsparteien bestimmten Träger der Förderung des Heimatschrifttums zu übereignen, um es unter Wahrung seiner Eigenschaft als Erinnerungsstätte für den Dichter einer zweckentsprechenden Verwendung im Rah­men ihrer Kulturarbeit zuzuführen,

folgender Vertrag abgeschlossen:

§ 1

Die Erbengemeinschaft räumt der Provinz das Vorkaufsrecht für alle Ver­kaufs­fälle an dem ihr gehörigen Grundstück "Carl-Hauptmann-Haus" in Mittel­schrei­ber­hau, eingetragen im Grundbuch von Schreiberhau Band I Blatt 19 Garten, ein mit der Massgabe, daß die Provinz berechtigt ist, es auf den Schlesien-Verlag Eschen­ha­gen & Co. in Breslau zu übertragen. Sie bewilligt und beantragt die Ein­tra­gung die­ses Vorkaufsrechtes im Grundbuch.

Der Einheitswert des Grundstückes beträgt 25. 8000, --RM (Einheitswert­be­scheid vom 1. 11. 1935).

§ 2

Die Erbengemeinschaft übereignet der Provinz den gesamten archivalischen Nach­lass des Dichters Carl Hauptmann. (3, Bl. 93)

Soweit sich dieser Nachlass im Besitz der Erbengemeinschaft befand, ist er der Provinz - wie er steht und liegt - übergeben worden, soweit er sich zur Zeit des Ver­tragsabschlusses im Besitz Dritter befindet, tritt die Erbengemeinschaft der Pro­vinz den ihr zustehenden Herausgeberanspruch gemäss § 931 BGB. ab. Die Er­ben­gemein­schaft verpflichtet sich, der Provinz jede mögliche Unterstützung zur Si­cher­stellung und Erlangung der noch im Besitz der Erbin nach Frau Martha Haupt­mann geb. Thie­­nemann befindlichen archivalischen Nachlassgegenstände zu gewäh­ren.

§ 3

Die Erbengemeinschaft überlässt der Provinz das im 2. Stockwerk des Carl-Haupt­mann-Hauses gelegene frühere Arbeitszimmer des Dichters mit allem Inven­tar so­wie die nur durch dieses Arbeitszimmer zugängliche kleine Bodenkammer unent­gelt­lich als Leihgabe zum Zwecke der Förderung des Andenkens an den Dichter. Diesem Zweck entsprechend ist die Provinz befugt, das Arbeitszimmer laufend der kunstinteressierten Allgemeinheit zugänglich zu machen. Erforderlichenfalls er­folgt hierüber eine Sondervereinbarung zwischen den Parteien.

Die Erbengemeinschaft übernimmt die Betreuung des Arbeitszimmers in dem ge­dach­ten Sinne und die Sorge für seine Instandhaltung. Die ihr dadurch ent­ste­hen­­den baren Auslagen werden ihr durch die Provinz erstattet. Ersatzansprüche der Er­ben­gemeinschaft gegen die Provinz wegen solcher Veränderungen oder Ver­schlech­te­run­gen des Arbeitszimmers und des Invernatrs, die auf mangelhafte Bet­reu­ung oder Unterhaltung zurückzuführen sind, sind ausgeschlossen.

Die Leihe endigt, wenn die Provinz die Löschung des gemäss § 1 des Vertrages bestellten Vorkaufsrechtes im Grundbuch bewilligt. Eine Kündigung ist nur zuläs­sig für den Fall, daß die Provinz einen vertragswidrigen Gebrauch von der Leih­ga­be macht.

Soweit das im Arbeitszimmer des Dichters befindliche Inventar im Eigentum der Erbin nach Frau Martha Hauptmann geb. Thienemann steht, wird als selbst­ver­ständlich angenommen, daß diese es zur Förderung des Andenkens an den Dichter nach Massgabe der vorstehenden Vereinbarungen gleichfalls der Provinz überlässt.

§ 4

Frau Maria Hauptmann verpflichtet sich, den archivalischen Nachlass des Dich­ters Carl Hauptmann, auch soweit er sich zur (4, Bl. 93) Zeit des Abschlusses die­ses Ver­trages im Besitz Dritter befindet, nach Weisungen der Provinz oder einer von die­ser da­zu ermächtigten Stelle zu erschliessen. Über die Zulässigkeit der Wei­sungen ent­scheidet im streitigen Einzelfall das Kuratorium (vergl. § 8 des Ver­tra­ges).

Der archivalische Nachlass, der sich in Händen der Erbengemeinschaft befand, ist der Frau Maria Hauptmann zum Zecke der Erschliessung von der Provinz über­geben worden.

Frau Maria Hauptmann ist verpflichtet, diese in ihrem Besitz befindlichen und die später gegebenenfalls in ihren Besitz gelangenden archivalischen Nachlass­ge­gen­stände im Bedarfsfalle auf Verlangen innerhalb des Hauses an die Provinz oder eine von ihr ermächtigte Stelle herauszugeben; die Geltendmachung eines Zurück­be­haltungsrechtes ist ausgeschlossen.

Frau Maria Hauptmann ist berechtigt, im Rahmen der Bearbeitung des archi­va­li­schen Nachlasses Dritte zur Einsicht und Mitarbeit heranzuziehen; Kosten dürfen der Provinz dadurch nicht erwachsen.

Die Tätigkeit von Frau Maria Hauptmann gemäss Abs. 1 wird bis zum 31. De­zem­­ber 1959 befristet. Sie kann im gegenseitigen Einvernehmen unter den glei­chen Bedingungen auch über diesen Zeitpunkt hinaus verlängert werden.

§ 5

Für die Erschliessung des archivalischen Nachlasses gemäss § 4 des Vertrages zahlt die Provinz an Frau Maria Hauptmann ein Entgelt von monatlich 200,--RM (i.B. Zwei­hun­dert Reichsmark), beginnend am 1. Januar 1945.

Die Zahlungspflicht der Provinz endigt, wenn die Tätigkeit von Frau Maria Haupt­­mann aufhört.

Ebenso endigt die Zahlungspflicht der Provinz, wenn die Arbeitsleistung der Frau Maria Hauptmann hinter dem üblicher Weise zu erwartenden Mass - nicht nur zeitweilig und unverschuldet - augenfällig zurückbleibt; Frau Maria Haupt­mann ist in diesem Falle berechtigt, ihre Tätigkeit gemäss § 4 des Vertrages ganz einzustellen. Abweichend davon kann im gegenseitigen Einvernehmen das Ar­beits­verhältnis auch bei Minderung der Arbeitsleistung gegen entsprechende Kür­zung des Entgeltes fortgesetzt werden.

(5, Bl. 94)

§ 6

Als Gegenleistung für die Übereignung des archivalischen Nachlasses gemäß § 2 des Vertrages zahlt die Provinz an Frau Maria Hauptmann eine lebenslängliche Ren­­te im Betrage von monatlich 100,--RM (i.B. Einhundert Reichsmark), begin­nend am 1. Januar 1945.

Stirbt Frau Maria Hauptmann vor Ablauf des Jahres 1964, so ist die Rente an Fräulein Monona Glückel Hauptmann oder, falls diese vor ihrer Mutter stirbt, an die Erben nach Frau Maria Hauptmann bis zum 31. Dezember 1961 weiterzu­zah­len. Wenn Fräulein Monona Glückel Hauptmann nach ihrer Mutter, aber noch vor Ab­lauf des Jahres 1964 stirbt, dann ist die Rente bis zum 31. Dezember 1964 an die Erben nach Frau Monona Glückel Hauptmann weiterzuzahlen.

Mit dieser Rentenleistung ist zugleich die Bestellung des Vorkaufsrechtes ge­mäss § 1 des Vertrages abgegolten.

§ 7

Wegen der Ansprüche der Erbengemeinschaft aus den Erträgen des literari­schen Wer­kes und Nachlasses des Dichters Carl Hauptmann verbleibt es bei den Ab­ma­chun­gen, die in dem Vertrage Hauptmann/Paul List-Verlag getroffen worden sind. Eine Änderung des Vertrages Hauptmann/Paul List-Verlag zum Nachteil die­ser An­sprüche ist ausgeschlossen.

§ 8

Es ist beabsichtigt, ein Kuratorium zu gründen, dem die Überwachung des Carl Haupt­­mann Archivs und die Erhaltung des früheren Arbeitszimmers des Dichters un­terstehen. Diesem Kuratorium sollen neben den von der Provinz entsandten Ver­tre­tern angehören:

1)      Herr Dr. Will-Erich Peuckert, wohnhaft in Haasel über Jauer,

2)      Herr Geheimrat Dr. Ponfick, wohnhaft in Berlin-Zehlendorf und Ober­schrei­ber­hau,

3)      Herr Dr. Ischreyt, wohnhaft in Posen, Mühlenstr. 4 W 5.

§ 9

Ergänzungen und Abänderungen dieses Vertrages bedürfen unbeschadet etwa ge­setz­lich vorgeschriebener Formen der Schriftform.

(6, Bl. 94)

§ 10

Dieser Vertrag tritt mit der Unterzeichnung in Kraft. Seine Rechtswirksamkeit hängt jedoch von der ministeriellen Bestätigung gemäss § 119 Ziffer 5 der Provin­zial­ord­nung für die Östlichen Provinzen vom 26. 6. 1875 in der Fassung des Ge­set­zes vom 22. 3. 1881 ab.

§ 11

Die Kosten der Durchführung dieses Vertrages übernimmt die Provinz.

Die Vertragsschliessenden beantragen, diese Verhandlung je einmal für jeden Ver­trags­teil, sowie einmal für das Grundbuchamt in Hermsdorf (Kynast) aus­zu­fer­ti­gen.

Vorstehende Verhandlung wurde den Erscheinenden laut vorgelesen, von ihnen ge­nehmigt und wie folgt eigenhändig unterschrieben:

Maria Hauptmann Monona Hauptmann
geb. Rohne

 

Hans Dos

Geschlossen:

(LS.) Dr. Ewald Graeger

Landeskämmerer

als Urkundsbeamter

Vorstehende Verhandlung wird hiermit zum ersten Mal ausgefertigt und diese Aus­­­fer­tigung der Frau Maria Hauptmann geb. Rohne aus Mittel-Schreiberhau er­teilt.

Breslau, den 15. November 1944

(Unleserliche Unterschrift)

Landeskämmerer als Urkundsbeamter



[1] Schreiben Ponficks an Maria Hauptmann vom 21. 3. 1938. (Universitätsbibliothek Wroc­³aw, weiter zitiert als UBW. Handschriftenabteilung. Akc 1991/47 Mappe 38). Die "Un­ter­voll­macht" stammt vom 21. März 1936. Ebenda.

[2] Vgl. den Brief Ponficks an Maria Hauptmann vom 12. 3. 36 Ebenda. Vgl. auch Anhang 1.

[3]  "Bitte, stossen Sie sich nicht an gewissen Dingen, wie etwa den Passus über Herrn Roh­kam un die Trachten, sondern betrachten Sie die Sache als rein geschäftlich". (Schreiben Pon­ficks an Maria Hauptmann vom 14. 4. 1936. UBW. Handschriftenabteilung. Akc 1991/47 Mappe 38).

[4] Brief Ponficks an Maria Hauptmann vom 14. 4. 1936. Ebenda.

[5] Brief Ponficks an Maria Hauptmann vom 16. 6. 36. Ebenda.

[6] Schreiben Ponficks an Maria Hauptmann vom 16. 8. 1937. Ebenda.

[7] Bundesarchiv. Berlin-Lichterfelde. RV/37, Bl. 61.

[8] Vermerk von Andreas Pampuch vom 7. Juni 1941 an Landeshauptmann, Prof. Dr. Bart­hel, Seifert: Dienstfahrt nach Oberschreiberhau am 5. 6. 41. Rücksprache mit Herrn Ins­pek­tor Rohkam. (Archiwum Państwowe we Wrocławiu, weiter zit. als APWrocław. Wy­dział Sa­mo­rządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 27.)

[9] "Ich schlage vor, diesen Dichtern und Schriftstellern den Förderungsbetrag nicht in Bar­geld auszuhändigen, sondern ihnen Gelegenheit zu geben, in der schlesischen Heimat et­wa ein halbes Jahr ohne Sorgen in dem Landschaftsgebiet zu arbeiten, das ihnen Heimat ist, aus dem er (!) sein Werk zu gestalten gedenkt. Es kann also durchaus sein, daß ein ober­schlesischer Dichter Gelegenheit erhält in Gemeinschaft mit anderen Kumpels im In­du­striegebiet Aufenthalt nimmt, während ein landschaftlich gebundener Dichter in das Rie­sengebirge oder in die anderen Berge Schlesiens gesandt werden kann. Hier ergäbe sich für das Carl-Hauptmann-Haus in Oberschreiberhau (sic!) eine besondere Aufgabe. Wenn in absehbarer Zeit möglich ist, dieses Haus als Haus des schlesischen Schrifttums zu er­wer­ben, könnte es als Erholungs- und Arbeitsheim aller schlesischen Schriftsteller un­schätz­baren Dienst erweisen". AP Wroc³aw. Wydzia³ Samorz±dowy Prowincji ¦l±skiej. Nie­der­schlesischer Literaturpreis 1370, Bl. 37. Diese Stelle wurde auch von Konrad Ga­jek in sei­nem Aufsatz, August Scholtis und der Schlesische Literaturpreis 1938. Aus den Ak­ten des ehem. Schlesischen Provinzialverbandes in Breslau. Mit Textanhang. In: Mit­tei­lungen des Beuthener Geschichts- und Museumsvereins. Bd. 50. Dortmund 1992, S. 141. Erwähnen möchte ich auch, daß Konrad Gajek "die nicht uninteressante Korres­pon­denz" über die Ver­handlungen zum Carl-Hauptmann-Haus (ebenda, S. 141, Fußnote 5) zum Gegenstand eines späteren Beitrags machen wollte. Der vorliegende Beitrag ist als Auf­nahme der durch den Breslauer Germanisten Konrad Gajek (1934-1999) geäußerten An­regung zu versteh­en.

[10] Dafür sah Schulz 10 220 RM vor.: "Es wäre jedoch hierbei allerdings zu beachten, daß die unter 1) angegebene Summe von RM 10 220 seitens des Unterhaltsträgers nur dann über­nommen zu werden braucht, wenn alle Schriftsteller, die während eines Jahres in dem Karl Hauptmann-Haus weilen, auf Kosten des Unterhaltsträgers dort leben, eine Tat­sa­che, die praktisch nie in Frage kommen wird, da, wie besprochen, ja die einzelnen Gaue bezw. Oberbürgermeister sowieso den Verpflegungssatz für die aus ihrem Bereich stam­men­den Schriftsteller übernehmen sollen. Hierbei ist noch völlig davon abgesehen, daß zweifellos so mancher deutscher Schriftsteller gern auf eigne Kosten einige Wochen in diesem Hause verleben wird". (Schreiben des RPA Schlesien vom 1. Jini 1939 an den Landeshauptmann z.d. Hd. Herrn Landesrat Kate, APWroc³aw. Wydzia³ Samorz±dowy Prowincji ¦l±skiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 1. )

[11] Vermerk und Entwurf des Schreibens des Landeshauptmanns vom 6. 9. 1939 an das RPA Schlesien. Ebenda, Bl. 4.

[12] Auszugsweise Abschrift aus der Niederschrift betreffend Sitzung im Oberpräsidium am 4. Juli 1940. Ebenda, Bl. 5.

[13] Schreiben Bachmanns, Krakau 13. 8. 1940 an den 1. Landesrat Kate. Ebenda, Bl. 8.

[14] Schreiben Ponficks an Maria Hauptmann vom 26. 9. 1940. Universitätsbibliothek Wroc³aw. Hand­schriftenabteilung. Nachlaß Carl Hauptmann. Akc 1991/47 Mappe 38.

[15] Brief Ponficks an Maria Hauptmann vom 26. 9. 1940. Ebenda.

[16] "Seitens der Erben der verstorbenen Dichter wird versucht, das Haus anderweitig zu ver­wer­ten. Falls der Trachtenverein jetzt mit seinen Verpflichtungen in Verzug geraten sollte, wäre das für die Erben der erwünschte Anlass, das Mietsverhältnis mit sofortiger Wir­kung zu lösen." (Schreiben des Oberpräsidenten der Provinzialverwaltung Nieder­schle­sien an den Oberpräsidenten der Regierung vom 30. 9. 1940. APWroc³aw. Wydzia³ Sa­mo­rz±dowy Pro­wincji ¦l±skiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 11.) Mit den Erben kon­nte hier nur Maria Hauptmann, die zweite Ehefrau des Dichters gedacht sein, gegen die Roh­kam sei­nen Kampf zu führen versuchte.

[17] Schreiben von Prof. Hahm (Staatliche Museen. Staatliches Museum für Deutsche Volks­kun­de. Berlin) vom 27. 9. 1940. (UBW. Handschriftenabteilung. Akc 1991/47 Mappe 38).

[18] Auszugsweise Abschrift für die Akten Carl Hauptmann-Haus aus dem Vermerk über die Dienst­reise nach Schreiberhau am 13. 12. 40 gemeinsam mit dem Provinzialkonservator Dr. Grundmann und dem Kulturdezernenten des Oberpräsidiums, Regierungsrat Dr. Ehr­li­cher. Breslau, 16. Dezember 1940. Gez. Dr. Pfützenreiter. APWroc³aw. Wydzia³ Samo­rz±­dowy Prowincji ¦l±skiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 6. Über die Morgenstern-Stif­tung ist mir nichts bekannt. Ich weiß nur, daß sie Aufenthalte im Riesengebirge auch für Literaten finanzierte. So war im Jahre 1938 oder 1939 Hans Niekrawietz Gast dieser Stif­tung. "Ich kenne die Gegend etwas und gedenke mit Wehmut der Tage, die ich auf Ein­­ladung der Morgenstern-Stiftung in Obersteinseiffen verbringen konnte. Der Horizont wet­terleuchtete damals schon, aber der Krieg konnte noch einmal verhindert werden. Wie glück­lich waren wir kleinen Leute darüber im Morgensternheim: der Name dieser Erho­lungs­stätte gewann fast etwas Symbolisches. Aber der `Stern` ist untergegangen und mit ihm jene Zeit, die uns noch in Illusionen eingelullt hatte und uns noch den letzten Glau­ben beließ an ein höheres Verantwortungsbewusstsein der Mächtigen dieser Welt." (Brief von Hans Niekrawietz an Gerhart Pohl, Obernigk, den 10. September 1944. Staats­bib­lio­thek Preußischer Kulturbesitz Berlin. Handschriftenabteilung. Nachlass Gerhart Pohl).

[19] "Hans Christoph Kaergel. Hain i./Rsgb. Haus Hockewanzel, den 4. 2. 41. Meine sehr ver­ehrte, liebe Frau Hauptmann! Wie recht ich mit meiner Berechnung hatte und wie be­rech­tigt meine BItte war, mögen Sie daraus ersehen, daß ich heute vom Reichspro­pa­gandaamt Schlesien einen ersten Briegf erhielt, der folgenden Wortlaut hat: `Lieber Pg. Kaergel! In einer Rücksprache, die ich kürzlich mit Hauptschriftleiter Goebel hatte, deutete er mir an, daß hinsichtlich des Nachlasses von Carl Hauptmann, Wilh. Bölsche und Hermann Stehr Bestrebungen im Gange sein sollen, die zur Folge haben könnten, daß wertvolles Gut aus­­einander gerissen und dem Orte seines Wirkens verloren gehen könnte. Ich wäre Ihnen dank­­bar, wenn Sie mirbaldmöglichst eingehend helfen könnten und mir mitteilen, wie es um die Dinge steht. Ausserdem wäre mir eine Darstellung der Verhältnisse um das Carl Haupt­mann-Haus in Schreiberhau sehr von Nutzen. Heil Hitler! Dr. Fischer Sie sehen, man muss die Dinge an sich herankommen lassen. Morgen werde ich den Brief gründlich beantworten. Dies nur für heut. Mit aufrichtigen Grüssen und HH! Ihr Hans Christoph Ka­er­gel". (UBW. Handschriftenabteilung. Akc 1991/47 Mappe 38).

[20] "Der Herr Gauleiter und Oberpräsident wird nach Mitteilung des Propagand. Minist. in Kür­­ze unser Haus besuchen. Für die Berücksichtigung seiner Wünsche haben wir noch ei­nen Be­trag aus der Beihilfe zur Verfügung". Schreiben von Heinrich Rohkam vom 25. 3. 1941 an den Oberpräsidenten (Verwaltung des Schlesischen Provinzialverbandes). AP­Wroc­ław. Wy­dział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 16a.

[21] Vermerk des Landeshauptmanns vom 18. 4. 1941: "Ministerialrat Dr. Zeller hat angeru­fen und den Wunsch des Gauleiters übermittelt, daß ich wegen Ankauf des Carl Haupt­manns Hau­ses in Schreiberhau die Verbindungen mit der Witwe aufnehmen soll. (Rück­spra­che mit Herrn Prof. Grundmann; Anruf: Bürgermeister in Schreiberhau). Ebenda, Bl. 17.

[22] Die hier zitierte Befürchtung Ponficks ist eine Interpretation einer Äusserung Oltmanns an Ponfick: "Betreffend Hauptmann-Haus höre ich von keiner Seite etwas. Um endlich aus der letzten Verantwortung herauszukommen, werde ich am 1. März unter diesen Um­stän­den mit der Auflösung und der Herrichtung der Rückgabe beginnen." (Brief Ponficks an Maria Haupt­mann vom 11. 2. 1941. UBW. Handschriftenabteilung. Akc 1991/47 Mappe 38).

[23] Auszugsweise Abschrfift aus dem Vermerk vom 20. August 1941 betr. Besuch Dr. Peuckert am 20. 8. 1941. APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Haupt­mann-Haus. 1386, Bl. 29.

[24] Schreiben von Heinrich Rohkam an den Landesrat Dr. Pampuch. Oberschreiberhau 24. 9. 1941. Ebenda, Bl. 38.

[25] "Sehr geehrter Herr Doktor, leider hat sich in der Zeit, in der ich in Oberschlesien, bezw. zur Tagung der Reichsschrifttumsstelle der Hitlerjugend in Wien war, der Herr Bürger­meis­ter von Schreiberhau in die Besprechung der von uns erörterten Fragen eingeschaltet. Frau Maria Hauptmann hat daraufhin den ganzen Fragenkomplex mit Herrn Geh. Rat Dr. Pon­fick, Rechtsanwalt am Kammergericht, Berlin-Charlottenburg II, Fasanenstr. 77 durch­ge­spro­chen, so daß er unmittelbar meinen Händen entglitten ist. Stets gern zu Diensten bin ich mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung und HH! Ihr ergebener W.-E. Peuckert". (Schreiben Peuckerts an den Landesrat Dr. Pampuch vom 5. 11. 1941. Ebenda, Bl. 41.)

[26] Die Deutungen Carl Hauptmanns, die Peuckert in prominenten Zeitschriften der mit­tle­ren 30er Jahre veröffentlichte, zielten auf eine Einbindung des Hauptmannschen Werkes in das Magma der literaturtheoretischen Vorstellungen des Dritten Reiches und waren auch als die Verteidigung der eigenen Positionen Peuckerts, dem 1935 die Venia legendi ent­zo­gen wur­den, zu verstehen, die der Volkskundler angeblich in seiner Volkskunde des Pro­le­ta­riats (1929) vertrat. In seinem Aufsatz Carl Hauptmanns soziale Dichtung (Zeit­schrift für Deut­sche Bildung. Hrsg. Von Ulrich Peters, Wilhelm Poethen, Karl Vietor. Jg. 11. 1935, S. 300-307) stellte er in Bezug auf Mathilde Carl Hauptmanns folgendes fest: "Der so­ziale Roman, nach dem wir suchen - er wurde vor über dreißig Jahren schon ge­schrie­ben". (Zit. S. 301).

[27] APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 38.

[28] "Sehr geehrter Herr Doktor, leider hat sich in der Zeit, in der ich in Oberschlesien, bezw. zur Tagung der Reichsschrifttumsstelle der Hitlerjugend in Wien war....". Schreiben Peuckerts an den Landesrat Dr. Pampuch vom 5. 11. 1941. Ebenda, Bl. 41.

[29] Während eines Telephongespräches mit Pampuch am 25. 9. 1941 fragte Peuckert nach der Möglichkeit, eine Fahrt nach Oberschlesien mit Unterstützung des Landeshauptmanns durchzuführen. (Ebenda, Bl. 39) Es ging um die Vorbereitung der zweiten Fassung seines Buches "Schwarzer Adler unterm Silbermond". Pampuch begrüsste sehr diese Initiative Peuckerts und schrieb seinerseits an Dr. Förster von der Kulturabteilung in Kattowitz. (Eben­da, Bl. 39). An den Herrn Oberpräsidenten (Verwaltung des Schlesischen Provin­zial­­verban­des) - Verwaltungsbereich Oberschlesien - z. Hd. v. Herrn Landes­verwal­tungs­rat Dr. För­ster. in Kattowitz Emmastrasse 12. Betr: Dr. Peuckert "Schwarzer Adler unterm Sil­ber­mond". Dr. Peuckert, der Verfasser des bekannten Buches "Schwarzer Adler unterm Sil­bermond" hat sich an mich mit der Bitte gewandt, die Durchführung einer Oberschle­sien­fahrt zu unterstützen. Er hat vom Verlag den Auftrag bekommen, eine Neuauflage die­ses Buches vorzubereiten, und möchte die Stellen, in denen Oberschlesien z. T. einseitig be­han­delt wird, sachgemäss überarbeiten. Er will sich zu diesem Zweck mit den einzelnen Sachbearbeitern in Oberschlesien in Verbindung setzen und sich das Land ansehen, um in seiner Darstellung den Tatsachen entsprechend, die oberschlesischen Fra­gen zu behan­deln. Er bat ausserdem um eine finanzielle Beihilfe zur Durchführung der Fahrt. Ich habe Herrn Dr. Peuckert mitgeteilt, daß ich die Überarbeitung dieses Buches aus­serordentlich begrüsse, ihn aber bitte, sich mit der Provinzilaverwaltung in Kattowitz, Herrn Dr. Förs­ter, in Verbindung zu setzen.

Ich bitte, Herrn Dr. Peuckert bei seiner Arbeit in Oberschlesien zu beraten und wenn möglich, auch geldlich zu unterstützen. (Ebenda, Bl. 39r).

[30] Schreiben Pampuchs an Will-Erich Peuckert vom 25. 2. 1942. (Ebenda, Bl. 56 r). Vgl. auch die Antwort Peuckerts an Pampuch vom 28. 2. 1942: "Ganz besonders aber, sehr verehrter Herr Dr. Pampuch, möchte ich Ihnen für den zweiten Teil Ihrer Nachriicht dan­ken. Ich weiß es wohl, daß wenn Sie nicht an der Frage so freunlich Anteil genommen hät­ten, meine BItte kaum ein so günstiges Ohr beim Herrn Landeshauptmann gefunden ha­ben würde. Sie haben mir einen großen Gefallen erweisen, für den ich Ihnen nicht ge­nug zu danken vermag. Ich hoffe, daß wenn der erste Teil meines neuen Romans so weit sein wird, daß er vorzeigbar ist, - was in etwa acht Wochen der Fall sein soll, - ich Ihnen als einen kleinen Beweis mei­ner Ergebenheit ein Stück überreichen darf. Bis dahin und bis auf Schreiberhau bin ich mit HH! Ihr dankbar ergebener W. - E. Peuckert". (Ebenda, Bl. 57).

[31] "Wegen des `kleinen Hauses´macht mich Herr Oltmanns übrigens darauf aufmerksam, daß Sie eine allzu lange Überlassung des `kleinen Hauses´ an Herrn P. , jedenfalls zu den jetzigen Bedingungen, nicht vornehmen sollten. Für Sie wäre aus diesem durchaus mehr herauszuholen. Schon jetzt hole Herr P. durch die Untermietung wesentlich mehr heraus, als er Ihnen zahle. In Zukunft, insbesondere nach Übernahme des `grossen Hauses´durch die Gemeinde, müse die Überlassung mindestens die Verpflichtung von Herrn P. ent­hal­ten, sämtliche Steuern, Lasten, Versicherungen usw. noch darüber hinaus zu tragen." (Brief Ponficks an Maria Hauptmann vom 16. 8. 1937. UBW. Handschriftenabteilung. Akc 1991/47 Mappe 38).

[32] APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 44.

[33] "Ich bin mit dem Standpunkt, den Sie in Ihrem Schreiben vom 20. 10. 41 einnehmen, voll einverstanden und freue mich, daß Sie dieselbe Taktik bei dem Erwerb des Hauses ein­­schlagen, die ich auch wünsche. Ich lege Wert darauf, daß wir das Haus ganz für uns er­werben und nicht jahrelange Belastungen übernehmen." Schreiben an den Kreisleiter Stum­pe vom 10. 12. 1941 (Ebenda, Bl. 47r)

[34] "Unter diesen Umständen kann ein einfacher Verkauf an eine noch so willkommene drit­te Stelle, insbesondere in den heutigen unsicheren Zeiten, nicht ohne weiteres durchge­führt werden" (Schreiben Dr. Ponficks an den Landeshauptmann Adams vom 12. 1. 1942. Eben­da, Bl. 49r).

[35] Schreiben an den Bürgermeister Heinze vom 9. 10. 1941. (APWrocław. Wydział Samo­rządowy Prowincji Śląskiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 44) und Schreiben an den Landeshauptmann Adams vom 12. 1. 1942, (Ebenda, Bl. 49r.)

[36] "Zum Vorgang. Das Gutachten von Dr. Gruhn hat Herr Landeshauptmann an sich ge­nom­men, um es dem Gauleiter vorzutragen. Er wird ihm auch den Vorschlag machen, von der Provinz aus im Herbst anlässlich des 80. Geburtstages eine Ausstellung durch­zuführen." (Vermerk Pampuchs vom 23. 3. 1942. Ebenda, Bl. 58r).

[37] Vermerk Pampuchs vom 17. 3. 1942. Ebenda, Bl. 60r.

[38] Schreiben Peuckerts an Dr. Pampuch vom 26. 3. 1942: "Inzwischen habe ich mit Frau Haupt­­mann auch die Verlagsfragen erörtert und ich denke, daß ich Ihnen in dieser Be­zieh­­ung angenehme Ergebnisse mitteilen kann. Ich denke, daß Sie zu mindest den gan­zen Neunten mitsamt seinem Abend Zeit haben, damit ich das Diesbezügliche Ihnen vortragen kann". (Ebenda, Bl. 62). Da Pampuch auch nach Schreiberhau nicht fahren wol­lte oder kon­­nte, berichtete ihm Peuckert über die Editionsprojekte folgendes: "Über die Ereignisse in Schreiberhau werden Sie inzwischen durch Herrn Dr. Pechel (sic!) auch im Bilde sein. Es wird uns möglich sein, als erstes aus dem Nachlaß herauszuarbeitendes li­te­rarisches Werk `Die Tagebücher´ Carl Hauptmanns druckfertig zu machen. Sie wissen ja, welche Bedeutung der frühere Band `Aus meinem Tagebuch´ hatte; wenn wir nun in zwei oder drei Bänden dieses `Auswahlbuch´durch das vollständige Tagebuch ersetzen kön­nen, des­sen erster druckfähiger Band zugleich ein Heimatbuch Schreiberhaus werden kann, dann tre­ten wir m. E. sehr schön und bedeutsam die Arbeit an. Wir hatten dann wei­ter vor, Carl Hauptmanns `Ismael Friedmann´, die erste große Auseinandersetzung mit dem Juden­prob­lem, in seiner ursprünglichen Fassung zu drucken, die viele - unter dem Druck der dama­li­gen Verhältnisse herausgenommene - weitere Kapitel enthielt. Über das Ein­zelne, auch über die Art und Weise der Publikation, werden wir uns freilich vorher noch einmal un­ter­halten müssen. (Schreiben W.-E. Peuckerts an Dr. Pampuch vom 30. 4. 1942. Ebenda, Bl. 64).

[39] 1941 erschienen darin zwei Bücher deutlich wissenschaftlichen Charakters, nämlich An­dreas Pampuch, Heimkehr der Bessarabiendeutschen. Breslau 2 1941 und Hans Här­tel, Länd­­liche Baukultur am Rande der Mittelsudeten als Beitrag zur Landesbaupflege in Schle­sien. Breslau 2 1941. Die Produktion der schöngeistigen Werke sowie der teueren Bildbände beginnt eindeutig erst ab 1942, so daß man auch vermuten darf, der eigentliche literarische und kulturhistorische Schlesien-Verlag wirkte erst ab 1942. Ein anderes Bei­spiel eines teu­er­en Bildbandes ist auch die Publikation: Die schlesische Landschaft. Zehn­fach interes­santes Land. 165 Meisteraufnahmen von Karl Franz Klose. Mit Worten von Arnold Ulitz, Ernst Schen­ke, Stefan Sturm, Hans Niekrawietz. Breslau 1942. (Großoktav, 249 SS.)

[40] Niekrawietz war am Schlesien-Verlag seit dem 1. Dezember 1941 tätig. (Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde. RSK Personalakte Hans Niekrawietz).

[41] Ein anderes Buch aus dieser Reihe war Robert Hohlbaum, Die Königsparade. Breslau 1942. 1943 erschien dort auch Osteuropa-Institut Breslau. Jahrbuch 1942. (Zugleich als Fest­schrift zum 25jährigen Bestehen der Einrichtung). Die Veröffentlichung des Buches von Paul Habraschka, Die Front vor den Kohlen. Erzählungen eines Bergmanns. Breslau 1944 kann wohl auf die Bekanntschaft des oberschlesischen Bergmann-Dichters mit Nie­krawietz zurückgeführt werden.

[42] "Ich habe mein bisschen schriftstellerischen Erfolg in den schweren Jahren nicht in Schle­sien gewonnen und habe nach wie vor keinerlei Ambitionen als erster und grösster Hei­mat­dichter daselbst ausgerufen zu werden. Ob der Psalter, der mir in ein paar gnä­digen Monaten des Jahres 1936 damals zuwuchs, Bestand hat, wird sich ja zeigen. Die Provinz jedenfalls hat es mir nicht gedankt - und trotzdem hat heute das Büchlein eine Auf­lage, derzufolge ich eigentlich das Anrecht hätte, den stanietzschen Grössenwahn zu über­bie­ten." (Brief Friedrich Bischoffs an Gerhart Pohl, Berlin 3. 6. 1943. Staats­biblio­thek Preußi­scher Kulturbesitz. Nachlaß Gerhart Pohl.)

[43] "Ich hatte Gelegenheit, der Aufführung von Carl Hauptmanns Märchen `Die armseligen Besenbinder´ in Görlitz beizuwohnen. Es würde hier nicht angebracht sein, auf dieses Stück einzugehen. Ich möchte mich aber doch sehr gern gelegentlich einmal mit Ihnen un­ter­halten. In diesem Zusammenhange bitte ich Sie um Angabe, ob die Schriften von Carl Hauptmann an irgendeinen Verlag festgelegt sind, ob Sie besondere Wünsche haben, oder ob es möglich wäre, daß unser Schlesien-Verlag die Herausgabe vornehmen könnte. Ich wäre Ihnen für eine baldige Benachrichtigung sehr dankbar." (Schreiben von Dr. Pam­puch an W.-E. Peuckert vom 18. Mai 1942. APWrocław. Wydział Samorządowy Prowincji Śląs­kiej. Carl-Hauptmann-Haus. 1386, Bl. 69)

[44] Schreiben W.-E. Peuckerts an den LVR Pampuch vom 23. 5. 1942. Ebenda, Bl. 70.

[45] "Seit dem 1. 6. bin ich eingezogen und mache meine Arbeit bei der Propaganda-Ersatz-Abteilung in Potsdam. Ich hatte Gelegenheit, Ihr Buch zu lesen und freue mich über die flüssige und tiefe Darstellung. Einer meiner Facharbeiter hat ein treffendes Urteil über Ihr Buch gesagt: `Am Schlusse fragt man, wann kommt der 2. Band heraus´. Ich würde mich freuen, wenn die Angelegenheit mit der Hofer-Werbung klappen würde, damit Sie aus der eigenen Anbschauung an die weitere Arbeit herangehen können. Die Angelegenheit Karl-Hauptmann-Haus hat Herr Dr. Schultz, der mich in Breslau vertritt, in der Hand." (Schrei­ben Pampuchs, Breslau, den 20. Juni 1942 an Will Erich Peuckert. Ebenda, Bl. 74).

[46] Brief Ponficks an Landeskämerer der Provinz Schlesien vom 16. 6. 1942. Ebenda, Bl. 73.

[47] "Zu den Punkten, über die grundsätzlich völlige Übereinstimmung herrschte, die aber in den Einzelheiten späteren Besprechungen vorbehalten bleiben sollten, gehörte auch die Fra­ge der Verlagsrechte. Dabei aber sehe ich - aus Gründen, die im einzelnen hier nicht in­teressieren - in einer allzu langen Hinauszögerung einer Entscheidung recht erhebliche Schwierigkeiten." Ebenda.

[48] Schreiben des Landeskämerers (Dr. Graeger) vom 11. Juli 1942 an Dr. Ponfick. Ebenda, Bl. 75.

[49] Erstaunlich ist, woher der verhältnismässig kleine und bestimmt subventionierte Verlag so viel Kapital aufbringen sollte, um das Nebenhaus zu renovieren und dann die Bear­bei­tung des Nachlasses zu finanzieren. Es handelte sich wohl nicht nur um die Gelder des Prov­inzialverbandes, sondern auch um die des NS-Gauverlages.

[50] Schrei­ben Ponficks an den Landeshauptmann der Provinz Niederschlesien vom 8. 11. 1943. Ebenda, Bl. 85.

[51] "Die Klärung der Eigentumsverhältnisse am Carl-Hauptmann-Haus in Schreiberhau, zu­tref­fendenfalls auch die Durchführung eines dazu erforderlichen Rechtsstreits, noch wäh­rend des Krieges ist im kulturellen Interesse erwünscht und wird von der Provinz Nie­der­schlesien (Lan­des­hauptmann) befürwortet. Breslau, den 24. November 1943". Ebenda, Bl. 86.

[52] Antrag auf Genehmigung einer Dienstreise des Landeskämerers Dr. Graeger nach Ober­schrei­berhau. Ebenda, Bl. 87.

 
 
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