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Orbis Linguarum Vol. 18/2001

Werner Jung

Duisburg

Erinnerungsarbeit. Der Schriftsteller Paul Schallück

I.

Als Paul Schallück nach langer Krankheit 53jährig am 29. 3. 1976 in Köln an sei­nem Krebsleiden – gewiß aber auch an den Spätfolgen seiner Kriegsverletzungen – starb, bemerkte Heinrich Vormweg in seinem Nachruf, daß Schreiben für Schal­lück “immer zuerst und vor allem ein moralischer, ja politischer Akt” war. „War Schreiben immer bestimmt von der Absicht, etwas zu bewirken und zu verändern.” Zusammenfassend: „Er war ein Sprecher jener, denen die Vergangenheit ihrer Ge­ne­ration unbewältigt blieb bis in die Gegenwart hinein und die ihre Konsequenzen daraus zogen. Ein Moralist.” [1] Und Hans Schwab-Felisch fügt in seinem Nachruf, damit gleichsam auch das geschwundene Interesse der literarischen Öffentlichkeit in den 70er Jahren erklärend, hinzu: “Schallücks Zeit als Erzähler waren die fünf­ziger Jahre – (...). Er hat seine realistische, mit Reflexionen durchsetzte Erzähl­wei­se nie aufgegeben. Sprachliche Experimente lagen ihm fern.” [2]

Paul Schallück zählte sehr früh schon zu den ständigen Mitgliedern der Gruppe 47 (von 1952 bis 1964) [3] und teilte mit ihnen sein Literaturverständnis. In Erzäh­lun­gen, Kurzgeschichten und Romanen thematisierte er ähnlich wie viele andere maßgebliche Literaten von Böll über S. Lenz bis schließlich zu Walser die Erfah­rungen des Faschismus, des Kriegs und des fatalen Weiterwirkens bestimmter Denk­haltungen und Verhaltensmuster in der neuen Gesellschaft. Es handelte sich zweifelsohne um politische Bücher, um Zeit- und Gesellschaftsgeschichten, die aus einem tiefen moralischen Impuls heraus entstanden und zugleich auch ebenso moralisch wie aufklärerisch wirken wollten. Das erklärt ihre Bedeutung für das erste Jahrzehnt der Republik, bestärkt andererseits aber auch Schwab-Felischs Ein­schätzung für die beiden Folgejahrzehnte.

Paul Schallück, das ist die These dieses Beitrags, muß als (vergessener) Erin­ne­rungsarbeiter gesehen werden, dessen literarische Produktion ganz im Zeichen der von Heinrich Böll den Nachkriegsautoren abgeforderten Aufgabe steht, Bilder der Erinnerung zu evozieren. „Wir schrieben also”, notiert Böll in seinem berühmten “Bekenntnis zur Trümmerliteratur” von 1952, „vom Krieg, von der Heimkehr und dem, was wir im Krieg gesehen hatten und bei der Heimkehr vorfanden: von Trüm­mern; (...).” An anderer Stelle: “Es ist unsere Aufgabe, daran zu erinnern, daß der Mensch nicht nur existiert, um verwaltet zu werden – und daß die Zerstörungen in unserer Welt nicht nur äußerer Art sind und nicht so geringfügiger Natur, daß man sich anmaßen kann, sie in wenigen Jahren zu heilen.” [4] Mit jedem einzelnen seiner Texte liefert Schallück Belege für diese Böllsche Formulierung. Sein eigenes Cre­do, das gleichsam die Böllsche und insgesamt die Poetologie der frühen Gruppe 47 grundiert, hat Schallück in dem knappen Essay „Daran glaube ich” von 1959 dar­gelegt. Hier redet er einer Subjektivität und einem Individualismus das Wort, die, in gesunder Skepsis allen Ideologien gegenüber geübt, als kritischer Stachel im Fleisch der Weltanschauungen sondiert werden. Gesunder Menschenverstand und das Bekenntnis zur sokratischen Weisheit (‚Ich weiß, daß ich nichts weiß’) im­präg­nieren den Moralisten zusätzlich vor den Gefahren der Ismen und der Anfäl­ligkeit für die heideggerschen Gestalten des ‚Man’, des Geredes und Geschreibes: „Ich halte nichts mehr von dem hartnäckigen, auch mir überlieferten Dogma, daß alles zusammenpassen müsse. Der selbstherrliche Wille zur Einheit scheint mir höchst verdächtig, eine Erfindung derjenigen, die mit der Erfahrung nicht fertig werden.” Stattdessen begrüßt er „den Reichtum dieser Welt”, „die wirkliche Viel­falt.” „Mir scheint also”, resümiert er, “daß man keinen weltanschaulichen Glau­ben braucht, um leben und handeln zu können. Es muß zum Beispiel nicht erst eine rich­tige Erklärung der gesamten Welt gefunden und von vielen angenommen wer­den, ehe wir mit den Bedrängnissen unserer Tage fertig werden können. Wir brau­chen, im Alltag und gegenüber den Problemen, eine möglichst gute Erkenntnis der Lage, der Umstände, in denen wir wirken wollen.” [5]

Das ist ein aufklärerisches Schreibprogramm reinsten Wassers, worauf Schal­lück auch einmal in dem Essay „Moses Mendelssohn und die deutsche Aufklä­rung” in einer autobiographischen Nachbemerkung von 1961 ausdrücklich hinweist: „Und als ich 1946 aus der Gefangenschaft heimkehrte in ein Ruinenland und mich nach einem neuen menschlichen Leben unter humanen Bedingungen sehnte, war ich der Überzeugung, daß meine Hoffnungen sich nur unter dem Zeichen der Lessing­schen Aufklärung: in einem offenen Horizont, mit Hilfe einer aktiven Toleranz, im Glauben an die menschliche Vernunft und an eine Menschheit erfüllen lassen. Die Aufklärung selbst hatte ja nicht versagt; sie war vielleicht nur um Jahrzehnte zu früh in der menschlichen Gesellschaft erschienen; und dieser Überzeugung bin ich noch heute.” [6] Toleranz, Vernunft und Aufklärung lauten die Stichworte– so aus­drücklich haben sich nach dem Krieg nur wenige Schriftsteller im westlichen Teil unseres Landes auf die Traditionen des 18. Jahrhunderts berufen.

Dieser explizite Anschluß an die Aufklärung unterstreicht ein weiteres Mal die politisch-moralische Tiefenschicht seines Schreibens. Schallücks Texte sind einer heteronom bestimmten Ästhetik verpflichtet: sie wollen auf den Leser wirken, ihn aufrütteln, überzeugen, möchten Wahrheiten vermitteln. Keine Welt des schönen Scheins, sondern eine durch Reflexion und Erinnerungsarbeit bewältigte erste Wirk­lichkeit soll dabei vor den Augen des Lesers entstehen. Etwas, das sich auf keinem anderen denn literarisch-künstlerischem Wege darstellen läßt, um hier Adorno zu paraphrasieren, freilich auf eine– Adorno geradezu entgegengesetzte und einem Realismustheoretiker wie Lukács eher verbundene– traditionell reali­stische Art, d.h. in einer klar konturierten Erzählung und auf psychologisch stets nachvollziehbare Weise.

Hinzu kommt noch ein weiteres Moment: Schallücks autobiographischer Hin­ter­grund, den er nicht nur selbst anläßlich eines „Nachrufs zu Lebzeiten” für seine Texte reklamiert hat, sondern der darüber hinaus in einer ganzen Reihe von Erzähl­texten ausgeleuchtet worden ist. Schallück deutet sein Schreiben aus dem Motiv des Verwundetseins – und dieses in wörtlichem Sinne wie in übertragener Bedeu­tung. „Zeit seines Lebens”, schreibt Schallück über Schallück, „war er gefährdet. Er war ein Verwundeter von Anfang an.” [7] Das beginnt im Elternhaus, in der Er­fah­rung des Außenseitertums, denn Schallücks Mutter war eine Russin, die der Vater aus der Gefangenschaft nach dem I. Weltkrieg ins westfälische Warendorf mit zurückbrachte. Sie war und blieb die Fremde, „etwas Exotisches”, das man “für vieles schuldig” sprach, „was ‚man’ sich nicht sofort erklären konnte: (...). ‚Man’ verdächtigte sie oft, ‚man’ beschuldigte sie des bösen Blicks, ‚man’ miß­traute ihr grundsätzlich, ‚man’ verletzte sie, den Mann und die Kinder unwillent­lich und bewußt mit Blicken, Gesten, Aus-dem-Wege-gehen, Übersehen, Grobhei­ten, Ins-Ohr-Flüstern, während sie danebenstand.” [8] Schallück nimmt diese Stigma­tisierung an, übernimmt, wie er weiter schreibt, „die erwartete Rolle des Außen­sei­ters.” [9] Die nächste Blessur, die ihn in corpore trifft und für sein weiteres Leben bis in den Tod zeichnen wird, ist eine schwere Verletzung, die ihm Résistance-Kämp­fer in Paris zufügen. Wieder genesen, sind es eben diese Verwundungen, die ihn nach dem Krieg und nach einem Studium der Germanistik, Philosophie, Geschich­te und Theaterwissenschaften schließlich als Autor anhaltend beschäftigen: „Aber was immer nach dem Krieg, als er sich für’s Schreiben entschieden hatte, an Ro­manen und Erzählungen, auch an Hörspielen oder Essays geschrieben und veröf­fentlicht hat [sic!] – unter anderem, (...), sind es immer auch Berichte über Ver­wun­dungen, Zeugnisse von der Verwundbarkeit, von der körperlichen und geistig-seelischen Verletzbarkeit des Menschen.” [10] Es ist vermutlich diese doppelte Be­troffenheit, die den Schriftsteller Paul Schallück inspiriert hat: Außenseiter und zugleich Verwundeter zu sein! Beides trägt zu jener Fremdheit bei, in der der So­ziologe und Philosoph Georg Simmel die Voraussetzung für eine schärfere, eine vorurteilslosere Erkenntnis gesellschaftlicher Beziehungen und Zusammenhänge entdeckte. Der Fremde, so Simmel, schaut genauer hin, denn er ist weder durch‚Gewöhnung’ noch durch‚Pietät’ dem Gegebenen und vorgefundenen Verhält­nissen verbunden. Seine Kritik ist unerbittlich, radikal und grundsätzlich. Und nichts wird ausgelassen.

Gegen Ende seines Lebens hat Schallück noch einmal alle kritischen Register gezogen in einem schmalen Lyrik-Bändchen, das einen Rundumschlag gegen das Wirtschaftswunderland BRD, gegen faulen Quietismus und sattes Wohlstandsden­ken gestartet hat. Thematisch dem jungen Enzensberger verwandt, ohne dessen dialektische Schärfe freilich zu erreichen, sind die Schallückschen Gedichte auf die aufklärerische Moral und Politik vereidigt und schon deshalb zutiefst‚politisch inkorrekt’:

Wir sehen die Welt in rosigem Licht

in diesem Land

in dem Brillen-Tragen Gebot ist

damit das Leben erscheint wie es ist

angenehm und bequem und behaglich

selig die Armen im Geiste

sie säen nicht sie ernten nicht

und ihre Konten wachsen beständig

über die Köpfe der Kopflosen

in diesem Land

in dem das Unglück

nur die Sünder verfolgt

(...) [11]

Das Bändchen ist Zusammenfassung und Abschluß eines Lebenswerks, eine konkrete Warnung vor demjenigen, was Schallück in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Nelly-Sachs-Preises der Stadt Dortmund den “Einschüchterungs­terror in der Bundesrepublik” genannt hat. [12] 1974, als es erschienen ist, steht es jedoch vereinzelt da in einer literarischen Landschaft, die nach den Erfahrungen von 1968 nun die neue Subjektivität und Innerlichkeit pflegt und deshalb mit Nicht­beachtung reagiert. 1974 ist ein Jahr anhaltender Gesinnungsschnüffelei und der Berufsverbote – aber wirklich interessieren tut sich kaum jemand dafür, ebenso­wenig wie für die Revolution in Portugal oder für das Schicksal der politisch Ver­folgten in Chile und anderswo. Deutschland (West) wird vielmehr zum zweiten Male Fußballweltmeister, diesmal im eignen Land, und eine Anthologie wie die aus dem Hanser-Verlag “Netzer kam aus der Tiefe des Raumes” (womit nichts Despektierliches über diese hervorragende Sammlung gesagt sei) sorgt für hohe Verkaufszahlen und ein kleineres juristisches Scharmützel ob der auf dem Um­schlag abgebildeten Fußballschuhe: Adidas oder Puma? Da muß ein Autor wie Schallück aus dem Rahmen und der Reihe fallen, wenn er als störrischer “Zeitkri­tiker und Zeitbefrager” für literarisch-politische Verbindlichkeit optiert: ein “Spe­zialist des Gewissens, der zur Selbstbefragung anstiftet, um den Traum von einer besseren Wirklichkeit einzulösen.” [13]

II.

Schallücks literarisches Oeuvre im engeren Sinne ist recht schmal: fünf Romane, etliche Erzählungen und Hörspiele, Essays und Aufsätze. Daneben jedoch existiert ein kaum übersehbares journalistisches Schaffen, das Schallück u.a. in seiner Tä­tig­keit für die Wochenzeitung des DGB, “Welt der Arbeit”, hinterlassen hat. [14] Der überwiegende Teil der Erzähltexte ist in den frühen 50er Jahren in rascher Folge entstanden und publiziert worden: die Romane “Wenn man aufhören könnte zu lügen” (1951), “Ankunft null Uhr zwölf” (1953), “Die unsichtbare Pforte” (1954) und die Erzählung “Weiße Fahnen im April” (1955). 1959 erscheint Schallücks wichtigster Roman “Engelbert Reineke”, ein oft besprochener Text, der auch ins Französische, Italienische, Russische, Polnische, Tschechische und Ungarische übersetzt worden ist; in den 60er Jahren dann wird mit dem Erzählband “Lakrizza und andere Erzählungen” 1966 die Taschenbuchreihe Signal-Bücherei im Baden-Badener Signal-Verlag eröffnet, und 1967 veröffentlicht er den humoristischen, von der Kritik arg abgestraften Roman “Don Quichotte in Köln”. An größeren Ar­beiten wird danach nur noch 1974 ein Gedichtband verlegt und postum die Erzäh­lung “Dein Bier und mein Bier” sowie eine darauf bezügliche Briefauswahl, die sich auf Schal­lücks mißliche Wohnsituation in den letzten Monaten seines Lebens beziehen.

Paul Schallück ist ein Autor der 50er Jahre – daran hat auch die mit geringem Erfolg veranstaltete Werkausgabe im Kölner Braun-Verlag nichts geändert -, ein Autor des Kahlschlags und Neuanfangs im Zeichen eines (psychologischen) Re­alis­mus, der, wie es Malte Dahrendorf ausgedrückt hat, um das “Irren und Suchen, immer wieder Zurückschrecken vor der Wahrheit, feige Ausweichen und letztend­lich dennoch Hinfinden zu einer Wahrheit, die sich nirgends bezeugt als im Innern selber” kreist. [15] Zu Recht – allerdings nur en passant – weist Dahrendorf in diesem Zusammenhang auch auf das Prinzip von Schallücks Romanen hin, “durch Erinne­rung Vergangenes gegenwärtig zu machen.” [16] Denn die Erinnerung – vielmehr: der Zwang zur Erinnerung – ist es, was die Protagonisten leiden läßt, ihnen aber auch wieder Erkenntnisse vermittelt. Sie ist die offene Wunde, die die Geschichte, Faschismus und Krieg, geschlagen hat und die Schallücks Helden unausgesetzt bearbeiten müssen – nämlich: wiederholen. Dabei zeigt sich in der Abfolge der Texte auch eine wachsende Komplexität, die mit dem gewachsenen historischen Abstand auf jeden Fall gestiegen ist und ihre höchste Dichte schließlich in “Engel­bert Reineke” erfährt, in jenem Roman, der in dem für die deutsche Literatur so geschichtsträchtigen Jahr 1959 neben Grass’“Blechtrommel”, Johnsons“Mutmas­sungen über Jakob” und Bölls“Billard um halbzehn” erscheint.

“Wenn man aufhören könnte zu lügen”, Schallücks erster Roman, ist, wie der Verfasser des KLG-Artikels zu Schallück, Fred Viebahn, bemerkt hat, “die Ge­schich­te einer verlorenen Generation, für die es keine moralischen Wahrheiten mehr gibt, nur Trieb, Trug und Enttäuschung. Die Sehnsucht nach Mitmensch­lich­keit ist übermächtig da, doch wie kann sich nach ihrer radikalen Zertrümmerung Mitmenschlichkeit wieder entwickeln?” [17] Alle Werte sind korrumpiert, ja perver­tiert worden durch die jüngste Geschichte, deren Opfer gerade die Jungen sind. Deren Geschichte erzählt Schallück anhand von unterschiedlichen Charakteren: von dem im Krieg verwundeten Philologiestudenten Thomas und seiner Freundin Maria, die, um über die Runden zu kommen, sich prostituiert, von Thomas’ Zim­mer­genossen Albert und der kommunistischen Studentin Renate sowie von der jungen, am Ende sich im Wahnsinn einspinnenden Frau Carla. Sie alle tragen die Bürde der Vergangenheit, die auf ihnen zentnerschwer lastet und die die sensible­ren wie Thomas “leer” und “müde” zurückläßt. (vgl. Wenn man aufhören könnte zu lügen, S. 198) “Hinter dem Staub der unablässigen Betätigungen verbargen sie die Kälte ihres Bewußtseins” (a.a.O. S. 201), heißt es an einer Stelle über die sich entfremdende Beziehung zwischen Thomas und Maria, was aber insgesamt als Lebenshaltung hochgerechnet werden kann und den Körperpanzer zeigt, den sich die jungen Protagonisten im Grunde aus Angst vor tieferen Verletzungen zugelegt haben. “Sie liegt, er sitzt, und beide schweigen. Sie blicken und denken aneinander vorbei.” (a.a.O. S. 259) In einem Gespräch zwischen Thomas und Albert gegen Ende des Buches redet Thomas von drei Möglichkeiten, die der ‚lost generation’ bleiben: “Kollektiv, Wahnsinn, Selbstmord.” (a.a.O. S. 229) Das Kollektiv – sei es das der kommunistischen Partei, die Geborgenheit und damit Sicherheit suggeriert, oder sei es dasjenige der Oberfläche, des heideggerschen ‚Man’– ist die übliche Form, sein Leben auszuhalten, der Wahnsinn und der Selbstmord sind die radika­le­ren Varianten, um dem Leiden am Leben zu begegnen. Maria hat sich umgebracht, Thomas beschließt, ihr zu folgen:“Keine Heimat mehr im Fleich. Den Versuchun­gen des Kollektivs widerstanden, summa cum laude.” (a.a.O. S. 265) Am Ende schreckt er, im Bewußtsein seines eigenen Atems, dennoch vor dieser letzten Mög­lichkeit zurück.

Während der erste Roman und auch der zweite, “Ankunft null Uhr zwölf”, “der keine Hauptfigur kennt” [18] , in der Gegenwart angesiedelt sind und auf die aktuellen Blessuren, Beziehungsängste und – allgemein – Verwundungen der Akteure hin­weist, gräbt der dritte Roman, “Die unsichtbare Pforte”, schon tiefer in der Geschichte, zeigt u.a. in der Figur einer Jüdin, die in einer psychiatrischen Anstalt als fortlebendes Menetekel an die faschistischen Greuel erinnert, daß und wie die jüngere Geschichte weiterwirkt. Ulrich Bürger – der Name ist sprechend – ist ein Durchschnittsbürger, 33jährig, Buchhändler, jedoch schwer tablettensüchtig. Zwei­mal hat er sich bereits in einer Heil- und Pflegeanstalt aufgehalten, ist aber immer wieder rückfällig geworden und hat sich auf verschiedenen illegalen Wegen mit Medikamenten versorgt. Bürger ist verlobt, plant zu heiraten und steht unmittelbar vor einem Urlaub; doch seine Sucht ist stärker, er verpaßt den Termin auf dem Bahnhof und irrt nun ziellos– getrieben von seiner Sucht– durch die Stadt. Dabei besucht er einige Ärzte und auch zwei ehemalige Freundinnen. Der Roman endet wieder vor der Pforte der Klinik, in die er sich jetzt freiwillig begibt.

Man hätte diese Geschichte eines Suchtkranken nur oberflächlich gelesen, wür­de man sie einzig auf diesen Suchtaspekt reduzieren. Denn Schallück hat in die Ge­schichte des kranken Bürger nicht nur einige weitere Figuren mit ihren Schick­salen, so den jüdischen Arzt Simon Blum mit seinen stets vor Schreck geweiteten Augen über die Vergangenheit (vgl. Unsichtbare Pforte, S. 193) oder die schon erwähnte Kranke aus der Anstalt, hineinverwoben, sondern versucht in Andeutun­gen auch, auf die Kontinuität in der deutschen (Unheils-)Geschichte hinzuweisen. Das beginnt mit solchen Kleinigkeiten wie den Hinweisen auf die fatale Ähnlich­keit zwischen den neuen Wohnblocks der 50er Jahre und den langen Gängen einer Kaserne (vgl. a.a.O. S. 162), die Ulrich Bürger ebenso bemerkt wie die von Bom­ben aufgerissenen Fenster (a.a.O. S. 13), um mit Erinnerungen an den Krieg, in dem er selbst verletzt worden und sein Bruder Clemens in Rußland verschollen und sicher umgekommen ist, zu enden. Die Sucht erscheint so insgesamt als Seda­tiv, als verzweifelte Möglichkeit, sich den unverarbeiteten Erinnerungsfetzen zu entziehen – um den Preis der Selbstzerstörung allerdings. Er möchte, heißt es ver­schiedentlich, aus seiner Haut herauskommen (a.a.O. S. 29, 240), und nach der Ein­nahme der Medikamente fühlt er, wie“der Stein im Innern erweichte, zerbröselte, (sich auflöste).” (a.a.O. S. 130) Das ist ganz sinnlich und konkret gemeint– der schmerzende Druck, der sich allmählich verzieht -, zugleich aber auch bildlich, denn Bürger flüchtet aus Unfähigkeit, sich der Vergangenheit zu stellen und die Erinnerungen zuzulassen, in die alles abdämpfende Betäubung durch Tabletten– in eine allgemeine Gefühllosigkeit und die Verantwortungslosigkeit des Süchtigen.

Das Ende ist offen. Ob Bürger letztendlich von seiner Sucht befreit werden kann und geheilt wird, steht dahin. Die Geschichte jedoch vergessen zu machen, also zu verdrängen, das funktioniert nicht. Denn die Toten lassen sich, wie es an einer zentralen Stelle von Schallücks folgendem Roman “Engelbert Reineke” heißt, kein weiteres Mal töten. (vgl. Engelbert Reineke, S. 156) Dieser Text ist sicherlich auch Schallücks bedeutendste Prosaarbeit und zugleich auf komplexe Art und Weise arrangiert. Aber zugleich zeigt sich darin Schallücks erzählerische Begrenztheit. [19]

Beherrschendes Thema ist die Frage nach dem Erinnern und Vergessen, nach dem Vergessen-Wollen und Nicht-Können. Held des Buches ist der junge Studien­assessor Engelbert Reineke, der an die Schule seines Vaters, Dr. Leopold Reineke, genannt Beileibenicht, versetzt wird. Es ist die hohe Zeit des deutschen Wirt­schafts­wunders, der 50er Jahre mit ihrem ungebrochenen Fortschrittspathos und der dunk­­len Kehrseite, an die im Grunde niemand rühren möchte, einer unverarbeiteten Ver­gangenheit. Man – das bekanntlich immer ‚alle’ sind – will voran und nicht an die zurückliegende Geschichte erinnert werden:“Einmal muß doch Schluß sein.” (a.a.O. S. 89) Und:“Wir müssen schließlich alle vergessen lernen, nicht wahr, das Leben geht weiter.” (a.a.O. S. 34) So lauten Kernsätze aus dem flachen Fundus des Alltagsbewußtseins der Deutschen in den 50er Jahren. Und sie werden Engelbert Reineke immer wieder vorgehalten. Auch er fühlt sich hin- und hergerissen zwi­schen Erinnerung und Vergessen, möchte wie die anderen auch einfach bloß vor­anleben und wird doch ständig von den Erinnerungen an die Vergangenheit einge­holt und gequält.

Der dunkle Punkt nämlich der Geschichte, der allmählich im Verlauf des Ro­mans herausgearbeitet wird aus den “Stollen” des Vergessens (vgl. a.a.O. S. 86ff.), ist die Verhaftung Beileibenichts, bei der mit Ausnahme des Mädchens Hildegard, Engelberts Verlobter, ebenso Wolfgang Sondermann, der neue Nazi-Schulleiter, sein Bruder Paul und der glühende Hitlerjunge Siegfried, Wolfgang Sondermanns einziger Sohn, auf unterschiedliche Weise beteiligt waren. Beileibenicht wird ins KZ verschleppt, wo er, wie sein Sohn von einem Überlebenden erfährt, an den Fol­gen fortgesetzter Torturen stirbt. Doch daran möchte nach dem Krieg eben nie­mand mehr erinnert werden, weshalb Engelbert auch auf die anderen wie ein wandelndes “Fragezeichen” wirkt: “Ich erkenne an den Blicken”, offenbart er seiner Tante Lu­ise, “mit denen sie mich fassen oder nur streifen, daß sie sich durch mich be­fragt fühlen; nicht durch ein Wort von mir, nein, einfach dadurch, daß ich noch lebe und es wage, in dieser Stadt zu leben.” (a.a.O. S. 64) Bei einem Treffen im Hause der Sondermanns kommt es schlußendlich zum Eklat, zum Eingeständnis der Schuld. Doch im Grunde, so hat es zunächst den Anschein, hilft das nichts in einer histo­ri­schen Situation, da‚man’ sich arrangiert hat, die Bewußtseinsparalyse soweit fort­geschritten ist, daß‚man’ außer dem Anwachsen der Konten und dem Beobachten des allgemeinen Wohlstands, einem neuen Wir-Gefühl (‚wir sind wieder wer’), nur noch argwöhnische Blick für die Nestbeschmutzer übrig hat– oder wie immer sie heißen mögen die Underdogs: Nonkonformisten, Existentialisten, von den Kom­mu­nisten gänzlich zu schweigen.

“Bekenntnisse eines Nestbeschmutzers” (so der Titel einer postum herausge­ge­benen Sammlung Schallückscher Erzählungen) enthält auch der Roman “Engelbert Reineke”, der anhand der Figur des Junglehrers auf die fatale historische Dialektik aufmerksam macht. Denn Engelbert ist als Sohn und Betroffener gezwungen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, sich im Namen seines Vaters zu erin­nern, doch im Grunde genommen damit allen anderen nur lästig zu fallen. Deshalb schwankt er zwischen Resignation – er steht vor der Kündigung und möchte in einer Fabrik neu beginnen – und Trotz. Zum Schluß überwiegt, genährt zusätzlich durch die Hoffnung auf eine neue, jüngere Kollegengeneration, die mit den Alten aufräumen möchte, der Trotz, setzt sich der Gedanke an die Notwendigkeit der Erinnerungsarbeit durch. Die bürgerliche Saturiertheit ist längst nicht alles, ja die­se Gedanken an “einen neuen Mantel und ein neues Kleid und Kaffeekränzchen und das Getuschel dabei und jedes Jahr einmal Schützenfest und jedes Jahr einmal Karneval und einmal in der Woche das im Bett und Kinderkriegen ---” (a.a.O. S. 169) – sie sind geradezu trügerisch. Das wirkliche Leben, das “ganze lebendige Leben” (a.a.O. S. 170), ist anders und anderswo. Notwendige Voraussetzungen da­zu, um es führen zu können, sind Authentizität, Wahrhaftigkeit, moralische Inte­gri­tät. Und hier beweist dann Engelbert das Erbe seines Vaters, der seinem Sohn ein­mal auf den Weg gegeben hat kurz vor der Verhaftung: “Einer muß dasein, ganz, ungeteilt und sichtbar, ohne Vorbehalt und Täuschung, einer muß den Jungen wenigstens zeigen, wenn er es schon nicht sagen kann, was wahr und was falsch ist.” (a.a.O. S. 165) [20]

Engelbert setzt diese Haltung fort, freilich unter veränder­ten historischen Be­dingungen und als skeptisch Geläuterter gegenüber allen soge­nannten Weltan­schauun­gen (unter Einschluß der Religion). An einer Stelle legt Engelbert sein intellektuelles Credo, sein Selbstverständnis, dar – und wir erinnern uns wieder an Schallücks ähnlichlautende Bemerkungen im Essay “Daran glaube ich”: “ich war (...) dem Kommunismus nahe gewesen, nicht der politischen Doktrin und Heilslehre, eher den urchristlichen Beständen der kommunistischen Weltauf­fas­sung; das war verweht, denn wir erkannten, daß auch auf diesem Wege die Schmerzen des Körpers und der Wahrheitssuche, das Leid der Unvollendbarkeit, der entsetzlichen Einsamkeit aller Liebenden und des alles zerstörenden Todes nicht aus der Welt zu schieben waren; danach hatte ich versucht, nicht mehr zu fragen, nicht mehr zu suchen – es ist mir nicht ganz gelungen -, aber es kann mir nun auch nicht mehr glücken, das Unvereinbare im Postulat von der abendländi­schen Har­mo­nie zu vereinen; ich blieb also stehen vor den vielen unverbundnen Dingen und Gedanken, vor der Unvereinbarkeit meiner Erkenntnisse von Leben und Sterben, ohne mich lähmen zu lassen in meinen täglichen Aufgaben; im Ge­gen­teil, erst jetzt, da ich keine Kraft mehr verschwendete im Forschen nach den letzten Dingen, konnte ich sie in meine alltägliche Arbeit hineingeben. Und ich hoffe, daß ich den Mut nicht verliere, vor dem Unvereinbaren auszuharren.” (a.a.O. S. 139f.)

Was Engelbert Reineke hier äußert, sind Ansichten und Bekenntnisse eines Unangepaßten, eines nonkonformistischen jungen Intellektuellen, eines Bruders vieler Böllscher Helden oder auch von Walsers Berthold Klaff aus den “Ehen in Philippsburg” (1957). Wo dieser jedoch resignierte angesichts der unheilvollen Kontinuität in der deutschen Geschichte, der politischen großen Koalition aller Demokraten (und gewesenen Nazis) und daher nur aus dem Leben scheiden kann, da hält Engelbert Reineke auf der Linie des rigorosen Böllschen Moralismus ein Plädoyer für die “Erinnerung” als “Aufgabe” [21] , womit Schallück sich dezidiert in die Reihe jener Autoren stellt, die, wie es Jochen Vogt ausgedrückt hat, “Erinne­rungs- und Trauerarbeit stellvertretend für eine Gesellschaft (leistet), die solche Arbeit in ihrer Mehrheit und ihren repräsentativen Institutionen abgewehrt hat.” [22] Die Gefahr der Überforderung mag sich da leicht einstellen– und im Falle des“Engelbert Reineke” ist sie heute vielleicht leichter erkennbar als unter den (Re­zeptions-)Bedingungen der späten 50er und frühen 60er Jahre: Schallück will zu­viel; er möchte nicht nur eine Geschichte erzählen, Haltungen (intellektuelle und praktische) sowie richtiges und falsches Verhalten verdeutlichen, das geistige Kli­ma (bis in den angedeuteten Existentialismus als Grundhaltung bei vielen jüngeren hinein) greifbar machen, in Rückblenden die Zeitebenen miteinander verschalten, um so Konstellationen zu bezeichnen, sondern zugleich auch wieder darüber re­flektieren, was einen Roman ergibt, bei dem die Handlung durch die Maschen der vielen Dialoge und inneren Monologe verschwindet und die (lebenden) Hauptfigu­ren überaus blaß bleiben, nämlich ausschließlich Parole.

Dennoch ist der Roman “Engelbert Reineke” ein beeindruckendes Beispiel für die Literatur der 50er Jahre und ein bemerkenswertes mentalitätsgeschichtliches Zeugnis. Unvergessen bleibt eine kleine Episode vom Anfang des Romans, die freilich als ein Leitmotiv verstanden werden muß [23] , wo Engelbert die goldene Ta­schenuhr seines Vaters zum Geschenk erhält. Diese Uhr, die nicht läuft, ist ein Bild stillgestellter Zeit – Mahnung und Warnung vor der Unheilsgeschichte, An­sporn zur fortgesetzten Erinnerungsarbeit: “Dann ging ich wieder zum Fenster und hielt die goldene Uhr, in der die Zeit aufgebahrt lag und sich nicht zu erkennen gab, an das Ohr. Die tote Zeit gab keinen Laut. Ich schüttelte sie. Der Sekunden­zeiger kehrte nicht ins Leben zurück. Ich schüttelte heftiger mit leicht aufkommen­der Wut schließlich: nichts bewegte sich, die Zeit lief nicht weiter. Und dann be­rührte ich wieder das Rädchen, zwischen Daumen und Zeigefinger, sanft und zärt­lich. Und ich fühlte, wie mir ein Schweißtropfen in die Braue rann. Und ich sah schon fast die unsichtbare Vogelstraße, auf der zu mir herabtrieb, was damals war und heute, in der gestorbenen Zeit, noch immer war und auch morgen noch sein würde, und ich wußte, daß es gleichgültig war, ob ich die Uhr aufzog oder nicht.” (a.a.O. S. 20)

Noch in einer Reihe von Erzählungen und Kurzgeschichten, darunter “Weiße Fahnen im April” (1955), hat Schallück Stationen seiner Biographie, seine russi­sche Herkunft, die Kriegsverletzung, überhaupt Kriegserfahrungen und die Situ­ation auch der Übergangszeit thematisiert. Dabei gelingen ihm immer dann ein­drucks­vol­le Texte, wenn er sich handlungsökonomische Beschränkungen aufer­legt. Seit den 60er Jahren wendet sich Schallück neben den zahllosen Hörspielen auch in sei­ner Prosaproduktion der Situation in der Bundesrepublik zu; es entstehen Alltagsge­schich­ten über Liebe, Ehe und Sexualität ebenso wie Prosaminiaturen, in denen treffsicher Aspekte der Wohlstands- und Überflußgesellschaft (Werbung, Konsum) aufgezeichnet werden (vgl. die Texte aus“Bekenntnisse eines Nestbeschmutzers”).

Für Schallück, der seine politische Einschätzung der alten BRD in dem Essay “Deutschland – Gestern und heute” (frz. 1965, dt. 1969) bündig artikuliert hat, bedeutet 1945 die Stunde Null, seit der es eine gewisse Kontinuität und Stabilität der Verhältnisse gibt. Darin liegt eine ungeheure Chance, aber auch wieder die Gefahr des Quietismus, eines apolitischen Rückzugs, wie er ihn in der Ohne-Mich-Bewegung, erklärlich gewiß aus dem “Schock des verdrängten schlechten Gewis­sens” [24] , zu erkennen glaubt. Daher strahlt die Nachkriegsentwicklung in einem etwas zwielichtigen Glanz: einerseits und zu Recht das Bedürfnis nach Partizipa­tion am allgemeinen Wohlstand und Reichtum – “Prosperität”, so Schallück, “war jedenfalls das einzig ernsthafte Erlebnis nach 1945” [25] -, auf der anderen Seite der Rückzug ins Private und nur Private – “keine Zeit für öffentliche Angelegen­hei­ten”, “keine Zeit für sozialistische Ideen” [26] -, weshalb am Ende der ebenso politi­sche wie kulturkritische Protest der Studenten die zwangsläufige Notwendigkeit gewesen sei.

Was Schallück hier – im übrigen z. T. durchaus humorvoll – essayistisch por­trätiert, hat er versucht erzählerisch umzumünzen in dem Roman “Don Quichotte in Köln” (1967), dem ambitionierten Unternehmen eines satirisch-komischen Zeit- und Gesellschaftsroman über die bundesdeutschen Verhältnisse der 60er Jahre, angesiedelt in Köln rund um zwei Figuren aus dem journalistischen Milieu (Varia­tionen von Tünnes und Schäl) mitten im Karneval. Es mag gewiß an der Art des humoristischen Stils liegen, der es mit ganz wenigen Ausnahmen in der deutschen Literatur seit jeher schwer gehabt hat – noch ein solches Meisterwerk wie A. V. Thelens“Insel des zweiten Gesichts” (1953), immerhin 1954 mit dem Fontane­preis ausgezeichnet, ist von den Repräsentanten der jungen deutschen Literatur arg abgestraft worden -, daß Schallücks Pikaro-Roman sich weder bei der Kritik noch beim Publikum hat durchsetzen können. Man mag vielleicht auch das unglückliche Erscheinungsdatum des Roman nach der ersten Rezession und unmittelbar vor den Studentenunruhen für den‚Flop’ verantwortlich machen mit dem Hinweis, daß den einen die Kritik an der bundesdeutschen Gesellschaft nicht weit genug gegangen und darüber hinaus von Einzelgängern und Käuzen geäußert worden ist, während die anderen mit dem Humor nichts haben anfangen können oder ihn gar am Muster von Grass’ Blechtrommel gemessen haben. Jedenfalls ist Schallück mit seinem Roman‚durchgefallen’, was ihn, der dieses Buch für sein ehrgeizigstes Projekt gehalten hat, überaus hart getroffen hat.

Schriftsteller sind nicht die schlechtesten Leser ihrer Texte, ganz gewiß aber auch nicht die besten, weshalb man sich nie auf Selbstaussagen und Interpretatio­nen verlassen sollte. Daher geht es zwar auch um die Verwundungen und Gefähr­dungen im Werk Paul Schallücks, wie er es in seinem Nachruf zu Lebzeiten for­mu­liert hat, genauer noch aber um die Fähigkeit des Erinnerns, um eine Auseinan­dersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte. Das ist sein Thema, dazu be­herrscht er auch die erzählerischen Mittel. Wenn er sich hiervon ab- und der aktu­ellen Gegenwart zuwendet, dann verheddert er sich in der Beliebigkeit, was nicht recht passen will zur didaktisch-moralischen Zwecksetzung seiner Poetologie. Er bleibt eben ein Schriftsteller der 50er Jahre– bis zum Schluß.

III.

Auch das Bild des Literaturpreisträgers Schallück unterstreicht erneut die Ein­schät­zung, daß dieser Schriftsteller ein Autor aus der Frühzeit der Gruppe 47 ist. 1955 erhält er auf Empfehlung der beiden Germanisten von Wiese und Heselhaus, die entscheidend bei der Preisvergabe des westfälischen Literaturpreises gutachterlich mitgewirkt haben, den Droste-Preis, gemeinsam mit dem (heute beinahe vergesse­nen) Walter Vollmer. In der Begründung wird ausdrücklich der lokale Bezug des Schallückschen Werkes hervorgehoben: “Durch Paul Schallücks Werk hat die west­fälische Landschaft in der deutschen Nachkriegsliteratur wieder eine kräftige Stimme erhalten, die sich durch realistischen Zugriff, unbestechliche Kritik an den Zeitumständen und die Gestaltung gleichnisstarker Bilder und Gestalten auszeich­net. Das Gesamtwerk verrät eine starke dichterische Persönlichkeit, die noch zu reiferen Leistungen berufen erscheint. Durch die Verleihung des Preises soll zum Ausdruck gebracht werden, daß Anlaß besteht, den weiteren Weg des jungen Autoren mit besonderer Aufmerksamkeit zu verfolgen.” [27] Hier soll also ein junger Autor ausgezeichnet werden, dem man einen kritisch-realistischen Blick auf die Zeitverhältnisse attestiert, der vor allem aber ein sogenannter ‚Heimatdichter’ ist, was dann zu einem kleinen Pressescharmützel geführt hat. Schallück reagiert mit einem Leserbrief, in dem er klarstellt, daß er zwar Westfale, keinesfalls aber ein Heimatdichter sei: “Ich bin also laut Herkunft und Bekenntnis westfälischer Schrift­steller. Da ich mich nicht zu den Heimatdichtern rechnen darf – (...) -, kann ich nur wiederholen, daß sich der westfälische Dichter nicht schon dadurch legitimiert, daß er Westfale, sondern allein dadurch, daß er ein möglichst guter Dichter ist.” [28]

Es hat dann eine Reihe von Jahren gebraucht, bis dem (schon nicht mehr so jungen) Autoren Paul Schallück 1962 der Literaturpreis der Stadt Hagen – und zwar zum ersten Mal und gemeinsam mit dem Lyriker Ernst Meister – zugespro­chen wird. Wiederum ist Benno von Wiese mitbeteiligt, denn er führt den Vorsitz im Preisgericht. In einer lokalen Zeitschrift heißt es dazu: “In zwei Tagen, am 27. und 28. April, traten neun westfälische Künstler, die sich alle bereits einen Namen erwarben: Ernst Meister, Paul Schallück, Erwin Sylvanus, Johannes Poethen, Josef Reding, Horst Bingel, Heinrich Ost, Albert Scholl und Werner Warsinsky vor die Öffentlichkeit, um jeder etwa zwanzig Minuten aus seinem Werk zu lesen. – Den besten Auftakt, den man sich dazu denken konnte, gab das Referat von Professor Benno von Wiese: “Der Dichter und die moderne Gesellschaft”. Nach einem groß­entworfenen Bilde des Dichters, der einerseits Seher, Menschheitsführer, anderer­seits aber Vagant und Spieler sein kann, gipfelte der Vortrag in der Feststellung, daß die Massengesellschaft unserer Tage gerade jenen künstlerischen Menschen mit dem besonderen Schicksal, den Außenseiter, den Einzelgänger nötig habe, da­mit “die Spannung zur Zukunft” nicht aufhöre. (...) – Die Jury beschloß nach er­folgter Autorenlesung auf Grund reiflicher Überlegung, den Preis von 5.000,- DM, entgegen der ursprünglichen Absicht, zu teilen. Er wurde in einer Feierstunde vor geladenen Gästen im Karl-Ernst-Osthaus-Museum von Oberbürgermeister Turck an Ernst Meister und Paul Schallück verliehen.” [29] Und wieder ist es der regionale Aspekt, der für die Preisvergabe von entscheidender Bedeutung ist, wird der West­fale Schallück geehrt.

1973 schließlich erhält Schallück den renommierten Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund, dessen siebter Preisträger er ist. Dieser mit 10.000 DM dotierte Preis wird Schallück für sein gesamtes literarisches Schaffen, insbesondere aber auch für den Don Quichotte-Roman verliehen. Die Urkunde vermerkt: “Seine Ro­mane, Erzählungen, Satiren, Hörspiele, Gedichte und Essays zeigen Paul Schallück als engagierten und scharfsichtigen Kritiker unserer Gesellschaft. Die Gegenwart, in der wir leben, ist sein Thema, die Gegenwart als Schnittpunkt von Vergangen­heit und Zukunft. In einer Zeit, in der die Vergangenheit nur allzugern als toter Ballast abgetan oder als Gegenstand sentimentaler Erinnerung verklärt wird, wehrt sich Paul Schallück gegen das Vergessen und Verdrängen der Erfahrung aus den Jahren des Faschismus und des Krieges, kämpft er gegen die unreflektierte Weiter­verwendung menschenfeindlicher Klischees in Sprache, Denken und Verhalten.” [30] Glückwünsche und Grüße erhält Schallück von Schriftstellerkollegen und Politi­kern, darunter Hilde Domin, Ingeborg Drewitz, Peter Härtling und etliche SPD-Größen. Willy Brandt schickt ein Telegramm: “Lieber Paul Schallück/ Sie haben der Reihe bedeutender Literaturpreise in Ihrer Hand [sic!]/ einen weiteren hinzufü­gen können/ Das ehrt den Preis wie auch seinen Träger.” [31] Deutlicher aber noch als bei den anderen Preisen zeigt sich, daß weniger das literarische Oeuvre als viel­mehr die dezidierte politische Einstellung und damit das Programm einer engagier­ten Poetik gewürdigt wird. Schon der Bezug auf ein sechs Jahre zurückliegendes Buch – dazu eines, das in der literarischen Öffentlichkeit durchgefallen ist – macht stutzig. Sieht man sich freilich die Hintergründe der Preisverleihung an, wird die Angelegenheit verständlicher. Denn zur Jury gehört u.a. der Bibliotheksleiter der Stadtbibliothek Dortmund Fritz Hüser, ein Mann, der sich zeitlebens unermüdlich für die Belange der Arbeiter­lite­ratur und -kultur, damit für eine engagierte, kriti­sche (Gegen-)Kultur eingesetzt hat. Und mit zur Jury zählt fernerhin Hugo Ernst Käufer, ein mit Schallück befreundeter Lyriker, der ebenfalls ein dezidiert politi­sches Programm mit seinen Texten verbin­det. Käufer ist es auch, der bereits im Vorfeld, 1971, bei einer Vor­auswahl, wo Ilse Aichinger, Siegfried Lenz, Jakov Lind, Josef Reding und Paul Schallück zur Dis­kussion angestanden haben, vehe­ment für Schallück eintritt. In einem für die Jury ge­schriebenen Text heißt es u.a.: “Ich rechne den Roman von Schallück [Don Quichot­te in Köln] zu den bedeuten­den literarischen Leistungen der letzten zwanzig Jahre, der es verdient hat, ausge­zeichnet zu werden. Daß sich Paul Schallück nicht nur in seinem Werk für eine auf Toleranz bedachte Völker­verständigung und für den Abbau von autoritären Struk­turen einsetzt, hat er bei vielen Gelegenheiten bewiesen, er hat u.a. entscheidend bei der Gründung der großen jüdischen Bibliothek in Köln mitgewirkt, die heute als ein Kristallisationsort des deut­schen und jüdischen Geistes an­ge­sprochen wer­den kann.” [32] Ein Satz über den Roman, dann erfolgt die Würdigung der Gesamt­persönlichkeit des Schriftstellers Schallück.

Aber darum geht es schließlich auch: man hat den Eindruck, der sich bei der Lektüre des Briefwechsels, der zahlreichen Interviews und Zeitungsartikel im Um­feld der Preisvergabe verstärkt, daß hier ein kritischer Autor, der sich weder lite­ra­risch noch politisch im Trend befindet, ausgezeichnet werden soll – reichlich spät allerdings. Die Stadt Dortmund, hat es den Anschein, möchte ein Zeichen setzen, auch ein kritisches Zeichen gegenüber einer Mehrheit innerhalb der sozialdemo­kra­tischen Partei, die immerhin für Berufsverbote und andere Einschränkungen der Demokratie verantwortlich ist (man erinnere sich dagegen an Brandts Slogan: ‚Mehr Demokratie wagen’). Geehrt werden soll ein Außenseiter des Betriebs, einer, der “mit dem linken Flügel der SPD (sympathisiert)” [33] , für den Schreiben, eigenem Bekunden nach, “gesellschaftliche Kritik und Engagement” [34] einschließt und der damit ganz auf der Linie jener von Hüser, Käufer oder Josef Reding, einem ande­ren Bekannten von Schallück, der publizistisch die Preisverleihung in einer Reihe von Artikeln begleitet und kommentiert hat [35] , favorisierten alternativen Literatur- und Kulturkonzepts liegt, wie es u.a. auch von der‚Gruppe 61’ oder dem‚Werk­kreis Literatur der Arbeitswelt’ vertreten wird.

“Ich glaube”, bemerkt Schallück gegenüber seinem Interviewpartner vom ‚Köl­ner Stadt-Anzeiger’, “daß die Literatur nach wie vor eine spezifische Chance hat. Daß Sprache nach wie vor menschliches Leben auf eine Weise sichtbar machen kann wie keine andere Äußerungsart des Menschen.” [36]

Keine letzten Worte, aber doch solche, die inmitten eines unterdessen anders orientierten Buchmarktes und Lesepublikums noch einmal bündig das Realismus­konzept der frühen Gruppe 47 auf den Punkt bringen und an die Epigonen, wie immer sie heißen mögen,‚Werkkreis Literatur der Arbeitswelt’ und ähnliches, weitervermitteln. Verhallt sind diese Bemerkungen nicht, aber anhaltend gewirkt haben sie auch nicht.


[1] Heinrich Vormweg: Ein Versuch, schreibend zu handeln. Zum Tode von Paul Schallück, in: Süddeutsche Zeitung, 2. 3. 1976.

[2] Hans Schwab-Felisch: Wenn man aufhören könnte zu lügen. Zum Tode von Paul Schal­lück, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. 3. 1976.

[3] vgl. Text und Kritik. Sonderband. Die Gruppe 47. (Hg.) Heinz Ludwig Arnold. München 1980. S. 166. Hans Werner Richter hat über die ‚Kerngruppe’ 1955 einmal folgendes be­merkt: “Natürlich hat sich durch die Jahre so etwas wie ein fester Kern ergeben... heute kann man sagen, dass neben vielen anderen Schriftstellern Wolfgang Hildesheimer, Hein­rich Böll, Günter Eich, Walter Jens, Ingeborg Bachmann, Alfred Andersch, Hans Georg Brenner, Ilse Aichinger, Siegfried Lenz, Walter Kolbenhoff, Martin Walser, Herbert Eisen­reich, Paul Schallück, Milo Dor, Adriaan Morriën den eigentlichen Kern der Gruppe 47 bilden.” (zit. nach: Konstellationen. Literatur um 1955. Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs im Schiller-Nationalmuseum Marbach am Neckar. (Hg.) Michael Davi­dis, Bernhard Fischer, Gunther Nickel, Brigitte Raitz. Marbach 1995. S. 361.)

[4] Heinrich Böll: Bekenntnis zur Trümmerliteratur (1952), zit. nach: Vom Nullpunkt zur Wende. Deutschsprachige Literatur 1945-1990. (Hg.) Hannes Krauss. Essen 1994. S. 38f.

[5] Paul Schallück: Daran glaube ich, in: Ders.: Zum Beispiel.Essays. Frankfurt/M. 1962. S. 172f.

[6] Paul Schallück: Moses Mendelssohn und die deutsche Aufklärung, in: Thilo Koch (Hg.): Porträts deutsch-jüdischer Geistesgeschichte. Köln 1961. S. 17-36, Zitat S. 34.

[7] Paul Schallück: Nachruf zu Lebzeiten, in: Vorletzte Worte. Schriftsteller schreiben ihren eigenen Nachruf. (Hg.) Karl Heinz Kramberg. Frankfurt/M., Berlin, Wien 1974. S. 115.

[8] a.a.O. S. 116.

[9] ebd.

[10] a.a.O. S. 118.

[11] Paul Schallück: In diesem Land, in: Ders.: Hierzulande und anderswo. Gedichte. Wup­per­tal 1974. S. 16.

[12] Paul Schallück: Bedrohte Meinungsfreiheit. Dankrede, in: Paul Schallück. Ansprachen und Dokumente zur Verleihung des Kulturpreises der Stadt Dortmund Nelly-Sachs-Preis am 9. Dezember 1973. Dortmund 1973. S. 23-31, Zitat S. 27.

[13] Siegfried Lenz: Laudatio, in: Paul Schallück. Ansprachen und Dokumente a.a.O. S. 13-22, Zitate S. 20.

[14] Bibliographische Angaben finden sich in dem Band: Paul Schallück. Ansprachen und Dokumente a.a.O. S. 35-62; vgl. außerdem die Bibliographie des KLG-Artikels von Fred Viebahn zu Paul Schallück (10. Nlg., Stand 1. 1. 1982)

[15] Malte Dahrendorf: Der Erzähler Paul Schallück, in: Paul Schallück: Lakrizza und andere Erzählungen. Baden-Baden 1966. S. 7-24, Zitat S. 22.

[16] a.a.O. S. 11.

[17] Fred Viebahn: Paul Schallück, in: KLG. 10. Nlg. S. 3.

[18] Paul Schallück: Nachruf zu Lebzeiten a.a.O. (Anm. 7) S. 119.

[19] Lob und Tadel des Romans waren damals in der Kritik aus Ost und West gleich verteilt. Der Rezensent für die “Frankfurter Hefte”, Roland H. Wiegenstein, sprach von engagier­ter, politischer Literatur und wollte über die “moralische Würde” keine Diskussion auf­kommen lassen, stellte aber zugleich den literarischen Rang in Frage (vgl. Roland H. Wie­genstein: Es gibt kein Ausweichen, in: Frankfurter Hefte. 1959. H. 6. S. 453). Werner Liersch lobte für die ostdeutsche “NDL” die “kritische Haltung”, die Schallück mit Böll, Weisenborn oder Koeppen verbinde, ja die “Verantwortung” des Schriftstellers Schallück (Werner Liersch: Zur Verantwortung bekennen, in: NDL. 1960. H. 1. S. 128 u. 130); in derselben Zeitschrift erkannte dagegen zwei Jahre später Hans-Joachim Bernhard in dem Aufsatz “Apologie und Kritik”, worin Paul Schallück mit Ernst Jünger (sic!) verglichen wurde (vgl. NDL. 1962. H. 4. S. 42-55), aber auch die “Grenze” von Schallücks “Gestal­tungsmethode” (53).

[20] Das ist vielleicht die mit Blick auf Schallücks moralische Haltung zentrale Stelle des Ro­mans, wie überhaupt die Haltung Beileibenichts und seine teils versteckte, teils hinterlistig vorgetragene Kritik als im Grunde vorbildliches und einzig mögliches Verhalten zu Zeiten des Terrors empfohlen wird. Schallück daraus den Vorwurf des Subjektivismus zu machen, wie dies die DDR-Kritik, insbesondere Bernhard (vgl. Anm. 19), getan hat, ist haltlos, wenn man nicht die mit gebetsmühlenhafter Penetranz vorgetragene Orientierung an den Positionen der Arbeiterklasse (sprich: der KP-Politik) übernimmt.

[21] vgl. Heinrich Böll: Das Vermächtnis (1948), in: Ders.: Werke. Romane und Erzählungen. 1. Köln 1987. S. 400.

[22] Jochen Vogt: Von der ersten zur zweiten Schuld. Modelle literarischer Faschismus­ver­arbeitung, in: Ders.: ‚Erinnerung ist unsere Aufgabe’. Über Literatur, Moral und Politik 1945-1990. Opladen 1991. S. 9-27, Zitat S. 12.

[23] Zur Bedeutung dieser Stelle vgl. auch R. C. Andrews: The German School-Story: Some Observations On Paul Schallück And Thomas Valentin, in: German Life and Letters. 23. 1969/70. S. 103-112, insbesondere S. 106.

[24] Paul Schallück: Deutschland – Gestern und heute, in: Ders. (Hg.): Deutschland. Kul­turelle Entwicklung seit 1945. München 1969. S. 5-27, Zitat S. 12.

[25] a.a.O. S. 21.

[26] a.a.O. S. 22.

[27] zit. nach: Erwin Sylvanus: Zwei westfälische Literaturpreisträger, in: Westfalenspiegel. 1955. H. 7. S. 14 – Im Historischen Archiv der Stadt Köln befindet sich der Nachlaß Paul Schallücks. Darunter sind auch etliche Konvolute, die die verschiedenen, an Schallück ver­liehenen Preise betreffen (Archiv Nr. 1258, Nr. 192-196). Den Unterlagen zum Droste-Preis liegt ein zweiseitiger maschinenschriftlicher Lebenslauf Schallücks, “Paul Schallück über sich selbst”, bei, worin es u.a. heißt: “Nach dem Kriege studierte er Philosophie (quer durch den Acker der Systeme), Germanistik (bei Prof. von Wiese und Kaisers­wald­au, wie bei Prof. Heselhaus), Kunstgeschichte, Historie und Theaterwissenschaft: in Mün­s­ter (wo er in einer Matratzengruft hauste) und in Köln (wo er zum Standesamt ging, und von wo aus er nach Paris fuhr, um recht in der Nähe seiner Verwundungsstelle, in St. Germain des Pres mit einem deutschen Mädchen kirchlich sich trauen zu lassen). P. S. lebt heute als freier Schriftsteller in Köln.” Ob freilich das Studium bei den Herren v. Wiese und Hesel­haus einen möglichen Einfluß auf die spätere Preisvergabe gehabt hat, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.

[28] Paul Schallück: Mein Verhältnis zu Westfalen, in: Westfalenspiegel. 1955. H. 7. S. 17.

[29] Inge Nolde: Der erste Literaturpreis der Stadt Hagen, in: Der Märker, Jg. 11, 1962, H. 5. S. 123.

[30] Paul Schallück. Ansprachen und Dokumente (Anm. 12) a.a.O. S. 5.

[31] zit. nach den im Historischen Archiv der Stadt Köln aufbewahrten Dokumenten des Schal­lück-Nachlasses. Unter der Signatur 195 (Archiv Nr. 1258) befindet sich die Korrespondenz im Zusammenhang mit der Preisverleihung.

[32] Unter der Signatur 196 des Schallück-Nachlasses (Archiv Nr. 1258) finden sich neben Zeitungsausschnitten auch verschiedene Dokumente die Preisvergabe betreffend, darunter auch das zitierte Typoskript von Hugo Ernst Käufer, worin dieser sein Votum für Schallück abgibt.

[33] zit. nach: Walter Müller-Bringmann: Schreiben ist Spaß und Ärger zugleich. Gespräch mit dem Nelly-Sachs-Preisträger Paul Schallück, in: Rheinische Post, 6. 12. 1973.

[34] zit. nach: Dieter Rosenkranz: Nelly-Sachs-Preisträger Schallück, in: Westfälische Rundschau, 1./2. 12. 1973.

[35] Von Reding fanden sich unter der Signatur 196 (Archiv Nr. 1258) etliche, überwiegend gleichlautende Artikel über den Preisträger Paul Schallück, u.a. „Streiter wider Lüge und Gewalt”, in: Nürnberger Nachrichten, 7. 12. 1973.

[36] Die Kölner Liberalität hat auch Tücken. Gespräch mit dem Kölner Autor Paul Schallück, (...), in: Kölner Stadt-Anzeiger, 8./9. 12. 1973.

 
 
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