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Orbis Linguarum Vol.
17/2001
Zbigniew
Światłowski
Legnica/Rzeszów
Gottfried Benn
oder furor melancholicus
Das
Wort ?Turpismus? hat der polnische Dichter Stanisław
Grochowiak um das Jahr 1960 geprägt. Er
bezeichnete mit ihm literarische Gebilde, die der Tatsache
Rechnung trugen, daß zur Wirklichkeit (der äußeren wie
der inneren) auch Häßliches oder gar Ekelerregendes
gehöre, und daß die Welt vorwiegend aus Materie besteht,
welche, der Zeit untertan, verfällt, verwest, zerbröckelt,
Form verliert, freilich auch immer wieder sich zu neuen
Formen amalgamiert. So ad infinitum, in dem blubbernden
Durcheinander des Werdens und Vergehens. Grochowiak
hat zwar den Namen, aber nicht den Turpismus selbst
als eine Blickeinstellung? seelische Gestimmtheit?
poetische Strategie erfunden. Die Antike hielt es wie
selbstverständlich mit dem Grundsatz, daß natürliche
Dinge (Verrichtungen) unmöglich häßlich sein können
(?naturalia sunt non turpia?), und auch spätere Epochen
ließen im Raum des Ästhetisches
vieles zu, was erst das bürgerliche Jahrhundert,
die Kunst im Wortsinn als schönen Schein begreifend,
mit rigoroser Schärfe tabuisiert hat.
Man
kann die Geschichte der Moderne unter diesem Gesichtspunkt
beschreiben: wie die Tabuzonen nach und nach von Künstlern
(Schriftstellern) in Beschlag genommen, wie immer mehr
?Schranken, Hemmungen,
Vorurteile, also Selektionsmechanismen? (D. Wellershoff)
außer Kraft gesetzt und neue Aufmerksamkeitsrichtungen
entwickelt werden und die Kunst (Literatur) sich anheischig
macht, von der gesamten Wirklichkeit Besitzt zu ergreifen.
Dieser Entgrenzungsvorgang hat seine Höhepunkte und
seine Heroen. Wenn Charles Baudelaire in Paris der triumphierenden
und folglich parvenühaft auf das schöne Dekor stolzen
Bourgeoisie zum Trotz das Aas zum lyrischen Objekt macht,
so signalisierte das kommende Erdbeben, die alte Kunsttempel
zum Einsturz bringen werden?
Auch
im Literarischen war Deutschland eine verspätete Nation
und selbst die sich sonst ungestüm gebärdenden Naturalisten
schreckten nicht nur vor den zügellosen Kühnheiten
eines Baudelaire, sondern auch vor dem grellen Realismus
eines Flaubert oder aber Zola zurück. Insoweit kam die
Wirkung jener Handvoll Gedichte, die der damals siebenundzwanzigjährige
Gottfried Benn, 1913 unter dem Titel ?Morgue? zusammengestellt
hat, einem Trommelschlag gleich, der aufhorchen,
viele zusammenzucken
ließ, auch Turmwächter auf die Zinnen rief, die nun
auch in Deutschland die Barbaren auf dem Vormarsch
erblickten. Man kann die heftigen Reaktionen nachvollziehen:
Schon mit diesen Texten war das äußerste Maß an ?Unverfrorenheit?
und Schockwirkung erreicht worden. Es sind Momentaufnahmen aus der
ärztlichen Praxis, (Klein)szenen aus Leichenhallen,
Prosektorien, Krankensälen, einseitig in der Blickrichtung,
obsessiv auf Chemie und Physiologie der Körpermaterie
fixiert, auch noch mit grausamem Hohn die Vorstellungen
von Herrlichkeit, Würde, Schönheit und Glücksanspruch
des Menschen zerfetzend. Keine Spur von Mitleid, eher
Haß auf den mit eisernem Gesetz sich vollziehenden Kreislauf
der Natur, der blühende Leiber in ?Klumpen Fett und
faule Säfte? verwandelt und ? diese Idiosynkrasie steht
im Zentrum von Benns
Weltempfinden ? auf das wuchernde Fleisch, die schwüle
Sinnlichkeit, die verdreckten Kavernen des Inneren.
Er gibt sich sachlich, aber er will, daß seine Gedichte
Schmerz zufügen: Niemand, der sie gelesen hat, soll
sich fortan den Mitmenschen anders als mit Ekel nähern.
Ist das Rhetorik?
Ist das jugendliche Provokationslust?:
Die Krone der Schöpfung,
das Schwein, der Mensch-:
geht doch mit anderen
Tieren um!
Mit siebzehn Jahren Filzläuse,
zwischen üblen Schnauzen
hin und her,
Darmkrankheiten und Alimente,
Weiber und Infusorien,
mit vierzig fängt die
Blase an zu laufen-:
meint ihr, um solch Geknolle
wuchs die Erde
von Sonne bis zum Mond-?
Was kläfft ihr denn?
Ihr sprecht von Seele
? Was ist eure Seele?
Verkackt die Greisin
Nacht für Nacht ihr Bett- (?).
(Benn 1978, Bd. 3: 12)
Ja,
auf Provokation ? auf Provokation derjenigen, deren
? um Nietzsches Formulierung zu gebrauchen ? ?Existenzbedingung
(?) die Lüge-: anders ausgedrückt das Nicht-sehn-Wollen
um jeden Preis? ist, hat er es wirklich angelegt. Aber
?jugendlich? ist diese Dichtung nur in dem Sinne, daß
Jugend immer schon Unbedingtheit des Gefühls, abgrundtiefe
Weltverachtung oder aber inbrünstige Weltverliebtheit,
auf der einen, rigorosen Wahrheitswillen und ehrfurchtslose
Neugier auf der anderen Seite verkörpert, und folglich
nicht anders kann, als jegliche Feigheit sowie Lauheit
des Empfindends und Urteilens zu hassen. Zugegeben:
die Gedichte des ?Morgue?-Zyklus wirken effektheischend
schreiend grell. Aber sie sind durchaus echt empfunden.
Denn es war tatsächlich das Initiationserlebnis Benns,
der zwischen 1905 und 1912 das Medizinstudium absolvierte
und dann an den Berliner Krankenhäusern praktizierte:
die penetrante Präsenz des Körperlichen in allen Stadien
des Zerfalls, vor der alles Gerede über ?Seele? und
?Geist? sich geradezu grotesk ausnahm. Das Erlebte
und Erfahrene brennt auf der Zunge, will hinausgeschrien,
ad oculos demonstriert werden, auf daß es für jedermann
hör- und sichtbar wird.
Der
Vorzeigegestus ist in
?Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke?
exemplarisch ausgeprägt. Der Titel bezeichnet genau
die ?lyrische? Situation. Er und sie besichtigen den
Ort des Leidens und Sterbens. Für ihn, der, wie man
vermuten kann, dort als Arzt arbeitet, bietet der Anblick
nichts Neues, hier ist er ? das Wort klingt freilich
reichlich paradox ? heimisch. Wozu aber dieser Rundgang
in weiblicher Begleitung? Was bezweckt die insistierende
Direktheit, mit der er der Besucherin die einzelnen
Stationen erklärt (?Hier diese Reihe sind zerfallene
Schöße/ und diese Reihe ist zerfallene Brust?), ja,
sie dazu bringt, bei den grauenvollsten Fällen besonders
lange zu verweilen, mit seinen Kommentaren den Eindruck
der lähmenden Trostlosigkeit noch verstärkt: ?Komm,
hebe diese Decke auf./ Sieh, dieses Fett und Säfte,/
das war irgendeinem Manne groß/ und hieß Rausch und
Heimat? (Ebd., 14)
Er
tut nichts anders, als jeder gute Pädagoge tut, der
den Schülern die Lektion einprägen möchte: Er bedient
sich anschaulicher Beispiele, steuert die Aufmerksamkeit
und ? schlägt Verbindungen zwischen den Exempla und
ihren allgemeinen Bedeutungen. Ja, wir wohnen einer
pädagogischen Reise bei, auf der ein simpler, in Unwissenheit
gehaltener, ans schamhafte Wegsehen gewöhnter Geist
eine Initiation erlebt
? mit der unheilvollen Alchemie
des Universums vertraut
gemacht wird. Ein ? in Nietzsches Sinne
? ?furchtbarer? Mensch, dieser Mann des Gedichts,
von der Art, zu der er wohl seine Partnerin ?heranzüchten?
möchte, zeigt die Realität, wie sie ist ? aus Widerstreben
gegen die Heuchelei? aus Anstand? aus Instinkt. Was
geht hier vor? Die ? um wieder ein abgewandeltes Wort Nietzsches zu zitieren
? Selbstüberwindung der Illusion von der heilen Welt
die Selbstüberwindung des Pastorensohnes in seinen
Gegensatz ? den
Nihilisten. Eine persische, wie Nietzsche sagt, eine
denkerische Tugend:
?Wahrheit reden und gut mit Pfeilen schießen.?
Und Benn schießt: mit wutdurchglühten Invektiven, die
all jene ?schönen Seelen, ?homines optimi?, Eltern,
Erzieher, Dichter, Philosophen ? treffen sollen, die
ihm Anderes vorgegaukelt, Gott an den Himmel gemalt,
geistige Panazee gegen irdische Mühsal versprochen haben.
Er zahlt ihnen heim, daß er aus den luftigen Höhen der
?jahrtausendalten Verlogenheit? so schmerzlich (weil
vollends unvorbereitet) abstürzen mußte: in die Lichtlosigkeit
der jeder Aussicht auf die Erlösung baren Körperlichkeit.
So kann nur jemand sprechen, der sich vor Sehnsucht
nach Transzendenz verzehrt und es nicht ertragen kann,
mit seinen Empfindungen und Gedanken, Tiefen und Räuschen
nur Funktion der Materie zu sein: ?Ich brülle: Geist,
enthülle dich!/ Das Hirn verwest genauso wie der Arsch!
(?) Ein Fleckchen!/ Ein Fleck, der gegen die Verwesung
spräche!!-/ Das Fleckchen, wo sich Gott erging!? (Ebd.,
37) Ja, das ist er: ?Spürhund nach Gott und klein und
krumm??(Ebd., 34)
Wie
soll man da überhaupt leben, wenn einer ständig an Ekelgefühlen
würgen muß? Wenn sich in einem alles dagegen
sträubt, wie die anderen zu sein: mit ?Nahrungssorgen,
Familiensorgen, Fortkommensorgen? vollends ausgelastet
(Ebd., Bd. 1: 492), das Schwierigste mit einer Standardformel
vom Tische wischend, öden Belustigungen nachgehend,
ohne jeglichen Sinn für Größe und Tragik? Die Frage
zielt ins Zentrum von Benns Daseinsproblematik. Und
er hat sie bündig beantwortet: ?Man soll ja auch nicht.?
(Ebd., Bd. 4: 11) Die Erkenntnis ist auf dem Papier
geblieben. Aber gegen das Sosein der Welt, wie gegen
die menschliche Verfassung hat Benn von den ersten
Texten an einen erbitterten Prozeß angestrengt, hat
sich in Grenzüberschreitungen versucht, nach gesteigerten
Erlebnismöglichkeiten getrachtet ? und überhaupt nach
Wegen geforscht,
die Existenzlast erträglicher zu machen. Die
protäische Wandelbarkeit seiner geistigen Gestalt ist
so zu erklären: als Abfolge von Abwehrstrategien? Zuerst
wird es der radikale Solipsismus sein, der sich alle
Probleme mit der Welt
vom Halse schafft, indem er sie einfach nicht
zur Kenntnis nimmt. So verfährt Dr. Rönne, der unverkennbar
autobiographisch fundierte Protagonist von Benns frühen
Prosatexten, von denen er die meisten während des Ersten
Weltkrieges, in der Brüsseler Etappe schrieb, wo er als Militärarzt seine Zeit nach
dem verrichteten Dienst ?zwischen Schiebern und Exzellenzen?
verbrachte, notgedrungen an ihren stumpfsinnigen Unterhaltungen
und Kasinositzungen teilnehmend. Auch wenn es ihm
nur um den Preis höchster psychischer Anstrengung gelang,
so brach er doch nicht zusammen, im Gegenteil, er erlebte
eine Phase gesteigerter Produktivität und ekstatischen
Freiheitsgefühls. Er lernt fürs Leben, wird die damalige
Erfahrung immer wieder
als Schutzschild gegen die Realität vorhalten:
?In Krieg und Frieden, in der Front und in
der Etappe, als Offizier und als Arzt (?) an
Betten und an Särgen, im Triumph
und im Verfall verließ mich die Trance nicht,
daß es diese Wirklichkeit nicht gäbe. Eine Art innerer
Konzentration setzte sich in Gang, ein Anregen geheimer
Sphären, und das Individuelle versank, und eine Urschicht
stieg herauf, berauscht, an Bildern reich und panisch.?
(Ebd., Bd. 4: 30)
Und
Rönne wendet sich von der Wirklichkeit ab, versinkt
in seine Gesichte, die voller sinnlicher Aufwallungen,
südlicher Landschaften sind: Sie stehen für Entgrenzungen,
dionysischen Rausch (?tiefe Bacchanalen?) auch für Zeitenthobenheit,
Ichvergessenheit, glückhaftes Untertauchen im Lebensganzen
? für jenen schmerzlos unbeschwerten Zustand, der dem
Augenblick voranging, in dem der Mensch das Gehirn empfing
und sich von der übrigen Schöpfung abtrennte. Ihm gilt
Benns tiefste Sehnsucht: dem Ursprung, als das Unheil
der Bewußtwerdung noch nicht begann. Das Nachfolgende
hat er schon 1913 geschrieben und Dr. Rönne hätte es
fertig zitieren können: ?O daß wir unsere Urahnen wären./
Ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor./ Ein Algenblatt
oder ein Dünenhügel,/ vom Wind Geformtes und nach unten
schwer./ Schon ein Libellenkopf, ein Möwenflügel/
wäre zu weit und litte schon zu sehr.? (Ebd., Bd. 3:
25)
Von
Nietzsche sind wir weit abgekommen. Mit der Wahrheit
auch noch zu leben ? das übersteigt die Kraft jener
?Art Mensch, die er (Benn) konzipiert?. Er braucht ?
da die Uhr der Evolution sich nicht zurückdrehen läßt
? andere Abwehrmittel. Zum Beispiel Drogen?
Er
hat sie ? vor allem, wie Georg Trakl, das Kokain ? tatsächlich
über Jahre eingenommen, war aber Manns genug, um die
Sucht zu kontrollieren, dachte im Rückblick ergriffen
an den Brüsseler Frühling 1916 zurück, als er ?am Rande
lebte, wo das Dasein fällt und das Ich beginnt?. Denn
darauf kam es an: Daß der Druck der
Realität nachläßt,
die bewußte Hirntätigkeit aufhört, Raum und Zeit
nicht mehr als Schranken für das ?Verfließen? des sich
?entformenden? ?entschweifenden? Ich empfunden werden,
entfernteste Weiten und prähistorische Vergangenheiten
vor dem inneren Auge erstehen: ?O Nacht! Ich nahm schon
Kokain,/ und Blutverteilung ist im Gange,/ das Haar
wird grau, die Jahre fliehen,/ ich muß, ich muß im Überschwange/
noch einmal vorm Vergängnis blühen.? (Ebd., 53) ?Der
Ich-Zerfall, der süße, tiefersehnte? (Ebd., 52) ? jetzt
kann die eigentliche dichterische Arbeit beginnen,
jetzt meint er gottähnlich überall zugleich zu sein
oder das Seiende auch vernichten zu können:
?O still! Ich spüre kleines Rammeln:/ Es sternt
mich an ? es ist kein Spott!/
Gesicht, ich: mich, einsamen Gott,/ sich groß
um einen Donner sammeln.? (Ebd.,
54) Rausch, Allmachtphantasien, psychisches Fieber
entformen auch die Sprache, entladen sich in hektischen
Assoziationsreihen, treiben Wortneubildungen hervor,
setzen syntaktische Ordnungen außer Kraft.
Es
ist das Reich der Freiheit ? der selbstherrlichen Ich-Schöpfung?
Was sich außerhalb dieses inneren Bereichs mit schwerfälliger
Unausweichlichkeit, in endlosen Wiederholungen nach
den eingeschliffenen Rastern des Denkens, Reagierens,
Verhaltens abläuft, verwirft er als das Uneigentliche
schlechthin, als sinnentleerte Betriebsamkeit ? als
verachtenswerte Verflachung und Degradierung des Menschlichen.
Er
zieht Konsequenzen.
Im Essay ?Irrationalismus und moderne Medizin?
(1931) geht er so weit, den Hippokrates-Eid
zu kündigen? Die Kranken heilen? Die Menschen
?karitativ unterstützen?, diese ?widrigen Konsumententypen
körperlich aufbauen?, auf daß sie weiterhin in ihren
?Futtertrögen suhlen? können? Hat es ?irgendeinen
erfüllteren Sinn, das rationalisierte Einzelwesen (?)
in körperlichem Unverfall zu bewahren, wenn die Epoche
nichts weiter hinter ihm erblickte, nichts weiter aus
ihm machte als Pferdekräfte, Brauchbarkeiten, Arbeitskalorien,
Kaldaunenreflexe, Drüsengenuß?? (Ebd., Bd. 1: 146)
Man ahnt schon, daß die Antworten negativ ausfallen
müssen. Er wünscht all diesen ?Nützlichkeitsfanatikern?
Verderben und Untergang, beschwört über sie Chaos und
Katastrophen herauf: ?Faustschlag gegen das Pamphlet
des Lebens aus dem ausgefransten Maul hedonistischer
Demokratien (?).? (Ebd., 17)
Diese
Kritik differenziert nicht, ihr sind alle sozialen Stände,
alle politischen Parteiungen gleich. Was sollen da auch
feine Unterschiede, wo Benn doch haßerfüllt das Prinzip
selbst diffamiert, nach dem die Menschheit angetreten
hat, Welt und Leben zu gestalten: die Ratio, die die
Wirklichkeit kategorisiert, zergliedert, ausleuchtet,
in Begriffe faßt, dies alles zu dem Zwecke, die Existenz
möglichst ?behaglich? zu machen. Ihren endgültigen Triumph
datiert er auf das 19. Jahrhundert, setzt ihn mit dem
Heraufkommen der bürgerlichen Gesinnung gleich, welche,
vollends auf das Materielle fixiert, den ?Gebrauchstyp?
hervorbringt, ?den Montagentyp, optimistisch und flachschichtig,
jeder Vorstellung einer menschlichen Schicksalhaftigkeit
zynisch entwachsen? (Ebd., 154); darauf bedacht, alle
seelische Unruhe, alles tiefer reichende Problembewußtsein
mit Pillen und Sozialtherapien aus der Welt zu schaffen,
von seiner Fähigkeit überzeugt, die Zukunft vorausberechnen
und steuern zu können, dabei innerlich ausgehöhlt, ohne
echte Anhänglichkeiten, ohne moralische Substanz.
Er
wußte das hier Beschriebene freilich viel eindringlicher
als ich zu formulieren: ?Der Mensch ist gut, sein Wesen
rational, und alle seine Leiden sind hygienisch und
sozial bekämpfbar, dies einerseits und anderseits die
Schöpfung sei der Wissenschaft zugänglich, aus diesen
beiden Ideen kam die Auflösung aller alten Bindungen,
die Zerstörung der Substanz, die Nivellierung aller
Werte, aus ihnen die innere Lage, die jene Atmosphäre
schuf, in der wir alle lebten, von der wir alle bis
zur Bitterkeit und bis zur Neige tranken: Nihilismus.?
(Ebd., 156)
Die
Welt, wie Benn sie sieht, widerlegt alle Glücksrezepte
und Fortschrittstheorien. Sie hat keine Richtung,
keine höhere Motivierung;
aus einem dunklen Urgrund kommend, entwickelt sie sich
im spasmatischen Rhythmus von sprunghaften Mutationen,
wird sie vom Zufall mal da, mal dort hindirigiert?
So
argumentiert Benn in der großen Debatte um Sinn und
Tendenz des historischen Prozesses, die Ende der
zwanziger Jahre stattfindet, als der europäische
Geist sich allenthalben politisiert, in den Tageskämpfen
Stellung bezieht, aus Parteiprogrammen Ziele und Hoffnung
auf eine bessere Welt schöpft und für sie zu wirken
sich bereit erklärt. Der Verlauf der besagten Debatte
ist vorzüglich geeignet, Benns geistige Haltung als
auch seine besondere Position im zeitgeschichtlichen
Kontext zu charakterisieren. Politisch war Benn in den
zwanziger Jahren nicht (früher allerdings auch nicht)
hervorgetreten und doch mußte er es sich gefallen lassen,
daß man politische Maßstäbe an seine Dichtung ? an ihn
anzulegen begann. Die Sache verhielt sich in Kürze
wie folgt. Nachdem im Juli 1929 die höchst respektable
?Neue Bücherschau?, ein um geistige Unabhängigkeit bemühtes
Kulturorgan, einen Benn enthusiastisch feiernden Aufsatz
aus der Feder Willy Haas? veröffentlicht hatte, erklärten
zwei der KPD nahestehende Redaktionsmitglieder, der
Dichter Johannes R. Becher sowie der Reporter Egon Erwin
Kisch unter Protesterklärungen ihren Austritt aus dem
Redaktionskomitee und zwar mit der Begründung, daß sie
unmöglich weiterhin eine Zeitschrift vertreten können,
die solch verkehrte Werthierarchie gelten läßt. Benn
warfen sie ?widerliche Aristokratie?, Menschenverachtung,
Zynismus und Nihilismus vor. Und so wie sich Kisch
zu der Behauptung verstieg, daß ?für ihn der literarische
Lieferant politischen Propagandamaterials turmhoch über
dem überlegenen Dichter steht?, so wußte Becher keine
schlimmere Invektive für Benn
als ?schöne Seele?. Aus der Sicht eines Zeitgenossen,
der über Hals im Schlamm politischer Auseinandersetzungen
stak, wahrlich eine Ungeheuerlichkeit?
Diesen
Anfeindungen schleudert Benn eine wortgewaltige Tirade
entgegen: ?Becher und Kisch gehen davon aus, daß jeder,
der heute denkt und schreibt, es im Sinne der Arbeiterbewegung
tun müsse, Kommunist sein müsse, dem Aufstieg des Proletariats
seine Kräfte leihen.
Warum eigentlich? Soziale Bewegungen gab es doch
von jeher. Die Armen wollten immer hoch und die Reichen
nicht herunter. Schaurige Welt, kapitalistische Welt,
seit Ägypten den Weihrauchhandel monopolisierte und
babylonische Bankiers die Geldgeschäfte begannen (?)
und immer die Gegenbewegungen: mal die Helotenhorden
in den kyrenischen Gerbereien, mal die Sklavenkriege
in der römischen Zeit, die Armen wollen hoch und die
reichen nicht herunter, schaurige Welt, aber nach drei
Jahrtausenden darf man sich wohl dem Gedanken nähern,
dies sei weder gut noch böse, sondern rein phänomenal.?
(Ebd., Bd. 4: 208f) Und mit noch mehr Nachdruck: ?(?)
das ist extrahuman, wie kann ich denn verpflichtet sein,
mich einem Prozeß zuzuwenden, dessen ideologische Aufmachung
ich als erkenntniswidrig empfinde und dessen menschlicher
Ursprung weit vor mir und weit fort von mir aus eigenen
Kräften seinen Lauf begann und seine Richtung nahm?
(?) Nein, mir kommt der Gedanke, ob es nicht weit radikaler
(?) ist, die Menschheit zu lehren: so bist du und du
wirst nie anders sein, so lebst du, so hast du gelebt
und so wirst du immer leben (?). Die Geschichte ist
ohne Sinn, keine Aufwärtsbewegung, keine Menschheitsdämmerungen,
keine Illusionen mehr darüber, kein Bluff.? (Ebd.,
210) Und er läßt es sich schließlich nicht nehmen, dem
heiligen Mythos der damaligen ? nicht nur der kommunistischen
? Linken, dem Sowjetland, am Zeuge zu flicken: ?Ja,
es erscheint mir angebracht (?) nach allem, was man
aus Rußland hört, dem einmal ins Gesicht zu sehen: dem
Typischen des proletarischen
Prozesses, der Immanenz des revolutionären Schocks,
dem reinen Umschichtungscharakter der neuen Machtlage
bei gleichgebliebener imperialistischer und kapitalistischer
Tendenz.? (Ebd.) Er kündigt an, weiter seinen einsamen
Weg zu ziehen, ohne sich für einen wie auch immer gearteten
sozialen Dienst vereinnahmen
zu lassen. Und er nimmt
für sich das Recht in Anspruch nur an sich ? an sein Werk denken zu dürfen.
Ist das moralisch minderwertig? Bedeutet das sträfliche
Vereinzelung und Verweigerung der Teilnahme an menschlichen
Angelegenheiten? Beileibe
nicht, beharrt Benn. Auch er ist Teil einer Gemeinschaft,
die möglicherweise mehr Gutes schafft als die politischen
Weltbeglücker: Der ?Gemeinschaft derer, die der Menschheit
zu dienen glauben, indem sie den Worten dienen, ich
meine die Gemeinschaft der Künstler, Dichter, Schriftsteller,
die den Härten des Lebens nichts anderes entgegenzusetzen
haben als ihren Glauben, ihr Talent, und ihre
Leiden (?).? So möchte Benn gesehen
werden: als Geistesaristokrat,
der, sein Schicksal mit wenigen ähnlich Auserwählten
teilend, die Gegenwart in die universelle Perspektive
der sich frei durch ?Äone? bewegenden, Kontinente
und Jahrtausende zu
einer erhellenden Formel zusammenpressenden Erkenntnis
rückt?
1933
sollte man ihn anders erleben. Auch heute, nachdem so
viele Erklärungsversuche unternommen worden sind, kann
man aus dem Staunen nicht herauskommen. Gottfried Benn,
der hochmütig Abwesende, der Lebens- und Menschenverächter,
der, wie man allen Grund
zu glauben hatte, im ?Hotel Abgrund? (G. Luk?cs)
wohnlich Eingerichtete, wird von einem Tag auf den anderen
zum wortgewaltig fanatischen Befürworter einer Diktatur,
die gerade das verkörperte, was er am tiefsten hätte
verabscheuen müssen: das auftrumpfend Plebejische, das
demagogisch Marktschreierische, das von der Politik
- und die war für ihn seit jeher der Inbegriff
des Geistlosen schlechthin ? Besessene. Er redet und
publiziert, wo man ihn immer reden und publizieren läßt,
er stellt Texte zum Zeitgeschehen in einem Schnellverfahren
her, wie es sonst die Tagesjournalisten tun. Er ergreift
geradezu hemmungslos Partei, zeigt sich gegen jeden
Zweifel gefeit, läßt
es sich konsequenterweise
nicht nehmen, gegen Andersdenkende, gegen die ? so
sieht er die Dinge ? Verständnislosen mit der ganzen
Wucht seines Sprachvermögens
loszufahren. ?Halte dich nicht auf mit Widerlegungen
(?), habe Mangel an Versöhnung, schließe die
Tore? (Benn (I): 449) ? dies seine eigenen Worte.
Und
er läßt sich Argumente für sein Bekenntnis zu den Braunbehemdeten
einfallen, auf die wohl selbst die gewieftesten Nazipropagandisten,
ja, nicht einmal Dr. Goebbels gekommen wären. Was er
sagt, hat stilistischen Glanz und Furor, es beeindruckt
durch die Brillianz der Ideenverbindungen, durch die
Weite der Perspektiven, die er da vor den Lesern-Zuhörern
auftut. Kein Begriff ist ihm zu pathetisch, kein historischer
Vergleich zu weit hergeholt, um die Bedeutung der ?nationalsozialistischen
Revolution? zu verdeutlichen. Sie ist ihm ein säkuläres
Ereignis, ein epochemachender Einschnitt
in der Geschichte des Abendlandes, Ausdruck von
?ungeheuren geistigen Kämpfen?, in denen sich
das deutsche Volk,
lange Zeit durch allerlei ?irre, wurzellose Utopien;
humanitäre, soziale oder pazifistische Makulaturen?
(Ebd., 246) am klaren Sehen gehindert, zu seiner wahren
Bestimmung ? und zwar gleich stellvertretend ?für
den ganzen Erdteil? (Ebd., 240) ? durchringt.
Er läßt illustre Zeugen für dieses sein Epochenverständnis aufmarschieren,
zitiert ? um wenigstens die charakteristischsten Beispiele
zu nennen ? Fichte, Jacob Burckhardt, Nietzsche, freilich
auch eher obskure Denker wie Marinetti oder aber Julius
Evola.
Am
24. April 1933 hält Benn indes die schnell berühmt gewordene
Rundfunkrede ?Der Staat und die Intelektuellen?, mit
der er seine Position für jedermann unmißverständlich
kenntlich macht. Zum ?Tage deutscher Arbeit? am 1. Mai
meldet er sich wieder zu Worte, um ? auch dies seine
Originalformulierungen ? jenen ?großartigen geschichtlichen
Moment? zu feiern, in dem ? die Tendenz dazu sieht er
in deutschen Landen überall am Werke ? ?die Arbeit herausgeführt
werden (soll) aus ihrem Makel als Joch, aus ihren Strafcharakter
als proletarisches Leid, den sie die letzten Jahrzehnte
trug?. Am 23. Mai holt er ganz groß aus. Den Anlaß liefert
ihm ein privater Brief, den er von dem zu ihm seit Jahren
ehrfürchtig aufschauenden, nunmehr seinen politischen
Umfall scharf kritisierenden Klaus Mann erhalten hat.
Benn
sagt es dem Briefschreiber rundheraus, daß dieser mit
seinem ?bürgerliche(n) Neunzehntes-Jahrhundert-Gehirn?
(Benn (IV), 81) den Sinn des gegenwärtig Geschehenden
vollends verfehle, ja, überhaupt einem Begriff von Geschichte
anhänge, welcher die Bezeichnung ?novellistisch?, will
wohl besagen, ?blauäugig? und verhamlosend, verdient.
Was wunder, daß dieses ?Neunzehnte-Jahrhundert-Gehirn?
geistig gar nicht in der Lage gewesen sei, das Gesetzliche
am Heraufkommen eines Menschentypus zu erkennen, der,
?dem unerschöpflichen Schoß der Rasse? entsteigend,
ohne Rücksicht auf demokratische Gepflogenheiten, auf
feine humanitäre Bedenklichkeiten und Empfindlichkeiten
der ?liberalen und individualistischen Ära?
?gesetzesverleugnend und moralumschaffend? (Ebd.,
82) sich nunmehr daran macht, ?die Idee seiner Generation
und seiner Art in den Stoff der Zeit zu bauen.? (Ebd.,
83) Sei es denn je anders gewesen? Sei das Große vielmehr
nicht immer schon in der Geschichte ?aus furchtbaren
und gewaltsamen Anfängen empor(ge)wachsen?? (Ebd.,
79) Die Stunde habe wieder geschlagen, die Erde drehe
sich um die Achse: ein Wendepunkt, wie es z.B. die Gründung
des Römischen Reichs oder aber ? für Benn gehören diese
Erscheinungen in die gleiche Kategorie ? der Sieg eines
neuen Baustils gewesen waren, an dem das Illusionäre
an allen ?internationalistischen Verbrüderungsträumen?,
an allen pazifistischen und revolutionären Utopien
blitzartig erhellt wird. Wer sehen wolle, der komme und schaue! Anderseits:
?Welch intellektueller Defekt, welch moralisches Manko?
in dem ?großen Gefühl für Opferbereitschaft und Verlust
des Ich an das Totale, den Staat, die Rasse, das Immanente,
nicht in der Wendung vom ökonomischen zum mythischen
Kollektiv, in diesem allem nicht
das anthropologisch
Tiefere zu sehen.? (Benn (I), 440) Nein, Benn
hat beileibe nicht das Gefühl, die Kehre im Rausch ?
im Zustand der glückhaft von intellektualistischen
Zweifeln entlastenden Bewußtseinsvernebelung vollzogen
zu haben. Im Gegenteil: nachdrücklich reklamiert er
für sich die Würde der klarsichtigen Erkenntnis: ?Ich
spreche im Namen des Gedankens und derer, die sich
ihm beugen.? (Ebd., 441) Und da er eben mit keinem ?intellektuellen
Defekt? behaftet
sei und sich auch keines ?moralische(n) Manko(s)?
schuldig weiß, so fällt es ihm nicht schwer, ?frei über
den Augenblick in die Zukunft hinein seinen Blick und seine Berechnung (zu) werfen (?) fast schon in einer Art
von Erkenntnis, die das Gesetzmäßige nährt.? (Ebd.)
Das Gesetzmäßige: es sei überall am Werk; in Deutschland
spreche es mit der mächtigen Stimme des wider die (After)weisheit
der intellektuellen
?Elite? zur Kenntlichkeit
gelangenden Volkes. Das Gesetzmäßige ? seine
?Formel heißt heute: internationale Sammlung (?), die
vorwärtsgerichtete, ordnende, positive, die moderne
Staatstendenz, die moderne Staatsidee (?) (Ebd., 442),
von der ?typologische(n) Majorität? getragen, ?von
echten menschlichen Substanzen ernährt.? (Ebd., 443)
Noch einmal: wer sehen wolle, der komme und schaue,
wie sich ?ein neuer menschlicher Stil? bildet, wie der
?nationale Staat aus seinem ?politischen Grundbegriff
heraus neue intelligible und ästhetische Formen? (Ebd.,
446) entwickele! Und er steigert sich auch noch in
eine Vision von - man bedenke: die Rede ist von Hitlers
Reich ? geradezu unüberbietbarer Schwülstigkeit: ?Es
ist für mich kein Zweifel, daß es politisch in
die Richtung jener ghibelinischen Synthese geht, von
der Evola sagt, die Adler Odins fliegen den Adlern
der römischen Legion
entgegen. Dieser Adler als Wappen, die Krone
als Mythos und einige große Gehirne als Beseeler der
Welt. Mythologisch heißt das: Heimkehr der Asen, weiße
Erde von Thule bis Avalon, imperiale Symbole darauf:
Fackeln und Äxte, und die Züchtigung der Überrassen,
der solaren Eliten, für eine halb magische und halb
dorische Welt.? (Ebd., 255) Und weiter: ?Da steht das
Geschlecht: Geist und Tat, transzendenter Realismus
und heroischer Nihilismus (?). Zusammengeschmolzen
die Architektur des Südens und die Lyrik des Nebellandes;
Hochwuchs der Atlantide; ihre Symbolwerke werden große
Gesänge sein, Oratorien in Amphistadien, Strandchöre
der Meerfischer, Muschelsymphonien in Kalkhallen und
mit den Hörnern der Urjäger. Unendliche Fernen, die
sich füllen, ein großer Stil bereitet sich vor.? (Ebd.,
255)
Daß
ich so ausführlich zitiere, ergibt wohl einen Sinn;
anders ? und spräche ich mit tausend Zungen ? könnte
ich dem Leser die Unverhältnismäßigkeit zwischen dem,
was Benn über den ?historischen Augenblick? zusammendichtet,
und den Gegebenheiten gar nicht klarmachen. ?Solare
Eliten? ? sie müßten wohl den Reihen der SS entsteigen.
?Die Lyrik des Nebellandes? ? ist es möglich, daß er
an so was wie die Balladen eines Agnes Miegel oder eines
Freiherrn Börries von Münchhausens gedacht hat? ?Oratorien?
hat es in der Tat schon in Fülle und Hölle gegeben:
ein Preisausschreiben der ?Deutschen Arbeitsfront? wurde
mit 489 ?Thingspielen? beliefert. Ob die Asen sich tatsächlich
zur ?Heimkehr? anschickten, muß freilich dahingestellt
bleiben. Auch was der Dichter mit ?Muschelsymphonien
in Kalkhallen? gemeint haben mag, kann ich mir so recht
nicht erklären. Es muß aber gewiß etwas ausgesucht Erhabenes
gewesen sein. Wie mußte indes die Lage in den Monaten,
als Benn all dies schrieb, demjenigen erscheinen, der
nicht am Horizont nach den Asen Ausschau hielt und möglicherweise
auch für die Musik, wie sie die ?Hörner der Urjäger?
erzeugen, nicht so viel übrig hatte? Das berüchtige
?Ermächtigungsgesetz? war im März 1933 in Kraft getreten
und Deutschland in kurzer Zeit zum totalitären Einparteienstaat
geworden. Die Unantastbarkeit der Person, des Eigentums,
der Korrespondenz galten als unvereinbar mit der Staatsräson;
auch machte sich der neue Staat anheischig, die ? um
dies mit Benn auszudrücken ? ?Gedankenfreiheit, Pressefreiheit,
Lehrfreiheit (?) aufs speziellste zu überwachen.?
(Ebd., 446) So konnte es nicht ausbleiben, daß ?gewisse
erste Ränge leergefegt, gewisse Geistergüter weniger
in Schwung gehalten? (Ebd., 444), will besagen: den
Flammen übergeben, aus den Museen entfernt, auf die
übelste Weise beschimpft wurden. Man weiß: es ist keine
Hyperbel. Am 12. Mai 1933 wurden allein in Berlin 20000
Bände in einer ? hat sich Benn durch diesen Aspekt der
Sache angetan gefühlt? ? fast wie ein ?Gesamtkunstwerk?
inszenierten Aktion verbrannt, darunter Werke von Benns
expressionistischen Weggenossen, Kurt Pinthus, Ernst
Toller, Albert Ehrenstein. Weiter. Im Laufe weniger
Monate des Jahres 1933 verlor die von Benn kommissarisch
verwaltete Sektion für Dichtkunst fünfzehn Mitgleider,
darunter alle Juden. Den um ihren Sitz in der Akademie
gebrachten und bald auch mit Berufsverbot belegten ?Dichterlingen?
erging es immerhin glimpflicher als jenen vielen Tausenden,
die zur gleichen Zeit inhaftiert, in den Gestapokellern
geprügelt, in die Kzs eingewiesen wurden. Genug. Die
Fakten sind sattsam bekannt.
Nun
will ich ganz naiv fragen, was Benn von den politischen,
sozialen, kulturellen Realitäten des Dritten Reiches
überhaupt gewußt hat? wissen wollte?? Wie hat er die
Informationsflut gefiltert?? Oder hat er es einfach
gemieden, sich vom Strom, der da viel Trübes mittrug,
überhaupt benetzen zu lassen? Oder hat er, um sich dieses
Ja abringen zu können ?die theoretischen und ästhetischen
Bezirke vom Wirklichen zunächst abgetrennt??
(Die Formulierung verdanke ich Karl Heinz Bohrer)
Einfach in die Saiten gegriffen, um schön zu tönen?
Benn:
?Das Parteiprogramm.
Ich hatte es nie bis zu Ende
studiert, was auf keiner der NS.-Versammlungen
gewesen, hatte weder
vor noch nach 1933
eine NS.-Zeitung oder Zeitschrift abonniert (?).?
(Benn (IV), 71) Ob er nach dem 30. Jänner 1933 mit den
führenden Männern des Regimes
in persönlicher Berührung gekommen ist? Auch
dies wohl nicht; er jedenfalls will sich nur an eher
peinliche Begegnungen bei verschiedenen Anlässen mit
untergeordneten Nazi-Chargen erinnern. Er hätte sich
freilich über das Denkniveau und den Bewußtseinsstand
der Parteispitze ausreichend informieren können, wo
doch genug schriftliche (Ent)äußerungen von Hitler
etwa vorlagen. Eigentlich klug von ihm, daß er seinen
Glauben an die ?solaren Eliten? nicht dem Härtetest
unterworfen hat, zu dem für ihn, den Liebhaber des zuchtvoll
?gestylten? Wortes die Lektüre von, sagen wir, ?Mein
Kampf? oder aber ?Mythos des XX. Jahrhunderts? geworden
wäre. Er will sie, die neuen Herrscher doch so sehen:
tatentschlossen, gegen humanitäre Anwandlungen durch
einen Panzer aus strotzender Vitalität gewappnet, dabei
durchaus denkgeübt, ?artistische, produktive Typen?,
der Philosophen und Dichter ebenbürtige Partner. ?Eine
Ranschmeißerei der übelsten Art?, wie Franz Fühmann
bezeichnet? (Fühmann 1994: 436) Auf die Art begreift
man wirklich nichts. Immerhin ? aine Analogie sehe ich
durchaus ? hat ein Novalis in dem ziemlich farblosen
Friedrich Wilhelm dem Dritten nichts weniger als einen
?mystischen Souverän? (so in berühmten Abhandlung ?Glaube
und Liebe?) erblickt? Und nicht anders ging es bei den
Azteken zu, als sie den landenden Spanier ansichtig
wurden und sofort ? weil eine alte Wahrsagung die nun
eintretende Situation vorwegzunehmen schien ? zu glauben
bereit waren, Götter vor sich zu haben. Es waren bekanntlich
keine.Der Rausch verfliegt. In die Sommermonate 1934
? seit der Machtübernahme sind wenig mehr als zwölf
Monate vergangen ? fallen die letzten Texte Benns, wo
Gedanken anklingen, wie man sie aus den Essays und den
öffentlichen Auftritten des vergangenen Jahres kannte.
Ab diesem Zeitpunkt wird man von ihm keine einzige Äußerung
vernehmen, die man als Zustimmung, sei es zu den ideologischen
Voraussetzungen, sei es zur politischen Praxis des III.
Reiches auslegen könnte. Auch verschwindet er vollends
aus dem offiziellen Literaturleben. So nachdenklich
seine früheren Entscheidungen stimmen mögen, so bedarf
sein neuerlicher ?Umfall? wohl keines langen Kommentars.
Der Hitlerstaat ist soziale Realität geworden, man konnte
den neuen ?Phänotyp?, ?die solaren Eliten? in Aktion
sehen und sich näher über ihre Geistesverfassung sowie
menschliche Qualität informieren; der Tatsachensinn
hatte die Chance, sich wieder das Geltungsrecht zu verschaffen.
Was Benn erfährt, ist unendlich schäbig. Es ist übrigens
eine Schäbigkeit, die sich im Besitz der Macht weiß,
sich also unverschämt arrogant und herrschsüchtig zeigt,
auch jede Gelegenheit nutzt, zuzuschlagen.
In der autobiographischen Schrift ?Doppelleben?
(entstanden zwischen 1943-9) hat er darüber detailliert
berichtet; wer?s will, mag es dort nachlesen. Hier gilt
es freilich, der Frage nachzugehen, wie eine Persönlichkeit
vom Range Benn mit solchem Illusionsverlust, mit solch
brutaler Widerlegung des noch kürzlich imperativisch
Behaupteten fertig wird? was sie daraus lernt? wie sie
es für weitere geistige Produktion ausnutzt?
Der
Sturz konnte nicht heftiger sein. Schon im August 1934
schreibt er an die befreundete Schriftstellerin Ina
Seidel: ?Ich lebe mit vollkommen zusammengekniffenen
Lippen, innerlich und äußerlich. Gewisse Dinge haben
mir den letzten Stoß gegeben. Schauerliche Tragödie!
Das Ganze kommt mir allmählich wie eine Schmiere, die
fortwährend ?Faust? ankündigt, aber die Besetzung reicht
nur für ?Husarenfieber?. Wie groß fing das an, wie
dreckig sieht es heute aus.? (Benn 1957: 58) Und er
beschließt, sich unsichtbar zu machen, unterzutauchen,
dem Zwang zu Lippenbekenntnissen zu entgehen, die von
ihm zu hören man immerhin schon gewöhnt war. Wie das
bewerkstelligen? Er bewirbt sich um die Aufnahme in
die Wehrmacht, wird auch aufgenommen und darf ab März
1935 seinen Dienst als Sanitätsoffizier in Hannover
verrichten. Die Uniform wird er bis zum Ende des Reiches
nicht ablegen. Die Armee bietet ihm den Windschatten,
in dem er die widrige Zeit zu überstehen hofft. Auch
die materielle Sicherheit ist nicht zu verachten.
Und schließlich noch dies: Er hat Muße, um nachzusinnen
? an sich und seinem Werk zu arbeiten. Publizieren darf
er nicht, nachdem er mehrmals in offiziellen Publikationen
als Vertreter ?der entarteten Kunst? ? seine expressionistischen
Anfänge hat man keineswegs
vergessen und alles, was er zum Ruhme der ?Neuen
Ordnung? geschrieben hatte, war wohl als Buße nicht
genug ? heftig attackiert worden ist. Aus der Reichsschrifttumskammer,
der staatlichen Schriftstellervereinigung wurde er
ebenfalls ausgeschlossen, woran sich auch noch das Verbot
?jeder weiteren Berufsausübung? anschloß. Das Gute
ist: er braucht keine Rücksicht darauf zu nehmen, was
die braunen Kulturverwalter, was das Publikum von ihm
erwartet.
Was
in jener Zeit ? in Hannover, dann in Berlin und schließlich
in Landsberg an der Warthe (Gorzów Wielkopolski), wohin
er 1944 abkommandiert wurde ? entstand, gehört zum Belangvollsten,
das er überhaupt geschrieben hat und auch sein Nachruhm
ist zu einem guten Teil auf diese Texte gegründet. Das
Schrille, Überspitzte, unkontrolliert Eruptive, das
vielen vor 1933 entstandenen Texten anhaftete, ist
einer beherrschten Nachdenklichkeit gewichen, die aus
Denkergebnissen und Gefühlsmaterie Kondensate herausdestilliert
und in formvollendete Wortkonstruktionen faßt. ?Alles
gelingt. Kein Absinken in Sentimentalität, keine aufgesetzten
Schnodderigkeiten, keine Tricks, um über leere Stellen
hinwegzugelangen, wie vorher, wie auch später wieder.
Alles ist wesentlich, jeder Gedanke und jedes Bild.?
(Wellershoff 1958: 143) Nun gilt die Erkenntnis, die
sich in dem schon zitierten Brief an I. Seidel fand:
?Es gibt nur die Form und den Gedanken.? (Benn 1957:
61) Nun ist die Entscheidung für den Rest des Lebens
gefallen: Er, der sich eine Zeitlang auf der Seite der
?Geschichtlichen?, die da ?handeln und hochwollen?,
befand, wird fortan jede Berührung mit jenem Bereich
tunlichst vermeiden, wo über Menschenschicksale verfügt
wird, die Zukunft verplant, am Körper der Gesellschaft
laboriert wird. Man könnte diese seine späten Schriften
wahrlich als ?Betrachtungen eines Unpolitischen? überschreiben?
Einem
zum Verstehen von Benns Werdegang unerläßlichen Denkmotiv
muß noch genauer nachgegangen werden. Wenn er 1932 sich
über den europäischen Nihilismus Gedanken macht, 1933
sich in pathetischen Rekonstruktionen der ?dorischen
Welt? versucht, 1935 gegen die historischen Täter und
für die ?Stillen?, die ?Nachdenklichen?, ?die schwarzen
Kutten? Partei ergreift (Benn 1978, Bd. 4: 284), 1951
sich mit ?Probleme(n) der Lyrik? auseinandersetzt ?
immer sind es Plädoyers für den Gestaltungswillen, Konstruktionsgeist,
formende Schöpferkraft, die den modernen Wertzerfall
überwinde, die ?materialistisch-mechanische Formwelt
durchstößt und aus einer sich selbst setzenden Idealität?
(Ebd., Bd. 1: 151), das Grauen des Nichts banne und
der Menschheit ? dem Volk eine ?ganz neue Moral und
Metaphysik? biete ? ?Moral und Metaphysik der Form.?
(Ebd., 159)
Das
ist Benns Art den bewunderten Nietzsche umzudeuten:
in den Propheten einer Ära ?nach dem Nihilismus?, in
der Geist als eine ?dem Leben übergeordnete Instanz?
?im Kunstwerk eine Welt aufrichtet und eine überwindet,
formend überwindet.? (Ebd., 474) Der Künstler also
als der von Nietzsche imaginierte Übermensch, der keiner
Transzendez, keiner Vertröstung auf ein Jenseits, auch
keiner moralischen oder soziologischen Begründungen
bedarf, um produktiv zu werden. Die Kunst
als die Religion der Zukunft, das Einzige, was die Welt
und das Menschendasein vor dem Tribunal des
Geistes zu rechtfertigen vermag. Eine Kunst freilich
? dies kann nicht nachdrücklich genug herausgearbeitet
werden ? nicht nach dem Geschmack des bürgerlichen Zeitalters,
nicht im Sinne des modernen Konsummenschen, der unterhalten
werden und gespiegelt werden will mit seinen banalen
Wünschen und Bestrebungen, mit seinem Interesse an ?reich
Epische(m), (?) psychologischen Verkleisterungen, Kausalität,
Milieuentwicklung.? (Ebd., 160) Sondern: Kunst als
Artistik, Suche nach dem vollkommenen, einzig möglichen
Ausdruck, ?Proportion, Realisierungszauber, Bindung
an einen Stil? (Ebd., 161), ?Genauigkeit der Wortgefüge,
Seltenheit der Bestandteile,
Glätte der Oberfläche, Übereinstimmung des Ganzen?
(Ebd., 412), unvergänglich schöne ?Anordnung von Sätzen,
Worten, Vokalen.? (Ebd., 413) Und: Kunst als ?Sieg über
nackten Tatbestand und zivilisatorische Sachverhalte?
(Ebd., 292), als ?Gegenbewegung gegen reine (?) Vegetation.?
(Ebd., 291) Kunst als anthropologischer, letztendlich
also auch historischer Faktor von einer durch nichts
anderes zu übertreffenden Wirkung?
(Da
konnte es allerdings geschehen, daß Benn ?artistisch
produktive Typen? in den Führern des Dritten Reiches
erblickte und in dem Umbruch des Jahres 1933 den gleichen
Willen zu Form, Stil, ?Einarbeitung ideellen Seins in
das Material? (Ebd., 291) am Werke sah, wie bei seinen
Meistern, Schöpfern absoluter Wortkunst, Stefan George
z.B. oder aber den Expressionisten, die er auf diese
merkwürdige Weise den Nationalsozialisten genehm zu
machen versuchte. Nun: Seit 1934 ist er die Illusion
losgeworden, daß ?die Vereinigung von Geist und Macht?
möglich sei)
Diese
Überzeugung prägt also das von ihm in den Jahren des
Schreibverbots Geschaffene. (Ohnehin hätte man ihn
seine neugewonnenen Einsichten kaum publik machen lassen.)
1945 ist Benns Schublade voll von unveröffentlichten
Texten, darunter ein Buch Lyrik, ein Buch Prosa, ein
Band Essays. Das Wort ?Schublade? trügt, denn vorsorglich
hat sie Benn seinem Freund und Mäzen, dem Bremer Patrizier
Friedrich Wilhelm Oelze zur Aufbewahrung anvertraut.
Als die Rote Armee heranrückt, entkommt Benn nach Berlin,
wo er auch das Kriegsende heil übersteht. Die Zukunft
bleibt freilich höchst ungewiß, außerdem sind die ersten
Nachkriegsmonate durch äußerste materielle
Not gekennzeichnet. Er hat einen weiteren Grund,
tief niedergeschlagen zu sein: Seine Frau, die er aufs
Land verschickt hatte, wo sie ihm besser aufgehoben
als in der Großstadt zu sein schien, beging im Juli
1945 Selbstmord. Ein Jahr lang leidet er unter Schreibhemmungen
und bereits Vorhandenes darf er nicht publizieren,
da er doch auch für die andere, antifaschistische Seite
eine persona non grata ist; man hat seine Wortmeldungen
nach der braunen Machtübernahme nicht vergessen, während
man über seine weitere Entwicklung nicht weiß. Allmählich
wird er praktisch und seelisch mit der neuen Lage fertig.
Auch beginnen die westlichen
Alliierten die Denazifizierungsmaßnahmen läßlicher
zu handhaben, so daß Benn endlich daran denken kann,
wieder vor die Öffentlichkeit zu treten. 1948 ist
es soweit; zunächst druckt der Züricher Arche-Verlag
?Statische Gedichte?, allesamt in den Jahren des erzwungenen
Schweigens entstanden, und fast zum gleichen Zeitpunkt
nimmt sich Max Niedermeyer seines Werkes an, das er
über Jahrzehnte betreuen? edieren? engagiert vertreten
wird. Nun erscheinen Benns Bücher in rascher Folge:
der Roman ?Ptolomäer?, die unter dem Titel ?Ausdruckswelt?
zusammengefaßten Essays, umfangreiche Gedichtsammlung
?Trunkene Flut? ? dies alles nur im Jahre
1949. Das Echo übertrifft alle Erwartung. Enthusiastische
Presserezensionen erscheinen, Germanisten nehmen Benn
in ihre Vorlesungs- und Forschungspläne auf und auch
junge Literaten bekennen sich zu ihm. Beinahe über Nacht
sieht er sich auf jene Ruhmeshöhen hinaufkatapultiert,
auf denen bis jetzt ? unerreichbar für ihn ? sich solche
Größen wie Rilke, Hofmannsthal oder aber George ergehen
durften. Wahrlich, ein singuläres Comeback. Mit künstlerischen
Gründen allein ist
es nicht ausreichend zu erklären, so sehr Benn
auch durch ausgeprägte Modernität seiner Sprachkunst
fasziniert haben mochte, die radikal von dem abstach,
woran man in den zwölf Jahren des Dritten Reiches gewöhnt
war. Hier fand man, was man mit dem Begriff der ?Avantgarde?
verband und wovon vor allem die jüngere Generation nur
eine vage Vorstellung hatte: artistischen Glanz, formale
?Zauberkünste? interesselose Freude an der Sprachgestaltung.
Hier konnte man das Gefühl haben, auf den Höhen der
Weltkultur zu verweilen, von wo aus das der Vereinnahmung
durch Zeitideologien trotzende Ich souverän die Welt
überblickt ? sich auf sie ? dies in beiden Bedeutungen
der Redewendung ? einen eigenen Reim macht. Hier drängte
sich einem sofort die Erkenntnis auf, einer singulären
Persönlichkeit zu lauschen, die keinem anderen schreibenden
Zeitgenossen auch nur im geringsten gleicht.
In
der Tat: Man kann sich schwerlich einen größeren Unterschied
denken als den, der zwischen den zur gleichen Zeit entstehenden
Werken (Erzählungen, short stories, Romanen) der jüngeren
Künstlergeneration und Benns Gedichten sowie Prosa bestand.
Auf der einen Seite betonte Realitätsnähe, Genauigkeit
im Abspiegeln von Alltagskonstellationen, Schreiben
als brüderliches Zugehen auf den Mitmenschen, an dessen
Erfahrungen und Erlebnissen die Autoren teilhaben, und
die sie auch in seiner Sprache wiederzugeben trachten;
auf der anderen Seite hochmütiges Wegblicken über die
Niederungen der Gegenwart, schärfste Intellektualität,
kurz: eine Schreibhaltung, die, überhaupt nicht daran
interessiert, die Welt ?abzubilden?, ?wirkliche Menschen
in wirklichen? Situationen agieren zu lassen, gerade
das Artifizielle an der (Wort)kunst herausstreicht,
auf jeden vordergründigen Realismus zugunsten der freien
Bewegung von Denkinhalten verzichtet, auch den Begriff
einer geschlossenen Persönlichkeit mit höhnischer Radikalität
verabschiedet: ?Warum Gedanken in jemanden hineinkneten,
in eine Figur, in Gestalten, wenn es keine Gestalten
nicht mehr gibt? Personen, Namen, Beziehungen erfinden,
wenn sie gerade unerheblich werden?? (Ebd., Bd. 2: 154)
Was
noch zähle, sei einzig allein Ausdruckswille, der Geist
in der ewigen ?Ambivalenz zwischen Bilden und Entgleiten?
(Ebd., Bd. 1: 437), Kunst ? um dies nochmal
zu sagen ? als die letzte mögliche Transzendenz.
Aber
das alles hätte die Gemüter nicht so heftig bewegt,
wenn Benn nicht die Seelenlage der Zeit getroffen, ihre
dunklen Empfindungen in luzide Formeln gebracht, ihren
Erfahrungen Rechnung getragen, ihrem Wollen philosophische
und dichterische Legitimation verschafft hätte.
(?)
niemand kann die Geschichte anders sehen denn als die
Begründung von Massenmorden: Raub und Verklärung -:
der Mechanismus der Macht. (Ebd., Bd. 2: 137)
Das
Abendland geht meiner Meinung nach gar nicht zugrunde
an den totalitären Systemen oder den SS-Verbrechen
(?), sondern an dem hündischen Kriechen seiner Intelligenz
vor den politischen Begriffen. (Ebd., Bd. 4: 281f)
Gedanken
töten, Worte sind verbrecherischer als irgendein Mord,
Gedanken rächen sich an Helden und Herden. (Ebd., Bd.
1: 385)
Wünsche
für Deutschland: Neue Begriffsbestimmung für Held und
Ehre. Ausmerzung jeder Person, die innerhalb der nächsten
hundert Jahre Preußentum oder das Reich sagt. (Ebd.:
388)
In
solchen Sentenzen erkannten sich viele deutsche Leser
wieder, die nach dem Durchgang durch die Infernos der
modernen Geschichte desillusioniert, glaubenlos, auch
allergisch gegen ?große Worte? geworden, in ihnen Argumente
für die eigene Geschichtsmüdigkeit und Geschichtsskepsis,
für den eigenen Abscheu vor ideologisch (patriotisch)
motivierter Gewalt, ja vor dem Handeln überhaupt fanden,
sich durch sie von der Verpflichtung entbunden fühlten,
das Karusell weltpolitischer Ereignisse (Machtkämpfe)
zu verfolgen, wechselnde Losungen sich anzueignen,
sich für und wider zu entscheiden, hinter
wechselnden Fahnen herzuziehen, sich selbst
zur Opfergabe darzubringen. Es sahen sich durch Benn
auch all diejenigen bestätigt, die nach dem Erlebten
den gesamten Entwicklungsgang der Menschheit als einen
Irrweg zu erkennen glaubten, der nun, in einer Sackgasse
auslaufend, ein tristes, völlig unpathetisches Ende
nehme. Viele stimmten also in seine Abgesänge auf das
?Abendland? ein,
gewannen dank ihm das Gefühl höherer Eingeweitheit
darin, was die Stunde mit sich bringt. Und mochte manch
ein nüchterner Geist ihm intellektuelle Inkompetenz
vorwerfen, so war
es vor dem Hintergrund der kürzlich erst erloschenen
Krematorien von Auschwitz, in Erinnerung an Millionen
Tote des Weltkrieges, im Wissen um den Zusammenbruch
so vieler Hoffnungen und Ideale kaum möglich, der wuchtigen
Rhetorik solcher Passagen zu widerstehen: ?(?) es handelte
sich nicht mehr um den Verfall des einzelnen Menschen,
auch nicht einmal einer Rasse, eines Kontinents oder
einer sozialen Ordnung, eines geschichtlichen Systems,
sondern etwas weit Ausholendes geschah: die Zukunftslosigkeit
eines ganzen Schöpfungswurfes
trat in das allgemeine
Gefühl (?) mit einem Wort: das Quartär ging hintenüber.
Nicht dramatisch, nicht wie das Ende einer Schlacht
(?) Hier würden noch einige ideologische Draperien aus
dem historisch-politischen Fonds (?) einige Generationen
benebeln, in Asien würden sie noch einige Opfer für
die Hexen und einige Gebete für die Wasserratten vor
die Tempel tragen, aber dort wie hier alles abgespielt
und ohne tiefen Glauben (?). Was sonst noch da war,
würden ein paar Reste einsamer Seelen sein, etwas sehr
bewußter, tief melancholischer, schweigend sich erlebender
Geist-: aber das Dogma, das vom Homo sapiens, war zu
Ende.? (Ebd., Bd. 2: 219)
Daß
Benn die abendländischen Ideo- und Theologien in einem
schnoddrig-zynischen Ton abfertigte, ohne je weinerlich
zu werden, steigerte noch die Wirkung seiner Argumentation;
dies war die Tonart, mit der die vielfach gebrannten
Zeitgenossen mit den Zeitläuften fertigzuwerden gewohnt
waren. Denn dieser feinsinnige poeta doctus konnte,
wenn?s nottat , durchaus grob werden und Worte wie Waffen
gebrauchen, die wehtun, verletzen, zu Boden werfen können.
Man lese nur, wie er seine hitlerhörigen Landsleute
charakterisiert: ?Ein Volk (?) im ganzen unberührt von
der moralischen und ästhetischen Verfeinerung benachbarter
Kulturländer, philosophisch von konfuser idealistischer
Begrifflichkeit, prosaistisch dumpf und unpointiert
(?) läßt eine antisemitische Bewegung hoch, die ihm
seine niedrigsten Ideale phraseologisch verzaubert,
nämlich Kleinbausiedlungen,
darin subventionierten, durch Steuergesetze vergünstigten
Geschlechtsverkehr, in der Küche selbstgezogenes Rapsöl,
selbstbebrüteten Eierkuchen, Eigengraupen, am Leibe
Heimatkurkeln, Gauflannel und als Kunst und Innenleben
funkisch gegrölte Sturmbannlieder (?) Ein Turntreck
im Garten und auf den Höhen Johannisfeuer ? das ist
der Vollgermane. Ein Schützenplatz und der zinnerne
Humpen voll Bock, das sei sein Element.? (Ebd., Bd.
1: 315f)
Wahrlich,
in diesen späten Jahren war er kein versponnener Schwärmer
mehr, gab sich keinen Täuschungen über das Beharrungsvermögen
des Soseins hin, trug den Daseinsnotwendigkeiten durchaus
Rechnung, war auch seinem Lebenswandel nach kein Bohemien,
ging kein Risiko ein, wußte sich seiner Haut zu wehren
? mit Zynismus, mit Rollenspielen und Täuschungsmanövern.
Dies war seine Strategie des Doppellebens, wie er sie
im Prosastück ?Der Ptolomäer? (1947) den Zeitgenossen
als Mittel anempfahl, das Eigene im Ansturm des Fremdbestimmten
zu bewahren. Der ?Ptolomäer? also ? mit der abgrundtiefen
Fremdheit zwischen dem Ich und der Welt (wie Benn selbst)
wohlvertraut, versucht er gar nicht, sie zu überbrücken,
sondern täuscht vor: Anpassungsbereitschaft, Bürgertugenden,
Interesse für Mitmenschen, sogar sozial-politisches
Engagement, kurz: ?Normalität?. Als Inhaber eines Salons
für Kosmetik betreibt er die Erzeugung des schönen Scheins
als eine einträgliche Einkommensquelle. Milde und tolerant,
ist er bereit, jedem der Kunden in seinen politischen,
ethischen und sonstigen Ansichten zuzustimmen. Ja,
er zwingt sich sogar ?beifälliges Gemurmel? (Ebd.) ab,
wenn die Zeitgenossen ?das Leben mit Haut und Haar
fressen, seine letzte Blödheit, seine niedrigste physiologische
Fassung als Verdauung, als Sperma, als Reflexe.? (Ebd.)
Und
doch sind das alles ?Ablenkungsmanöver?, die sein wahres
Selbst unsichtbar machen sollen. Hinter der unauffälligen
Bürgermaske verborgen pflegt er den Reichtum ?seiner
geistigen Visionen?, hält er den Kopf für schwindelerregende
(kunst)metaphysische Erlebnisse frei: ?Nein, ich bin
kein Pessimist ? woher ich stamme, wohin ich falle,
das ist alles überwunden (?). Ich trage kein Wissen
um meine ?Geworfenheit?, wie die modernen Philosophen
(?). Sich abfinden und gelegentlich auf Wasser sehen.
Handgriffe, Lotion, Kundendienst für das psychophysische
Ideal ? ganz auf der Höhe: ein vielgewanderter, selbständig
gewordener Coiffeur. Die Erfahrungen des Lebens und
dann in gewissen Stunden dieses Erdteils letzter Traum.
Die Geier und die Wasserrosen, das Geschäft und die
Halluzinationen.? (Benn 1978 (2): 256) ?Wir alle leben
etwas anderes, als wir sind?? (Ebd., 212).
Dieser
Haltung wußte Benn die Würde der klarsichtig das Gesetz
der historischen Stunde durchschauenden Erkenntnis
zu verleihen. Sein Fazit der Perspektiven: es werde
kein ?Nach-dem-Nihilismus? geben, keine neue Mutation
der abendländischen Menschheit, nur noch stagnierendes,
auf seine primitivsten Funktionen reduziertes Dasein.
Die
Entsubstanzialisierung der Geschichte? die Entsubstanzialisierung
der Begriffe? die Entsubstanzialisierung der Menschenperson
? ?das Innere ein Vakuum /?/ die Persönlichkeit /wird
gewahrt von den Anzügen?, ?die historischen Religionen
von fünf Jahrhunderten zertrümmert?, die ?ideologischen
Draperien? zerfetzt.
Ja,
dies sei wahrlich die Stunde der Introvertierten, welche
sich in eine beinahe schon ?autistische Realität? zurückziehen,
um dort Gesichten? Berauschungen zu leben. Die Stunde
der mönchischen Existenzen ? der ?schwarzen Kutten,
welche durch Entschluß, Riten, Verzicht auf das Gewohnte
(?) die Weltausweitung löschen und in einer stummen
Tat (?) die Vereinigung der verlorenen Dingwelt vollziehen.?
(Ebd., 223)
Es
ist Benns eigene Haltung. Ein vornehmes Über-den-Dingen-Stehen,
Sich-Offenhalten für die Schicksalsstunden
der Seele? der Poesie, wenn man ?schweigt und
die Ewigkeiten vorüberziehen, alles sich zu Schweigen
und Traum? sammelt; ?gesteigertes, provoziertes Leben
? Spannungen, Extraits? (Ebd., 247) mit weit ?geöffneten
Gesichten, Ein- und Ausstrahlungen immenser Art, weiten
Fugen und Gewölben? (Ebd., 247), ?entwicklungsloses
Bewußtsein, steil und tatenlos, in sich gekehrt unter
Böen aus Nirvana? (Ebd., 251) ? dies also an Stelle
des weltverändernden Elans, der ruhelosen Lebensneugierde
und ?lust, auch an Stelle der bürgerlichen Emsigkeit.
Statt der vielen Reize, wie sie die Zivilisation an
den modernen Phänotyp heranträgt, die Konzentration
auf das Allerwesentlichste ? die Arbeit am ?Ausdruck?,
dem einzigen, das ?verweilt?. Statt ?Parolen?, politischen,
weltanschaulichen etc. Gemeinplätzen, das nachdenkliche
Graben in den eigenen existentiellen ?Beständen.? (Ebd.,
232) ?Panoptikum, Bilder, Fragmente? von ?Fragen koloriert?
(Ebd., 226), ?die hohe Ästhetik des Glasbläsers? (Ebd.,
241), welcher die Welt ?als Hauch aus einem Pfeifenrohr?
(Ebd., 232) hervorzaubert und wieder ?zu einem Nichts
in sich zusammensinken läßt?, statt des ?Schwindel(s)
mit auswattierten Substanzsätzen? (Ebd., 252), will
heißen statt des Denkens in Zusammenhängen ? logischen
und historischen Kausalitäten. Und: kein Zappeln angesichts
des Unvermeidlichen; nur: gelassenes Sichabfinden. ?Statisch?
die auf diesen Voraussetzungen aufgebaute Existenz.
?Statisch? ? so bezeichnet er sie selbst ? die Gedichte,
mit denen er 1948 zum kometenhaften Aufstieg der Nachkriegsjahre
den Anlauf nahm. Im Titeltext konnte man das lesen und
die sprachbewußte Prägnanz der Formulierungen sorgte
dafür, daß man sich an diesen Zeilen berauschte: ?Entwicklungsfremdheit/
ist die Tiefe des Weisen,/ Kinder und Kindeskinder/
beunruhigen ihn nicht,/ dringen nicht in ihn ein./ Richtungen
vertreten,/ Handeln,/ Zu- und Abreisen/ ist das Zeichen
einer Welt,/ die nicht klar sieht./ (Benn 1978 (3):
236)
Es
stellt sich die Frage nach den Voraussetzungen, somit
nach der Repräsentivität und Aussagekräftigkeit solchen
Dichtertums. Ich hole zunächst aus. In ?Menschen getroffen?,
für mich einem der schönsten Gedichte von Benn stehen am Ende Zeilen, deren nachdenkliche
melancholische Warmherzigkeit in seinem gesamten Ouevre
völlig singulär ist:
Ich habe mich oft gefragt
und keine Antwort gefunden,
woher das Sanfte und
Gute kommt,
weiß es heute nicht und
muß nun gehn (Ebd., 321)
Man
lasse sich nicht täuschen, auch nicht durch die von
Benn zur Schau getragene Abgeklärtheit. Er war ein Menschenverächter,
vergleichbar darin mit Karl Kraus, Louis Ferdinande
Celine, Thomas Bernhard, welcher übrigens ebenfalls
Gelassenheit als Adelszeichen des wahrhaft souveränen
Geistes zu bezeichnen pflegte. Auch jenen berühmten
Satz von Kraus hätte Benn gewißlich gern beherzigt,
(nur freilich statt ?Wien? Berlin sagen müssen): ?Die
Volkszählung hat ergeben, daß Wien 2030834 Einwohner
hat. Nämlich 2030833 Seelen und mich?. Was sich Elias
Canetti zu diesem misanthropischen Bonmot einfallen
ließ, trifft übrigens auf Benn ebenfalls bestens zu:
?der Plural rückt es (das Wort ?Seele? ? Z.Ś.)
in die Nähe der Toten Seelen Gogols, es sind Seelen,
die eben keine mehr sind. In ihrer Vielzahl wird ihnen
ihr Leben abgesprochen. Alle zusammen werden einem Einzigen
entgegengestellt, der ?Ich? heißt, und dieses Ich wiegt
sie auf (?).? (Canetti 1989, 254) Man kennt indes das
Sprichwort ?wenn zwei dasselbe sagen??. Kraus war es
um moralische Integrität? innere Wahrhaftigkeit der
Menschenperson zu tun. Auch Bernhards Schelttiraden
haben ihr Maß in ? ich habe mir diese für viele sicherlich
ziemlich überraschende These wohl überlegt ? der altehrwürdigen
Idee eines Menschentums, das unprätentiös Gutes will
und tut? Das dürfte Benn ? ich will es in seinem schnoddrigen
Originalton sagen ? völlig schnuppe gewesen sein; über
moralische Fehltritte der Mitmenschen regte er sich
nicht im geringsten auf, so wie ihn auch die Greuel
der modernen Geschichte kaum anrührten. ?Das Jahrhundert
der Wölfe?? Aus seiner Sicht eine hysterische, weil
aus Extremfällen abgeleitete Diagnose. Den dominierenden
Epochentypus sah er vielmehr so: ?Individualitäten!
Orgasmus zu einer Stunde, später Weihwasser, auch Teilnahme
an Festen. (?) Gespenster! Leere! Gliedloses Gewoge!
(?) Reize, Gewohnheiten, Verstimmungen der Höchstfall
der Besonderheiten.? (Benn 1978 (2): 131f) ?Haltung,
Mienen, Grimassen, alles Aufwärtsbewegungen
(?)? (Ebd., 135). Er hält dagegen: ?Das Wesen
des Menschen ist die Gestaltungssphäre. Nur in der Gestaltungssphäre
wird der Mensch erkenntlich, nur in ihr werden die Gründe
und Hintergründe seiner Erschaffung klar (?)? (Ebd.,
132). Und: ?Aus mir spricht die Zersetzung, wurde mir
öfter erwidert. Nein, antwortete ich (?), aus mir spricht
der abendländische Geist, der ist allerdings die Zersetzung
des Lebens und der Natur, ihre Zersetzung und ihre
Neusetzung aus menschlischem Gesetz (?).? (Ebd., 142)
?Degeneriert? seien vielmehr die ?Völker?, ?die in
dem hausfraulichen Sinne den Geist eines durch zentrale
Belieferung stillbaren Wohn-, Siedlungs- und Heimtriebes
lehren? (Ebd., 132), ?erschöpft? die Rasse, die dem
?Glauben an das Leben? (Ebd., 246) verfallen war, statt
sich von ?sublimeren denkerischen Bedürfnissen? (Ebd.,
236) leiten zu lassen?
Das
ist, muß man anmerken,
ziemlich willkürlich dekretiert. Denn ?degeneriert?
und ?erschöpft? sei die Menschheit nach Benns Bestimmungen
immer schon gewesen und immer schon war den Menschen
das Leben ?der Grenzbegriff, das Wasser, das Palmenprofil
in der Wüste? (Ebd., 246) und ?der Wohn-, Siedlungs-
und Heimtrieb? ein Leitstern ihres Tuns und Strebens.
Höchstens in der ? stark idealisierten ? Glanzzeit des
alten Griechenlands findet Benn einen Phänotyp, der
seinen Vorstellungen vom ?Wesen des Menschen? entspricht:
schöpferisch genug, um Götter und Mythen zu zeugen,
und auch der eigenen Existenzweise
?Ausdruck?, ?Form?, ?metaphysische Begründung? zu geben.
Es
war dieser Gottfried Benn
ein Künstler wie der von Thomas Mann zum paradigmatischen
Fall der modernen Kulturkrise tiefsinnig
stilisierte Adrian Leverkühn: ein Zerebralmensch
in der Nachfolge Schopenhauers und Nietzsches, der ?Tiefe?,
für den ?das Leben kein zentrales, kein existentielles
Gewicht? (Ebd., 246) besaß. Lag es an der gleichen (An)triebsschwäche,
welche ? wieder bietet sich eine Thomas Mannsche Gestalt
zum Vergleich an ? den Senator Thomas Buddenbrook dem
Alltag entfremdet? ihn eine ?ptolomäische Doppelexistenz?
führen läßt ? mitten unter ?lauter fertige(n) Persönlichkeiten,
in denen Lebenswendung, Berufung, innerer Wandel immer
in gradliniger, einfach zu beschreibender Form? (Ebd.,
136) vorging? Es muß so gewesen sein. Wie hieß es doch
bei Benn? ?Nichts gegen die Ordnung der Erde? (Ebd.),
?aber in uns ist etwas, das das nicht mitmacht, das
sich irritieren läßt, sich von außen nach innen wendet.?
(Ebd., 224)
Zitierte Literatur:
?
Gottfried Benn: Gesammelte
Werke 1-4. Stuttgart 1978.
?
Elias Canetti: Das Gewissen
der Worte. Essays. Frankfurt am Main 1985.
?
Franz Fühmann: Briefe
1950-1984. Rostock 1994.
?
Dieter Wellershoff: Gottfried
Benn. Phänotyp dieser Stunde. Frankfurt am Main / Berlin
1959
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